Pillenreuth (fränkisch: BilnraidE. Wagner: Land- und Stadtkreis Schwabach, S. 54. Nach den Regeln des HONB folgendermaßen transkribiert: bìlnráid.) ist ein Gemeindeteil der kreisfreien Stadt Nürnberg in Mittelfranken. Er gehört zum statistischen Distrikt 491 Eibacher Forst (Königshof), der Teil des statistischen Bezirks 49 (Kornburg, Worzeldorf) ist.
Lage Pillenreuth liegt 7 Kilometer südlich des Stadtzentrums. In jeweils einem Kilometer Entfernung befinden sich westlich der Main-Donau-Kanal und östlich der Ludwig-Donau-Main-Kanal. Nördlich ist Pillenreuth von flachen Wäldern umgeben, die ausschließlich Kiefernmonokulturen des Nürnberger Reichswaldes sind. Südlich fließt der Eichenwaldgraben. Die Kreisstraße N 1 führt nach Weiherhaus (0,8 km südlich) bzw. zur Anschlussstelle 44 der Bundesautobahn 73 (2,1 km nordöstlich).
Geschichte mini|Das „Klösterle“ Der Ort wurde im Nürnberger Reichssalbüchlein, das um 1300 entstanden ist, als „Pillenreut“ erstmals erwähnt. Das auf einer Rodung am Eichenwaldgraben eingerichtete Zeidelgut gelangte im ersten Drittel des 14. Jahrhunderts an Konrad Groß, dem kaiserlichen Schultheiß zu Nürnberg. Anstelle der Zeidlerei wurde mit der Fischzucht begonnen. Mit der Gründung des Augustinerinnenklosters Pillenreuth im 1345 wurde dieses u. a. mit den Gütern in „Pillenriut“ ausgestattet. Das Bestimmungswort des Ortsnamens ist der Personenname Billo. 1591 fiel das gesamte Klostergut an die Reichsstadt Nürnberg, die 1592 den später in zwei Höfe geteilten Klosterbauernhof und 1664 auch das einstige Nonnenhaus verkaufte.E. Wagner: Land- und Stadtkreis Schwabach, S. 54f.W. Fischer-Pache: Pillenreuth, in: Stadtlexikon Nürnberg, S. 826.
Gegen Ende des 18. Jahrhunderts bestand Pillenreuth aus zwei Anwesen und einem Herrenhaus. Das Hochgericht übte das brandenburg-ansbachische Richteramt Kornburg aus. Das nürnbergische Amt St. Klara und Pillenreuth war Grundherr der beiden Halbhöfe.F. Eigler: Schwabach, S. 413.J. K. Bundschuh: Geographisches Statistisch-Topographisches Lexikon von Franken, Bd. 4, Sp. 353.
Von 1797 bis 1808 unterstand Pillenreuth dem Justiz- und Kammeramt Schwabach. 1806 kam der Ort an das Königreich Bayern. Im Rahmen des Gemeindeedikts wurde 1808 Pillenreuth dem Steuerdistrikt Worzeldorf und der 1818 gebildeten Ruralgemeinde Worzeldorf zugeordnet.F. Eigler: Schwabach, S. 489.
Erst 1863, als der Ludwigs-Kanal in Betrieb ging, setzte eine gewisse Belebung ein. Die Familie Meßthaler kaufte das aufgelassene Kloster und baute es zur Gastwirtschaft um.Geschichte des Klosters Pillenreuth bis "Zum Klösterle" Die Gastwirtschaft Meßthaler zog in einen Neubau in Weiherhaus an der Durchgangsstraße um. Die Gebäude des historischen Ortskernes kamen daraufhin in andere Hände, die Gastwirtschaft Im Klösterle, das Gestüt, die Weiher und Teile der Befestigungsmauern blieben zwar erhalten, wurden aber in Bauboom der 1960er und 70er Jahre wenig denkmalschutzgerecht aus- und umgebaut.Photos von Pillenreuth auf privater WebseiteReitstall Pillenreuth
Am 1. Juli 1972 wurde Pillenreuth im Zuge der Gebietsreform in Bayern nach Nürnberg eingemeindet. Pillenreuth entwickelte sich zu einem reinen Wohngebiet.
Anfang der 2010er Jahre lief das Geschäft der Gastwirtschaft nach hygienischen Beanstandungen und einem veränderten Konsumbewusstsein der Ausflügler und Anwohner nicht mehr rentabel. Eine traurige Popularität erlangte Pillenreuth, indem die Wirtin in der Absicht mit der Versicherungssumme wirtschaftlich wieder Fuß zu fassen, den Koch anstiftete, während des Betriebsurlaubes der Gaststätte eine Gasexplosion herbeizuführen, was ihm auch gelang. Die Wirtin wurde aufgrund dessen 2012 zu einer Haftstrafe von 6 Jahren verurteilt, der Koch wegen Beihilfe zu 2 Jahren. Auch der Reitstall wurde bei der Explosion in Mitleidenschaft gezogen. Die verbliebene historische Bausubstanz wurde bisher lediglich provisorisch gesichert und besteht derzeit nur mehr ruinös.Pressebericht zur Gasexplosionabschließender Pressebericht zur Verurteilung mit Photostrecke
Baudenkmäler In Pillenreuth gibt es sechs Baudenkmäler: Zum Klösterle 1: Ehemalige Klostermauern Zum Klösterle 6: Ehemaliger Klosterbauernhof Zum Klösterle 6/14: Kirchenmauerreste Zum Klösterle 14: Ehemaliges Pröpstinnenhaus Zum Klösterle 16: Ehemaliges Austragshaus Zum Klösterle 18: Kleinhaus
Einwohnerentwicklung Jahr 1818 1840 1861 1871 1885 1900 1925 1950 1961 1970 1987 Einwohner 25 33 33 42 37 47 40 81 79 61 1377HäuserEs sind nur bewohnte Häuser angegeben. Im Jahre 1818 werden diese als Feuerstellen bezeichnet, 1840 als Häuser und 1885 bis 1987 als Wohngebäude. 4 5 7 7 7 14 14 413Quelle
Religion Pillenreuth ist seit der Reformation evangelisch-lutherisch geprägt und war ursprünglich nach St. Nikolaus (Kornburg) gepfarrt, seit den 1970er Jahren ist die Pfarrei Worzeldorf zuständig. Die Katholiken sind nach Corpus Christi (Pillenreuth) gepfarrt.
Literatur
Andreas Würfel: Vermischte Nachrichten welche die Geschichte der Reichsstadt Nürnberg und der adelichen Geschlechte daselbst aus der Historie, Genealogie und Diplomatik erläutern. 1764 (Digitalisat).
Weblinks
Fußnoten
Kategorie:Stadtteil von Nürnberg Kategorie:Ersterwähnung 1300 Kategorie:Ort in der kreisfreien Stadt Nürnberg