mini|rechts|hochkant=0.9|Historisches Amtswappen Die Geschichte der Stadt Esens beginnt um das Jahr 800. Erstmals wird Esens 1310 in seiner ursprünglichen Schreibweise Eselingis erwähnt. (PDF; 99 kB), abgerufen am 9. August 2024 Spätere Namen der Stadt waren Ezelynck (1420), Eselinge (1421) und Ezense (1424). Die Stadt war lange Zeit Hauptort des Harlingerlandes, das auch nach seiner Vereinigung mit Ostfriesland seine weitgehende Eigenständigkeit bewahren konnte. Mit dem Übergang Ostfrieslands an Preußen begann 1744 der langsame Abstieg der Stadt, der erst im 20. Jahrhundert beendet werden konnte, als der Tourismus an wirtschaftlicher Bedeutung gewann.
Mittelalter bis 1540 Ein genaues Gründungsdatum des Ortes ist unbekannt. Funde aus der Völkerwanderungszeit (Urnen in Norddorf, Langhäuser und Keramik aus dem frühen siebten bis zur Mitte des 8. Jahrhunderts) lassen eine kontinuierliche Besiedlung des Umlandes vermuten. Im Stadtgebiet selbst fehlen Hinweise auf eine jungsteinzeitliche oder bronzezeitliche Besiedelung. Vereinzelt wurden Relikte aus der römischen Kaiserzeit entdeckt. Vermutlich wurde der Ort um 800 als Handels- und Marktort auf dem sturmflutsicheren Geestrand unweit der Küste gegründet, um dem Bedürfnis der bäuerlichen Siedler, ihre Produkte über See zu verkaufen, Rechnung zu tragen.Karl-Ernst Behre, Hajo van Lengen: Ostfriesland. Geschichte und Gestalt einer Kulturlandschaft. Aurich 1995, ISBN 3-925365-85-0, S. 81. Der Ort der Stadtgründung war günstig gewählt. Von der Landseite führten drei Handelswege nach Esens, mit der Nordsee war der Ort durch ein schiffbares Sieltief verbunden. Die Stadt konnte sich so zu einem Marktort mit überregionaler Bedeutung entwickeln. Für das Jahr 1321 ist die Anwesenheit Niederländischer Kaufleute bezeugt.Herbert Obenaus (Hrsg.): Historisches Handbuch der Jüdischen Gemeinden in Niedersachsen und Bremen. Wallstein, Göttingen 2005, ISBN 3-89244-753-5, S. 570.
Mittelalterlicher Kern der Stadt ist das Straßenviereck um den Kirchhügel mit dem Marktplatz. Es gliederte sich in das Markt-, Steinstraßen- und das Jücherquartier. Mit der Erschließung des Neustädter Quartiers wurde der Mittelalterliche Siedlungskern abgerundet. Wann die erste Kirche in Esens errichtet wurde, ist unbekannt. Im 13. Jahrhundert wurde die St.-Magnus-Kirche an der Stelle errichtet, wo vermutlich zuvor eine Holzkirche gestanden hatte. Der Bau war eine dreischiffige Tuffsteinkirche, mit dem die Harlinger ähnlich wie die Brokmerländer oder andere ostfriesische Landesgemeinden ihre Eigenständigkeit von Landesherren zementierten.
mini|Graf Edzard I. um 1520/30. Gemälde von Jacob Cornelisz. van Oostsanen (auch genannt Jacob Cornelisz van Amsterdam). mini|hochkant|Der Junker-Balthasar-Brunnen in Esens
Im späten Mittelalter geriet das Harlingerland mit Esens unter den Einfluss der tom Brok. Von ihnen wurden die Häuptlinge von Stedesdorf als Vögte in Esens eingesetzt. In den Kämpfen um die Vorherrschaft in Ostfriesland wechselte Häuptling Wibet die Seiten, woraufhin die tom Brok 1426 Esens zerstören ließen. Nach dem Sturz des Häuptlingsgeschlechts aus dem Brokmerland stieg Wibet zum selbstständigen Häuptling des Harlingerlandes auf. Unter seiner Herrschaft wurde 1427/30 im Südosten des damals noch unbefestigten Marktfleckens die Burg Esens errichtet. Nach dem Sieg der Cirksena in den ostfriesischen Einigungskriegen fiel Esens ab 1440 in die Hände von Wibets Schwiegersohn Ulrich Cirksena, dem späteren Grafen von Ostfriesland. 1454 überließ Ulrich die Stadt dann seinem Neffen und treuen Gefolgsmann Sibet Attena. Unter seinem Sohn Hero Omken (1473–1522), der die Oberhoheit der Cirksena über das Harlingerland bestritt, wurde die Stadt 1490 mit Wall, Graben und vier Toren befestigt, was der Ausdehnung des Stadtgebietes enge Grenzen setzte, die erst gegen Ende des 19. Jahrhunderts überwunden wurden. Mehrfach versuchten die Cirksena in der Folgezeit (1494, 1515, 1524 und 1525), ihre Herrschaftsansprüche im Harlingerland mit der Belagerung der Hauptstadt zu unterstreichen. 1524 griff Graf Edzard von Ostfriesland das Harlingerland an und zwang Balthasar, den Sohn Hero Omkens, sich ihm zu unterwerfen. Nach einem daraufhin geschlossenen Vergleich musste Balthasar für den Abzug der gräflichen Truppen eine Summe von 4.000 Gulden zahlen und der Unterstützung der Vitalienbrüder entsagen. Zudem sollte die Burg in Esens geschleift werden, was aber nicht geschah. Balthasar ließ die Befestigungen der Stadt sogar noch ausbauen. So ließ er das Nordertor abtragen und dort einen Batterieturm sowie ein mit Schießscharten versehenes Gewölbe errichten. Rings um den Wall entstand ein Palisadenzaun.Helmut Jäger, Erhard Kühlhorn: Esens. - Historisch-Landeskundliche Exkursionskarte von Niedersachsen. Gütersloh 1978, S. 40.
Die Auseinandersetzungen mit den ostfriesischen Grafen gingen jedoch weiter. Als Enno II. als neuer Graf in Ostfriesland die Herrschaft übernommen hatte, wurde im Jahr 1529 zwischen den Parteien eine neue Vereinbarung getroffen, in welcher die gegenseitigen Ansprüche festgelegt wurden. Zuvor war ein Versuch, Balthasar trotz versprochenen Geleits zum Gefangenen zu machen, fehlgeschlagen. Ein Jahr später zwang Enno Balthasar dann in der Kirche zum Lehenseid glick anderen Junckern der Grafschap Ost-Friessland.Heinrich Schmidt: Politische Geschichte Ostfrieslands. (= Ostfriesland im Schutze des Deiches. Band 5). Rautenberg, Leer 1975, S. 146. und zum Verzicht auf den größten Teil seines Herrschaftsgebietes. Die Befestigungen von Esens wurden in der Folgezeit geschleift, die Burg jedoch nicht. Balthasar setzte sich zu seiner Schwester Onna, die mit dem dortigen Herren verheiratet war, in die Grafschaft Rietberg ab. Von dort gelangte er an den katholischen Herzog Karl von Geldern, einem erklärten Feind der protestantischen Cirksena, der ihm seine Unterstützung bei der Rückgewinnung seiner Herrschaft gewährte.
Damit brach Balthasar die so genannte Geldrische Fehde vom Zaun. Mit Gelderns Hilfe fiel er in Ostfriesland ein und richtete im ganzen Land schwere Verwüstungen und großes Leid an (siehe auch: Schlacht von Jemgum). Graf Enno war gezwungen, Balthasar seine alte Herrschaft zurückzugeben und weitere Zugeständnisse zu machen. Das Harlingerland stand allerdings von nun an unter offizieller Lehnshoheit Gelderns und verlor so seine Unabhängigkeit.
Zwischen 1537 und 1540 verlieh Balthasar Esens Stadtrechte. Zu dieser Zeit standen innerhalb der Stadtmauern schon mehr als 300 Häuser.
Mit Rückendeckung seines Verbündeten Karl von Geldern raubte und brandschatzte Balthasar in den Ländereien seiner Nachbarn. Damit brachte er sogar die sich sonst feindlich gegenüberstehenden Maria von Jever und Graf Enno dazu, sich gegen ihn zu verbünden. Mit seiner Unterstützung der Seeräuberei brachte er zudem die Hansestadt Bremen gegen sich auf. Im Sommer 1540 wurde die Stadt Esens von Truppen der mit Bremen verbündeten Herrschaft Jever belagert. Noch während der Belagerung starb der erkrankte Balthasar im Oktober 1540 als letzter männlicher Nachkomme seines Geschlechts.
Von der Herrschaft der Rietberger bis zum Beginn der ersten Preußischen Herrschaft (1540 bis 1744) Nach dem Tod Junker Balthasars fielen das Harlingerland und mit ihm Esens an seine Schwester, Onna von Rietberg, und deren Sohn Johann. 1547 wurden Stadt und Burg Esens durch einen zweiten Wall und Graben stärker befestigt. Dafür musste die alte Bürgerweide vor dem Herdetor weichen. Zum Ausgleich erhielten die Esenser 1563 eine neue Weide für 300 Schweine. Nach dem Aussterben der männlichen Linie der Grafen von Rietberg wurden die Grafen von Ostfriesland aufgrund der ehelichen Verbindung Ennos III. mit Walburga von Rietberg, die er 1581 in Esens geheiratet hatte, deren Nachfolger. Enno III. verzichtete 1600 im Berumer Vergleich aber zugunsten seiner Töchter auf Rietberg und erhielt dafür das Harlingerland mit Esens als Hauptstadt. 1597–1598 wütet die Pest erstmals in Esens.
Das Harlingerland blieb weiter rechtlich unabhängig, war jedoch in Personalunion mit Ostfriesland verbunden. So blieb die Kanzlei in Esens nach 1600 als Ober- und Appellationsgericht für das Harlingerland bestehen.Karl-Ernst Behre, Hajo van Lengen: Ostfriesland. Geschichte und Gestalt einer Kulturlandschaft. Aurich 1995, ISBN 3-925365-85-0, S. 157. Die Stadt diente den Cirksena bis zu deren Aussterben 1744 als zweite Residenz neben Emden und später Aurich. Ab 1611 ließen die ostfriesischen Landesherren auf der Burg in Esens Münzen prägen.
mini|Epitaph für Walburgis von Rietberg Am 26. Mai 1586 starb Walburgis von Rietberg kurz nach der Geburt ihres Sohnes im Alter von 30 Jahren in Esens. Mit ihr starb die Linie der Grafschaft Rietberg aus dem Hause Werl-Arnsberg aus. Ihre letzte Ruhestätte fand sie in der Magnuskirche in Esens, wo Enno II. ihr zu Ehren in der Magnuskirche ein Epitaph und ein Grabmal errichten ließ.
Während des Dreißigjährigen Krieges wurde Esens mehrfach besetzt. Zunächst zogen Truppen des Protestantischen Heerführers Ernst von Mansfeld nach Ostfriesland. Der machtlose Graf Enno III. gab seine Residenz Aurich preis und zog sich nach Esens zurück, wo er wie ein Gefangener lebte, da Truppen Ernst von Mansfelds ihm folgten, ihn festsetzten und ihm die 300.000 Taler stahlen, die laut den Bestimmungen des Berumer Vergleichs als Abfindung für die Abtretung des zunächst nicht zu Ostfriesland gehörenden Harlingerlandes durch die Grafen von Rietberg gedacht waren. Dieser Verlust hat Ennos Nachkommen in späteren Zeiten noch größere Schwierigkeiten bereitet., abgerufen am 9. August 2024 Nach dem Abzug der Mansfelder wurde die Stadt 1627 von Kaiserlichen Truppen unter Tilly besetzt. Anschließend besetzten hessische Truppen Esens. 1635 bricht zudem die Pest erneut aus.
In die Zeit des Dreißigjährigen Krieges fällt wohl auch die Ansiedelung der ersten Juden in Esens, von deren rund 300-jährigen Geschichte noch heute die Ruine der Synagoge, der jüdische Friedhof und das Museum im August-Gottschalk-Haus zeugen.
mini|Esens im Jahre 1714 Nachdem die alte Verbindung zum Meer durch Verlandungen und Eindeichungen für große Seeschiffe nicht mehr befahrbar war, wurde im späten 17. Jahrhundert in Bensersiel ein neuer Hafen für den Ort angelegt. Zu dieser Zeit bestanden in der Stadt acht Zünfte: die Schmiedezunft, die Woll- und Leineweberzunft, die Bäckerzunft, die Zunft der Barbiere, die Zunft der Schnitger, Küfer, Glaser und Zimmerleute, die Schusterzunft, die Krämer- und Wandschneiderzunft und die Zunft der Fuhrleute.
Nach dem Erlöschen des Ostfriesischen Fürstenhauses im Jahr 1744 fiel deren gesamter Besitz und damit auch das Harlingerland an das Preußische Königreich.
Erste Preußische Herrschaft (1744 bis 1806) Die Preußen schleiften die nicht mehr benötigte Burg und entfestigten schließlich auch die Stadt. Bereits 1745 wurden die Kanzlei und damit auch das Obergericht in Esens geschlossen und 1748 die Münzstätte nach Aurich verlegt, und Esens wurde damit zur kleinen Provinzstadt in der Region.
Als 1781 das Berliner Gesangbuch im Harlingerland eingeführt werden sollten, führte dies 1782/83 zu allgemeinen Protesten in der Region, an denen sich Esenser Bürger in der Stadt 1782/83 beteiligten sich Esenser Bürger mit Steinen und Knüppeln daran. Kurz darauf wurde es den Gemeinden freigestellt, das Gesangbuch zu nutzen.
Unter Holländischer, Französischer und Preußischer Herrschaft (1806 bis 1815)