Nairo Alexander Quintana Rojas (* 4. Februar 1990 in Cómbita, Boyacáhttps://www.elespectador.com/noticias/nacional/combita-pueblo-de-nairo-se-convierte-atraccion-turistic-articulo-611429) ist ein kolumbianischer Radrennfahrer, dessen bisher größte Erfolge die Gewinne des Giro d’Italia 2014 und der Vuelta a España 2016 sind.
Kindheit und Jugend Nairo Quintana entstammt einer Bauernfamilie aus Cómbita in Kolumbien, 2800 Meter hoch in den Anden, die von dem Verkauf von Obst und Gemüse lebte. Als er sieben Jahre alt war, hatte sein Vater einen schweren Unfall mit einem Lastwagen, musste insgesamt 14-mal operiert werden und war seitdem körperlich behindert. Die fünf Kinder mussten täglich auf dem Hof mithelfen. Aus Geldnot waren die Eltern nicht in der Lage, für Nairo den Schulbus zu bezahlen, und er musste täglich mit einem 20 Kilogramm schweren Fahrrad in die Schule nach Arcabuco fahren. Eine Strecke betrug 25 Kilometer und führte zurück über eine achtprozentige Steigung bergan.Nairo Quintana – Das Juwel aus den Anden auf faz.net v. 18. Juli 2013‚Nairo Quintana es un hijo del campo‘: madre del ciclista auf eltiempo.com v. 19. Juli 2013
Sein jüngerer Bruder Dayer Quintana (* 1992) ist ebenfalls Berufsradfahrer.
Sportliche Laufbahn Nairo Quintana begann seine Karriere beim kolumbianischen Boyaca Es Para Vivirla-Lecheboy Team, für das er im Jahr 2009 seine ersten Rennen in Europa bestritt. Er gewann die Nachwuchswertung der Vuelta a la Comunidad de Madrid und wurde kolumbianischer Meister im Einzelzeitfahren der Klasse U23. Zudem startete er bei den Straßenradsport-Weltmeisterschaften des Jahres 2009 bei den Junioren. Im Jahr 2010 wechselte er zum Cafe de Colombia-Colombia Es Pasion Team, das ein Jahr später eine UCI ProContinental Lizenz löste und somit bei größeren Rennen starten konnte. Im Jahr 2010 gewann Nairo Quintana für die kolumbianische Nationalmannschaft die Tour de l’Avenir, nachdem er sich die letzten beiden Bergetappen sicherte. Im Jahr 2011 gewann er die Bergwertung der Katalonien-Rundfahrt, die als Rennen der UCI WorldTour ein Teil der höchsten Rennserie im Radsport war.
Wechsel zum Movistar Team Im Jahr 2012 wechselte Nairo Quintana zum spanischen Movistar Team, das als UCI WorldTeam an den größten Radrennen der Welt teilnahm. Bereits in seiner ersten Saison gewann er eine Etappe und die Gesamtwertung der Murcia-Rundfahrt, ehe er bei dem Critérium du Dauphiné eine Alpen-Etappe vor dem damaligen Tour-de-France-Sieger Cadel Evans gewann. Wenige Tage später nahm er die Route du Sud in Angriff und holte neben einer Etappe seinen zweiten Sieg im Gesamtklassement. Nach der Clásica San Sebastián wurde er mit der Vuelta a España 2012 zu seiner ersten Grand Tour nominiert, die er auf dem 36. Gesamtrang beendete. Zudem gewann er mit seinen Teamkollegen das Mannschaftszeitfahren der 1. Etappe. Nach der Spanien-Rundfahrt bestritt Nairo Quintana die italienischen Herbstklassiker und gewann nach Platz elf bei der Lombardei-Rundfahrt den Giro dell’Emilia. mini|Nairo Quintana bei der Tour de France 2013 Im Jahr 2013 zeigte Nairo Quintana bereits im Frühjahr mit seinen Rundfahrt-Qualitäten auf. Nachdem er eine Bergankunft bei der Katalonien-Rundfahrt für sich entschied, gewann er eine Etappe bei der Baskenland-Rundfahrt und sicherte sich zudem die Gesamtwertung und die Punktewertung. Im Anschluss startete er bei den Ardennen-Klassikern, ehe er an der Seite von Alejandro Valverde bei seiner ersten Tour de France an den Start ging, bei der er seinen internationalen Durchbruch schaffte. Nach einem Defekt und einem großen Zeitrückstand seines Team-Captains Alejandro Valverde konzentrierte sich sein Movistar-Team fortan auf ihn. Quintana griff auf mehreren Etappen an und stellte sich bald als bester Jungprofi heraus, was ihm den Gewinn des Weißen Trikots einbrachte. Nachdem er auf der 15. Etappe, die auf den Mont Ventoux führte, hinter dem späteren Gesamtsieger Chris Froome den zweiten Etappenrang belegt hatte, gewann er die Bergankunft der 20. Etappe und belegte schließlich in der Gesamtwertung den zweiten Platz. Zudem entschied er die Bergwertung für sich und gewann die Sonderwertung Souvenir Henri Desgrange (später auch 2018 und 2021). Nach der Tour de France gewann er die Gesamtwertung der Burgos-Rundfahrt, bei der er die letzte Etappe für sich entschied. Am Ende der Saison startete Nairo Quintana erstmals in der Elite-Klasse der Straßenradsport-Weltmeisterschaften und belegte Rang 16 bei der Lombardei-Rundfahrt. mini|Nairo Quintana (Giro d’Italia 2014) Im Jahr 2014 fokussierte sich Nairo Quintana auf den Giro d’Italia und ging bei der Tour de France nicht an den Start. Bei seinem ersten Rennen der Saison, der Tour de San Luis, gewann er eine Etappe und sicherte sich so die Gesamtwertung und die Bergwertung. Bei Tirreno–Adriatico wurde er Gesamtzweiter, siegte jedoch in der Nachwuchswertung, ehe er die Katalonien-Rundfahrt in Vorbereitung auf den Giro d’Italia 2014 bestritt. Bei der Italien-Rundfahrt fuhr er eine solide erste Woche, ehe er im Einzelzeitfahren der 12. Etappe viel Zeit einbüßte und als Gesamtsechster bereits dreieinhalb Minuten hinter dem Führenden Rigoberto Urán zurücklag. Auf den ersten Alpen-Etappen verkleinerte er seinen Rückstand, ehe er die nicht ganz unumstrittene 16. Etappe gewann. Wegen extremer Witterungsbedingungen bei der Überfahrt des Stilfser Jochs, war von der Rennleitung für die Abfahrt „langsame Fahrweise“ angekündigt worden, wenngleich das Rennen nicht neutralisiert wurde. Nairo Quintana attackierte dennoch, gewann die Etappe und übernahm als neuer Gesamtführender die Maglia Rosa. Anschließend gewann er das Bergzeitfahren der 19. Etappe auf den Monte Grappa und konnte seine Führung weiter ausbauen. Schlussendlich gewann er den Giro d’Italia als erster kolumbianischer Fahrer mit einem Vorsprung von fast drei Minuten vor seinem Landsmann Rigoberto Urán. Nach der Italien-Rundfahrt folgte eine längere Rennpause, ehe Nairo Quintana in Vorbereitung auf die Vuelta a España 2014 erneut bei der Burgos-Rundfahrt triumphierte. Bei der Vuelta a Espana ging er als Co-Leader gemeinsam mit Alejandro Valverde an den Start. Das Movistar Team gewann das Mannschaftszeitfahren der 1. Etappe und Nairo Quintana übernahm nach einer Bergankunft auf der 9. Etappe das Rote Trikot des Gesamtführenden. Nach dem ersten Ruhetag stürzte er im Einzelzeitfahren der 10. Etappe und verlor die Gesamtführung. Tags drauf kam er erneut zu Sturz und verließ die Spanien-Rundfahrt.
Im Frühjahr des Jahres 2015 gewann Nairo Quintana die Gesamtwertung von Tirreno-Adriatico, nachdem er die einzige Bergankunft des Rennens auf dem Monte Terminillo für sich entschieden hatte. In Vorbereitung auf die Tour de France bestritt er die Route du Sud, die er hinter Alberto Contador auf dem zweiten Rang beendete. Auf den ersten beiden Etappen der Tour de France 2015 verlor er wertvolle Zeit im Kampf um den Gesamtsieg und lag bereits vor den ersten Bergetappen zwei Minuten hinter dem späteren Sieger Chris Froome zurück. Bei der ersten Bergankunft nach La Pierre-Saint-Martin verlor er weitere Zeit auf den Briten, schob sich jedoch auf den dritten Gesamtrang. In den Alpen präsentierte sich Nairo Quintana erneut als größter Herausforderer von Chris Froome und brachte diesen auf der 20. Etappe bei der letzten Bergankunft nach Alpe d’Huez in Bedrängnis. Am Ende fehlten jedoch 1:12 Minuten zum Sieg, wobei er bereits auf der 2. Etappe aufgrund einer Windkante 1:28 Minuten auf Froome verloren hatte. Wie schon im Jahre 2013 gewann Quintana die Wertung des besten Nachwuchsfahrers und stand gemeinsam mit seinem Teamkollegen Alejandro Valverde auf dem Podium in Paris. Nach der Tour de France startete er bei der Vuelta a España 2015, die er auf dem vierten Gesamtrang beendete. mini|Nairo Quintana im Roten Trikot bei der Vuelta a España 2016 Im Jahr 2016 holte Nairo Quintana mit der Katalonien-Rundfahrt, Tour de Romandie und Route du Sud drei Gesamtsiege, ehe er die Tour de France 2016 erneut als Mitfavorit in Angriff nahm. Anders als im Vorjahr fuhr er ein konstantes Rennen ohne große Zeitverluste, konnte jedoch seine Stärke am Berg nicht ausspielen. Schlussendlich belegte er den dritten Gesamtrang und wies einen Rückstand von mehr als vier Minuten auf Chris Froome auf, der seine dritte Tour de France gewann. Die Revanche gelang ihm bei der darauffolgenden Vuelta a España. Er gewann die 10. Etappe die mit einer Bergankunft bei den Lagos de Covadonga zu Ende ging und übernahm zugleich die Gesamtführung, die er bis zum Ende der Rundfahrt nicht mehr abgab. Eine Schlüsselrolle nahm die 15. Etappe ein, auf der Nairo Quintana Teil einer starken Ausreißergruppe war und so genügend Vorsprung auf Chris Froome herausfahren konnte, der im Zeitfahren der 19. Etappe mehr als zwei Minuten aufholte. Schlussendlich betrug der Vorsprung von Nairo Quintana auf Chris Froome eine Minute und 23 Sekunden.mini|Quintana bei der Tour de France 2018
Die Saison 2017 ging Quintana mit dem erklärten Ziel an, sowohl den Giro d’Italia als auch die Tour de France zu gewinnen. In der Vorbereitung auf die Italien-Rundfahrt gewann er die Gesamtwertung Valencia-Rundfahrt, Tirreno–Adriatico und die Asturien-Rundfahrt, sowie je eine Etappe. Beim Giro d’Italia 2017 entwickelte sich dann ein Dreikampf zwischen Quintana, Vincenzo Nibali und Tom Dumoulin. Quintana konnte die Maglia Rosa zweimal erobern, verlor sie aber jeweils in den kurz danach ausgetragenen Zeitfahren an den in dieser Disziplin deutlich stärkeren Dumoulin. Im Abschlusszeitfahren der 21. Etappe musste er die Gesamtführung an Tom Dumoulin abgeben, der seinen Rückstand von 53 Sekunden aufholte und den Giro d’Italia schlussendlich mit 31 Sekunden Vorsprung vor Nairo Quintana gewann. Bei der Tour de France 2017 erwies er sich anschließend als nicht konkurrenzfähig im Kampf um den Gesamtsieg und verpasste eine Platzierung unter den besten zehn der Gesamtwertung. Quintana erklärte dazu, er fühle sich müde und sein Körper regeneriere nicht so, wie erhofft. Nach einer längeren Wettkampfpause erzielte er am Ende der Saison bei Mailand–Turin und der Lombardei-Rundfahrt mit den Plätzen vier und neun weitere Top-10-Resultate.
Im folgenden Jahr galt Quintanas Hauptinteresse wieder allein der Tour de France. Im Vorfeld bestritt er die Tour Colombia, Katalonien-Rundfahrt, Baskenland-Rundfahrt und Tour de Suisse, wobei er stets in die ersten fünf Plätze der Gesamtwertung fuhr. Bei der Tour de Suisse gewann er zudem die Bergankunft in Arosa. In der Vorbereitung wurden erste Unstimmigkeiten zwischen ihm und seiner Teamleitung bei Movistar, den Verlauf der Vorsaison betreffend, bekannt. Zudem befand sich mit Mikel Landa, im Vorjahr Vierter der Tour de France und zu Saisonbeginn durch Movistar verpflichtet, ein weiterer Aspirant auf vordere Platzierungen im Aufgebot, sodass sich Quintana gemeinsam mit Landa und Alejandro Valverde die Führungsrolle bei Movistar teilen musste. Nach einem Defekt auf der ersten Etappe konnte Quintana in den Alpen nicht an seine früheren Leistungen anknüpfen und verlor weiter Zeit. In den Pyrenäen gewann er die kurze 17. Etappe und machte in der Gesamtwertung kurzzeitig wieder Boden gut. Auf der letzten Bergetappe konnte Quintana dem Tempo der übrigen Favoriten, auch aufgrund eines Sturzes tags zuvor, nicht mehr folgen und fiel zum Rundfahrtende auf den zehnten Gesamtrang zurück. Im Anschluss nahm er an der Vuelta a España teil, bei der er nicht über Gesamtrang acht hinauskam. Quintana blieb damit erstmals seit 2013 ohne Podiums- oder Top-Fünf-Platzierung bei einer großen Landesrundfahrt. Als letztes Rennen der Saison startete er bei den Straßenradsport-Weltmeisterschaften in Innsbruck, wo er auf dem gebirgigen Rundkurs den 15. Rang belegte.