hochkant|mini|Hermann Conring (1940) Hermann Johannes Conring (* 4. November 1894 in Aurich; † 9. Februar 1989 in Weener)Das Grab von Hermann Conring auf der Website www.grabsteine-ostfriesland.de; abgerufen am 11. Januar 2014 war ein deutscher Verwaltungsjurist und Ministerialbeamter. In der Zeit des NS-Staats hatte er Funktionen in von der Wehrmacht besetzten Gebieten inne; so war er 1940–1945 Beauftragter des Reichskommissars für die Niederlande in der Provinz Groningen. Nach dem Zweiten Weltkrieg engagierte er sich für die CDU.

Leben Conrings Eltern waren der Amtsgerichtsrat Hermann Hajo Conring und die aus Weener stammende Marie Tjaberdine Wilhelmine Hesse. Von 1900 bis 1904 besuchte Conring die Volksschule Aurich und anschließend das königliche Gymnasium (heute: Gymnasium Ulricianum), wo er 1913 die Reifeprüfung ablegte. Conring galt als guter Schüler, der 1912 zum Geburtstag des Kaisers einen Buchpreis erhielt und neben zwei weiteren Mitschülern von der mündlichen Prüfungen befreit wurde.Heiko Suhr: „... als der bedeutendste Ostfriese im 20. Jahrhundert anzusehen“? Die öffentliche und juristische Aufarbeitung der NS-Vergangenheit Hermann Conrings. In: Michael Hermann (Hrsg.): Das 20. Jahrhundert im Blick. Beiträge zur ostfriesischen Zeitgeschichte. Bernhard Parisius zum 65. Geburtstag. Aurich 2015. S. 118

Conring, der evangelisch-reformierten Glaubens war, studierte 1913–1916 an der Georg-August-Universität Göttingen Rechtswissenschaft. 1913 wurde er im Corps Hannovera Göttingen recipiert.Kösener Corpslisten 1960, 42/889. Da Conring, der aufgrund einer angeborenen Behinderung (er wurde ohne linke Hand geboren) für den Militärdienst untauglich war, verblieb er über die Kriegsjahre in Göttingen, wo er ab 1914 die Kriegszeitung des Corps herausgab. Ab 1916 war er Gerichtsreferendar am Amtsgericht Hann. Münden.

Im Oktober 1916 bestand er das erste Staatsexamen mit Auszeichnung. 1917 wurde er in Göttingen zum Dr. iur. promoviert.Dissertation: Grundbegriffe des Fundrechts. Danach war er Regierungsreferendar beim Landgericht Springe und ab 1918 beim Landrat Linden tätig. 1919 war er zunächst Vertreter des Landrates in Hameln, anschließend in Springe und danach Hilfskraft beim Oberbürgermeister von Hannover. Am 8. Januar 1921 legte er die Große Staatsprüfung erfolgreich ab und war von 1921 bis 1927 als Regierungsassessor im Preußischen Finanzministerium und dann im Preußischen Staatsministerium tätig. 1927 wurde er zunächst zum stellvertretenden Landrat im Landkreis Northeim ernannt. Ab 1928 hatte er die Stelle dann dauerhaft inne. Gustav Noske, der sozialdemokratische Oberpräsident der Provinz Hannover, beurteilte ihn als „einen weit über dem Durchschnitt stehenden Beamten“.Walter Deeters: Eintrag Hermann Johannes Conring. Biographisches Lexikon für Ostfriesland, 1993, S. 85–89, ISBN 978-3-925365-75-1 Im April 1930 verlor Landrat Ludwig Kleine in Leer sein Amt, weil er im Provinziallandtag für einen Antrag der Nationalsozialisten gestimmt hatte. Daraufhin wurde Conring zu seinem Nachfolger als Landrat des Landkreises Leer gewählt, wo er bis 1945 im Amt war (seit 1940 beurlaubt). In seiner Amtszeit oblag ihm die Durchführung der preußischen Kreisreform, nach der der Landkreis Leer um die Insel Borkum und die östlich von Emden gelegenen Teile des aufgelösten Landkreises Emden erweitert wurde und nach der Auflösung des Landkreises Weener das Reiderland dazukam.

Funktionen im NS-Staat 1933 war Conring Mitglied im Reichsbund der Deutschen Beamten. Von 1933 bis 1936 gehörte er dem NSRB an. Von 1934 bis 1945 war er zudem Mitglied in der NSV. 1942–1945 war er ehrenamtlicher Präsident der Ostfriesischen Landschaft.Glienke 2012, S. 149f.

Nach der Machtübernahme der NSDAP im Frühjahr 1933 blieb Hermann Conring als Landrat im Amt, wohl wegen seiner guten Beziehungen zum nationalsozialistischen Ministerpräsidenten des Freistaats Oldenburg Carl Röver, der Conring als Antikommunisten und „national gesinnten Patrioten“ sowie aufgrund seiner Fähigkeiten in der Verwaltung schätzte.Glienke 2012, S. 67.Gerhard Keller: Renazifizierung der Bundesrepublik Deutschland. ISBN 978-3-7392-4980-3 (). Auf der Sitzung des Kreistages am 7. April 1933 bezeichnete Conring die Demokratie als eine Staatsform, die den „unaufgebbaren Kräften des deutschen Volkes“ nicht entspräche. Er beendete seine Rede mit einem dreifachen „Sieg Heil“.Henning Priet: Die Stadt Leer und das "Dritte Reich". S. 22 ().

In seiner Funktion als Landrat von Leer unterzeichnete Conring Schutzhaftbefehle gegen Oppositionelle und beantragte beim Regierungspräsidenten die Verhaftung und Überstellung von Kommunisten in Konzentrationslager (so z. B. in das KZ Börgermoor).Glienke 2012, S. 68f. Als etwa der Viehhändler Henry de Jonge am 7. Juni 1933 wegen Nötigung und Beleidigung eines Landjägermeisters zu drei Monaten Gefängnisstrafe verurteilt wurde, setzte sich Conring für die anschließende Verlängerung seiner „Schutzhaft“ ein: „Jonge ist ein ganz besonders übler marxistischer Jude, der hier an der Grenze unmöglich freigesetzt werden kann.“Glienke 2012, S. 69..1942 wurde de Jonge in Auschwitz ermordet.Stolpersteine. Am Hafen in Weener (PDF; 3,8 MB) Abgerufen am 24. März 2020. Ein Vergleich mit anderen ostfriesischen Städten und Kreisen zeigt, dass Erich Drescher (mit dem Conring enge Absprachen hielt) und Conring für fast 2/3 aller Hafttage in Ostfriesland verantwortlich waren. Auch setzte er sich für die Ernennung eines nationalsozialistischen Professors zum „Rector Magnificus“ der Universität Groningen sowie für die Deportation demonstrierender Studenten in Internierungslager ein.

Ab März 1933 wirkte Conring in Zusammenarbeit mit dem Nationalsozialisten Erich Drescher daran mit, den Leeraner Bürgermeister Erich vom Bruch aus dem Amt zu drängen, indem er diesem seine (rechtswidrige) Absetzung ankündigte. Vom Bruch beging am 7. Mai 1933 Suizid. Die Gauleitung der NSDAP hatte ursprünglich geplant, auch Conring aus seinem Amt als Landrat zu entfernen, da dieser ein „charakterloser, liberalistischer und ehrgeiziger Streber“ sei, der alles vermeide, um bei der Partei anzuecken. Außerdem wurde seine arische Abstammung angezweifelt, eine damals übliche Methode, um Politiker zu diskreditieren. Conring versicherte dem kommissarischen Regierungspräsidenten Gustav Bansi, dass er immer „rechts“ gewählt habe und zuletzt die NSDAP. In einer Stellungnahme wegen der Hissung einer Hakenkreuzfahne und einer schwarz-weiß-roten Reichsflagge vor dem Leeraner Kreishaus schrieb er am 8. März 1933: „Ich selbst habe die Hissung der Flaggen mitveranlasst [...] aus meiner persönlichen politischen Einstellung, da ich auch bei dieser Wahl nationalsozialistisch gewählt habe.“ 1937 überstand er dank des Wohlwollens von Viktor Lutze, dem Oberpräsidenten der Provinz Hannover, eine Intrige der Gestapo. Am 7. Juli 1937 beantragte er auf Aufforderung seines Schutzpatrons Röver die Aufnahme in die NSDAP und wurde rückwirkend zum 1. Mai desselben Jahres aufgenommen (Mitgliedsnummer 5.104.902).Bundesarchiv R 9361-IX KARTEI/5531246

Ab 1939 wurde Conring als Oberkriegsverwaltungsrat im deutsch besetzten Polen und später in Belgien eingesetzt.Glienke 2012, S. 73. Von 1940 bis 1945 war Conring im Range eines Wehrmacht-Oberstleutnants zunächst beim Militärbefehlshaber in Frankreich und ab Juni 1940 „Beauftragter des Reichskommissars für die besetzten niederländischen Gebiete für die Provinz Groningen“. Als Friese war er mit einigen Groninger Familien verwandt und sprach die Niederländische Sprache. Am 1. August 1940 begleitete Conring Heinrich Himmler beim Besuch ostfriesischer Bauernhöfe.

Laut Conrings eigenen Angaben nach dem Krieg erfolgte die Kommandierung in die Position in Groningen „wider seinen Willen“. Bei seinem Vorgesetzten Arthur Seyß-Inquart beschwerte er sich erfolglos über ungenügend Machtbefugnisse, und dass er „so gut wie nichts zu sagen“ habe. Er zeigte sich aber äußerst erfolgreich in der Nazifizierung der niederländischen Behörden. Conring hatte sein Büro im Huis Panser neben dem Scholtenhuis, dem berüchtigten Sitz der Gestapo, wo Häftlinge verhört und gefoltert wurden. Conring beschwerte sich beim Kommandeur des Scholtenhuis, Bernard Georg Haase, dass er wegen des Geschreis der misshandelten Opfer, das aus dem „Verhörzimmer“ des Gestapo-Mitarbeiters Robert Lehnhoff drang, nicht arbeiten könne.Wolfgang Kellner: Verfolgung und Verstrickung. ISBN 3-7439-6806-1, S. 146 ().

In einem persönlichen Gespräch soll Conring geäußert haben, dass man „im Krieg hart sein“ müsse. Der Nationalsozialismus könne nur dann gewinnen, wenn die jüdischen Feinde vernichtet wären. Dem Nationalsozialismus gehöre die Zukunft und nicht den christlichen Kirchen, deren Zeit endgültig vorbei sei. Als der niederländische Politiker Linthorst Homan darum bat, den ersten Geiger der Groninger Orchestervereinigung, Jo Juda, mit Hinweis auf dessen Beethoven-Konzerte aus der Haft zu entlassen, antwortete Conring: „Unmöglich! Beethoven war Germane und ein Jude kann Beethoven nicht verstanden haben.“ Auch schrieb er: „Für die Provinz Groningen wäre es sehr wünschenswert, wenn die Juden möglichst bald aus der Nachbarschaft des Küstenplatzes Delfzijl, insbesondere also aus Appingedam und Winschoten usw. bevorzugt verschwänden.“Hans-Peter Klausch: Braune Wurzeln - Alte Nazis in den niedersächsischen Landtagsfraktionen von CDU, FDP und DP. Zur NS-Vergangenheit von niedersächsischen Landtagsabgeordneten in der Nachkriegszeit (PDF-Datei; 1,73 MB) S. 4. Da eine alliierte Luftlandung im Norden der Niederlande erwartet würde, verlange die Wehrmacht einen Abtransport der Juden, weil sie als potentielle Kriegsgegner angesehen würden. Conring verteidigte sich nach dem Krieg: „Auf Ehre und Gewissen, von Vernichtungslagern habe ich nichts gewußt. Ich nahm an, die Juden sollten in Arbeitslagern für die durch Einberufungen geschwächte deutsche Kriegswirtschaft eingesetzt werden.“

Marten Buist, Historiker an der Rijksuniversiteit Groningen, urteilte: „Conring war ein intelligenter Mann und ein ausgesprochener Nazi, der sich mit Kraft seiner Aufgabe widmete, die Groninger zur ‚Neuen Ordnung‘ zu bekehren, [...] Halbe Sachen waren von ihm nicht zu erwarten.“ Er habe entschlossen den Arbeitseinsatz [von Niederländern in Deutschland] und die Deportation von Juden vorangetrieben. Eine aktive Beteiligung an der nationalsozialistischen Judenverfolgung konnte in einem später auf Antrag gegen ihn eingeleiteten Ermittlungsverfahren allerdings nicht festgestellt werden, zumal entsprechende Akten nach der Explosion des Scholtenhuis im April 1945 verbrannt waren.

Im April 1943 schlug Conring in einem Fernschreiben an Staatssekretär Friedrich Wimmer in Den Haag vor, in den Niederlanden konfiszierte Möbel an Bombenopfer in Deutschland zu übergeben. Nach dem Krieg wurde ihm dies vorgeworfen, Conring bestritt allerdings jegliche aktive Mitwirkung an solchen Vorgängen. Erwiesen ist, dass er für sich privat und für die Ostfriesische Landschaft zahlreiche wertvolle Gegenstände aus dem Antiquitätengeschäft der Familie Arent Gans in Delfzijl erwarb, nachdem die jüdische Besitzerin Kornelia Gans-Visser bereits deportiert worden war. Nach dem Krieg mussten die Gegenstände zurückgegeben werden.

Nach dem Krieg