Bei den XXI. Olympischen Winterspielen 2010 in Vancouver fanden acht Wettbewerbe im Shorttrack statt. Austragungsort war das Pacific Coliseum, eine Sportarena östlich des Stadtzentrums.
Bilanz Medaillenspiegel Platz Land 20px|Gold 20px|Silber 20px|Bronze Gesamt 1 4 – – 4 2 2 4 2 8 3 2 2 1 5 4 – 2 4 6 5 – – 1 1
Medaillengewinner Männer Konkurrenz Gold Silber Bronze 500 m Charles Hamelin Sung Si-bak François-Louis Tremblay 1000 m Lee Jung-su Lee Ho-suk Apolo Anton Ohno 1500 m Lee Jung-su Apolo Anton Ohno John Celski 5000 m Staffel Guillaume Bastille Charles Hamelin François Hamelin Olivier Jean François-Louis Tremblay Kim Seoung-il Kwak Yoon-gy Lee Ho-suk Lee Jung-su Sung Si-bak John Celski Simon Cho Travis Jayner Jordan Malone Apolo Anton Ohno Frauen Konkurrenz Gold Silber Bronze 500 m Wang Meng Marianne St-Gelais Arianna Fontana 1000 m Wang Meng Katherine Reutter Park Seung-hi 1500 m Zhou Yang Lee Eun-byul Park Seung-hi 3000 m Staffel Sun Linlin Wang Meng Zhang Hui Zhou Yang Jessica Gregg Kalyna Roberge Marianne St-Gelais Tania Vicent Allison Baver Kimberly Derrick Alyson Dudek Lana Gehring Katherine Reutter
Ergebnisse Männer 500 m
Platz Land Sportler Zeit (s) 1 Charles Hamelin 40,981 2 Sung Si-bak 41,340 3 François-Louis Tremblay 46,366 4 Kwak Yoon-gy 42,123 5 Tyson Heung 42,307 6 Jon Eley 42,681 7 Lee Ho-suk 49,149 8 Apolo Anton Ohno 41,460 18 Robert Seifert 42,181 Vorläufe: 24. Februar 2010, 17:47 Uhr; Viertelfinale: 26. Februar 2010, 18:00 Uhr; Halbfinale: 26. Februar 2010, 18:43 Uhr; Finale: 26. Februar 2010, 19:14 Uhr
1000 m
Platz Land Sportler Zeit (min) 1 Lee Jung-su 1:23,747 () 2 Lee Ho-suk 1:23,801 3 Apolo Anton Ohno 1:24,128 4 Charles Hamelin 1:24,329 5 François Hamelin 1:25,206 6 Han Jialiang 1:32,023 7 Sung Si-bak 1:24,245 8 John Celski 1:24,621 12 Tyson Heung 1:25,938 27 Paul Herrmann 1:26,739 Vorläufe: 17. Februar 2010, 17:25 Uhr; Viertelfinale: 20. Februar 2010, 18:29 Uhr; Halbfinale: 20. Februar 2010, 19:28 Uhr; Finale: 20. Februar 2010, 20:05 Uhr
1500 m
Platz Land Sportler Zeit (min) 1 Lee Jung-su 2:17,611 2 Apolo Anton Ohno 2:17,976 3 John Celski 2:18,053 4 Olivier Jean 2:18,806 5 Sung Si-bak 2:45,010 6 Liang Wenhao 2:48,192 7 Charles Hamelin 2:18,243 8 Nicola Rodigari 2:18,422 11 Sebastian Praus 2:20,374 23 Tyson Heung 2:14,461 32 Paul Herrmann 2:16,782 Vorläufe: 13. Februar 2010, 17:00 Uhr Halbfinale: 13. Februar 2010, 18:18 Uhr Finale: 13. Februar 2010, 19:18 Uhr
Das Teilnehmerfeld des 1500-Meter-Rennens bestand aus 36 Athleten aus 16 Ländern. Sieben Nationen, darunter auch die Deutschen, stellten drei Sportler, was der maximal zulässigen Anzahl an Startern entsprach. Die Shorttracker wurden auf sechs Vorläufe mit je sechs Teilnehmern verteilt. Im Normalfall rückten die besten drei Athleten ins Halbfinale vor; allerdings wurden Sportler, die von anderen Shorttrackern behindert worden waren, ebenfalls eine Runde weitergesetzt. Dadurch standen nicht 18, sondern 21 Athleten in den Halbfinals. Dort gab es drei Rennen mit je sieben Startern, von denen sich die besten beiden für das A-Finale qualifizierten und die beiden darauf folgenden für das B-Finale. Während des Wettkampfs gab es fünf Disqualifikationen. Diese Sportler wurden im Klassement nur mit dem Ergebnis gewertet, dass sie im vorhergehenden Lauf erzielt hatten.
Für ein Novum in der olympischen Geschichte sorgte der Lette Haralds Silovs, der erste Athlet, der bei Olympischen Spielen an einem Tag in zwei verschiedenen Sportarten an den Start ging. Nachdem er um 12 Uhr Ortszeit im Richmond Olympic Oval den 20. Rang über 5000 Meter im Eisschnelllauf belegt hatte, ging er gute vier Stunden später im Shorttrack an den Start. Sein niederländischer Trainer Jeroen Otter erklärte dazu: „Für ihn ist dieser Doppelstart die ideale Kombination.“ Silovs geriet damit auch in den Fokus der Medien und erklärte, mit dieser Aufmerksamkeit um seine Person habe er nicht gerechnet. Außerdem meinte der Lette, der als erster Eisschnellläufer seit 74 Jahren sein Land vertrat: „Es ist ein bisschen verrückt. Aber wer weiß, ob ich jemals in meinem Leben nochmal diese Chance bekomme.“Silovs mit Doppelprogramm an einem Tag
mini|Apolo Anton Ohno (hier als Olympiasieger 2006) gewann die Silbermedaille Bereits beim ersten Shorttrack-Lauf der Olympischen Winterspiele demonstrierten die Südkoreaner ihre mannschaftliche Überlegenheit und kamen als einziges Team zu dritt in die Halbfinals. Sowohl der amtierende Mehrkampfweltmeister Lee Ho-suk als auch seine Teamkollegen Lee Jung-su sowie Sung Si-bak qualifizierten sich dafür als Erste oder Zweite ihres Vorlaufes. Lee Jung-su stellte mit 2:12,380 min sogar einen neuen olympischen Rekord auf. Von den drei Deutschen schieden zwei aus, nur Sebastian Praus gelang der Sprung in die nächste Runde. Dabei profitierte er von der Disqualifikation des US-Amerikaners Jordan Malone. In den Halbfinals belegte Praus lange den siebten und letzten Rang, auch diesmal kam ihm wieder ein Sturz kurz vor der Ziellinie zugute. Dadurch verbesserte er sich auf Position drei, was jedoch nicht für die Qualifikation für das A-Finale ausreichte. In dieses zogen dagegen alle drei Südkoreaner ein; Lee Jung-su lief dabei zum zweiten Mal olympischen Rekord. Neben der kompletten südkoreanischen Mannschaft rückten auch zwei US-Amerikaner – darunter auch der zweifache Olympiasieger Apolo Anton Ohno – ins Finale vor, zudem ein Chinese sowie Olivier Jean aus Kanada. Jean wurde dabei wegen Behinderung durch einen anderen Läufer im Halbfinale weitergesetzt.
Vor dem A-Finale stand zunächst das B-Finale auf dem Programm. Diesen gewann der Kanadier Charles Hamelin, der mit seinem Wettkampf zufrieden war und sich nun auf das nächste Rennen, die 1000 Meter, konzentrieren wollte.South Korean takes gold, Ohno of U.S. wins 6th medal Letzter im B-Finale wurde der Deutsche Sebastian Praus, der den elften Gesamtrang belegte und sein bestes Olympiaergebnis, einen zehnten Platz, nur knapp verpasste. Damit war er „absolut zufrieden“. Ein B-Finale sei für einen deutschen Shorttracker momentan das Optimum, Medaillenträume seien unrealistisch.Praus verpasst nur knapp 1500m-Shorttrack-FinaleLee Jung-Soo holt Gold – Praus Elfter Das A-Finale verlief zunächst ohne große Überraschungen: Kurz vor Schluss hatten sich die drei Südkoreaner etwas vom weiteren Feld abgesetzt und es schien, als würde es einen Dreifachsieg geben. 30 Meter vor dem Ziel versuchte Lee Ho-suk, seinen Teamkollegen Sung Si-bak zu überholen. Dies endete jedoch damit, dass beide Athleten zu Fall kamen und keine Rolle mehr bei der Medaillenvergabe spielten. Lee Ho-suk wurde im Nachhinein disqualifiziert und noch aus den Top Ten zurückversetzt. Vorne gewann der dritte Südkoreaner Lee Jung-su die Goldmedaille und löste so seinen Landsmann Ahn Hyun-soo als Olympiasieger ab.
Hinter Lee Jung-su gewann Apolo Anton Ohno die Silbermedaille. Für ihn war dies die sechste olympische Medaille (je zweimal Gold, Silber und Bronze), damit hatte er häufiger Edelmetall gewonnen als jeder seiner Landsleute zuvor. Ohno erklärte, er habe sich für diese Olympischen Spiele besser vorbereitet als je zuvor, er befinde sich in einer sehr guten Form. Zugleich erklärte er: „Davon lebt unser Sport: Viel Kontakt, viel Kampf. Heute war es furchtbar eng, und ich habe profitiert.“ Hinter Ohno wurde Olivier Jean als bester Kanadier Vierter; Sung Si-bak sicherte sich nach dem Sturz zumindest Rang fünf. Insgesamt hatten 11.000 Zuschauer den Wettkampf gesehen, aufgrund der teilweise als spektakulär bezeichneten Überholmanöver und Stürzen wurde dem Rennen insgesamt ein positives Fazit beschieden.Ohno stiehlt gierigen Asiaten die Shorttrack-Show mainpost.de am 14. Februar 2010
5000 m Staffel
Platz Land Sportler Zeit (min) 1 Guillaume BastilleGuillaume Bastille trat nur im Halbfinale an. Im Finale wurde dann François Hamelin eingesetzt. Alle fünf Athleten erhielten die Goldmedaille. Charles Hamelin François Hamelin Olivier Jean François-Louis Tremblay 6:44,224 2 Kim Seoung-ilKim Seoung-il trat nur im Halbfinale an. Im Finale wurde dann Lee Jung-su eingesetzt. Alle fünf Athleten erhielten die Silbermedaille. Kwak Yoon-gy Lee Ho-suk Lee Jung-su Sung Si-bak 6:44,446 3 John Celski Simon ChoSimon Cho trat nur im Halbfinale an. Im Finale wurde dann Jordan Malone eingesetzt. Alle fünf Athleten erhielten die Bronzemedaille. Travis Jayner Jordan Malone Apolo Anton Ohno 6:44,498 4 Han Jialiang Liu Xianwei Ma Yunfeng Song Weilong 6:44,630 5 Maxime Châtaignier Thibaut Fauconnet Benjamin MacéBenjamin Macé trat nur im Halbfinale an. Im Finale wurde dann Jérémy Masson eingesetzt. Jérémy Masson Jean-Charles Mattei 6:51,566 6 Anthony Douglas Jon Eley Tom IvesonTom Iveson trat nur im Halbfinale an. Im B-Finale wurde dann Paul Worth eingesetzt. Jack Whelbourne Paul Worth 6:50,045 7 Paul Herrmann Tyson Heung Sebastian Praus Robert Seifert 6:50,119 Nicolas Bean Yuri Confortola Claudio Rinaldi Nicola Rodigari Halbfinale: 17. Februar 2010, 18:32 Uhr Finale: 26. Februar 2010, 19:51 Uhr
Frauen 500 m
Platz Land Sportlerin Zeit (min) 1 Wang Meng 43,048 2 Marianne St-Gelais 43,707 3 Arianna Fontana 43,804 4 Jessica Gregg 44,204 5 Zhou Yang 44,725 6 Kalyna Roberge 44,824 7 Katherine Reutter 44,846 8 Lee Eun-byul 44,860 Vorläufe: 13. Februar 2010, 17:42 Uhr; Viertelfinale: 17. Februar 2010, 17:00 Uhr; Halbfinale: 17. Februar 2010, 18:10 Uhr; Finale: 17. Februar 2010, 19:07 Uhr
Für das 500-Meter-Rennen hatten sich 32 Athletinnen aus 17 Ländern qualifiziert. Die maximale Anzahl an Starterinnen aus einem Land betrug wie auch bei allen anderen Einzelrennen drei und wurde von fünf Nationen ausgenutzt. Da dies das kürzeste und damit auch schnellste Rennen war, liefen vier statt sechs Sportlerinnen in einem Lauf gegeneinander, um Stürze oder Behinderungen weitgehend zu vermeiden. Aufgrund der geringen Teilnehmerzahl pro Lauf gab es vier Runden: Auf die acht Vorläufe am 13. Februar folgten vier Tage später die Viertel- sowie Halbfinals und schließlich das A- sowie das B-Finale. Während des Wettkampfes gab es drei Disqualifikationen. Diese Sportlerinnen wurden im Klassement nur mit dem Ergebnis gewertet, dass sie im vorhergehenden Lauf erzielt hatten.
Vor dem Wettbewerb galt die amtierende Olympiasiegerin Wang Meng aus China als Favoritin; auch das US-Fachmagazin Sports Illustrated tippte sie auf den Goldmedaillenrang. Weitere Chancen wurden auch Wangs Teamkollegin Zhou Yang sowie den Kanadierinnen zugestanden. Die Südkoreanerinnen wurden schwächer eingeschätzt, ebenso die Europäer. Deutschland entsandte mit Aika Klein eine Athletin. Wie erwartet blieb sie jedoch in ihrem Vorlauf gegen die bis dahin wesentlich erfolgreicheren Cho Ha-ri sowie Katherine Reutter chancenlos, zumal sie mit der äußeren Startposition einen taktischen Nachteil hatte. Dennoch war sie mit ihrem Wettkampf zufrieden: „Um weiterzukommen, hätte ich […] deutschen Rekord laufen müssen. Die anderen Strecken liegen mir mehr, ich bin ganz optimistisch.“ Dagegen verbesserte Wang Meng bereits im Vorlauf den acht Jahre alten olympischen Rekord ihrer Landsfrau Yang Yang (A); drei weitere Sportlerinnen liefen ebenfalls schneller als Yangs alte Bestmarke. Von den hoch eingeschätzten Chinesinnen schied lediglich Zhao Nannan aus, die in der Mitte des letzten Vorlaufes stürzte und das Rennen mit 15 Sekunden Rückstand beendete. Dagegen legte das chinesische Team zunächst Protest ein. Die Schiedsrichter entschieden jedoch, dass Zhao ohne Fremdeinwirkung gestürzt sei. Die einzige Disqualifikation wurde im siebten Vorlauf gegen die Bulgarin Marina Georgijewa-Nikolowa ausgesprochen, die zwei Fehlstarts verursacht hatte.Mixed fortunes in Short Track, at the Vancouver Olympics
mini|Das Siegerpodest nach dem 500-Meter-Finale