mini|hochkant=1.4|Pelzhändler in der kanadischen Provinz Alberta, 1890 mini|„Alfölder Bauernhaus“ aus Pelz: Ausstellungsobjekt der Millenniumsausstellung in Budapest 1896 (Fa. Katzer, Budapest). Sockel aus Seehundfellen; Unterbau Suslik; Grundmauern und Fensterverschläge Maulwurf; Hauptwände und Pfosten Bisamwamme; auf den Pfosten Igel, die Fehschweifboas im Maul halten; Fenster und Türvorsprünge Fehwamme (russisches Eichhörnchen); Giebelwände aus Seehundfellen. An den vier Ecken verschiedene Fuchsarten; Dachziegel aus Opossumschweifen; Schornstein Grebesfelle (Haubentaucher) und darauf ein Storch, der seine Jungen füttert. Steinadler und Bär schmücken das Dach. Im Giebel der Schädel eines Elches.Paul Larisch, Josef Schmid: Das Kürschner-Handwerk. 1. Jahrg., Nr. 12, 3. Teil, S. 72, Kapitel Mosaik, Paris Juni 1903.
Als Pelz wird das Fell von Säugetieren mit dicht stehenden Haaren sowie das daraus gearbeitete Kleidungsstück bezeichnet. Rauchwaren, österreichisch auch Rauwaren, sind zugerichtete, das heißt zu Pelzen veredelte Tierfelle. Pelztiere sind Wildtiere, die ein für Bekleidung verwendbares Fell haben. Diese Auflistung behandelt die Felle und die daraus hergestellten Produkte, nicht den Pelz als tierisches Organ.
Soweit die Felle nicht aus anderen Gründen anfallen (zum Beispiel bei der Fleischgewinnung), werden Pelztiere dafür gezüchtet oder gejagt. Entsprechend der Tierart werden die verschiedenen Pelzarten beziehungsweise Fellarten und die daraus gearbeiteten Kleidungsstücke bezeichnet (Nerzjacke, Bisammantel). Die Zucht geschieht in der Regel in Pelztierfarmen. Das Töten von Tieren für die Gewinnung von Pelzen, gewisse Haltungsbedingungen oder Fangmethoden von Pelztieren sowie mangelnde Verbraucherinformation darüber werden von Teilen der Bevölkerung und zahlreichen Tierschutz-Organisationen kritisiert und immer wieder in den Medien thematisiert.
Eine Auflistung der nach den in Deutschland geltenden Artenschutzregelungen geschützten Tierarten mit den Daten der Inschutzstellung nach dem Washingtoner Artenschutzübereinkommen, den EU-Verordnungen, der Bundesartenschutzverordnung und dem Bundesnaturschutzgesetz findet sich auf der Artenschutzdatenbank „WISIA“ des Bundesamts für Naturschutz in Bonn.Wissenschaftliches Informationssystem zum Internationalen Artenschutz www.wisia.de
Otto Feistle schrieb 1931 in Rauchwarenmarkt und Rauchwarenhandel: „Bei der Mannigfaltigkeit der heute zur Verwendung gelangenden Fellsorten, es sind längst über 500, sind fast alle Länder der Erde, selbst Afrika, an der Pelzproduktion beteiligt.“
Im Folgenden werden die verschiedenen Pelztierarten unter dem Aspekt der Fellnutzung aufgelistet (Herkunft und Aussehen der Felle, Fellqualitäten, geschichtlicher Rückblick auf Jagd, Zucht und Handel usw.).
Allgemein mini|links|hochkant|Bezeichnung der Fellteile Eine Definition besagt, dass als Pelze Haardichten über 400 Haare pro cm² bezeichnet werden, als Felle 50 bis 400 Haare/cm², alle darunter liegenden Behaarungsdichten sind haararme Haut.Heinrich Dathe, Paul Schöps u. a.: Pelztieratlas. VEB Gustav Fischer Verlag, Jena 1986.
Soweit die jeweilige Gesetzgebung es zulässt, werden die anfallenden Felle entsprechend ihrer Eignung wirtschaftlich genutzt. Je nach Beschaffenheit der Behaarung, des Leders (Stärke und Zustand der Haut), der Größe der Fellfläche, teils auch nach dem Grad der Färbung werden sie verschiedenen Industrien als Rohprodukt zugeführt. Dies ist neben anderen Zwecken die Rauchwarenwirtschaft, die Haarschneide-Industrie, die Gerberei-Industrie und die Leimfabrikation. Bei entsprechender Eignung lässt sich der höchste Nutzen in der Regel bei der Zuführung für Pelzzwecke erzielen. Die bei der Haarverwertung nicht gebrauchten Häute lassen sich, zusammen mit den nicht für Pelz geeigneten Fellen, zu Leder gerben. Was sonst gar nicht zu gebrauchen ist, wird zu Leim verkocht. Soweit die Felle für Pelzwerk vorgesehen sind, werden sie noch einmal nach verschiedenen Gesichtspunkten sortiert, um einheitliche Sortimente für die Verarbeitung zu erhalten; gleichzeitig wird dadurch die Grundlage geschaffen, den Wert der einzelnen Qualitäten zu bestimmen.Paul Schöps, Leopold Hermsdorf, Richard König: Das Sortiment von Rauchwaren. Hermelin-Verlag Dr. Paul Schöps, Leipzig/Berlin 1949, S. 3–6. Buchdeckel.
Die Qualität eines Felles hängt von vielen Faktoren ab. Mit Einschränkungen lässt sich verallgemeinern: Pelztierarten, die ganz oder zeitweilig im Wasser leben, haben ein besonders dichtes und strapazierfähiges Fell. Je kälter der Lebensraum, desto dichter und seidiger das Haar. Für den Winterpelz der gemäßigten und kalten Zone ist ein dichtes, weiches Unterhaar charakteristisch. Bei Tropentieren überwiegt im Allgemeinen das Grannenhaar gegenüber dem Wollhaar.Ernst Tänzer: Haar- und Fellkunde. Der Rauchwarenmarkt, Leipzig 1932, S. 11. Marderartige haben zumeist ein besonders haltbares Fell. Winterfelle sind qualitativ besser als Sommerfelle, Übergangsfelle (aus der Zeit des Fellwechsels) neigen unter Umständen zum Haarausfall („Mildhaarigkeit“) und weisen störende Nachwuchsstellen auf. Diese Stellen sind häufig als dunkle Flecken auch auf der Lederseite zu erkennen. Felle von Kleinraubtieren haben ein zügigeres und damit stabileres Leder als die von Pflanzenfressern.
Unsymmetrische Fleckenzeichnungen kommen bei Pelztieren, bis auf ganz wenige Sorten von Haarseehunden, nur bei Haustieren vor, nicht in der freien Natur. Leopard, Tiger, Giraffe, Ozelot oder Perwitzky haben Flecken, die rechte Seite ist stets annähernd gleich der linken Seite oder zumindest ähnlich.Ohne Autorenangabe: Wissen Sie schon …. In: Die Pelzwirtschaft. Verlag Die Pelzwirtschaft, Frankfurt am Main/Berlin, Oktober 1949.
Im Rauchwarenhandel und in der Kürschnerei weichen einige Begriffe von den zoologischen oder jägersprachlichen Bezeichnungen ab. Bei den meisten Fellarten wird der Bauch als Wamme bezeichnet, die Extremitäten komplett als Pfoten, außer beim Lamm (= Klauen, zum Beispiel Persianerklauen). Jeder dicht behaarte Fellschwanz heißt in der Pelzbranche Schweif, das Lamm oder Schaf wieder ausgenommen. Der Fellrücken ist der Grotzen, der hintere Teil des Felles der Pumpf. Die dunkelsten, blaustichigen Winterfelle werden in der Fachsprache blau genannt, im Gegensatz zu rot, den eher helleren und deshalb meist weniger geschätzten Farbvarianten der gleichen Fellart. Ein Fell mit dichtem, nicht straff anliegendem Haar wird als rauch bezeichnet. – Das Gerben der Felle nennt sich Zurichtung.
Im Jahre 1965 hieß es, dass zu der Zeit aus 168 Tierarten Pelze gewonnen wurden. Davon entfielen auf Europa 45 Arten, auf Asien 53, auf Nordamerika 35, auf Südamerika 16, auf Australien zehn und auf Afrika neun Arten.F. F. Aljew, Baku: Der Schutz der Pelztiere in der UdSSR. In: Das Pelzgewerbe. Hermelin-Verlag Dr. Paul Schöps, Berlin/Frankfurt am Main/Leipzig/Wien, Jahrgang XIX, Nr. 3, 1968, S. 28 (Primärquelle: S. Lebenglatz 1956) Zwanzig Jahre später wurde im Zusammenhang mit der großen Mannigfaltigkeit und Unterschiedlichkeit von Rauchwaren erklärt: „Man unterscheidet beispielsweise zur Zeit etwa 48 verschiedene, für den Rauchwarenmarkt relevante Pelztierarten mit verschiedenen Provenienzen (allein bei Füchsen 130), und durch Mutationszucht wird die Sortenvielfalt noch weiter erhöht (zum Beispiel 20 bis 30 handelsübliche Farbschattierungen bei Nerzen). Zudem fallen bei den Sorten unterschiedliche Qualitäten in Bezug auf Durchschnittsgröße, Haarschlag und Beschädigungen an“.Henning Zeumer: Die internationale Stellung der deutschen Rauchwaren-Wirtschaft unter besonderer Berücksichtigung des Standortes Frankfurt am Main. Diplomarbeit Lehrstuhl für Wirtschaftsgeographie Universität Mannheim, 1985, S. 5–6.
Kennzeichnungsbestimmungen In verschiedenen Ländern sind Regelungen getroffen worden, die vorgeben, wie eine warenehrliche Beschreibung beim Anbieten und dem Verkauf von Pelzen aussehen soll. Sie sehen insbesondere vor, dass die Tierart des verwendeten Pelzes erkennbar sein soll und dass kenntlich gemacht werden soll, wenn das Teil nicht aus ganzen Fellen, sondern aus den bei der Verarbeitung abfallenden Fellresten hergestellt wurde (Pfoten, Köpfe, Schweife, Stücken usw.).
Deutschland In Deutschland werden bei Streitigkeiten um eine korrekte Benennung des Pelzes in der Regel die in der RAL-Vorschrift 075 A 2 festgelegten Bezeichnungsvorschriften herangezogen. Erstmals festgelegt wurden sie vom Ausschuss für Lieferbedingungen und Gütesicherung beim Deutschen Normen-Ausschuss (DNA) im Jahr 1939, in einer umfassenden Gemeinschaftsarbeit zwischen den Organisationen der Erzeuger und Verarbeiter, des Handels, der Verbraucher, unter Mitbeteiligung der Behörden und der Industrie- und Handelskammern. Im Jahr 1951 wurden sie im unveränderten Wortlaut bestätigt und 1968 überarbeitet.Rauchwaren (Felle zu Pelzwerk) und daraus hergestellte Erzeugnisse (Pelz). Bezeichnungsvorschriften. RAL 075 A 2. RAL, Frankfurt am Main, Beuth Vertrieb, Berlin u. a., Ausgabe 1968.
Österreich In Österreich wurde mit Wirkung zum 1. Februar 1962 eine entsprechende Verordnung in Kraft gesetzt:
Es folgen differenzierte Ausführungsbestimmungen.Baran: Kennzeichnung der Fellart in Österreich. In: Das Pelzgewerbe. Nr. 4, 1961, Hermelin-Verlag Dr. Paul Schöps, Berlin u. a, S. 171–172.
Insektenfresser Aus der Tierordnung der Insektenfresser sind für die Pelzverarbeitung nur zwei Arten aus der Familie der Maulwürfe von Interesse: der Europäische Maulwurf (Talpa europaea) und der Russische Desman (Desmana moschata).
Felle der Amerikanisch-Asiatischen Maulwürfe wurden kaum gehandelt.
mini|links|hochkant=0.4|Maulwurffell-Farbmusterkarte Maulwurf
Maulwurffelle sind bei entsprechender Mode ein Handelsartikel der Pelzbranche. In Deutschland ist der Europäische Maulwurf seit 31. August 1980 nach dem Bundesnaturschutzgesetz (BNatschG) besonders geschützt. Insgesamt betrachtet ist diese Art weit verbreitet und gilt nicht als bedroht; die IUCN listet sie als nicht gefährdet (least concern).
Das Fell fällt in der Regel nur als Nebenprodukt an, dort wo der Maulwurf in der Landwirtschaft noch bekämpft wird. Die große Anzahl der für ein Kleidungsstück benötigten Felle ermöglicht nur einen geringen Fellpreis, was ihre Zubereitung, Abziehen, Trocknen und Sammeln, nur in ärmeren Gegenden ausreichend attraktiv macht, früher auch durch teils erhebliche Fangprämien begünstigt. In Europa scheinen die Felle derzeit nicht verarbeitet zu werden.
Russischer Desman, Pyrenäen-Desman
mini|Desman Das Fell des Russischen Desman, auch Wychuchol oder Vychuchol wird auch als Silberbisam bezeichnet. Es ist mit 20 bis 25 cm und einer Schwanzlänge von 16 bis 19 cm etwa hamstergroß und damit wesentlich kleiner als die Bisamratte.
Die kurze, feine bis seidige, sehr glänzende und dichte Behaarung ist bräunlich-rötlich, dunkelbraun bis kastanienbraun mit metallisch schimmernden dunkelvioletten Tönen, die nach den Seiten zu immer lichter werden um in der Wamme eine glänzende silberweiße Farbe zu zeigen. Das Leder wird als „namentlich am Bauch, merkwürdig dick“ beschrieben.A. Wagner, Johannes Paeßler: Handbuch für die gesamte Gerberei und Lederindustrie. Deutscher Verlag, Leipzig 1925, S. 870. Als das Fell noch verarbeitet wurde, gab es zwei Fangperioden: im Frühjahr (April) und im Herbst (Oktober). Die Aprilfelle waren deutlich raucher (dichter) als die Oktoberfelle. Insgesamt ist die Haardichte bei Weibchen größer als bei männlichen Tieren.I. I. Barabasch-Nikiforow: Die Desmane. Die Neue Brehm Bücherei, A. Ziemsen Verlag, Wittenberg Lutherstadt 1975, S. 6, 25–26. Haltbarkeitskoeffizient: 40 bis 50 %
Die Wirkung der „Hochglanzwamme“ führte am Leipziger Rauchwarenmarkt zu der Bezeichnung Silberbisam. Wegen der wertvollen Wamme wurden die Felle (anders als abgebildet) unüblicherweise im Rücken aufgeschnitten.