Schüttorf ( niederdeutsch: Schüttrup) ist eine Stadt im Landkreis Grafschaft Bentheim im äußersten Südwesten Niedersachsens nahe der niederländischen und der nordrhein-westfälischen Grenze. Die Stadt Schüttorf ist Mitgliedsgemeinde und Sitz der Samtgemeinde Schüttorf. Schüttorf ist die älteste Stadt des Landkreises.
Geografie Lage und landschaftliche Beschreibung Schüttorf liegt im äußersten Südwesten Niedersachsens, rund zehn Kilometer von der Staatsgrenze zu den Niederlanden entfernt. Kulturlandschaftlich und naturräumlich betrachtet, liegt die Stadt im Übergangsgebiet zwischen dem Emsland und Westfalen. Die Umgebung ist ländlich geprägt. Mittelzentren in der Nähe sind unter anderem Nordhorn und Rheine.
Die Stadt wird mittig in südöstlich-nordwestlicher Richtung von dem Fluss Vechte durchquert und geteilt, der im weiteren Verlauf in die Niederlande fließt. Der höchste Punkt der Stadt befindet sich auf etwa 48 Meter über NN. Schüttorf liegt an den Ausläufern des bewaldeten Bentheimer Berges, einer bis zu 80 Höhenmeter mächtigen Sandstein-Formation aus der Kreidezeit, der westliche Ausläufer des Teutoburger Waldes. Die Stadt hat nur einen kleinen Anteil am Bentheimer Wald, insgesamt gehören rund 89 Hektar Waldfläche zum Stadtgebiet, dies sind acht Prozent der Gesamtfläche.
Nördlich der Stadt befindet sich eine ehemalige Heidelandschaft, die heute vorwiegend ackerbaulich genutzt wird. Noch vor dem Ersten Weltkrieg gab es auch im Stadtgebiet große Heideflächen. Die letzte Heide wurde 1993 in landwirtschaftliche Fläche umgewandelt. Eine Besonderheit war ein Dünenbereich aus verwehtem Flugsand. Dieser Sand wurde jedoch in der Mitte des 20. Jahrhunderts abgebaut und verwertet. Der Ortsteil um diese ehemaligen Dünen heißt heute noch im Volksmund „Marokko“ oder plattdeutsch Witten Over (das Weiße Ufer) wegen des ehemals „wüstenartigen“ Charakters der Gegend.
Es gibt relativ viele Freiflächen um die Stadt, die zum großen Teil landwirtschaftlich genutzt werden. Die Wohnflächen sind durch Einfamilienhäuser geprägt. Mit der Fertigstellung des Schüttorfer Kreuzes der Bundesautobahnen 30 und 31 wurden in den Jahren 2004 und 2005 verstärkt Gewerbe- und Industrieflächen in der Nähe des Autobahnkreuzes im Nordosten der Stadt ausgewiesen.
Nordwestlich der Stadt liegt die Flussauenlandschaft Große Maate; in diesem Niederungsbereich der Vechte befinden sich viele Tümpel, die durch Überschwemmungen immer wieder gefüllt werden. Hier gibt es viele Falter und andere Insektenarten, auch der seltene Eisvogel ist anzutreffen. Die Holmer Maate ist eine Schüttorfer Flussauenlandschaft, dort lassen sich Kiebitze und Haubentaucher beobachten. Zentrumsnah befindet sich das Naherholungsgebiet Vechteniederung, das zur Naherholung, als Überschwemmungsgebiet und Regenrückhaltebecken dient.
Flächennutzung (Stand: 31.12.2015) Nutzung Fläche in haZahlen aus Katasterfläche nach Nutzungsarten (17) der tatsächlichen Nutzung (Gemeinde; Zeitreihe) bei LSN-Online, abgerufen am 25. November 2017. Wohnfläche 294 Gewerbe- u. Industriefläche 133 Erholungsfläche 73 Verkehrsfläche 212 Landwirtschaftsfläche 704 Waldfläche 368 Wasserfläche 58
Nachbargemeinden Die Stadt Schüttorf grenzt als Teil der Samtgemeinde Schüttorf vor allem an andere Mitgliedsgemeinden: Samern im Südosten sowie Quendorf im Nordwesten und Engden im Norden. Innerhalb der Obergrafschaft Bentheim grenzt Schüttorf im Westen an die Stadt Bad Bentheim. Im Osten bildet die Stadtgrenze gleichzeitig die Grenze zum Landkreis Emsland und stößt dort an Ahlde, einen Ortsteil der Gemeinde Emsbüren. Dort befindet sich auch, zwei Kilometer nordöstlich von Schüttorf gelegen, mit dem Heideweiher Ahlder Pool ein kleines Naturschutzgebiet.
25pxQuendorf3 km 25pxEngden8 km 25pxEmsbüren9 km 25pxBad Bentheim5 km 80px|Nachbargemeinden 25pxSalzbergen9 km 25pxOchtrup13 km 25pxWettringen14 km 25pxSamern3 km Entfernungsangaben beziehen sich auf die Luftlinie von Ortsmittelpunkt zu Ortsmittelpunkt.
Naturräumliche Gliederung Im Einzelnen werden nach vorwiegend geomorphologischen, geologischen und bodenkundlichen Kriterien folgende Naturräumlichen Einheiten innerhalb des Stadtgebietes unterschieden:Sofie Meysel: Die Naturräumlichen Einheiten auf Blatt 83/84 Osnabrück-Bentheim. Bundesanstalt für Landeskunde und Raumforschung, Bonn-Bad Godesberg 1961 D30 Dümmer Geestniederung und Ems-Hunte-Geest Nordhorn-Bentheimer Sandgebiet – hier mit den Untereinheiten: Nordhorn-Engdener Moor- und Sandlandschaft (Mittlere) Vechteniederung/Nordhorner Niederung D34 Münsterländische (westfälische) Tieflandsbucht Westmünsterland – hier nur mit der Untereinheit: Bentheimer Wald
Die Stadt Schüttorf liegt vorwiegend auf Talsandplatten, die von der in diesem Abschnitt kaum eingesenkten Vechteniederung durchzogen werden. Diese befindet sich auf etwa 30 Metern über NN und ist 200 bis 500 Meter breit. An den Rändern wird sie durch Flussterrassen mit einer Höhe von etwa 35 m NN begrenzt. Bedingt durch die geringen Höhenunterschiede auch innerhalb des Flusstales hatte die mittlere Vechte in der Vergangenheit mäandert; dies führte zur Bildung zahlreicher Altarme. Inzwischen ist der Flusslauf in Höhe von Schüttorf begradigt worden.
Geologie und bodenkundliche Standortbedingungen mini|Die Vechte bei Schüttorf
Die Vechteniederung ist ein Teil des Nordhorner Gletscherzungenbeckens, das während der Saaleeiszeit von einem Gletscher ausgefüllt war. Dieser hat auch die Endmoränenrücken der Uelsener Berge und der Lingener Höhe in der heutigen Grafschaft Bentheim und im Emsland geschaffen. Im Süden fand der Gletscher sein Widerlager vor dem mesozoischen Bentheimer Kreidesandstein-Bergzug. Während der letzten Eiszeit, deren Gletscher nicht in diese Region gelangten, wurde das Zungenbecken dann mit fluviatilen Talsanden aufgefüllt; örtlich kam es zu Aufwehungen von Flugsanddünen. Innerhalb des Vechtetales lagerte der Fluss holozäne, also nacheiszeitliche Sande und Auenlehme ab.
Die überwiegend sandigen, teilweise lehmigen oder moorigen Böden der Talsandplatten und der schmalen Flussaue sind relativ karg mit Bodenwertzahlen zwischen 11 und 30. Die Ausläufer des Bentheimer Berges bestehen aus „Bentheimer Sandstein“, einem Sandstein der älteren Kreidezeit. Es handelt sich bei diesem Höhenzug um den nordwestlichsten Vorposten der mitteleuropäischen Mittelgebirgsschwelle. Oberflächennah ist er in der Regel mit Tonböden und Geschiebelehm überdeckt. Der Ton wird auch industriell genutzt, so in einer Ziegelei in Suddendorf.
Klima Schüttorf liegt in der gemäßigten Klimazone Mitteleuropas. Die durchschnittliche Jahrestemperatur beträgt 8,5 Grad Celsius, der mittlere Luftdruck 1015,2 Hektopascal und die mittlere jährliche Niederschlagsmenge 700 bis 800 Millimeter. Das Klima ist subatlantisch geprägt mit eher milden Wintern und mäßig warmen Sommern. In Schüttorf selbst gibt es keine eigene Beobachtungsstelle des Deutschen Wetterdienstes. Die nächste Wetterstation ist Nordhorn, wo sich die Witterung nicht nennenswert von der in Schüttorf unterscheidet.
Der Gewässerkundliche Landesdienst des Landes Niedersachsen unterhält eine Gütemessstelle in Samern; dort werden die Pegelstände und die Gewässergüte der Vechte gemessen und dokumentiert.
Geschichte Etymologie Die Etymologie des Namens Schüttorf ist nicht genau geklärt und verschiedenen volkstümlichen Erklärungsversuchen ausgesetzt. Die verbreitetste Erklärung bietet die Sage, dass die Vechte erst 1295 durch den Bau eines Dammes um Schüttorf geleitet wurde, bei dessen Bau die Bürger ihre Handkarren auf das Kommando Schütt’t d’r up entleert hätten. Diese Sage erklärt allerdings nur einen Anklang auf die neuzeitliche Schreibweise von Schüttorf (platt: Schüttrupp).
Die frühesten Formen des Ortsnamens Schüttorf sind Scuhtthorp, Scutorpe, Scuttorpe und Scotdorpe auf Urkunden aus dem Jahr 1154; auf einer Münzprägung aus der ersten Hälfte des 13. Jahrhunderts findet sich die Schreibweise SCOTOR(p)E.
Hermann AbelsHermann Abels: Die Ortsnamen des Emslandes in ihrer sprachlichen und kulturgeschichtlichen Bedeutung. Schöningh, Paderborn 1927 vertritt die Ansicht, dass sich der Ortsname aus dem niederländischen schut (Bretterwand, Staudamm, Schleuse) ableitet, was der volkstümlichen Deutung sehr nahe kommt, historisch aber wohl zu kurz greift, weil es die bereits gestaute Vechte bei der Entstehung des Ortsnamens voraussetzt und alle Formen von Scot- unerklärt lässt, die entsprechend vom niederdeutschen Schott (Trennwand im Stall) abgeleitet werden müssten.
Eine andere Erklärung leitet den Ortsnamen von Vechteschuten ab; eine Schute ist ein flaches Schiff mit sehr wenig Tiefgang, das verwendet wurde, um den Bentheimer Sandstein zu verschiffen. Die Vechte ist ab Schüttorf mit solchen Schuten schiffbar, und es ist bekannt, dass hier Stein verladen wurde. Diese Erklärung setzt allerdings eine intensive Flussschifffahrt bei der Ortsgründung voraus.
Eine ganz andere Deutung ist die, dass der Name Schüttorf von Scutthorpe oder Scuttrop stammt, was Schutzdorf bedeutet und der Burg Altena in der Stadt entlehnt ist. Historisch greift aber auch diese Erklärung zu kurz, da die Burg Altena nicht von Anfang an in der Stadt existierte.
Eine moderne Erklärung leitet den Ortsnamen vom plattdeutschen Scuit (Ire) ab. Der mittelalterliche Name Irlands war Scoti oder Scotti. Im gälischen gibt es zahlreiche Dialekte, die die Vokalvarianten o und u beinhalten und erklären. Zudem weisen bei Ausgrabungen um Schüttorf gefundene irische Ringkreuze und Fächerkreuze auf die Anwesenheit irischer Mönche in der Gegend hin.
Frühgeschichte Bei Baggerarbeiten zu einer Bahnlinie wurde in Schüttorf der Oberschenkelknochen einer Frau gefunden, dessen Alter auf etwa 2000 v. Chr. bestimmt werden konnte. Schüttorf muss also zu dieser Zeit schon besiedelt gewesen sein, ungefähr zu dieser Zeit entstanden auch die Hünengräber im benachbarten Emsbüren. Auch ein Tongefäß, das 1927 gefunden wurde, weist in dieselbe Zeit.
Schon sehr früh befand sich an der Stelle des heutigen Schüttorf eine wichtige Kreuzung zweier Handelsrouten, da die Vechte hier durch eine Furt passierbar war. An diesem Knotenpunkt befand sich ein Urhof, um den sich die Siedlung entwickelte und der als der „Alte Hof“ bis 1792 bestand.
Im 6. oder 7. Jahrhundert kamen dann Missionare von den Britischen Inseln nach Schüttorf. Bei Ausgrabungen wurden zum Beispiel irische Ringkreuze gefunden. Die Benennung des Stadtteils „Schottbrink“ in Schüttorf, die es nachweislich schon im 15. Jahrhundert gab, weist zudem auf die Anwesenheit von Iren in der Gegend hin.
Im 8. und 9. Jahrhundert wurden dann, um die Christianisierung voranzutreiben, Bauern aus dem Gebiet um Calais und Boulogne in Schüttorf angesiedelt. Noch heute tragen viele Familien in Schüttorf Namen, die von Dorfnamen in der Gegend stammen, wie zum Beispiel Hermeling von Hermelinghen, Hummert von Humbert oder Wanning von Maninghen.Heinrich Funke: Zur Frühgeschichte der Stadt Schüttorf. In: Bentheimer Jahrbuch 1985. Verlag Heimatverein der Grafschaft Bentheim, Bad Bentheim 1984, ISBN 3-922428-11-8
Stadtrechte mini|Urkunde über die Stadtrechte von 1295, verliehen durch Graf Egbert zu Bentheim mini|Jacob Izaaksoon van Ruisdael: Ansicht der Stadt Schüttorf von Osten, um 1650 mini|Die drei Schüttorfer Wassermühlen um 1650 von Jacob Izaaksoon van Ruisdael mini|Eine Ansicht der Stadt aus dem 18. Jahrhundert