Dad’s Army ist eine britische Sitcom über die British Home Guard im Zweiten Weltkrieg. Sie wurde von Jimmy Perry und David Croft geschrieben und erstmals zwischen 1968 und 1977 auf BBC One ausgestrahlt. Es wurden 80 Folgen in neun Staffeln produziert. Hinzu kamen ein anderthalbstündiger Film, eine Bühnenadaption und eine Rundfunkserie auf BBC Radio 4.

Das British Film Institute veröffentlichte im Jahr 2000 eine Liste der 100 besten britischen Fernsehsendungen, in der Dad’s Army auf Platz 13 zu finden ist. In einer Umfrage der BBC aus dem Jahr 2004 wurde Dad’s Army auf den vierten Platz der Britain’s Best Sitcoms gewählt. Die einprägsamen Charaktere und wiederkehrenden Ausrufe der Serie beeinflussten die Popkultur im Vereinigten Königreich nachhaltig. Anerkennend wird die Serie als Denkmal für die oft vergessene britische Heimatverteidigung während des Zweiten Weltkriegs gesehen.

Handlung

Grundthematik und Aufbau

Schauplatz der Serie ist das fiktive Städtchen Walmington-on-Sea an der Südküste Englands. Dort ist zur Zeit des Zweiten Weltkriegs ein Zug der British Home Guard stationiert, der sich aus örtlichen Freiwilligen zusammensetzt. Das erbärmliche Häuflein aus nur bedingt diensttauglichen Rentnern und unerfahrenen Grünschnäbeln unter der Leitung des diensteifrigen Bankfilialleiters George Mainwaring möchte seinen Teil dazu beitragen, dass die deutsche Wehrmacht England nicht erobert. Den Hintergrund der Handlung bildet demnach die immerwährende Bedrohung einer deutschen Invasion über den Ärmelkanal. Tatsächlich bekommt die Dad’s Army aber nur selten Feindkontakt. Viel mehr haben die Männer mit lokalen Problemen zu kämpfen.

Die einzelnen Episoden hängen inhaltlich nur lose zusammen, die episodenübergreifende Handlung schreitet nur langsam voran. Meist kehrt die Serie am Ende einer Folge wieder zum Status quo ante zurück. Die erste Szene der Pilotfolge The Man and the Hour spielt in der Gegenwart des Jahres 1968. Nach einer kurzen Einleitung durch den ehemaligen Captain Mainwaring beginnt die eigentliche Handlung als Rückblende. Der Erzählrahmen wird allerdings – auch in der letzten Folge – nicht durch eine Rückkehr ins Jahr 1968 geschlossen. Die erste Staffel schildert die Aufstellung und Ausstattung des Zuges. Anfänglich nur unzureichend ausgerüstet, sind die Männer im späteren Verlauf voll uniformierte Angehörige des Queen’s Own Royal West Kent Regiment.

Charaktere

Captain George Mainwaring Der eifrige und aufgeblasene Anführer des örtlichen Home-Guard-Zuges ist im Zivilleben Bankdirektor. Er ist politisch konservativ, stark patriotisch gesinnt und nimmt sich und seine gesellschaftliche Stellung sehr wichtig. Dass er niemals wirkliche Kampferfahrung gemacht hat – er gehörte lediglich den alliierten Besatzungstruppen nach dem Waffenstillstand 1918 an – führt gelegentlich zu Spannungen mit den Kriegsveteranen und er ist bisweilen deren Frotzeleien ausgesetzt („Hasn't got any medals!“; etwa: „Hat keine Medaillen!“). Insgeheim beneidet Mainwaring Sergeant Wilson um seine charmante und gelassene Art und nutzt daher jede Gelegenheit, ihm seinen Rang als Offizier aufzuzeigen. Mit großem Ehrgeiz und Elan leitet er seine Gruppe von Freiwilligen, hält sich selbst für einen genialen Taktiker und führt aufgrund patriotischer Paranoia einen ganz eigenen Krieg. Unbestritten sind jedoch sein Mut und sein Sinn für Kameradschaft. Er bezeichnet die Momente in der Truppe als die schönsten seines Tages, scheint dabei jedoch vor einer unglücklichen Ehe mit seiner Frau Elizabeth, die in keiner Folge in persona auftritt, zu fliehen.

Sergeant Arthur Wilson Wilson ist ein charmanter, unbekümmerter, aber tiefgründiger Charakter. Sowohl in der Home Guard als auch bei seiner Arbeit in der Bank steht er dem Rang nach hinter Mainwaring, obwohl er als Angehöriger der Oberschicht und dekorierter Kriegsveteran (er diente im Ersten Weltkrieg im Range eines Hauptmanns) eigentlich über ihm stehen müsste. Mit seiner ruhigen, bodenständigen und oft überschwänglich höflichen Art bildet er den Gegenpol zum übereifrigen Captain. Häufig erkennt er die Fehler in Mainwarings Plänen, die dieser, verblendet von seinem übersteigerten Selbstwertgefühl, übersieht; dies führt zu seinem wiederkehrenden Ausspruch „Do you think that’s wise, Sir? (Halten sie das für klug, Sir?)“. Überdies ist Wilson ein Frauenheld und Gentleman und führt eine wohl offene Beziehung zu Private Pikes Mutter Mavis.

Lance-Corporal Jack Jones Jones ist der älteste im Kontingent der Home Guard. Er hält zu jeder Situation die passende Geschichte bereit und scheut nicht davor, diese auch mit allen Ausschweifungen zu erzählen; meistens gründen sie auf seinen Erfahrungen im Sudan-Krieg oder anderen Kampagnen, an denen er unter der Regentschaft Königin Victorias teilgenommen hat. Trotz seines Alters entwickelt er angesichts bevorstehender Kampfhandlungen fast kindischen Enthusiasmus und ist stets der erste, der sich freiwillig für Aufgaben meldet. Im Zivilleben ist er der Metzger des Ortes und hat demzufolge eine beachtete Stellung. Diese nutzt er innerhalb des Home-Guard-Zuges, aber auch in Walmington, um sich Gehör zu verschaffen, beispielsweise indem er droht, Fleischrationen zu kürzen oder indem er etwas außerhalb der Rationierung unter der Ladentheke durchschiebt. Trotz seiner Kampferprobtheit und militärischer Erfahrung ist er in jeglichen Gefahrensituationen – auch in Momenten der Anscheinsgefahr – stets als erster (nicht selten als einziger) der totalen Panik verfallen, wobei er laut und außer sich deklamiert: „Don´t panic, don´t panic! (Keine Panik, keine Panik!)“.

Private James Frazer Frazer ist ein schottischer Sargbauer von der Insel Barra und in den späteren Staffeln der örtliche Bestatter. In dieser Position wird er allen Klischees gerecht, seien es seine starrenden Augen oder seine regelmäßigen Prophezeiungen von Untergang und Vernichtung. Zumeist loyal, intrigiert er jedoch gelegentlich gegen Captain Mainwaring und tritt als einziges Mitglied des Zuges auch als Antagonist auf. Zumeist meutert Frazer dabei gegen den Captain und seine Ideen, nur um dann nach erfolgreicher Durchführung eines Plans unter Mainwarings Leitung zu verkünden, dass er nie an dessen Autorität gezweifelt habe. Trotzdem bezeichnet er die Handlung anderer (besonders die des Captains) oft als „Rubbish! (etwa: Quatsch!)“ und nennt Jones ebenso häufig einen „Silly old fool! (etwa: Dummer alter Trottel!)“.

Private Joe Walker Der gewiefte Schwarzmarkthändler Walker ist der einzige im Zug, der aufgrund seines Alters und seiner körperlichen Verfassung eigentlich in der regulären Armee dienen müsste, aber (wie sich in einer der drei verlorenen Folgen der Serie herausstellt) wegen einer Corned-Beef-Allergie ausgemustert wurde. Wie er in einer Folge selbst zugibt, ist das, was er macht, meistens „a bit over the edge of the law (etwa: ein Bisschen über der Grenze der Legalität)“. Da Walker den Trupp aber gelegentlich mit nützlicher Ausrüstung versorgt oder anderweitig unterstützt, sieht Mainwaring oftmals über seine zwielichtigen Aktivitäten oder seine manchmal mangelnde Disziplin hinweg. Nicht selten retten Walkers List, sein Organisationstalent und die an den Tag gelegte Chuzpe die Angehörigen der Home Guard-Einheit, insbesondere aber Captain Mainwaring, aus der Patsche. Da der Darsteller der Rolle, James Beck, während der Produktion der sechsten Staffel unerwartet verstarb, ist Walker über alle folgenden Episoden hinweg abwesend.

Private Charles Godfrey Der Schneider Godfrey ist, wenngleich jünger als Jones, der gebrechlichste Angehörige des Zuges. Damit verbunden sind eine schwache Blase (oftmals begleitet von dem Satz „Excuse me, could I possibly be excused?“; etwa: „Verzeihung, würden sie mich entschuldigen?“) und die Tendenz, in den unpassendsten Situationen einzudösen. Dabei ist er ironischerweise der Sanitäter des Platoons. Als eingeschworener und distinguierter Junggeselle lebt er bei seinen Schwestern und versorgt den Home-Guard-Zug mit den Upsidedown-cakes seiner Schwester Dolly. Durch sein bescheidenes Auftreten wird er auch unterschätzt, und nur in einer Folge wird offenbart, dass ihm im Ersten Weltkrieg eine hohe Tapferkeitsauszeichnung verliehen wurde.

Private Frank Pike Pike ist mit 17–19 Jahren das jüngste Mitglied im Zug der Home Guard von Walmington-on-Sea und ein recht naives Muttersöhnchen, welches von seiner „Helikopter-Mutter“ ständig verhätschelt und ermahnt wird. Somit gerät er oft aus Dummheit oder Kindlichkeit in Schwierigkeiten oder bringt andere Mitglieder des Platoons in solche, was der Captain stets mit „You stupid boy! (Du dummer Junge!)“ kommentiert. Außerdem ist er beruflich als Bankbeamter George Mainwaring unterstellt. Pikes Mutter hat offensichtlich eine intime Beziehung mit Arthur Wilson („… she keeps my ration book …“; „… sie behält mein Rationsbuch …“), weshalb Pike diesen „Onkel Arthur“ nennt. Die Autoren der Serie bestätigten nach deren Ende, dass Wilson der leibliche Vater Pikes ist.

ARP Warden William Hodges Der Gemüsehändler und Luftschutzwart (ARP Warden) Hodges ist in vielen Folgen der Hauptantagonist der Home Guard und insbesondere von Captain Mainwaring. Er genießt es, Angehörige der Home Guard aufziehen zu können, u. a. wenn sie in brenzlige Situationen gelangen, und nennt den kurzgewachsenen Mainwaring spöttisch Napoleon. Sich selbst und den Luftschutz nimmt er unglaublich wichtig und scheut sich nicht davor, dies auch in jeglicher Art und Weise kundzutun. Seine Haupttätigkeit besteht jedoch höchstens darin, die Bewohner Walmingtons vehement auf das Einhalten der Verdunkelungsmaßnahmen hinzuweisen, die dem Schutz vor Bombenangriffen bei Nacht dienen. Dieses Eiferertum mündet meistens in seiner – stets in aggressivem Ton herausgebrüllten – Catchphrase „Put that light out! (Machen sie das Licht aus!)“.

Reverend Timothy Farthing Farthing ist der örtliche Vikar. In der ehrenvollen Absicht, den Erfolg des Krieges zu unterstützen, stellt er der Home Guard den Gemeindesaal der Kirche und sein Büro als Hauptquartier zur Verfügung. Unmut verursacht ihm, dass er die Räumlichkeiten nie bekommt, wenn er sie benötigt, da bisweilen auch die Luftschutztruppe den Saal für dienstliche Veranstaltungen nutzt.

Art des Humors

Aus der stets drohenden, aber niemals eintretenden deutschen Invasion und der daraus resultierenden Nicht-Beteiligung der Home Guard Walmingtons am Zweiten Weltkrieg bezieht die Serie einen Großteil ihrer Komik. Auch die Zusammensetzung der Truppe selbst bietet Stoff für witzige Einlagen. Der Humor reicht von britisch-subtilem Witz, der besonders in der Beziehung zwischen Mainwaring und Wilson zu Tage tritt, bis hin zu reinem Slapstick; letzterer äußert sich z. B. in der Tatsache, dass Jones beim Formaldienst bzw. Antreten die Anweisungen des Captains stets mit einer leichten Verzögerung ausführt und somit immer als letzter im „Stillgestanden“ steht. Wie in vielen Sitcoms benutzen auch die Dad’s-Army-Charaktere häufig wiederkehrende Sätze und Running Gags. Lance-Corporal Jones redet über seine Teilnahme am Sudan-Krieg und die dortigen „Fuzzy-Wuzzies“ (etwa: „Hottentotten“), während Captain Mainwaring Private Pike in vielen Episoden mit „You stupid boy!“ („Du dummer Junge!“) beschimpft.

Sehr liebevoller Humor entsteht daraus, dass insbesondere Mainwaring jedes Problem mit großem Ernst durchdenkt und seine „vertrottelte“ Truppe ihm dann mit geistreichen Eingebungen bei der Lösung behilflich sein will. Erfolge stellen sich dadurch nur auf niedrigster Ebene ein; so gelingt es ihnen immerhin, sich mit Gewehren zu versorgen und auch zwei abgeschossene deutsche Piloten gefangen zu nehmen. Aufwand und Ergebnis stehen aber insgesamt in keinem Verhältnis.

Produktion

Idee und Einflüsse