Delara Darabi (, * 29. September 1986 in Rascht; † 1. Mai 2009 ebenda) war eine Iranerin, die des Mordes an der Cousine ihres Vaters beschuldigt und trotz internationaler Proteste hingerichtet wurde. Zur Tatzeit war sie minderjährig.

Tatvorwurf Delara Darabi soll am 29. September 2003 als 17-Jährige, zusammen mit ihrem damals 19-jährigen Freund, Amir Hossein Sotoudeh, in das Haus der 58-jährigen Cousine ihres Vaters eingebrochen sein. Beim Einbruch überrascht, soll Amir Hossein Sotoudeh die Cousine ermordet haben. Delara Darabi gestand den Mord, nachdem ihr Freund sie darum gebeten hatte, die Verantwortung zu übernehmen, um ihn vor der Todesstrafe zu bewahren. Darabi ging davon aus, dass minderjährige Täter im Iran nicht hingerichtet werden, und willigte in das Geständnis ein. Später zog sie ihre Aussage zurück.Delara Darabi droht die Hinrichtung, Amnesty International, 9. April 2009.

Prozesse und Verurteilung In der Gerichtsverhandlung machte Delara Darabi die Aussage:

Das Gericht ließ den Widerruf nicht gelten. Am 27. Februar 2005 wurde Delara Darabi von der 10. Kammer des Allgemeinen Gerichts in Rascht zum Tode verurteilt. Der Oberste Gerichtshof hob die Todesstrafe wegen Verfahrensfehlern auf und verwies den Fall zur erneuten Verhandlung an das Gericht in Rascht.

Im Juni 2006 wurde Darabi nach zwei Verhandlungstagen in der Berufungsverhandlung vor der 107. Kammer des Allgemeinen Gerichts in Rascht erneut zum Tode verurteilt. Ihr Freund erhielt wegen Mittäterschaft 10 Jahre Haft. Zusätzlich wurden beide zu 50 Peitschenhieben wegen Raub und 20 Peitschenhieben wegen unerlaubter Beziehung verurteilt. Das Todesurteil für Darabi wurde vom Obersten Gerichtshof am 16. Januar 2007 und nach weiteren Rechtsmitteln nochmals im April 2007 bestätigt.Delara Darabi hingerichtet. Amnesty International, 5. Mai 2009.

Nach einem weiteren Wiederaufnahmeverfahren durch ihren Anwalt, Abdolsamad Chorramschahi, der von fehlerhafter kriminaltechnischer Untersuchung sprach, da eine Rekonstruktion am Tatort nie stattgefunden habe und die Verurteilung allein auf dem Geständnis von Delara Darabi beruhen würde und aus dem medizinischen Gutachten hervorgehe, dass der Mord mit der rechten Hand des Täters begangen wurde, Darabi jedoch Linkshänderin sei, wurde die Urteilsüberprüfung Ende 2007 an den Chef der Justiz, Ajatollah Mahmud Haschemi Schahrudi übergeben. Dieser bat das Berufungsgericht in Rascht um eine erneute Überprüfung. Über den von Schahrudi am 19. April 2009 erlassenen zweimonatigen Strafaufschub – um den Angehörigen des Opfers nach islamischem Recht die Möglichkeit der Zustimmung zur Aussetzung der Todesstrafe zu geben (siehe Blutgeld) – setzten sich die örtlichen Behörden hinweg.Jörg Lau: Hardliner machen mit Exekutionen Politik. In: Die Zeit. 5. Mai 2009.

Hinrichtung Am 1. Mai 2009 wurde Delara Darabi überraschend mit dem Strang hingerichtet. Um 7 Uhr morgens durfte Darabi noch ihre Mutter anrufen.Independent: Delara Darabi: 'Oh mother, I can see the noose', 4. Mai 2009 (englisch) Weder ihre Eltern noch ihre Anwälte wurden zuvor über die bevorstehende Hinrichtung informiert, obwohl der Anwalt nach iranischem Recht 48 Stunden vor der Vollstreckung benachrichtigt werden muss.Amnesty International: Delara Darabi hingerichtet, 5. Mai 2009.

Internationaler Protest Amnesty International hatte bereits am 6. Januar 2006 auf den Fall aufmerksam gemacht,Iran: Death penalty / legal concern: Delara Darabi Amnesty International, 6. Januar 2006 (englisch) nannte das Verfahren unfair, insbesondere habe das Gericht Beweise nicht gewürdigt. Vor allem die Tatsache, dass Darabi, wie auch Mahmoud Asgari und Ayaz Marhoni, zum Tatzeitpunkt nicht volljährig war, ist Anlass für Proteste. Seit 2005 sind laut Human Rights Watch nur vier weitere Staaten bekannt, die minderjährige Straftäter hinrichten ließen: Saudi-Arabien, Sudan, Pakistan und Jemen.Iran: Stop Imminent Juvenile Offender Executions. Human Rights Watch, 6. Mai 2009 (englisch) Amnesty International weist darauf hin, dass Iran seit 2007 das einzige Land ist, in dem derartige Todesstrafen noch vollstreckt werden.International protests against execution of Delara Darabi. Amnesty International, 6. Mai 2009 (englisch) Schätzungsweise 130 minderjährige Straftäter sitzen derzeit in iranischen Todeszellen.Außenministerium des Vereinigten Königreichs: . 7. Mai 2009 (englisch)Iran: Stop Imminent Juvenile Offender Executions. Human Rights Watch, 6. Mai 2009 (englisch)

Die tschechische EU-Ratspräsidentschaft erklärte, die Hinrichtung verstoße gegen die UN-Kinderrechtskonventionen, die der Iran unterzeichnet hat. der 11. Convention on the Rights of the Child (englisch) Wiederholt hatte die EU gegen die geplante Hinrichtung protestiert.EU protestiert gegen Hinrichtung von Iranerin. Spiegel Online, 2. Mai 2009. Human Rights Watch schloss sich der Kritik an:

Ausstellung Während ihrer Haft beschäftigte sich Delara Darabi mit der Malerei. Im Oktober 2006 veranstaltete eine iranische Journalistin und Frauenrechtlerin eine Ausstellung mit Darabis Werken in der Golestan-Galerie in Teheran unter dem Motto „Gefangene der Farben“, die sie im Gefängnis geschaffen hatte.Amnesty International: (PDF), April 2009. Am 28. April 2007 gab es eine Ausstellung in Amsterdam. Ihre ausdrucksstarken Kunstwerke sorgten auch international für Aufsehen.Iran: Todesurteil mit 17, Hinrichtung mit 23, Süddeutsche Zeitung Online, 17. Mai 2010. (Ursprüngliches Veröffentlichungsdatum: 2. Mai 2009.)

Einzelnachweise

Weblinks Zur Hinrichtung von Delara Darabi im Iran von Jörg Lau Internetseite von Unterstützern (englisch, persisch) A Prisoner of Colors, Videoreportage über Delara Darabi (englisch, persisch)

Kategorie:Hingerichtete Person (Iran) Kategorie:Hingerichtete Person (21. Jahrhundert) Kategorie:Person (Kinderrechte) Kategorie:Iraner Kategorie:Geboren 1986 Kategorie:Gestorben 2009 Kategorie:Frau