mini|300px|Gnotzheim nach der 2010 veröffentlichten Magnetometerabtastung und Befunden der Reichs-Limeskommission mini|300x300px|Luftbild des Kastell aus Richtung Süden (2025) mini|300x300px|Luftbild des vorderen Kastellbereiches (Praetentura) aus Richtung Westen (2025) Das Kastell Gnotzheim, während der Antike Mediana genannt, ist ein ehemaliges römisches Militärlager, das nahe dem UNESCO-Weltkulturerbe Obergermanisch-Raetischer Limes errichtet wurde und heute unter landwirtschaftlich genutztem Boden auf den Fluren des Marktes Gnotzheim im Landkreis Weißenburg-Gunzenhausen in Bayern liegt.

Lage Das Kastell mit seiner vom Limes abgewandten, nach Südosten gedrehten Prätorialfront liegt auf einer ansteigenden Geländezunge, die Teil eines nach Nordosten abfallenden Höhenzuges des Wachtlerberges ist. An deren Südseite fließt zunächst parallel zum Hang der Wurmbach, der an der Zungenspitze, 500 Meter von der Garnison entfernt, nach Norden abknickt. Dort, in der vom Wurmbach gebildeten Talsenke, liegt auch der heutige Markt Gnotzheim. Der Blick nach Süd-/Südost wird durch den direkt über dem Wurmbachtal liegenden Spielberg begrenzt. Die Lage der Befestigung war strategisch gut gewählt, konnte von dort aus doch der rund 2,5 Kilometer südwestlich gelegene Pass zwischen dem Wachtler- und dem Spielberg eingesehen und kontrolliert werden. Dieser Pass bildete den nördlichen Endpunkt des Fränkischen Juras. Ihn überquerte die Römerstraße, die vom Kastell Munningen im Riesbecken durch Gnotzheim über eine Furt der Altmühl zum Grenzkastell Gunzenhausen führte, dessen Numerus entweder der Gnotzheimer Einheit oder vielleicht auch dem Kastell TheilenhofenThomas Fischer, Erika Riedmeier Fischer: Der römische Limes in Bayern. Verlag Friedrich Pustet, Regensburg 2008, ISBN 978-3-7917-2120-0. S. 100. unterstand. Die vom Kastell Theilenhofen kommende Straße lief direkt auf das linke, nordöstliche Seitentor, die Porta principalis sinistra zu, das südwestliche Tor, die Porta principalis dextra, war auf Munningen orientiert.

Neben diesen Aufgaben wäre Mediana dann über den Gunzenhäuser Numerus auch mit der Kontrolle des Limesdurchgangs auf dem Schloßbuck betraut gewesen und hatte sicherlich die Oberaufsicht mit dem wohl zeitgleich entstandenen Numeruskastell Unterschwaningen im Westen.

Forschungsgeschichte Das Wissen um eine wie auch immer geartete alte Ansiedlung wird durch den Namen der Flur „Auf der Weil“, auf der Castra Mediana heute liegt, deutlich. Es handelt sich bei „Weil“ um eine verschliffene Form von Villa, daher war der Platz bereits im 18. Jahrhundert bekannt. Erster Forscher an diesem Platz soll ein Hauptmann von Lindner gewesen sein. Dieser hatte sich schon 1794 mit Keramik vom Fuße des Spielbergs befasst.

Ab 1878 untersuchte Heinrich Eidam (1849–1934), der später Streckenkommissar der Reichs-Limeskommission (RLK) wurde, den Platz. Eidam hielt stetige Rücksprache mit den Bauern, von denen er erfuhr, wo sie beim Pflügen auf Mauern stießen. Diese Angaben übertrug er in Katasterpläne und erhielt so Schritt für Schritt einen konzeptionellen Plan der römischen Bauten. Mit Finanzmitteln der Königlich Bayerischen Akademie der Wissenschaften konnte Eidam ab 1889 sowie in den Jahren 1890 und 1892 erstmals Ausgrabungen an der Umwehrung vornehmen. Ab 1905 erforschte er Teile des Stabsgebäudes (Principia), des nahen Getreidespeichers (Horreum) sowie eines kleinen hypokaustierten Baues. Schon damals befand sich die Wehrmauer bis auf die tief fundamentierten Türme in einem sehr schlechten Zustand und war bis auf den untersten Fundamentbereich ausgebrochen.Jörg Faßbinder: Von Eining bis Ruffenhofen. Auf dem Weg zu einem Magnetogramm-Atlas der raetischen Limeskastelle – Ergebnisse der geophysikalischen Prospektion in Bayern. In: Peter Henrich (Hrsg.): Perspektiven der Limesforschung. 5. Kolloquium der Deutschen Limeskommission. Theiss, Stuttgart 2010, ISBN 978-3-8062-2465-8, (= Beiträge zum Welterbe Limes, 5), S. 89–103; hier: S. 92; Günter Ulbert, Thomas Fischer: Der Limes in Bayern. Konrad Theiss Verlag, Stuttgart 1983, ISBN 3-8062-0351-2, S. 72.

Schon vor Jahrzehnten wurde dafür plädiert, moderne Ausgrabungen an diesem Platz vorzunehmen, um zahlreiche offene Fragen zu klären,Günter Ulbert, Thomas Fischer: Der Limes in Bayern. Konrad Theiss Verlag, Stuttgart 1983, ISBN 3-8062-0351-2, S. 72. doch erst eine geophysikalische Prospektion des Kastellareals durch den Geophysiker Jörg Faßbinder im Jahr 2008 brachte wesentliche neue Erkenntnisse. Diesen Untersuchungen folgte kurze Zeit später eine Sondierung von Teilen des Lagerdorfes (Vicus).Carsten Mischka, Cecilia Moneta: Neue geomagnetische Prospektionen in den Kastellvici des Raetischen Limes. In: Peter Henrich (Hrsg.): Der Limes vom Niederrhein bis an die Donau. 6. Kolloquium der Deutschen Limeskommission. Theiss, Stuttgart 2012, ISBN 978-3-8062-2466-5, (= Beiträge zum Welterbe Limes, 6), S. 123–135; hier: S. 125–130. Doch auch nach diesen Untersuchungen halten die Wissenschaftler einige ihrer neuen Befunde ohne die noch immer ausstehenden Grabungen für nicht genauer deutbar.Carsten Mischka, Cecilia Moneta: Neue geomagnetische Prospektionen in den Kastellvici des Raetischen Limes. In: Peter Henrich (Hrsg.): Der Limes vom Niederrhein bis an die Donau. 6. Kolloquium der Deutschen Limeskommission. Theiss, Stuttgart 2012, ISBN 978-3-8062-2466-5, (= Beiträge zum Welterbe Limes, 6), S. 123–135; hier: S. 129. Der Zustand des Bodendenkmals hat sich seit der Zeit Eidams stark verschlechtert.Jörg Faßbinder: Von Eining bis Ruffenhofen. Auf dem Weg zu einem Magnetogramm-Atlas der raetischen Limeskastelle – Ergebnisse der geophysikalischen Prospektion in Bayern. In: Peter Henrich (Hrsg.): Perspektiven der Limesforschung. 5. Kolloquium der Deutschen Limeskommission. Theiss, Stuttgart 2010, ISBN 978-3-8062-2465-8, (= Beiträge zum Welterbe Limes, 5), S. 89–103; hier: S. 94.

Baugeschichte mini|Terra-sigillata-Schüssel aus dem Kastell Der antike Name des Platzes ist durch die mittelalterliche Nachzeichnung einer römischen Landkarte, der Tabula Peutingeriana, bekannt. Die Forschung geht davon aus, dass Castra Mediana eines der ältesten Limeskastelle ist und bereits während der Regierungszeit des Kaisers Domitian (81–96) als Holz-Erde-Verschanzung errichtet wurde. Die auf einem Weißenburger Militärdiplom. für das Jahr 107 n. Chr. in Rätien bestätigte Cohors V Bracaraugustanorum wird als damalige Stammtruppe angenommen. Der erste Ausbau der 159,0 × 144,1 Meter (= 2,3 Hektar) großen Befestigung in Stein lässt sich durch eine aufgefundene Bauinschrift auf das Jahr 144 n. Chr. festschreiben. Damals regierte Kaiser Antoninus Pius (137–161). Wie der Inschrift weiter zu entnehmen ist, wurden die Baumaßnahmen von der ursprünglich aus Thrakien stammenden, mehrfach ausgezeichneten teilberittenen Cohors III Thracum civium Romanorum equitata bis torquata ausgeführt. Diese zum größten Teil sehr gut erhaltene Inschrift befindet sich heute an der südlichen Außenfassade der barocken Gnotzheimer Michaelskirche. Eine zweite Bauinschrift, deren Reste auf der Südseite im Inneren der Kirche zu sehen sind, stammt aus der Regierungszeit Kaiser Caracallas (211–217), als die Grenzanlagen zum letzten Mal aufwendig instand gesetzt und ausgebaut wurden. Der Stein überliefert nur Teile des Textes. Die Forschung geht jedoch davon aus, dass es sich bei der genannten Einheit ebenfalls um die III. Thrakerkohorte handelt. Da sich sowohl die Principia als auch das HorreumAnne Johnson (dt. Bearbeitung von Dietwulf Baatz): Römische Kastelle. von Zabern, Mainz 1987, ISBN 3-8053-0868-X, S. 167. von Gnotzheim architektonisch noch klar der antoninischen Zeit zuordnen lassen, handelt es sich bei der zweiten Inschrift vielleicht um eine aufwändige Renovierung und Sanierung der Anlage. Aus Mediana ist noch eine dritte Inschrift bekannt geworden. Es wird angenommen, dass sie sich auf einen Numerus bezieht. Der provinzialrömische Archäologe Dietwulf Baatz (1928–2021) meinte dazu:

Umwehrung Die von Eidam ergrabene Wehranlage ist nach dem vermuteten Normschema römischer Militäranlagen errichtet worden.Anne Johnson (dt. Bearbeitung von Dietwulf Baatz): Römische Kastelle, von Zabern, Mainz 1987, ISBN 3-8053-0868-X, S. 58. Die Umwehrung besaß eine Stärke von 1,30 Metern und hatte vier abgerundete Ecken mit je einem Turm. Zwischentürme konnten nicht festgestellt werden. Die Prätorialfront, die dem Feind zugewandte Seite, war nach Südosten, zur Straße auf den Pass hin, ausgerichtet. Sowohl die Porta praetoria als auch die beiden Nebentore Porta principalis dextera und sinistra besaßen eine Doppeltordurchfahrt mit je zwei Tortürmen. Nur das Ausfalltor im Nordwesten, die rückwärtige Porta decumana, hatte nur einen einspurigen Zugang, der ebenfalls von zwei Türmen flankiert war. Am Kastell konnten bereits nach Luftbildüberfliegungen mindestens drei Doppelspitzgräben, die an den vier Toren aussetzten, beobachtet werden. Die geomagnetischen Prospektionen ergänzten und korrigierten diesen Befund. So waren letztendlich vier Gräben feststellbar, die offensichtlich ohne Unterbrechung das Kastellareal umliefen.Jörg Faßbinder: Von Eining bis Ruffenhofen. Auf dem Weg zu einem Magnetogramm-Atlas der raetischen Limeskastelle – Ergebnisse der geophysikalischen Prospektion in Bayern. In: Peter Henrich (Hrsg.): Perspektiven der Limesforschung. 5. Kolloquium der Deutschen Limeskommission. Theiss, Stuttgart 2010, ISBN 978-3-8062-2465-8, (= Beiträge zum Welterbe Limes, 5), S. 89–103; hier: S. 93; Abb. 4. Einschließlich dieser Grabenwerke nimmt das Kastell eine Fläche von 228,0 × 214,3 Metern (knapp fünf Hektar) ein.

Innenbebauung Principia Die geomagnetischen Prospektionen ließen Teile der Entwässerungsgräben erkennen, die sich entlang der Lagerstraßen abzeichneten und im Bereich der Torbauten das Kastellinnere verließen. Die fast quadratische Principia vermaß Eidam 1905 mit 42 × 44 Metern. Diese Daten wurden durch die geophysikalische Untersuchung bestätigt. Das Stabsgebäude besaß eine vorgelagerte, 11,70 × 42 Meter große Mehrzweckhalle.Jörg Faßbinder: Von Eining bis Ruffenhofen. Auf dem Weg zu einem Magnetogramm-Atlas der raetischen Limeskastelle – Ergebnisse der geophysikalischen Prospektion in Bayern. In: Peter Henrich (Hrsg.): Perspektiven der Limesforschung. 5. Kolloquium der Deutschen Limeskommission. Theiss, Stuttgart 2010, ISBN 978-3-8062-2465-8, (= Beiträge zum Welterbe Limes, 5), S. 89–103; hier: S. 93. Durch sie wurde die Via principalis überlagert. Diese Straße verband die beiden Seitentore des Kastells. Der Vorhalle, die an der Längsseite drei und an den Stirnseiten je einen Zugang aufwies, folgte nordwestlich angebaut ein Innenhof, um den sich im Karree die Verwaltungs- und Diensträume lagerten, sowie im rückwärtigen Teil ein Fahnenheiligtum (Aedes), das noch keine Apsis besaß. Die Ausgestaltung des Heiligtums mit Apsiden wurde in den Neubaukastellen erst ab der Mitte des 2. Jahrhunderts üblich.Anne Johnson (dt. Bearbeitung von Dietwulf Baatz): Römische Kastelle. Verlag Philipp von Zabern, Mainz 1987, ISBN 3-8053-0868-X, S. 152. Neben dem Fahnenheiligtum, das für die Ausgräber der RLK immer von besonderem Interesse war, untersuchte Eidam auch den darunterliegenden Kellerraum, der einst die Truppenkasse verwahrte.

Aus dem Fundgut der Principia sind die Reste einer Panzerstatue erwähnenswert, welche in der Vorhalle vorgefunden wurden. Sie datieren in das frühe 3. Jahrhundert n. Chr.Martin Kemkes: Das Bild des Kaisers an der Grenze – Ein neues Großbronzenfragment vom Raetischen Limes. In: Andreas Thiel (Hrsg.): Forschungen zur Funktion des Limes, Band 2. Konrad Theiss Verlag, Stuttgart 2007, ISBN 978-3-8062-2117-6, S. 144.

Praetorium