Die politische Rechte ist der Teil des politischen Spektrums, der von einer Ungleichheit der Menschen ausgeht und daher eine gesellschaftliche Hierarchie befürwortet oder akzeptiert.J. E. Goldthorpe: An Introduction to Sociology. Cambridge UK / Oakleigh (Melbourne) / New York NY, ISBN 0-521-24545-1, S. 156.Rodney P. Carlisle: Encyclopedia of politics: the left and the right, Volume 2. University of Michigan; Sage Reference, 2005, ISBN 1-4129-0409-9, S. 693, 721Norberto Bobbio, Allan Cameron: Left and Right: The Significance of a Political Distinction. University of Chicago Press, 1997, ISBN 978-0-226-06246-4. Ungleichheit wird von ihr als unausweichlich, natürlich, normal oder wünschenswert betrachtet (das Gegenteil ist der Egalitarismus). Hier ist zu unterscheiden zwischen der klassischen (monarchistischen) Rechten, welche die Ungleichheit durch Erbfolge und Familientradition gerechtfertigt sieht, und der liberalkonservativen Rechten, welche Ungleichheit nur dann für gerechtfertigt hält, wenn sie das Resultat eines fairen Wettbewerbs ohne Vorteilsweitergabe an Nachfahren ist. Rechte Politik kann sich sowohl auf die gesellschaftspolitische als auch auf die wirtschaftspolitische Ebene beziehen.T. Alexander Smith, Raymond Tatalovich: Cultures at War: Moral Conflicts in Western Democracies. Broadview Press, Toronto 2003, S. 30: “That viewpoint is held by contemporary sociologists, for whom ‘right-wing movements’ are conceptualized as ‘social movements whose stated goals are to maintain structures of order, status, honor, or traditional social differences or values’ as compared to left-wing movements which seek ‘greater equality or political participation’.”Roger Scruton: A Dictionary of Political Thought. Macmillian, 1996, pp. 281–282: “Defined by contrast to (or perhaps more accurately conflict with) the left the term right does not even have the respectability of a history. As now used it denotes several connected and also conflicting ideas (including) 1) conservative, and perhaps authoritarian, doctrines concerning the nature of civil society, with emphasis on custom, tradition, and allegiance as social bonds … 8) belief in free enterprise free markets and a capitalist economy as the only mode of production compatible with human freedom and suited to the temporary nature of human aspirations …”J. E. Goldthorpe: An Introduction to Sociology. Cambridge UK / Oakleigh (Melbourne) / New York NY, ISBN 0-521-24545-1, S. 156: “There are … those who accept inequality as natural, normal, and even desirable. Two main lines of thought converge on the Right or conservative side … the truly Conservative view is that there is a natural hierarchy of skills and talents in which some people are born leaders, whether by heredity or family tradition. … now … the more usual right-wing view, which may be called ‘liberal-conservative’, is that unequal rewards are right and desirable so long as the competition for wealth and power is a fair one.”
Norberto Bobbio differenziert anhand des Kriteriums „Gleichheit“ nicht nur eine politische Rechte von einer politischen Linken, sondern anhand des Kriteriums „Freiheit“ auch zwischen „rechter Mitte“ und „extremer Rechter“.Norberto Bobbio: Rechts und Links: Gründe und Bedeutungen einer politischen Unterscheidung. Wagenbach, 1994. Rechtsgerichtete Strömungen reichen von konservativen über rechtspopulistische Positionen innerhalb des demokratischen Spektrums bis hin zu verschiedenen Erscheinungsformen des antidemokratischen Rechtsextremismus, die ihre äußersten Extreme in Bewegungen wie Faschismus oder Nationalsozialismus finden.
Auch wenn diese Strömungen mitunter weit voneinander entfernt sind, eint sie allesamt die Ablehnung einer aktiv emanzipatorischen Gesellschaftsveränderung auf politischem Wege, wie sie von den verschiedenen Strömungen des linken Spektrums angestrebt wird. Politische Rechte wollen die traditionelle gesellschaftliche Ordnung sowie deren Werte und Normen wesentlich bewahren (konservative Rechte), in einen früheren Zustand zurücksetzen (reaktionäre Rechte) oder grundlegend erneuern (revolutionäre Rechte).
Obwohl die Einteilung der politischen Pole in rechts und links angesichts der Komplexität der modernen Anforderungen in der gesellschaftspolitischen Praxis sowohl auf nationalstaatlich-innenpolitischer und mehr noch auf internationaler Ebene zunehmend umstritten ist, ist eine entsprechende Einordnung im alltäglichen Sprachgebrauch weiterhin üblich und auch in der Öffentlichkeit, zum Beispiel in den Massenmedien, verbreitet. Sie dient beispielsweise sowohl der eigenen weltanschaulichen Standortbestimmung und Identifikation von Individuen, politischen Gruppen und Parteien als auch der Abgrenzung von politischen Gegnern.
Historische Herleitung Ursprünglich bezog sich der Begriff der politischen Rechten (und deren Gegenpol, der Linken) auf die Sitzordnung während der Französischen Revolution. In der französischen Nationalversammlung von 1789 saßen die Anhänger des Ancien Régime, d. h. der Monarchie und der entsprechenden Gesellschaftsordnung, in der Regel rechts vom Präsidenten der Versammlung, während diejenigen, die die Ideen der Revolution in verschiedenen Formen unterstützten, links von ihm saßen. Die gleiche Entsprechung zwischen Sitzordnung und politischer Ausrichtung setzte sich in den folgenden Jahrzehnten in den französischen Parlamenten fort und führte dazu, dass die verschiedenen Fraktionen als rechts bzw. links bezeichnet wurden. Während die Linke die oppositionellen Kräfte, die oft tendenziell am traditionellen Liberalismus orientierten Demokraten bis hin zu den Frühsozialisten verkörperte, stand die Rechte für den Erhalt des Status quo und für die Aristokratie, mit tendenziell absolutistischer Ausrichtung.
Auch später und noch heute orientieren sich die Sitzordnungen vieler demokratischer Parlamente, etwa die des Deutschen Bundestags oder des österreichischen Nationalrats, an dieser Tradition, so dass (aus Sicht des Präsidiums) meist die Fraktionen eher rechter Parteien weiter rechts und die eher linker Parteien weiter links sitzen.
Europäische Rechte der Gegenwart In Europa gibt es in den Staaten verschiedene rechte Parteien, die nachfolgend dargestellt werden.
In der Europäischen Union stärkte der Vertrag von Maastricht von 1992 die Rolle des Parlaments und der europäischen Parteien. Nationale Parteien schlossen sich auf EU-Ebene zu Parlamentsfraktionen und europäischen politischen Parteien zusammen, siehe dort. Neben links und rechts (und natürlich der Mitte/»Zentristen«) spielt dabei die Haltung zur europäischen Integration eine bestimmende Rolle.
Die folgenden Darstellungen stellen nicht immer den aktuellen Stand dar. Aktualisierte Wahlergebnisse für Parteien der politischen Rechten im Europaparlament siehe unter Identität und Demokratie Partei sowie Europäische Konservative und Reformer, dort sind auch die nationalen Parteien verlinkt.
Parteienlandschaft in Deutschland Innerhalb des demokratischen Spektrums wird der Begriff „rechts“ heute meist mit „bürgerlich“ gleichgesetzt und für die entsprechenden Parteien (in Deutschland vor allem CDU/CSU) verwendet, um sie von der „Linken“ abzugrenzen. Als Eigenbezeichnung ist er unter Demokraten eher ungebräuchlich, da rechts insbesondere in der deutschsprachigen Öffentlichkeit oft mit dem Phänomen des Rechtsextremismus gleichgesetzt oder zumindest assoziiert wird und dadurch negativ besetzt ist. Daher grenzen sich die meisten Vertreter des demokratischen Konservatismus davon ab, um sich vom Stigma eines „rechten“ Images zu lösen. Stattdessen beanspruchen sie, wie viele Sozialdemokraten, den Standpunkt der politischen Mitte. Franz Josef Strauß besetzte dagegen bewusst auch den rechten Rand des demokratischen Spektrums und betonte, es dürfe rechts von der CSU keine demokratisch legitimierte Partei geben.Matthias Geis: Bayern first. In: Die Zeit, Nr. 29/1998 Diese Strategie war insofern erfolgreich, als Mitbewerber der Union auf der rechten Flanke des politischen Spektrums wie die „Deutsche Partei“, die „Deutsche Reichspartei“ oder auch der „Gesamtdeutsche Block/Bund der Heimatvertriebenen und Entrechteten“ (GB/BHE) seit den ausgehenden 1950er Jahren stark an Bedeutung verloren, aus dem Bundestag ausschieden und allenfalls als Splitterparteien fortbestanden. Auch Gerhard Löwenthal, deutscher Journalist und Holocaustüberlebender, bezeichnete sich selbst als „rechten Demokraten“. In den 1980er und 1990er Jahren gelang es allerdings der von ehemaligen CSU-Mitgliedern gegründeten Partei Die Republikaner, die sich selbst als rechtskonservativ versteht, mehrmals in Landtage einzuziehen.
Darüber hinaus existiert eine Vielzahl rechtsradikaler und rechtsextremer Parteien, die teilweise wegen verfassungsfeindlicher Tendenzen von den Verfassungsschutzbehörden beobachtet werden.Verfassungsschutzbericht 2006. (PDF) Bundesamt für VerfassungsschutzVerfassungsschutzbericht 2006 (PDF) Bundesamt für Verfassungsschutz, S. 52 und 90. Als größte rechtsextreme Partei gilt Die Heimat.Verfassungsschutzbericht 2006. (PDF) Bundesamt für Verfassungsschutz, S. 67. Die „Sozialistische Reichspartei“ als offen nationalsozialistische Organisation wurde bereits 1952 vom Bundesverfassungsgericht verboten.
Der Parteienforscher Peter Lösche hielt 2008 eine zukünftige Etablierung einer Partei rechts der CDU auf Bundesebene für möglich, In: tagesschau.de. 6. März 2008, abgerufen am 25. September 2017. was sich mit der 2013 gegründeten „Alternative für Deutschland“ (AfD) bewahrheitete.Oskar Niedermayer: Eine neue Konkurrentin im Parteiensystem? Die Alternative für Deutschland. In: Ders. (Hrsg.): Die Parteien nach der Bundestagswahl 2013. Springer, Wiesbaden 2014, ISBN 978-3-658-02852-7. S. 175–207, hier S. 194. Während sie bei der Bundestagswahl 2013 mit einem Stimmenanteil von 4,7 % noch knapp den Einzug in den Deutschen Bundestag verpasste, gelang ihr bei der Europawahl 2014 der Einzug in das EU-Parlament, so wie sie auch bei allen Landtagswahlen seither die Sperrklausel überwinden und in Fraktionsstärke in die Parlamente einziehen konnte. Bei der Bundestagswahl 2017 gelang ihr mit einem Stimmenanteil von 12,6 % als drittstärkste Kraft der Einzug in den Bundestag.
Aus der Corona-Protestbewegung ab 2020 hervorgegangene Parteien wie die Basisdemokratische Partei Deutschland oder WiR2020 werden mitunter als im Parteienspektrum „nicht eindeutig verortbar“ eingeschätzt.
Parteienlandschaft in Österreich Im österreichischen Nationalrat wird die gemäßigte Rechte von der bürgerlich-konservativen Volkspartei ÖVP repräsentiert. Rechts davon stehen die rechtspopulistisch-nationalkonservativ-deutschnationale FPÖ und das aus ihr hervorgegangene BZÖ. Während die FPÖ bei der Nationalratswahl 2013 auf dem dritten Platz landete, scheiterte das BZÖ am Wiedereinzug in den Nationalrat. Im Gegensatz zu deutschen Parteien bezeichnen sich diese durchaus auch selbst als „rechts der Mitte“. Auch das Team Stronach wurde aufgrund seiner wirtschaftsliberalen und euroskeptischen Positionen dem rechten Spektrum zugeordnet, bezeichnete sich aber als „weder rechts noch links“. Liberale Positionen, ähnlich der deutschen FDP, vertreten die Neos.
Parteienlandschaft in der Schweiz