Oberstenfeld [] ist eine Gemeinde des Landkreises Ludwigsburg in Baden-Württemberg, 40 km nördlich von Stuttgart. Sie gehört zur Region Stuttgart (bis 1992 Region Mittlerer Neckar) und zur Randzone der europäischen Metropolregion Stuttgart.
Geographie Geographische Lage Oberstenfeld liegt im oberen Bottwartal im Nordosten des Landkreises Ludwigsburg und hat Anteil an den Naturräumen Schwäbisch-Fränkische Waldberge und Neckarbecken.Naturräume Baden-Württembergs. Landesanstalt für Umwelt, Messungen und Naturschutz Baden-Württemberg, Stuttgart 2009 Im Norden und Osten grenzt es an die Löwensteiner Berge, westlich ragen die von Weinbergen überzogenen Anhöhen von Forstberg und Wunnenstein auf. Der Teilort Prevorst liegt auf den Waldhöhen der Löwensteiner Berge in einer Gemeindeexklave, umgeben von den Gebieten vierer Gemeinden des Landkreises Heilbronn und des Rems-Murr-Kreises. Mit wird an der Kreisgrenze nördlich von Prevorst die höchste Erhebung des gesamten Gemeindegebietes als auch des Landkreises Ludwigsburg gemessen.Landesamt für Geoinformation und Landentwicklung, 70174 Stuttgart: Gemeindehöhen Baden-Württemberg. Stand: 3. Mai 2021.
Nachbargemeinden Die nächstgelegenen Nachbargemeinden sind Beilstein im Norden und Großbottwar im Süden.
Gemeindegliederung Oberstenfeld besteht aus den drei Ortsteilen (Wohnbezirken) Gronau (Wohnbezirk II), Prevorst (Wohnbezirk III) und Oberstenfeld (Wohnbezirk I). Die offizielle Benennung der Ortsteile erfolgt durch vorangestellten Namen der Gemeinde und mit Bindestrich verbunden nachgestellt die Namen der Ortsteile. Die drei Ortsteile bilden Wohnbezirke im Sinne der baden-württembergischen Gemeindeordnung und die beiden Ortsteile Gronau und Prevorst bilden zusammen eine Ortschaft im Sinne der baden-württembergischen Gemeindeordnung mit eigenem Ortschaftsrat und Ortsvorsteher als dessen Vorsitzender. Für die Wahl des Ortschaftsrats wird die Unechte Teilortswahl entsprechend angewendet, Gronau und Prevorst bilden hierfür die beiden Wohnbezirke Wohnbezirk II und Wohnbezirk III. Die Ortsteile Gronau und Prevorst bildeten bis 31. Dezember 1971 die selbstständige Gemeinde Gronau. Zum Ortsteil Gronau gehört das Dorf Gronau. Zum Ortsteil Prevorst gehört der Weiler Prevorst. Zum Ortsteil Oberstenfeld gehören das Dorf Oberstenfeld, Burg und Gehöft Lichtenberg und der Wohnplatz Neuwirtshaus sowie die abgegangenen Ortschaften Glashausen, Kratzheim, Schmaleneck und Zum Hag.Das Land Baden-Württemberg. Amtliche Beschreibung nach Kreisen und Gemeinden. Band III: Regierungsbezirk Stuttgart, Regionalverband Mittlerer Neckar. Kohlhammer, Stuttgart 1978, ISBN 3-17-004758-2. S. 440–442 (PDF; 51 kB)
Gronau liegt unmittelbar nordöstlich von Oberstenfeld, Prevorst liegt ca. fünf Kilometer nordöstlich von Oberstenfeld in den Löwensteiner Bergen. Prevorst ist vom Rest des Gemeindegebiets getrennt und bildet eine Exklave zwischen dem Landkreis Heilbronn und dem Rems-Murr-Kreis. Mit 483 Metern über NN ist es der höchstgelegene Ort im Landkreis Ludwigsburg.
Flächenaufteilung
Nach Daten des Statistischen Landesamtes, Stand 2014.Statistisches Landesamt, Fläche seit 1988 nach tatsächlicher Nutzung für Oberstenfeld.
Geschichte mini|Oberstenfeld um 1900 Geschichte von Oberstenfeld Oberstenfeld entstand im 7. oder 8. Jahrhundert. Es wurde von dem bereits davor existierenden Dorf Boteburon, heute Großbottwar, besiedelt. Im Jahre 1016 wurde am Ort das Damenstift Oberstenfeld gegründet. Im Jahre 1357 übernahmen die Grafen von Württemberg dessen Schirmherrschaft. Das Stift, das 1540 die Reformation annahm, verblieb jedoch bis 1803 Teil der Reichsritterschaft und wurde erst dann von Württemberg vereinnahmt.
Im Dreißigjährigen Krieg hatte der Ort wie alle umliegenden Orte sehr zu leiden. Im Sommer 1693 wurde Oberstenfeld im Pfälzischen Erbfolgekrieg wie das benachbarte Beilstein durch französische Truppen in Brand gesteckt, wobei etwa ein Drittel des Ortes, darunter das Rathaus niederbrannten.
Mit der neuen Verwaltungsgliederung des jungen Königreichs Württemberg kam Oberstenfeld 1807 zum Oberamt Marbach. Im Jahre 1832 hatte der Ort etwa 1200 Einwohner. Da es zunächst zu keiner Ansiedlung von Industriebetrieben im Zuge der Industrialisierung kam, gab es im 19. Jahrhundert fast kein Wachstum des sich nordöstlich an das Stiftsgelände anschließende und sich längs der Markt- und Schmiedbergstraße hinziehenden Ortes. Erst der Bau der Bottwartalbahn setzte um 1900 wichtige wirtschaftliche Aspekte, doch war das Wachstum bis in die Zeit unmittelbar nach dem Zweiten Weltkrieg noch eher bescheiden. Bei der Verwaltungsreform während der NS-Zeit in Württemberg gelangte Oberstenfeld 1938 zum Landkreis Ludwigsburg.
1945 wurde der Ort Teil der Amerikanischen Besatzungszone und gehörte somit zum neu gegründeten Land Württemberg-Baden, das 1952 im jetzigen Bundesland Baden-Württemberg aufging. 1953 wurden in Oberstenfeld 1780 Einwohner gezählt. Die Ausweisung von Bau- und Industriegebieten brachte die Ansiedlung von Industriebetrieben und Wohnbevölkerung. Zu den bedeutendsten Industrieunternehmen zählten ein Werk der Getrag sowie die Firma Werzalit. Außerdem entwickelten sich aus regionalen Handwerksbetrieben weitere Industrieunternehmen. 1968 wurden etwa 3000 Einwohner gezählt. Die Ortsmitte erhielt ihre heutige Gestalt durch mehrere Flächensanierungen ab den 1970er Jahren. 1972 wurden Gronau und Prevorst eingemeindet, womit die Gemeinde über 7000 Einwohner zählte.
Geschichte der Ortsteile Auch der Ortsteil Prevorst [] sowie die Burg Lichtenberg gelangten 1357 von den Herren von Lichtenberg an die Grafen von Württemberg, die wenige Jahre zuvor (1350) schon Gronau von den Markgrafen von Baden erworben hatten. Prevorst gehörte hernach zur Gemeinde Gronau.
Waren die drei Orte ab 1810 noch gemeinsam dem Oberamt Marbach zugeordnet, so gelangte Oberstenfeld 1938 an den Landkreis Ludwigsburg, Gronau mit Prevorst hingegen an den Landkreis Heilbronn. Am 1. Januar 1972 wurde Gronau mit Prevorst jedoch unter Wechsel der Landkreiszugehörigkeit nach Oberstenfeld eingemeindet.
Der Ort Prevorst wurde durch Friederike Hauffe, geborene Wanner (1801–1829), die sogenannte Seherin von Prevorst, bekannt, über die Justinus Kerner einen Bericht schrieb.
Einwohnerentwicklung Einwohnerzahlen nach dem jeweiligen Gebietsstand. Die Zahlen sind Volkszählungsergebnisse (¹) oder amtliche Fortschreibungen des Statistischen Landesamtes Baden-Württemberg (nur Hauptwohnsitze). Jahr Einwohner 1. Dezember 1871¹ 2101 1. Dezember 1880¹ 2212 1. Dezember 1890¹ 2097 1. Dezember 1900¹ 2043 1. Dezember 1910¹ 2027 16. Juni 1925¹ 2071 16. Juni 1933¹ 2091 17. Mai 1939¹ 2110 13. September 1950¹ 2834 6. Juni 1961¹ 3175 Jahr Einwohner 27. Mai 1970¹ 4835 31. Dezember 1980 6814 25. Mai 1987¹ 7235 31. Dezember 1990 7666 31. Dezember 1995 8044 31. Dezember 2000 7933 31. Dezember 2005 8049 31. Dezember 2010 7897 31. Dezember 2015 7928 31. Dezember 2020 7893
Religionen Seit der 1534 durch Herzog Ulrich angeordneten Reformation sind die Gemeinden in Oberstenfeld evangelisch geprägt. Es gibt drei evangelische Gemeinden mit ihren jeweiligen Gotteshäusern. Die Cyriakuskirche befindet sich in Gronau, die Stiftskirche St. Johannes der Täufer in Oberstenfeld und die erst 1905 errichtete evangelische Kirche in Prevost. Diese drei Gemeinden gehören zum Kirchenbezirk Marbach der Evangelischen Landeskirche in Württemberg.
Nach dem Zweiten Weltkrieg bildete sich auch eine katholische Gemeinde mit der 1962 errichteten Hl.-Herz-Jesu-Kirche. Die Gemeinde gehört zur Seelsorgeeinheit Bottwartal im Dekanat Ludwigsburg der Diözese Rottenburg-Stuttgart.
Zudem gibt es in Oberstenfeld eine neuapostolische Kirche sowie eine Moschee. Die Moschee trägt den Namen Selimiye Camii und wird von der DITIB betrieben.
Politik mini|hochkant|Rathaus Gemeinderat In Oberstenfeld wird der Gemeinderat nach dem Verfahren der unechten Teilortswahl gewählt. Dabei kann sich die Zahl der Gemeinderäte durch Überhangmandate verändern. Der Gemeinderat in Oberstenfeld besteht nach der letzten Wahl aus den 18 (vorher: 19) gewählten ehrenamtlichen Gemeinderäten und dem Bürgermeister als Vorsitzendem. Der Bürgermeister ist im Gemeinderat stimmberechtigt.
Die Kommunalwahl am 9. Juni 2024 führte zu folgendem Ergebnis (mit Vergleichszahlen der vorigen Wahl):Wahlinformationen des Kommunalen Rechenzentrums
Parteien und Wählergemeinschaften %2024 Sitze2024 %2019 Sitze2019FW Freie Wähler Oberstenfeld 43,86 8 40,68 8CDUChristlich Demokratische Union Deutschlands 39,48 7 35,27 7SPD Sozialdemokratische Partei Deutschlands 16,66 3 24,05 4 Gesamt 100 % 18 100 % 19 Wahlbeteiligung 67,35 % 65,99 %
Bürgermeister mini|Altes Gemeindewappen am Ostportal der Fleckenkirche Bürgermeister waren von 1953 bis 1991 Manfred Läpple, von 1991 bis 2015 Reinhard Rosner und von 2015 bis 2025 Markus Kleemann (CDU). Seit 2025 ist Kai Kraning Bürgermeister.
Wappen und Flagge Das Wappen der Gemeinde zeigt: In Silber auf grünem Boden ein einhersprengendes schwarzes, silbern gesäumtes Ross, auf dem ein schwarz gerüsteter Reiter (ein Oberst) mit rotem Helmbusch und silbernem Schwert sitzt. Das Wappen geht auf ein seit 1681 benutztes Siegel zurück und versinnbildlicht den Ortsnamen.
Die Gemeindeflagge ist grün-weiß und wurde bereits vor 1935 geführt.
70px|links|GronauDas Wappen des Ortsteils Gronau zeigt in Silber auf grünem Boden eine grüne Eiche, deren Stamm von zwei roten Rosen begleitet ist. Das Wappen sowie eine grün-weiße Flagge wurden der damaligen Gemeinde Gronau am 30. März 1960 verliehen.
Städtepartnerschaft Seit September 2005 besteht offiziell eine Partnerschaft mit der italienischen Kleinstadt Verbicaro in der Provinz Cosenza. Viele italienische Mitbürger in Oberstenfeld stammen ursprünglich aus dieser 3000 Einwohner starken Kleinstadt in Kalabrien. Ein Schild am Ortseingang würdigt diese Städtepartnerschaft.
Kultur und Sehenswürdigkeiten Oberstenfeld liegt an der Württemberger Weinstraße, die an vielen Sehenswürdigkeiten vorbeiführt.
Bauwerke mini|Burg Lichtenberg Über Oberstenfeld thront die Burg Lichtenberg inmitten idyllischer Weinberge.
Die romanische Peterskirche mit Chorturm, auf einem Höhenzug etwa einen Kilometer nördlich des heutigen Ortskerns gelegen, ist die Hinterlassenschaft einer nicht mehr existenten Vorgängergemeinde. In heidnischer Zeit stand an dem Ort mit großer Wahrscheinlichkeit bereits eine Opferstätte, bis der Ort umgewandelt wurde für die christliche Gottesverehrung. In der ersten Hälfte des 11. Jahrhunderts wurde die ursprüngliche Holzkirche dann durch die jetzige Steinkirche ersetzt. Im 13. Jahrhundert wurde der Chor eingewölbt und die Kirche komplett mit Fresken ausgemalt, von denen einige noch erhalten sind. Die Kirche war fast in Vergessenheit geraten und blieb lange ungenutzt. 1973–1976 wurde sie jedoch restauriert und wird seitdem für evangelische und gelegentlich auch für katholische Gottesdienste genutzt. Die Peterskirche zählt zu den ältesten Sakralbauten in Württemberg.
Die zweitälteste Kirche der Gemeinde, die Cyriakuskirche, befindet sich im Ortsteil Gronau. Ihr Chorturm stammt aus dem 13. und 14. Jahrhundert. 1599 wurde sie umgebaut und erweitert. Im Innern befindet sich eine schöne Predigtkanzel mit einem ebenso schönen Aufgang.