mini|hochkant=1.5|Hauptgebäude der RWTH Aachen Das Hauptgebäude der RWTH Aachen ist das Haus Templergraben 55 in Aachen und Sitz der Verwaltung der Rheinisch-Westfälischen Technischen Hochschule.
Geschichte Gründung Die Gründung der Polytechnischen Schule in Aachen geht auf eine Geldspende der Aachener und Münchener Feuerversicherungsgesellschaft an den Kronprinzen Friedrich Wilhelm zurück. Dieser war nach der Beendigung seiner Hochzeitsreise mit Prinzessin Victoria von Großbritannien und Irland bei Herbesthal wieder auf deutschen Boden eingetroffen und wurde dort am 4. Februar 1858 von den Vertretern der Rheinprovinz empfangen. Die Aachener Bürger gaben im Rathaus einen Empfang für das Paar. Bei dieser Gelegenheit überreichte der Regierungspräsident Friedrich von Kühlwetter dem Kronprinzen im Namen der von David Hansemann 1825 gegründeten Aachener und Münchener Feuerversicherungsgesellschaft ein Geschenk von 5000 Talern, die er zur Förderung einer Polytechnischen Schule im Rheinland nach dem Vorbild der École polytechnique in Paris nutzen wollte. Nach fünf Jahren der Diskussion über den Standort und Angeboten der Städte Köln, Aachen, Düsseldorf, Koblenz, die sich darum beworben hatten, fiel die Wahl am 14. November 1863 auf Aachen. Diese Entscheidung wurde dadurch erleichtert, dass die Aachener Industriellen und besonders die Aachener und Münchener Feuerversicherungsgesellschaft mit ihrer Tochtergesellschaft, dem Aachener Verein zur Beförderung der Arbeitsamkeit, bereit waren, enorme Summen in das Projekt ‚Polytechnische Schule‘ zu investieren. Während Köln bei der Übernahme des Schulgeldaufkommens zögerte, stellte Aachen das Grundstück und einen Baukostenzuschuss von etwa 200.000 Talern zur Verfügung. Der preußische Staat selbst wollte nur etwa ein Viertel der geschätzten Betriebskosten von 40.000 Talern übernehmen.
Für Aachen als Standort einer Polytechnischen Schule sprach vor allem die Industrie, die sich in und um Aachen ausgebreitet hatte. Köln dagegen entsprach eher einer Handels- als einer Industriestadt.
Nachdem Aachen feststand, gab es noch weitere Diskussionen über den Standort innerhalb Aachens. Zur Auswahl standen dabei das Grundstück an der Nordseite des Templergrabens, im Besitz der Armenverwaltung, und eines im heutigen Rehmviertel, zwischen Köln- und Adalbertstor gelegen, das dem Aachener Großunternehmer Gerhard Rehm gehörte. Am 20. August 1864 teilte die Aachener Regierung dem Handelsminister Graf von Itzenplitz die Entscheidung zugunsten des Grundstücks am Templerbend mit, welches dieser dann am 19. September als Bauplatz genehmigte. Das Grundstück war 3 2/3 Morgen, also etwa 11.000 m² groß und lag zwischen dem Templergraben und dem damaligen Bahnhof Templerbend, der zugunsten von Erweiterungsmaßnahmen der Hochschule 1905 nach Aachen-West verlegt wurde.
Bau Das Hauptgebäude der RWTH-Aachen wurde zwischen 1865 und 1870 errichtet. Architekt und Bauleiter war Robert Ferdinand Cremer (1826–1882). Sein Vater, der so genannte „Schinkel Aachens“, hatte unter anderem das Theater, den Elisenbrunnen und das alte Regierungsgebäude, in dem heute das Historische Institut und das Hochschularchiv der RWTH Aachen untergebracht sind, gebaut. Cremer war zu dieser Zeit Bauinspektor in Aachen und mit der Restaurierung des Aachener Münsters betraut. Am 9. Februar 1864 vergab der Berliner Handelsminister Graf von Itzenplitz nach dem Vorschlag des Aachener Regierungspräsidenten Friedrich Kühlwetter den Bauauftrag für die Polytechnische Schule an Cremer, der sofort eine Studienreise zu anderen Polytechnischen Schulen antrat, um sich von deren Gebäuden inspirieren zu lassen. Nachdem er unter anderem die Polytechniken in Karlsruhe, Stuttgart, Hannover und Zürich besucht hatte, legte er dem Handelsministerium in Berlin am 2. November 1864 zwei Entwürfe vor. Der erste, von Aachens Regierungspräsidenten Kühlwetter bevorzugte Entwurf sah ein Gebäude im gotischen Stil vor, der andere eines im italienischen.
In der Tat lässt sich die Ähnlichkeit des Aachener Hauptgebäudes zu den Hauptgebäuden der Universitäten in Stuttgart, Dresden und Zürich nicht leugnen. Als Erstes wurde der Bau der Polytechnischen Schule am Antonsplatz in Dresden errichtet.Arthur Weichold: Die zerstörten historischen Gebäude der Technischen Hochschule Dresden. In: Kurt Koloc (Hrsg.): 125 Jahre Technische Hochschule Dresden. Festschrift. Berlin 1953, S. 241. Prof. Gustav Heine, Lehrer für Architektur an der Technischen Bildungsanstalt, wurde mit dem Entwurf beauftragt. Aufgrund von Zwistigkeiten mit dem Gutachter Prof. Sänger wurde ein neuer Gutachter herangezogen, der Zürcher Professor Gottfried Semper. Das am 8. September 1846 eröffnete Gebäude ist eine von Semper überarbeitete Version des Entwurfes von Heine. Semper gewann 12 Jahre später einen Architektenwettbewerb um den Entwurf des neuen Hauptgebäudes der Eidgenössischen Technischen Hochschulen Zürich. 1864 wurde es fertig gestellt. Zur selben Zeit wurde der Bau des Hauptgebäudes der Polytechnischen Schule in Stuttgart abgeschlossen. Architekt war Joseph von Egle.
Am 28. April 1865 entschied sich das Berliner Ministerium für das Gebäude im italienischen Stil. Bereits am 5. Mai fand eine inoffizielle Grundsteinlegung statt, die am 15. Mai unter Anwesenheit des Königs Wilhelm I. feierlich wiederholt wurde und bei der dem Architekten Robert Cremer der Titel eines Baurates verliehen wurde. Am selben Tag wurde auch die 50-jährige Zugehörigkeit des Rheinlandes zu Preußen gefeiert, die ursprünglich in Köln stattfinden sollte, aber aufgrund des aktuellen Anlasses der Grundsteinlegung nach Aachen verlegt wurde.Siehe dazu die Festschrift Die Jubel-Huldigungsfeier der Vereinigung der Rheinlande mit der Krone Preußen.
Baubeschreibung Im Jahre 1868 wurde das Hauptgebäude vollendet. Ursprünglich plante Cremer einen großen Baukörper mit ausgedehntem Innenhof, entschied sich dann aber für eine hufeisenförmige, dreiflüglige Anlage, die durch einen Quertrakt an der hinteren Seite ergänzt werden sollte. Der Quertrakt wurde leicht versetzt zum Hauptgebäude errichtet, um den Innenhof befahren zu können.
Das Hauptgebäude besteht aus Backstein, der an den Schauseiten mit Naturstein verkleidet wurde. Die Natursteine sind alle rheinischen Ursprungs: Der Sockel ist aus Drachenfels-Trachyt aus dem Siebengebirge, im hinteren Teil aus Basaltlava. Darauf folgt roter Trierer Sandstein, die Obergeschosse bestehen aus Tuff aus der Eifel, aus der Gemeinde Brohl. Durch den Materialwechsel entstand ein bemerkenswerter Farbwechsel, der bis heute zu bewundern ist.
Das Hauptgebäude konnte seine äußere Erscheinung über die Jahre hinweg bewahren. Es ist dreigeschossig und auf hohem Sockelgeschoss errichtet. Die vier Ecken sind durch Risalite betont, wie auch der Haupteingang mit der Freitreppe am Templergraben durch einen Mittelrisalit hervorgehoben wird. Die einzelnen Geschosse sind durch kräftige Gesimse getrennt, die zusammen mit der alle Schauseiten umlaufenden Attika aus Pfeilern und Balustern für eine starke horizontale Betonung sorgen. Die hohen, dicht gereihten Rundbogenfenster wirken gemeinsam mit den Risaliten dieser horizontalen Betonung entgegen, wodurch die für den Klassizismus typische Ausgewogenheit erreicht wird. Auf der Attika des Mittelrisalits standen ursprünglich fünf Figuren, die aber nach dem Zweiten Weltkrieg verloren gingen. Die Eckbekrönungen der Seitenrisalite in Form von Adlern, die nachträglich seitens der Königlichen Regierung angeordnet wurden, stehen bis heute. Die Hofseite des Gebäudes wurde im Ziegelrohbau belassen.
Der hintere Quertrakt des Hauptgebäudes war ein unverputzter Backsteinbau, ehemals dreigeschossig, 15-achsig und mit zwei Seitenrisaliten versehen. 1910 wurde ein Teil abgerissen, um Platz für eine Kraftzentrale zu schaffen. Im Zweiten Weltkrieg wurde der Bau dann durch Schädigungen auf einen Rest von sieben Achsen weiter reduziert, der heute „Efeuhaus“ genannt wird und einem Teil der Verwaltung Obdach gewährt.
Im Quertrakt hinter dem Hauptgebäude befanden sich die Räume der Theoretischen und Technischen Chemie und des Eisenhüttenwesens, im Hauptgebäude die Aula, Verwaltung, Kastellanwohnung und Werkstätten, sowie die restlichen Disziplinen: Architektur (I), Bau- und Ingenieurwesen (II), Maschinen- und Ingenieurwesen, Allgemeine Wissenschaften (Mathematik und Naturwissenschaften) (V).
Die Schule war zunächst für 500 Studenten gedacht. Schon 1875 besuchten 450 Studenten das Aachener Polytechnikum. 1872/73 hatte man bereits durch einen Anbau am Haupttreppenhaus zwei Zeichensäle, mehrere Professorenzimmer und Sammlungsräume schaffen müssen, nachdem vorher aus Platzmangel durch die repräsentative Aula eine Zwischendecke gezogen wurde und auch sie zum Zeichensaal umfunktioniert wurde.
Gedenktafel zu Ehren der Gefallenen im Ersten Weltkrieg mini|Das Haupt-Treppenhaus mini|Gedenktafel am Eingang zur Aula mini|Ausschnitt der Gedenktafel Im Haupt-Treppenhaus, am Ende des ersten Treppengangs, bereits von unten sichtbar, befindet sich die repräsentative Aula der RWTH, die den Namen ihrer Stifterin trägt, der Aachener und Münchener Versicherung. Die Aula wurde mit Hilfe einer Spende seit 1939 gebaut und im Oktober 1940 feierlich eingeweiht. Hier werden Vorlesungen, Festveranstaltungen, Verleihungen von Ehrentiteln und öffentliche Vortragsreihen gehalten.
Eine Gedenktafel mit einer in Marmor gravierten NamenslisteVollständige Abschrift der Namen auf denkmalprojekt.org, abgerufen am 29. Mai 2017. erinnert am Eingang zur Aula an etwa 170 Gefallene aus dem Ersten Weltkrieg, wie man zunächst einmal anhand der beigefügten Todesdaten (ausschließlich im Zeitraum 1914–1918) erschließen kann. Darüber ist in Gold gefärbten Großbuchstaben der Sinnspruch zu lesen: „Als es galt fürs Vaterland, treu die Klinge war zur Hand, doch es war zum letzten Gang“. Der Vers ist eine Anlehnung an die 3. Strophe des Studentenlieds Burschen heraus! (seit 1844 bekannt), in der es heißt:
„Burschen heraus! Lasset es schallen von Haus zu Haus! Wenn es gilt für’s Vaterland, treu die Klinge dann zur Hand, und heraus mit mut’gem Sang, wär es auch zum letzten Gang! Burschen heraus!“
Dieser Ruf „Burschen heraus!“ findet sich seitdem in vielen patriotischen Aufrufen zum Deutsch-Französischen Krieg 1870/71 und dem Ersten Weltkrieg; so auch im Aufruf des damaligen Rektors der TH Aachen, Adolf Wallichs, im Echo der Gegenwart vom 1. August 1914:Hermann-Josef Diepers: „Süß ist es und ehrenvoll, für’s Vaterland zu sterben“. In: OASE e. V. (Hrsg.): „… von aller Politik denkbar weit entfernt…“. Die RWTH – ein Lesebuch. Aachen 1995, S. 81–97, hier: S. 88.
„Kommilitonen! Der König ruft in schwerer Stunde das Volk zu den Waffen zur Verteidigung des geliebten Vaterlandes. Begeistert folgen wir diesem Rufe! Burschen heraus! Wenn es gilt fürs Vaterland, treu die Klingen dann zur Hand! habt Ihr so häufig gesungen, macht dieses Gelöbnis rasch zur Tat![…]“
Damit ist die Aussage des Spruchs der Gedenktafel, der nun nicht mehr im Konjunktiv, sondern im Präteritum steht, eindeutig: Die aufgelisteten Burschen, also wahrscheinlich Studenten, waren zur Stelle, als es galt, für das Vaterland zu kämpfen; jedoch war es ihr letzter Gang; das heißt, sie fielen in ihrer Pflichterfüllung für das Vaterland.