mini|hochkant=1.5|Aus La Nature, 1883 miniatur|G. Schott, Magiae Universalis Naturae, 1657–59 Ein Katzenklavier (auch Katzenorgel) ist ein hypothetisches Musikinstrument, bei dem einer Reihe eingesperrter Katzen durch Zwicken ihrer Schwänze Laute in einer Tonhöhe entlockt werden sollen.
Es wurde 1650 von Athanasius Kircher beschrieben, doch wahrscheinlich nie gebaut.Vanessa Agnew: Enlightenment Orpheus: the power of music in other worlds, Oxford 2008, S. 157f.
Details Das Katzenklavier soll aus einer Reihe von in einem Gestell fixierten Katzen bestanden haben, deren Schwänze unter einer Klaviatur festgebunden waren. Unten an jeder Taste war ein Nagel befestigt, wodurch die Katzen miauen, wenn die Tasten gedrückt werden. Die Katzen wurden nach ihrer natürlichen Tonlage angeordnet.
Der Zweck des Instruments sei laut einer Beschreibung von Johann Christian Reil (1759–1813) die Behandlung von Patienten gewesen, denen es schwerfällt, sich zu konzentrieren. Reil glaubte, dass die Aufmerksamkeit eines Patienten, der dazu gezwungen wird, das Katzenklavier zu sehen und zu hören, zwangsläufig auf das Instrument gerichtet wird und er somit geheilt ist (Richards, 1998).
In der 1765 veröffentlichten Schrift Merkwürdige Beyträge zu dem Weltlauf der Gelehrten wird behauptet, dass der russische Zar Peter der Große eine Katzenorgel habe bauen lassen wollen, doch sei das Experiment misslungen. Es sei nicht realisierbar gewesen, dass die gepeinigten Tiere in einer bestimmten Tonhöhe miauten. Zudem zeigen Illustrationen deutlich mehr Tasten als Katzen. An der Existenz dieser Instrumente wird gezweifelt.
miniatur|Aus J-B. Weckerlin, Musiciana Die Existenz eines Katzenklaviers wurde zudem vom französischen Schriftsteller Jean-Baptiste Weckerlin in seinem Buch („Musiciana, Beschreibungen seltener oder bizarrer Erfindungen“, 1877) behauptet:
Ähnliche „Musikinstrumente“ Ein weiteres Beispiel für die angebliche Verwendung von lebenden Tieren zur musikalischen Tonerzeugung ist Abbé de Baignes Schweineorgel.
Im Sketch „Musical Mice“ („Musikalische Mäuse“) der britischen Komikergruppe Monty Python dienten nach ihrer Tonlage angeordnete, mit einem Holzhammer angeschlagene Mäuse als „Mäuseorgel“. Dieser Sketch war sowohl in der Fernsehserie Monty Python’s Flying Circus, als auch im Kinofilm Monty Python’s And Now for Something Completely Different („Monty Pythons wunderbare Welt der Schwerkraft“) zu sehen.
In der Fernsehserie Die Muppet Show trat regelmäßig die Puppe „Marvin E. Suggs“ mit zu „Stabspielen“ aufgereihten Kreaturen auf, die auf jeden Schlag mit „au“ in jeweils eigener Tonhöhe reagierten.
Literatur Athanasius Kircher. Musurgia Universalis. 2 Bände. Corbelletti, Rom 1650 (4. Nachdruck: Olms, Hildesheim u. a. 2006). Juan Christoval Calvete de Estrella: El Felicissimo Viaje d'el Muy Alto y Muy poderoso Principe Don Phelippe. Nucio, Antwerp 1552 (Auch: Paloma Cuenca (Hrsg.). Sociedad Estatal para la Conmemoración de los Centenarios de Felipe II y Carlos V, Madrid 2001, ISBN 84-95146-69-X (Colección Fuentes)). Gaspar Schott. Magiae Universalis Naturae. Pars 2: Acustica. Schönwetter u. a., Frankfurt am Main u. a. 1657. Champfleury (d. i.: Jules François Félix Husson): Les Chats. 5. édition, augumentée de planches en couleur et d'eaux-fortes. J. Rothschild, Paris 1870. Es ist eine Katzenmusik. In: Karl Friedrich Wilhelm Wander (Hrsg.): Deutsches Sprichwörter-Lexikon. Band 2: Gott bis Lehren. Brockhaus, Leipzig 1870, Sp. 1212–1213. J.-B. Weckerlin: Musiciana. Extraits d’ouvrages rares ou bizarre anecdotes, lettres, etc. concernant la musique et les musiciens avec figures et airs notés, Garnier Frères, Paris 1877, S. 348–349 Robert J. Richards: Rhapsodies on a Cat-Piano, or Johann Christian Reil and the Foundations of Romantic Psychiatry. In: Critical Inquiry. 24, 3, Spring 1998, , S. 700–736.
Weblinks
The Cat Piano Trickfilm nach einem Gedicht von Eddie White (englisch)
Einzelnachweise
Kategorie:Klavier Kategorie:Fiktives Musikinstrument Kategorie:Katze in der Kultur Kategorie:Athanasius Kircher