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Dieser Artikel widmet sich den Beitrittskandidaten der Europäischen Union und jenen Staaten, die der EU beitreten möchten oder von verschiedener Seite als mögliche Beitrittskandidaten genannt werden.

des EU-Vertrags räumt jedem europäischen Staat das Recht ein, einen Antrag auf EU-Mitgliedschaft zu stellen. „Europäisch“ wird dabei in einem politisch-kulturellen Sinn verstanden und schließt die Mitglieder des Europarats – wie beispielsweise die Republik Zypern – mit ein.

Den offiziellen Status „Beitrittskandidat“ vergibt die EU an Staaten, die einen Aufnahmeantrag gestellt haben, welcher nach einer positiven Empfehlung durch die Europäische Kommission vom Rat der Europäischen Union einstimmig angenommen wurde. Das genaue Beitrittsverfahren wird im Artikel Erweiterung der Europäischen Union erläutert. Die Wahrung der Kopenhagener Kriterien spielt bei dem Beitrittsprozess eine entscheidende Rolle.

Auf dem Gipfel in Thessaloniki wurde 2003 die Integration der Staaten des ehemaligen Jugoslawiens – sogenannte Westbalkan-Staaten – als das nächste große Ziel der EU-Erweiterung festgelegt (siehe auch Westbalkan-Konferenz). Diese Staaten wurden von der EU als potenzielle Beitrittskandidaten bezeichnet. Seit den Beitrittsbemühungen Kroatiens und Nordmazedoniens ist es neue Praxis der EU, mit diesen potenziellen Beitrittskandidaten zunächst ein Stabilisierungs- und Assoziierungsabkommen (SAA) abzuschließen. Durch dieses wird der zukünftige Mitgliedstaat politisch und wirtschaftlich an die EU gebunden und man erhofft sich höhere Stabilität, bevor konkrete Beitrittsgespräche begonnen werden.

Die folgenden neun Staaten haben von der EU den offiziellen Status eines „Beitrittskandidaten“ zuerkannt bekommen.

Albanien

Die Bestrebungen zum Beitritt Albaniens in die EU reichen in das Jahr 2003 zurück, als der südosteuropäische Staat als erster der „potenziellen Beitrittskandidaten“ die Verhandlungen über ein Stabilisierungs- und Assoziierungsabkommen (SAA) aufnahm. Im Mai 2005 äußerte die damalige Regierung unter Ministerpräsident Fatos Nano die Hoffnung, im Jahr 2014 der EU beitreten zu können, da dieses Jahr das 25-jährige Jubiläum des Falls der Berliner Mauer markiert. Das SAA wurde 2006 offiziell unterzeichnet.

Die Ratifizierung des SAA (durch alle EU-Staaten und Albanien) wurde am 1. April 2009 abgeschlossen. Am selben Tag wurde Albanien in die NATO aufgenommen. Am 28. April reichte Albanien den formellen EU-Mitgliedschaftsantrag ein.

Am 16. September 2009 übergaben die Außenminister der EU den Beitrittsantrag der EU-Kommission in Brüssel. „Die Kommission muss das Gesuch nun prüfen, bevor Albanien offiziell den Status eines Beitrittskandidaten erhalten kann“, schrieb die Nachrichtenagentur AFP.

Am 17. Dezember 2009 erhielt Albanien einen Beitrittsfragebogen mit insgesamt 2280 Fragen, den der damalige Ministerpräsident Sali Berisha beantwortet am 14. April 2010 bei der Europäischen Kommission einreichte.

Seit dem 24. Juni 2014 ist Albanien offizieller Beitrittskandidat der Europäischen Union. Ende März 2020 wurde vom Europäischen Rat der Start von Beitrittsverhandlungen beschlossen. Die konkrete Aufnahme von Gesprächen wurde jedoch im November 2020 von den Niederlanden blockiert. Amsterdam wünschte zusätzlich zu den EU-Kriterien auch die Sicherstellung der Funktion des Verfassungsgerichts und die Umsetzung eines Mediengesetzes.

Im Juli 2022 konnte die Blockade beendet werden und die EU startete die Beitrittsverhandlungen.

Bosnien und Herzegowina

Am 16. Juni 2008 wurde nach dreijähriger Verhandlungsdauer mit Bosnien und Herzegowina das Stabilisierungs- und Assoziierungsabkommen (SAA) unterzeichnet.. Ende Juni 2012 mahnten die EU-Außenminister Verfassungsänderungen in Bosnien und Herzegowina an, ohne die der Beitrittsantrag erfolglos wäre. Der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte hatte diese in einem Urteil verlangt, da bestimmte Minderheiten durch die bisherige Verfassung davon ausgeschlossen sind, für öffentliche Ämter zu kandidieren.. Die Ratifizierung des SAA wurde im April 2015 abgeschlossen, sodass es zum 1. Juni 2015 in Kraft treten konnte.

Am 15. Februar 2016 reichte der Vorsitzende des bosnischen Staatspräsidiums, Dragan Čović, offiziell den Antrag auf Mitgliedschaft in der Europäischen Union ein. Am 15. Dezember 2022 wurde Bosnien und Herzegowina als Beitrittskandidat anerkannt.

Am 12. März 2024 empfahl die EU-Kommission die Aufnahme von Beitrittsverhandlungen. Am 21. März 2024 einigten sich die Staats- und Regierungschefs der Europäischen Union auf dem EU-Gipfel in Brüssel auf die Aufnahme von Beitrittsverhandlungen mit Bosnien und Herzegowina.

Georgien

Georgien ist Europaratsmitglied und beteiligt sich an den EU-Programmen Europäische Nachbarschaftspolitik (ENP) und TRACECA. Kulturell betrachten sich die überwiegend christlich-orthodoxen Georgier als Europäer.

Seit dem Kaukasuskrieg 2008 um die umstrittenen Territorien Abchasien und Südossetien fand eine deutliche Annäherung an die Europäische Union statt. Im November 2013 unterzeichnete Georgien im Rahmen der Östlichen Partnerschaft ein Assoziierungsabkommen mit der EU. Das wirtschaftliche und politische Assoziierungsabkommen wurde zwischen Georgien und der EU am 27. Juni 2014 in Brüssel geschlossen. Seit dem 1. September 2014 ist Georgien Mitglied der Vertieften und umfassenden Freihandelszone (DCFTA).

Am 3. März 2022 reichte Georgien ein EU-Beitrittsgesuch ein. Die Entscheidung dazu wurde wohl durch den Angriff Russlands auf die Ukraine im Februar 2022 beschleunigt, im Vorjahr war noch ein Beitrittsgesuch für 2024 angestrebt worden. Nachdem der Rat der Europäischen Union die EU-Kommission am 7. März aufgefordert hatte, zu dem Gesuch Stellung zu nehmen, erhielt Georgien am 11. und 19. April 2022 Fragebögen der EU. Georgien legte die Antworten zum 10. Mai vor. Am 17. Juni 2022 empfahl die Kommission, Georgien den Kandidatenstatus zu erteilen, wenn eine Reihe von Prioritäten erfüllt worden sind. Zu diesen Prioritäten gehören die Stärkung der staatlichen Institutionen, Justizreformen, Bekämpfung der Korruption, Reduktion des Einflusses von Oligarchen, Bekämpfung der organisierten Kriminalität, Achtung der Menschenrechte und Stärkung der Zivilgesellschaft.

Der Europäische Rat folgte am 23. Juni 2022 dieser Empfehlung und stellte Georgien den Kandidatenstatus in Aussicht, wenn Georgien Fortschritte bei diesen Prioritäten macht.

Am 8. November 2023 empfahl die Europäische Kommission dem Europäischen Rat, Georgien den Status eines Beitrittskandidaten zu verleihen, was am 14. Dezember 2023 geschah. Wegen des gewaltsamen Vorgehens der georgischen Regierung gegen Massenproteste wurde der Beitrittsprozess jedoch bereits im Juni 2024 wieder auf Eis gelegt.

Moldau

Moldau grenzt an Rumänien und die Ukraine. 1992 hat sich der östlich des Dnister gelegene Teil als Transnistrien einseitig abgespalten. Am 1. Juli 1998 trat das Partnerschafts- und Kooperationsabkommen (PKA) zwischen der EU und Moldau in Kraft. Rumänien bemüht sich um die Heranführung des Nachbarstaates an die europäischen Strukturen.

Im November 2013 unterzeichnete Moldau im Rahmen der Östlichen Partnerschaft ein Assoziierungsabkommen. Das wirtschaftliche und politische Assoziierungsabkommen zwischen Moldau und der EU wurde am 27. Juni 2014 in Brüssel geschlossen. Seit dem 1. September 2014 ist Moldau Mitglied der Vertieften und umfassenden Freihandelszone (DCFTA).

Am 3. März 2022 reichte Moldau ein EU-Beitrittsgesuch ein. Beobachter sehen einen Zusammenhang mit dem russischen Einmarsch in die Ukraine und den EU-Beitrittsgesuchen von Georgien und der Ukraine. Nachdem der Rat der Europäischen Union die EU-Kommission am 7. März aufgefordert hatten, zu dem Gesuch Stellung zu nehmen, erhielt Moldau am 11. und 19. April 2022 Fragebögen der EU. Moldau legte die Antworten zum 12. Mai vor. Am 17. Juni 2022 empfahl die Kommission, Moldau den Kandidatenstatus zu erteilen. Am 23. Juni erteilte der Europäische Rat auf einem Gipfeltreffen in Brüssel Moldau gemeinsam mit der Ukraine den Status eines Beitrittskandidaten.EU-Gipfel: Ukraine und Moldau sind Beitrittskandidaten. In: tagesschau.de. 23. Juni 2022, abgerufen am 23. Juni 2022.laut www.auswaertiges-amt.de (EU-Perspektive für die Republik Moldau, Stand: 4. Oktober 2022, abgerufen am 10. Februar 2023) ist Moldau seit dem 24. Juni 2022 Beitrittskandidat.

Am 21. Mai 2023 demonstrierten 80.000 Menschen in der Hauptstadt Chișinău für einen Beitritt Moldaus in die Europäische Union. Präsidentin Maia Sandu sagte, dass ihr Land der EU bis 2030 beitreten wolle. Sandu hielt ihre Rede teilweise auch in ukrainischer und russischer Sprache sowie in der Sprache der ethnischen Minderheit der autonomen Region Gagausien. EU-Parlamentspräsidentin Roberta Metsola sprach ebenfalls auf der Kundgebung. Sie sah die Republik Moldau „bereit für die europäische Integration“.Zehntausende bei pro-europäischer Kundgebung, Tagesschau, 21. Mai 2023. Am 8. November 2023 empfahl die EU-Kommission dem Europäischen Rat die Aufnahme von Beitrittsverhandlungen mit der Republik Moldau. Am 14. Dezember 2023 teilte Ratspräsident Michel mit, dass der Europäische Rat der Aufnahme von Betrittsgesprächen mit der Republik Moldau zugestimmt habe. Die Beitrittsverhandlungen starteten am 25. Juni 2024.Claudia Heider: EU beginnt Beitrittsgespräche mit der Ukraine und Moldau. In: br.de. 25. Juni 2024, abgerufen am 25. Juni 2024.

Montenegro

Das am 3. Juni 2006 unabhängig gewordene Montenegro möchte der EU beitreten und rechnet sich Chancen aus, dieses Ziel allein schneller zu erreichen, als wenn es in der Staatenunion Serbien und Montenegro verblieben wäre. Dieses Kalkül ist, was die Unterzeichnung des Stabilisierungs- und Assoziierungsabkommens (SAA) angeht, für Montenegro auch aufgegangen.

Am 12. Juni 2006 hat die EU Montenegro als Staat offiziell anerkannt. Die SAA-Verhandlungen mit Montenegro wurden Anfang Dezember 2006 abgeschlossen, die Paraphierung fand am 15. März 2007 statt. Am 15. Oktober 2007 wurde das SAA vom montenegrinischen Ministerpräsidenten Željko Šturanović im Beisein aller EU-Außenminister unterzeichnet. Die Ratifizierung des SAA (durch alle EU-Staaten und Montenegro selbst) trat am 1. Mai 2010 in Kraft.

Am 15. Dezember 2008 reichte Montenegro die offizielle Bewerbung um eine EU-Mitgliedschaft ein. Die Europäische Kommission übergab der montenegrinischen Regierung am 22. Juli 2009 den Beitrittsfragebogen mit circa 4000 Fragen. Am 9. Dezember 2009 wurden die beantworteten Fragen vom montenegrinischen Regierungschef Milo Đukanović dem EU-Erweiterungskommissar Olli Rehn in Brüssel feierlich überreicht.

Seit dem 19. Dezember 2009 können montenegrinische Staatsbürger visumfrei in die EU einreisen.

Am 9. November 2010 empfahl die Europäische Kommission den Beitrittskandidatenstatus für Montenegro. Am 10. Dezember 2010 wurde diese Entscheidung vom Europäischen Rat bestätigt. Die offizielle Verleihung des Kandidatenstatus fand auf dem EU-Gipfel am 17. Dezember statt.

In ihrem jährlichen Fortschrittsbericht zu den Kandidatenländern vom 12. Oktober 2011 schlug die EU-Kommission vor, die Beitrittsverhandlungen mit Montenegro aufzunehmen. Auf dem EU-Gipfel im Dezember 2011 wurde Montenegro die Aufnahme von Beitrittsverhandlungen zur Jahresmitte 2012 zugesagt. Diese Entscheidung wurde beim Gipfeltreffen der Staats- und Regierungschefs am 29. Juni 2012 offiziell bestätigt. Die Verhandlungen begannen am 18. Dezember 2012.

Am 22. April 2026 gab Erweiterungskommissarin Marta Kos den Beginn der Ausarbeitung des Beitrittsvertrags für Montenegro bekannt. Die Regierung von Montenegro teilte mit, einen Beitritt für das Jahr 2028 anzustreben.

Nordmazedonien