Karl Höffkes (* 1. Februar 1954 in Oberhausen) ist ein deutscher Sachbuchautor, Verleger und Medienhändler. In den 1980er und 1990er Jahren betätigte er sich als geschichtsrevisionistischer Zeithistoriker in rechtsextremen Verlagen. Zudem legte er eine umfangreiche Sammlung privater und medialer Überlieferungen insbesondere aus der Zeit des Nationalsozialismus an, mit denen er Handel treibt sowie Dokumentarfilme und Hörbücher produzierte.
Leben Höffkes studierte Germanistik, Philosophie und Geschichte an den Universitäten Düsseldorf und Duisburg. Er schloss sein Referendariat mit dem Zweiten Staatsexamen abKress-Report und war danach einige Zeit im Schuldienst als Studienrat tätig.Franz Gress/Hans-Gerd Jaschke/Klaus Schönekäs: Neue Rechte und Rechtsextremismus in Europa, Westdeutscher Verlag, Wiesbaden 1990, S. 325. Im Handelsregister wird er ab 1996 als Kaufmann geführt.Berufsbezeichnung bei der Eintragung als Prokurist der Polar Film- und Medien GmbH, Registergericht Dortmund, Blatt HRB 12182
Jahrelang betätigte sich Höffkes im Umfeld des Bundes Heimattreuer Jugend (BHJ) und dem BHJ nahestehenden Arndt-Verlag. Er war von März 1983 bis September 1984 Beisitzer im Vorstand der rechtsextremen Gesellschaft für freie PublizistikMargret Feit: Die Neue Rechte in der Bundesrepublik, Campus Verlag, Frankfurt (Main) 1987, S. 77. und als Autor für den Arndt-Verlag, den Druffel-Verlag und den Grabert-Verlag tätig, alle drei Organe der extremistischen Rechten. Daneben veröffentlichte er in der ebenfalls rechtsextremen Zeitschrift Nation Europa (später: Nation und Europa).
Von 1984 bis 1987 war er Redaktionsmitglied und Mitverleger der „nationalrevolutionären“ Zeitschrift Wir selbst.Thomas Assheuer, Hans Sarkowicz: Rechtsradikale in Deutschland. Die alte und die neue Rechte. C.H. Beck Verlag München 1992, S. 76. Zusammen mit dem neurechten Siegfried Bublies gründete Höffkes 1985 den Verlag „Bublies und Höffkes“. Ende 1986 trennten sie sich wieder, und Bublies wurde durch Detlev Heitz ersetzt. Der Verlag benannte sich um in „Heitz & Höffkes“.Siegfried Jäger, Rechtsdruck: die Presse der Neuen Rechten, Band 24 von Dietz Taschenbuch 1988, S. 78 In der Verlagsleitung waren zusätzlich Heinz Mahncke und Werner Georg Haverbeck tätig. Höffkes’ Verlag publizierte bis in die 1990er Jahre Bücher von Armin Mohler, Hans-Dietrich Sander, Herman Wirth, Hermann Giesler oder Adolf von Thadden. Das Sortiment des als rechtsextrem und revisionistisch eingestuften VerlagsHeiko Langanke, Die extreme Rechte in der Bundesrepublik: Ideen, Ideologien, Interpretationen, Band 38 von Edition Philosophie und Sozialwissenschaften, Argument Verlag 1996, S. 74 reichte von „Bilderchronik der SS-Schule Haus Wewelsburg“ bis „Altheidnisches und Deutschtümelndes“.Wolfgang Benz, Rechtsextremismus in Deutschland, Fischer Taschenbuch Verlag 1994, S. 81
In den 1980er Jahren begann Höffkes, private Filme und Dias aus den Jahren 1914 bis 1946 zu sammeln.Stefan Ruzas, Der Geschichte-Händler, in: Focus Nr. 23/2009, S. 99. Sie bildeten den Ausgangspunkt einer später begründeten „Agentur Karl Höffkes“ für den Handel mit zeitgeschichtlichem Material, vor allem zum Nationalsozialismus.1986 in seinem Buch Hitlers politische Generale: die Gauleiter des Dritten Reiches : ein biographisches Nachschlagewerk erwähnt
Anlässlich einer Rundreise von David Irving in Deutschland, organisiert von Bela Ewald Althans traf Höffkes Irving am 19. April 1990 in München und knüpfte engeren Kontakt zu ihm. Irving besuchte Höffkes am 8. Juni 1990 in Essen. Die mit ihm geführten Interviews sollte Höffkes vermarkten. Weitere Interviews mit Irving gab es am 12. Februar 1991 anlässlich seiner Rede bei der Deutschen Volksunion in Passau.Hajo Funke, David Irving, Holocaust Denial, and his Connections to Right Wing Extremists and Neo-National Socialism (Neo-Nazism) in Germany, Gutachten 1999, online einsehbar
Gemeinsam mit einem Geschäftspartner war er ab 1996 Inhaber der Firma Polar Film + Medien GmbH in Gescher/Westfalen.Polar Film- und Medien GmbH, Registergericht Dortmund, Blatt HRB 12182 2010 wurde die Polar Film + Medien GmbH von SchröderMedia übernommen.Presseerklärung der SchröderMedia Handels GmbH vom 4. August 2010
Im Jahr 2012 nahm Höffkes an einer Gruppenreise in den Iran teil, die der Betreiber des islamistischen Online-Portals Muslim-Markt, Yavuz Özoguz, organisiert hatte. Der iranische Präsident Mahmud Ahmadinedschad empfing die Gruppe zu einer Privataudienz. In den Medien wurde die Reise angesichts Ahmadinedschads Leugnung von Holocaust und Existenzrecht Israels als Legitimierung des iranischen Unrechtsregimes bzw. „Pilgertour [vereinigter] Antisemiten“ scharf kritisiert.Jonas Nonnenmann: FDP-Landtagskandidat wirbt für Ahmadinedschad In: Berliner Zeitung. 4. Mai 2012FDP-Lokalpolitiker bei Ahmadinedschad: Die unglaubliche Reise des Herrn Hübscher In: Spiegel Online, 3. Mai 2012FDP-Politiker bei Ahmadinedschad: Hübschers wundersame Reisegruppe In: Spiegel Online, 4. Mai 2012Benno Schirrmeister: Berufsverbot für Delmenhorster FDP-Politiker – Besuchen verboten. In: taz.de, 14. Mai 2012.Sigrid Deutschmann: NS-Geschichtsbildchen aus bräunlichem Filmarchiv, Hagalil vom 6. November 2012 Laut Judith Faessler war diese Reise insofern einzigartig, als sie eine Kooperation deutscher schiitischer Islamisten mit deutschen Rechtsextremisten dokumentieren würde. Höffkes wurde von ihr als „Geschichtsrevisionist“ eingeordnet.Judith Faessler, Islamismus und Rechtsextremismus – Wechselseitige Perzeptionen, Konfrontationen und Kooperationen, In: Zeitschrift Totalitarismus & Demokratie, Nr. 1 2014, S. 92
Wirken Laut eigenen Angaben verfügt Höffkes über eine große Zahl privater Filme, Schwarz-Weiß-Bilder und Farbdias insbesondere aus der Zeit des Nationalsozialismus. Laut der Westfälischen Rundschau zählt sein Archiv „zu den größten der Republik.“ Er vermarktet seine Archivbestände weltweit an unterschiedliche Abnehmer. Daneben produziert er aus seinem Archivmaterial Dokumentarfilme, die er als DVDs vertreibt.Angelika Wölke, Auf der Suche nach Privatem, Westfälische Rundschau vom 23. Juli 2009, online einsehbar Regie bei Höffkes-Produktionen führten u. a. Hermann Pölking-Eiken, Uwe Sauermann, Bastian Clevé und Jörg Müllner.Siehe Nachspann auf den DVDs „Memphis Belle. Die Wahrheit des Luftkrieges“, „Erkenne deinen Feind! Frank Capra‘s Here is Germany“ und „Hitlers Deutschland 1937“ (Regie: Hermann Pölking-Eiken), „Deutsche Rekorde Teil 1-3: Elly Beinhorn, Zeppeline, Segelflieger“ (Regie: Uwe Sauermann), „Hitlers Propagandakrieger – Auf den Spuren des PK-Zeichners Otto Clevé“ (Regie: Bastian Clevé) und „Görings Geheimnis“ (Regie: Jörg Müllner)
Zu den Archivalien zählen Nachlässe, wie etwa dem von Götz Hirt-Reger, einem ehemaligen PK-Filmberichterstatter der Deutschen Wochenschau, und dem des Amateurfilmers Walther Bever-Mohr, aber auch regionalgeschichtliche Chroniken und private Filmtagebücher unterschiedlichster Provenienz. Nach dem Stand von 2014 umfasste das Archiv über 1.400 Stunden digitalisiertes Material, das von der Zeit um die Jahrhundertwende bis in die 1960er Jahre datiert.Dirk Alt: Judenboykott – Landserfreizeit – Gymnastik mit Eva Braun. Amateurfilme der NS-Zeit. In: Filmblatt Nr. 57 (2015), S. 46–59, zum Archiv S. 48, zu Hirt-Reger S. 56–57.
Neben seiner Sammlertätigkeit führte er eine Vielzahl von Interviews mit Zeitzeugen, die er ebenfalls Interessenten anbietet. Neben vormaligen Angehörigen von Wehrmacht und SS sowie NS-Funktionären wie Artur Axmann interviewte er ehemalige KZ-Häftlinge.Stefan Ruzas, Der Geschichte-Händler, in: Focus Nr. 23/2009, S. 99. Dieser Interview-Bestand wird auch von der zeitgeschichtlichen Forschung genutzt. In Höffkes‘ Interview mit Elisabeth Grünbauer, geborene Popp, bei deren Eltern Adolf Hitler vor dem Ersten Weltkrieg zur Untermiete wohnte, entdeckte der Historiker Thomas Weber Anzeichen dafür, dass Hitler bereits früher als bislang angenommen zum Antisemiten wurde. Armin Fuhrer, Hitlers Judenhass ist älter als angenommen, in: Focus Online, 13. März 2020. Weber bezeichnete den Interview-Fundus als „unverhofft gefundene Goldkiste“.Interview mit Thomas Weber: „Wir haben wieder Demagogen mit den Talenten Hitlers in der Welt“, in: Spiegel Online, 13. März 2020. Die gesammelten Interviews, die Höffkes mit Zeitzeugen zum Thema Hitler führte, wurden 2020 von Wieland Giebel in Buchform herausgegeben.
Während einige der Polar-Film Dokumentationen in öffentlich-rechtlichen als auch privaten Sendern ausgestrahlt wurden, wurden andere aufgrund ihrer politischen Tendenzen kritisiert. So etwa die 2004 produzierte, revisionistische Dokumentation „Geheimakte Heß“ von Olaf Rose und Michael Friedrich Vogt. Das Landgericht Berlin sah eine klare Mitverantwortung Höffkes am Heß-Kult, zu der die Mordthese gehört und die „gerade in rechtsextremistischen Kreisen Rudolf Heß zum Märtyrer und zur Ikone der Rechtsextremisten mache“.Urteilsbegründung Landgericht Berlin vom 29. Juni 2010, Höffkes gegen VVN; AZ 27 O 1161/09
2014 arbeitete Höffkes gemeinsam mit Hermann Pölking-Eiken als Materialrechercheur für den Dokumentarfilm Heinrich Himmler – Der Anständige („The Decent One“).Barbara von der Lühe. „Der Anständige“. Eine kurze Mediengeschichte des Himmler-Nachlasses, In: Zeitschrift Tribüne, 10. März 2014, online einsehbar
2015 erwarb Höffkes den Nachlass des Kriegsmarineangehörigen Reinhard Wiener, der 1941 in Liepāja Aufnahmen eines Massenmordes der deutschen Einsatzgruppen gedreht hatte.Dirk Alt, Was ist das Gedächtnis der Nation?, Frankfurter Allgemeine Zeitung vom 8. Dezember 2016, S. 13 – Feuilleton Es handelt sich bei Wieners Film um die einzigen bis heute bekannten Aufnahmen eines solchen Verbrechens. Diese und andere Holocaust-bezogene Filme seiner Sammlung präsentierte Höffkes im September 2016 auf einer Fachtagung der Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem in Jerusalem. Archivmaterial aus Höffkes‘ Sammlung setzt Yad Vashem auch für Lehr- und Schulvideos ein.Credits zur von Yad Vashem produzierten Holocaust Education Video Toolbox
2017 fungierte er als Executive Producer und Rechercheur für den von Thorsten Pollfuß produzierten Dokumentarfilm Wer war Hitler (Regie: Hermann Pölking-Eiken).Presseheft zum Film „Wer war Hitler“, Kinostart 16. November 2017, S. 3 online einsehbar
2021 entdeckte er im Nachlass eines Wehrmachtoffiziers private Fotos des Hitler-Attentäters Claus Schenk Graf von Stauffenberg, von dem bis dahin kaum Bilder bekannt waren.Sven Felix Kellerhoff: Der Mensch hinter dem Widerständler. In: Welt am Sonntag, 18. Juli 2021, S. 45.
Publikationen und Rezeption Einige von Karl Höffkes verfasste Bücher wurden in rechtsextremen Verlagen publiziert, so sein 1986 im Grabert-Verlag erschienenes Nachschlagewerk Hitlers politische Generale: die Gauleiter des Dritten Reiches, das aufgrund seiner Fülle an biografischen Rohdaten Einzug in der Forschung zum Nationalsozialismus fand, obwohl dem Buch von Historikern eine apologetische Zielsetzung attestiert wurde.Dietrich Orlow, The Nazi Party 1919-1945: A Complete History, Enigma Books 2010, Seite xiii im VorwortHorst Möller, Udo Wengst, Einführung in die Zeitgeschichte, C.H.Beck 2003, S. 274 Auch das Hauptstaatsarchiv Stuttgart bewertete Höffkes als „rechtsextremen Historiker“.Landesarchiv Baden-Württemberg: „Der rechtsextreme Historiker Karl Höffkes befragt Artur Axmann“, siehe: . Wieland Giebel bezeichnete es dagegen als Höffkes’ „Verdienst, überlebende Akteure des Nationalsozialismus beharrlich befragt und ihre Aussagen dokumentiert zu haben“.Wieland Giebel (Hrsg.), Ich traf Hitler. Die Interviews von Karl Höffkes mit Zeitzeugen, Berlin Story Verlag 2020, S. 19.
Dokumentationen von Höffkes’ Filmfirma Polar-Film wurden zum Teil in das Programm rechtsextremer Versandhandelsfirmen wie dem Verlag Bublies aufgenommen, werden jedoch auch von kommerziellen Anbietern angeboten.