König der Toreros (Originaltitel: Blood and Sand) ist ein US-amerikanisches Filmdrama von Rouben Mamoulian aus dem Jahr 1941 mit Tyrone Power, Linda Darnell und Rita Hayworth in den Hauptrollen. Als literarische Vorlage diente der bereits mehrfach verfilmte Roman Blutige Arena (Sangre y arena, 1908) von Vicente Blasco Ibáñez.

Handlung Der junge Juan Gallardo hat den Traum, wie sein bereits verstorbener Vater ein gefeierter Stierkämpfer zu werden. Mit dem Kritiker Natalio Curro unterhält er sich über seinen Vater. Dieses Gespräch bringt ihn dazu, seine Heimatstadt Sevilla zu verlassen und nach Madrid zu reisen, um sich dort zum Torero ausbilden zu lassen. Seiner Jugendfreundin Carmen Espinosa verspricht er, als erfolgreicher Stierkämpfer zurückzukehren und sie zu heiraten.

Nach zehn Jahren kehrt Juan nach Sevilla zurück. Mit seinen Prämien als Torero unterstützt er nun seine verarmte Familie. Seiner Mutter baut er ein prächtiges Haus, seiner Schwester Encarnacion und ihrem Verlobten Antonio schenkt er Geld für die anstehende Hochzeit und den Bettler Garabato, ein ehemaliger Stierkämpfer, stellt er als Diener ein. Nun kann er auch, wie versprochen, Carmen heiraten.

Im Laufe der Zeit entwickelt sich Juan zum angesehensten Stierkämpfer Spaniens. Auch Curro, der ihn zuvor verrissen hat, ist voll des Lobes und bezeichnet sich selbst gar als Entdecker von Juan. Sein Bekanntheitsgrad lässt schließlich auch die Adelige Doña Sol des Muire auf ihn aufmerksam werden. Juans Mutter warnt ihren Sohn, vorsichtig zu sein, damit er nicht wie sein Vater endet, doch Juan glaubt weiterhin an sein Glück. Der immer größer werdende Ruhm blendet ihn und er gerät zunehmend unter den Einfluss der verführerischen Doña Sol. Schon bald vernachlässigt er seine Familie, seine Frau und seinen Beruf, um das aufwändige und dekadente Leben in vollen Zügen zu genießen.

Als Folge seiner Eskapaden leidet seine Kampfkunst zusehends und sein Stern beginnt zu sinken. Mit dem Verblassen des Ruhms zeigen ihm nun seine angeblichen Freunde die kalte Schulter. Seine Frau Carmen verlässt ihn, als sie von seiner Affäre mit Doña Sol erfährt, während diese sich nun dem aufsteigenden Matador Manolo de Palma zuwendet. Als Juan Carmen reumütig um Vergebung bittet, nimmt diese ihn wieder auf. Er ist fest entschlossen, sein Leben zu ändern, aber er braucht einen letzten Stierkampf, um sich erneut beweisen zu können, dass er noch immer der beste Torero Spaniens ist. Doch wie schon sein Vater wird Juan von dem Stier aufgespießt. Er stirbt in Carmens Armen, während die Menge Manolo, den neuen Star der Arena, nach dessen Sieg über den Stier ekstatisch feiert.

Hintergrund Vorgeschichte König der Toreros ist eine Adaption des Romans Blutige Arena des iberischen Schriftstellers Vicente Blasco Ibáñez, den dieser 1908 veröffentlichte und 1917 in Spanien selbst verfilmte. Eine Stummfilmversion unter dem Titel Blut und Sand bescherte Leinwandheld Rudolph Valentino 1922 eine seiner größten Rollen als Torero Juan Gallardo. 1940 kam dem Studioboss der 20th Century Fox, Darryl F. Zanuck, die Idee, die Rechte an dem Stoff zu kaufen und ein Remake von Blut und Sand zu drehen, nachdem das Publikum begonnen hatte, seinen größten männlichen Star Tyrone Power mit Valentino zu vergleichen. Die strenge Zensur des Hays Codes verwehrte der Produktion allerdings, einige Szenen der älteren Verfilmung erneut aufzunehmen, vor allem jene, die die verführerische Doña Sol zu freizügig zeigten.Gene Ringgold: The Films of Rita Hayworth. Citadel Press, Secaucus 1974, S. 123.

Besetzung der Doña Sol Die Rolle der Doña Sol war heiß begehrt unter den Schauspielerinnen Hollywoods. Die erste Wahl fiel auf Hedy Lamarr, doch MGM lehnte es ab, sie an 20th Century Fox auszuleihen. Danach wurde eine Reihe anderer Schönheiten getestet, darunter Gene Tierney, Betty Grable, Jane Russell, Dorothy Lamour und María Montez. Dann hieß es, Carole Landis solle den Vamp spielen. Doch Regisseur Rouben Mamoulian entschied sich schließlich für die damals 22-jährige Rita Hayworth, die für die Dreharbeiten von Columbia Pictures ausgeliehen werden musste. Mamoulian schwärmte: „In dem Moment, als ich Rita Hayworth laufen sah, wusste ich, dass ich meine Doña Sol gefunden hatte. Sie war eine Tänzerin, also erwartete ich natürlich, dass sie sich anmutig bewegte, aber es war mehr als das – eine katzenhafte Art zu gehen, die subtil und angedeutet war – genauso wie ich es mir bei Doña Sol vorgestellt hatte. Ich muss zugeben, sie übertraf meine Erwartungen und ich war nicht im Mindesten überrascht, als aus ihr später eine der großen Leinwandgöttinnen werden sollte.““The moment I saw Rita Hayworth walk I knew I had my Doña Sol. She was a dancer, so naturally I expected her to be graceful but she had something more than that – a feline sort of movement that was subtle and insinuating – exactly the kind of animation I imagined Doña Sol would posses. I must say she more than fulfilled my expectations. I was not the least surprised when she later became one of the great screen sirens.” Gene Ringgold: The Films of Rita Hayworth. Citadel Press, Secaucus 1974, S. 124.

König der Toreros wurde Hayworths erster Farbfilm und katapultierte sie in die erste Riege der Hollywoodstars der 1940er Jahre. Bei ihrer Gesangseinlage an der Gitarre zum spanischen Lied Verde Luna (dt.: „Grüner Mond“) wurde sie von Gracilla Pirraga synchronisiert. Hayworths tänzerisches Talent kam jedoch bei ihrem Paso Doble mit Anthony Quinn zum Einsatz, bei dem sie in einem pinkfarbenen Kleid wie die Muleta, das rote Tuch eines Toreros, von Quinn geführt wird. Der Choreograph und Hayworths langjähriger Freund Hermes Pan meinte: „Zuerst dachte ich, es wäre Tyrone Powers und Linda Darnells Film, weil er der Star war und Linda bei der Fox unter Vertrag stand, aber als Rita eintraf, war sie wie pures Dynamit. Man kann sich die Begeisterung kaum vorstellen, als wir das Filmmaterial zum ersten Mal zu Gesicht bekamen.““At the time I thought it would be Tyrone Power and Linda Darnell’s movie, ’cause he was the star and Linda was under contract to Fox, but when Rita came on she was just dynamite. You couldn’t believe the excitement when we saw the rushes.” John Kobal: Rita Hayworth: The Time, The Place and the Woman. W.W. Norton, New York 1977, S. 93–94.

Dreharbeiten Die Außenaufnahmen, wie z. B. die der Stierkampfarena, wurden in Mexiko-Stadt gedreht. Dort engagierte Mamoulian den späteren Western-Regisseur Budd Boetticher als technischen Berater für Tyrone Powers Stierkampfszenen. Boetticher erinnerte sich später: „Ich zeigte Tyrone Power, wie er mit dem roten Tuch umzugehen hatte, aber er kam dem Stier dabei nie wirklich nahe. Er wollte zwar, doch das Studio ließ ihn nicht. Sie meinten, er sei ein zu wichtiger Star.““I showed Tyrone Power how to do the capework but he never actually got near a bull! He wanted to but the studio wouldn’t let him. They said he was too valuable a property.” Gene Ringgold: The Films of Rita Hayworth. Citadel Press, Secaucus 1974, S. 123. Um auch die Kleidung originalgetreu zu gestalten, fertigte der Schneider Jose Dolores Perez für Tyrone Power exakte Kopien von zwei Matador-Anzügen des gefeierten Stierkämpfers Francisco Gómez Delgado an.

Visueller Stil Rouben Mamoulian, der Regisseur von Jahrmarkt der Eitelkeiten (1935), dem ersten abendfüllenden Film im revolutionären 3-Farben-Technicolor-Verfahren, hatte seither keinen Farbfilm mehr gedreht. Umso ehrgeiziger wurde er, als ihm die Regie von König der Toreros die Gelegenheit bot, den Technicolor-Film erneut zu revolutionieren. Dazu orientierte er sich bei der Ausstattung und bei den allgemeinen Farbkompositionen des Films an den Gemälden berühmter spanischer Maler. „Anstatt die Geschichte einfach nur zu filmen, versuchte ich sie zu malen“, erzählte er später.“Instead of just photographing the story, I tried to ‘paint’ it.” Gene Ringgold: The Films of Rita Hayworth. Citadel Press, Secaucus 1974, S. 123. So entsprechen die Anfangssequenzen, die die Kindheit Juan Gallardos erzählen, den dunklen, jedoch warmen Brauntönen Murillos. Die Marktszenen sind von Joaquín Sorollas charakteristischem Spiel von Licht und Schatten geprägt. In der Stierkampfarena überwiegen dagegen Goyas prächtiges Rot und Gelb als sinnbildliche Verweise auf „Blut“ und „Sand“. Für die Gestaltung der Kapelle wählte Mamoulian El Grecos typisch düstere Grün- und Blautöne, die den Tod des Helden ankündigen. Das imposante Haus der adligen Doña Sol ist im kühlen Schwarz und Weiß à la Velázquez gehalten, der auch eine Femme fatale seiner Zeit – vom Format einer Doña Sol – mit seinem Gemälde Die Dame mit dem Fächer verewigt hat.

Für den Fall, dass Mamoulian die Farben eines Drehorts nicht gefielen, standen an den jeweiligen Sets mehrere Sprühdosen mit verschiedenen Farben bereit, um Ausbesserungen spontan vornehmen zu können.John Kobal: Rita Hayworth: The Time, The Place and the Woman. W.W. Norton, New York 1977, S. 89. Sein Bemühen und seine enge Zusammenarbeit mit den beiden Kameramännern Ernest Palmer und Ray Rennahan sollte sich später auszahlen, als der Film den Oscar für die Beste Kamera/Farbe und eine weitere Nominierung in der Kategorie Bestes Szenenbild/Farbe erhielt.

Rezeption Veröffentlichung Der Film hatte unüblicherweise nie eine Aufführung vor einem Testpublikum, da der Chef der 20th Century Fox, Darryl F. Zanuck, der Meinung war, dass es sich um den großartigsten Film handelte, den er je gesehen habe.John Kobal: Rita Hayworth: The Time, The Place and the Woman. W.W. Norton, New York 1977, S. 94. Sein Enthusiasmus wurde bestätigt, als sich das Filmdrama nach seiner Uraufführung im Mai 1941 in Grauman’s Chinese Theatre als einer der größten Kassenhits des Jahres für sein Studio erwies. Dennoch war Regisseur Mamoulian eher überrascht über den Erfolg des Films: „Ich war nie zuvor in Spanien und obwohl wir auch Szenen in Mexiko-Stadt drehten, war ich mir nicht sicher, ob ich tatsächlich ein authentisch spanisches Flair eingefangen hatte, bis ich schließlich viele Jahre später nach Spanien reiste. Ich war mehr als erfreut, zu entdecken, dass es genauso aussah, wie es die spanischen Meister gemalt hatten und dass es so war, wie ich es mir vorgestellt hatte. Die Leute in Spanien, die den Film sahen und mochten, konnten nicht glauben, dass ich vor dem Dreh nie dieses Land besucht hatte.““I had never been to Spain and although we actually did some filming in Mexico City, I was never really sure I had captured a true Spanish authenticity until I actually went to Spain many years later. I was most pleased to discover it looked exactly the way the Spanish masters had painted it and that it was as I had imagined it would be. People in Spain who had seen and loved the film did not believe I had never visited the country before making the film.” Gene Ringgold: The Films of Rita Hayworth. Citadel Press, Secaucus 1974, S. 123.

Noch im Jahr der Erstaufführung erschien eine Filmparodie des mexikanischen Komikers Cantinflas unter dem Titel Ni sangre ni arena (dt.: „Weder Blut noch Sand“), die ebenfalls vom Stierkampf handelte.Jeffrey M. Pilcher: Catinflas and the chaos of Mexican modernity. Rowman & Littlefield, 2000, S. 78–79.

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