mini|Portraitkopf Diokletians im Archäologischen Museum Istanbul Diokletian (eigentlich Diocles, ; vollständiger Name Gaius Aurelius Valerius Diocletianus;Zum inoffiziellen Praenomen Marcus vgl. L’Année épigraphique 1965, 315: Αύτοκράτορα Καίσαρα Μᾶρκον Αύρήλιον Γάϊον Ούαλέριον Διοκλητιανόν Εύσεβῆ Εύτυχῆ Σεβαστόν. * zwischen 236 und 245 in Dalmatia; † um 312Als Todesjahre Diokletians werden in der Forschung 311, 312, 313 und 316 diskutiert. Alexander Demandt geht von 316 aus und begründet dies ausführlich in Alexander Demandt: Diokletian. Kaiser zweier Zeiten. München 2022, ISBN 978-3-406-78731-7, S. 315–317. in Spalatum) war von 284 bis 305 römischer Kaiser. Mit seiner Thronbesteigung begann die Diokletianische Ära.
Diokletian leitete Reformen ein, durch die das Römische Reich die Reichskrise des 3. Jahrhunderts endgültig überwand und die Zeit der Soldatenkaiser beendet wurde. Die wichtigsten Reformen wurden im Bereich der Verwaltung durchgeführt, darunter eine umfangreiche Neuorganisation des Provinzialwesens. Diokletian führte das Herrschaftsmodell der Tetrarchie ein. Führten die Verwaltungsreformen zu einer stärkeren Bürokratisierung, die während der ganzen restlichen Spätantike anhielt und noch zunahm, so fiel das tetrarchische System schon bald nach Diokletians Abdankung in sich zusammen (Auflösung der römischen Tetrarchie).
Mit der Regierungszeit Diokletians verbindet die althistorische Forschung aufgrund seines umfassenden Reformwerks, das von Konstantin fortgesetzt und vollendet wurde, traditionell einen Einschnitt: Die Epoche des Prinzipats endete und die Spätantike setzte ein.
Leben Frühe Jahre und die Begründung der Tetrarchie mini|Aureus des Diokletian mini|Die Venezianische Tetrarchengruppe
Diokletian wurde um 240 im lateinischsprachigen Teil Illyriens (vielleicht in Dioclea in der Nähe von SalonaDer Geburtsort ist nicht sicher; vgl. Wilhelm Enßlin: Valerius Diocletianus. In: Paulys Realencyclopädie der classischen Altertumswissenschaft. Band 7 A, 2 (1948), Sp. 2419 ff., hier Sp. 2420 f.) geboren. Es gibt unterschiedliche Angaben zwischen 236 und 245; sein Geburtstag scheint einem erhaltenen Bericht zufolge der 22. Dezember gewesen zu sein.Chester Beatty Papyri. Papyri from Panopolis in the Chester Beatty Library, Dublin. Hrsg. von T. C. Skeat. Dublin 1964, S. 86f. Er stammte offenbar aus einfachen Verhältnissen; laut Eutropius war er entweder der Sohn eines Schreibers oder ein Freigelassener eines Senators namens Anullinus.Eutropius, Breviarium ab urbe condita 9,19. Letzteres gibt auch die Epitome de Caesaribus an, die zudem nennt, dass er seinen Geburtsnamen – wohl Diocletius nach Mutter oder Geburtsort – in Diocles gräzisiert habe (Graium nomen).Epitome de Caesaribus 39,1; zur Namensproblematik siehe Nenad Cambi: Tetrarchic Practice in Name Giving. In: Alexander Demandt, Andreas Goltz, Heinrich Schlange-Schöningen (Hrsg.): Diokletian und die Tetrarchie. Aspekte einer Zeitenwende. Berlin u. a. 2004, S. 38–46. Verheiratet war er mit Prisca.
Diokletian hatte sich in der Armee bis zum Befehlshaber der Gardeeinheit protectores domestici (der kaiserlichen Leibgarde) hochgedient, als man ihn am 20. November 284 in Nikomedia zum römischen Kaiser ausrief, nachdem Kaiser Numerian auf rätselhafte Weise den Tod gefunden hatte. Er änderte daraufhin seinen Namen in Gaius Aurelius Valerius Diocletianus. Unmittelbar im Anschluss an die Ausrufung zum imperator und die Erhebung zum princeps soll er seinen Rivalen, den Prätorianerpräfekten Aper, eigenhändig erschlagen haben. Im Frühling 285 traf er in der Schlacht am Margus auf das Heer des legitimen Kaisers Carinus, des älteren Bruders und Mitkaisers seines Vorgängers Numerian. Obwohl Diokletians Heer unterlag, wurde Carinus nach der Schlacht aus unklaren Gründen von seinen eigenen Leuten ermordet. Nunmehr war Diokletian der unbestrittene Herrscher des Imperiums – und sah sich nun mit dessen Problemen konfrontiert.
mini|Karte des Römischen Reichs zur Zeit der ersten Tetrarchie, ab 293 n.Chr
Das Römische Reich war im 3. Jahrhundert (vor allem in der Zeit um 260) von Krisen heimgesucht worden. Die außenpolitische Lage war, trotz der Erfolge Aurelians, noch immer bedenklich, zumal ein Herrscher alleine unmöglich an allen Brennpunkten gleichzeitig sein konnte. Die Soldaten neigten dazu, siegreiche Feldherren zu Kaisern auszurufen, was zu zahlreichen Usurpationen geführt hatte. Diokletian reagierte auf diese Probleme, indem er das Herrschaftssystem der Tetrarchie einrichtete, bei dem zwei Seniorkaiser (Augusti) und zwei Unterkaiser (Caesares) über einen jeweils eigenen Reichsteil herrschten, Gesetze jedoch nur gemeinsam erließen. Auf diese Weise konnte sich immer ein Mitglied des Kaiserkollegiums in der Nähe der kämpfenden Truppen am Rhein, an der Donau und am Euphrat aufhalten, was die Gefahr einer Usurpation verminderte.
Dieses System entwickelte Diokletian schrittweise. Im Jahr 285 (wann genau, ist umstritten) ernannte er seinen alten Kameraden Maximian zum Caesar, am 1. April 286 schließlich zum Augustus.Für die Erhebung zum Caesar wird oft der 21. Juli 285 angenommen, doch ist die Quellenauslegung problematisch; in der neueren Forschung wird oft auch Anfang Dezember 285 erwogen, vgl. den Überblick bei Demandt (2007), S. 58f., Anmerkung 9, sowie Simon Corcoran: The Empire of the Tetrarchs. Oxford u. a. 1996, S. 273f. Umstritten in diesem Zusammenhang ist auch, ob Diokletian bereits bei der Erhebung Maximians zum Caesar beabsichtigt hatte, diesen später zum Augustus zu erheben, vgl. dazu die Überlegungen bei Kolb (1987), S. 27ff. Maximian sollte im Westen herrschen, während Diokletian den Osten regierte. Allerdings blieb Diokletian der Seniorpartner und Maximian an auctoritas überlegen. Diokletian nahm den Namen Iovius an (etwa gleichbedeutend mit ‚Abkömmling des Jupiter‘), während Maximian sich Herculius nannte (nach Herkules, einem Sohn des Jupiter). Somit war das Kaisertum auch sakral zementiert, wobei Diokletian seine Führungsrolle betonte. Ob der weitere Ausbau zur Viererherrschaft bereits zu diesem Zeitpunkt geplant war,Dies hat in neuerer Zeit etwa wieder Kolb vermutet. ist in der Forschung umstritten. Der teilweise, vor allem in der älteren Forschung, geäußerte Vorwurf, Diokletian habe das Prinzip begründet, dass der Kaiser dominus et deus (Herr und Gott) sei, trifft jedenfalls nicht ganz zu, da die Anrede bereits früher, unter anderem bei Domitian, begegnet. Richtig ist aber, dass Diokletian stärker als seine Vorgänger die sakrale Würde (Kaiserkult) und den absoluten Herrschaftsanspruch des Kaisers hervorhob.
293 wurden zwei Caesares zu Unterkaisern ernannt: Constantius Chlorus für den Westen, Galerius für den Osten.Zu Datum und Ort siehe Demandt (2007), S. 59, Anmerkung 17. Beide wurden von den Augusti adoptiert, Galerius heiratete zudem Diokletians Tochter Galeria Valeria. Die Wahl war praktischer Natur: Als erfahrene Soldaten konnten sowohl Constantius als auch Galerius die ihnen obliegende Sicherung der Außengrenzen gewährleisten.
Sicherung des Reiches Galerius ging gegen das neupersische Sassanidenreich vor, den großen Gegner Roms im Osten. Nach einem vorherigen Rückschlag, dessentwegen ihn sein verärgerter Augustus Diokletian angeblich eine Wegstrecke zu Fuß zurücklegen ließ,Die Episode ist durch mehrere antike Historiker überliefert: Ammianus Marcellinus 14,11,10; Eutropius 9,24; Orosius 7,25,9. Demandt und andere gehen aber davon aus, dass Galerius nicht gedemütigt oder bestraft werden sollte, sondern lediglich den Einzug Diokletians zu Fuß begleitete, um den Rangunterschied zwischen dem Augustus Diokletian und dem Caesar Galerius deutlich zu machen. Vgl. mit weiteren Literaturhinweisen Alexander Demandt: Diokletian. Kaiser zweier Zeiten. München 2022, ISBN 978-3-406-78731-7, S. 83–84. schlug er 297 (nach Ansicht anderer erst 298) die Sassaniden in der Schlacht bei Satala entscheidend, woraufhin Großkönig Narseh um Frieden bitten musste. Der Friede von Nisibis brachte Rom reichen Gebietszuwachs in Mesopotamien mit Nisibis sowie fünf Provinzen jenseits des Tigris ein, wobei das römische Mesopotamien mit Befestigungen gesichert wurde. Ob die Römer sich mit diesem Vertrag wirklich so bescheiden verhielten, wie viele Forscher glauben, ist aber fraglich. Für die Perser war der römische Vorstoß über den Tigris auf Dauer inakzeptabel, erst nach der Aufgabe dieser Gebiete infolge des Vertrags von 363 sollte sich die Lage wieder beruhigen (siehe allgemein Römisch-Persische Kriege).
Während Galerius gegen die Sassaniden kämpfte, konnte Diokletian eine Erhebung in Ägypten niederschlagen. Anführer dieser Rebellion waren Lucius Domitius Domitianus und ein Mann namens Achilleus. Über beide ist so gut wie nichts bekannt, aber Diokletian konnte diesen Aufstand, der vielleicht durch das neue Steueredikt entbrannt war, erst durch das Zusammenziehen starker Truppenkontingente beenden; Alexandria kapitulierte wohl im Frühjahr 298. Wegen der Bedrohung der Südgrenze Ägyptens durch die Blemmyer verlegte Diokletian die Grenze zum ersten Katarakt zurück; anschließend begab er sich wieder an die persische Grenze. Die besondere Bedeutung Afrikas für Diokletian zeigt sich auch darin, dass nach der Vereinheitlichung des römischen Münzsystems mit wenigen Motiven auf den Rückseiten (die Vorderseiten zeigten die Porträts der Kaiser) auch Münzen geprägt wurden, die an seinen Besuch in Karthago erinnern, auf denen eine personifizierte Karthago Früchte oder Früchtekörbe in beiden Händen hält.Ursula Kampmann: Die Münzen der römischen Kaiserzeit. Regenstauf 2004, S. 371 Nr. 119.91 und 92; Manfred Beier: Das Münzwesen des römischen Reichs. Regenstauf 2009, S. 294.
mini|Karthago mit Früchten in den Händen auf einem Follis des Diokletian
Insgesamt hatte sich das System der Tetrarchie also bewährt und seine Vorzüge waren umso deutlicher, als das Reich im vorausgehenden halben Jahrhundert im Durchschnitt alle zweieinhalb Jahre einen neuen Kaiser gesehen, unentwegt am Rande eines Bürgerkriegs gestanden hatte und sich der außenpolitischen Gefahren nur mit Mühe hatte erwehren können. Auch am Rhein wurden Erfolge erzielt, so etwa gegen die Alamannen, Franken und andere germanische Stämme, wenngleich die Quellen kaum Details überliefern.Allgemein, allerdings mit teils neuer Interpretation der Chronologie, siehe Timothy D. Barnes: Imperial Campaigns, A. D. 285–311. In: Phoenix 30 (1976), S. 174–193. Britannien, das sich kurzzeitig vom Reich gelöst hatte (siehe Carausius), wurde 296 zurückgewonnen.
Reichsreformen Diokletian veranlasste weitreichende Reformen. Bei vielen lässt sich allerdings nicht genau bestimmen, ob sie nicht erst von seinen Nachfolgern, insbesondere Konstantin I., durchgeführt wurden.Vgl. allgemein und zusammenfassend den Überblick bei Roger Rees: Diocletian and the Tetrarchy. Edinburgh 2004, ISBN 0-7486-1661-6. Auf die Reformen wird jedoch in jeder gängigen fachwissenschaftlichen Darstellung zur Zeit Diokletians eingegangen; siehe auch Alexander Demandt: Diokletian als Reformer. In: Demandt, Goltz, Schlange-Schöningen (2004), S. 1ff. Unter anderem wurden in einer Verwaltungsreform die Provinzen verkleinert, wodurch sich deren Anzahl fast verdoppelte (siehe Liste der römischen Provinzen ab Diokletian), und das System der Diözesen (großer zusammenhängender Verwaltungseinheiten) eingeführt. Die zivile Verwaltung wurde durchgängig von der militärischen getrennt, eine Aufteilung, die für die ganze Spätantike typisch wurde. Auch das neue Steuersystem der Capitatio-Iugatio wurde eingeführt. Es kam zu einer stärkeren Bindung der Bauern an ihr Land (Schollenbindung), was aber kaum ein Grund für die bereits zuvor (um 270) ausgebrochenen Aufstände der sogenannten Bagauden gewesen sein kann.