Das Großherzogtum Oldenburg war ein durch den Wiener Kongress 1815 errichtetes Territorium mit den Landesteilen Herzogtum Oldenburg, Fürstentum Lübeck und Fürstentum Birkenfeld. Das Großherzogtum war Mitglied des Deutschen Bundes. Im Deutschen Krieg 1866 stand es an der Seite Preußens und trat dem Norddeutschen Bund bei. Danach war es ein Gliedstaat des Deutschen Kaiserreichs. Am 11. November 1918 dankte der Großherzog ab und es entstand der Freistaat Oldenburg.

Geschichte mini|Nordwestdeutschland 1911: Hannover und Oldenburg

Restitution des Herzogtums und Erhebung zum Großherzogtum Nach dem Ende der napoleonischen Herrschaft und der sogenannten Oldenburgischen Franzosenzeit kehrte Herzog Peter Friedrich Ludwig 1814 aus dem Exil in sein Land zurück. Auf dem Wiener Kongress 1815 folgte die Erhebung zum Großherzogtum, Peter Friedrich Ludwig nahm den Titel aber zeit seines Lebens nicht an.

Im Zuge der Neuordnung Europas erhielt Oldenburg neben dem bereits bestehenden Fürstentum Lübeck eine weitere Exklave, das Fürstentum Birkenfeld an der Nahe, wodurch das Großherzogtum fortan aus drei geographisch getrennten Landesteilen bestand.

Im Jahr 1818 wurde zudem die seit 1793 unter russischer Verwaltung stehende Herrschaft Jever vom russischen Zaren Alexander I., einem nahen Verwandten des oldenburgischen Hauses, an Oldenburg zurückgegeben.

Nach dem Tode Peter Friedrich Ludwigs 1829 übernahm sein Sohn Paul Friedrich August die Regierung und führte nun offiziell den Titel Großherzog.

Konstitutionelle Monarchie Im Zuge der Deutschen Revolution trat am 28. Februar 1849 das Staatsgrundgesetz, die erste oldenburgische Verfassung, in Kraft. Es wurde bereits 1852 wieder revidiert. Nach dem Beitritt zum Deutsch-Österreichischen Postverein wurden am 5. Januar 1852 die ersten Briefmarken des Großherzogtums Oldenburg ausgegeben. Diese hatten allerdings im Fürstentum Birkenfeld keine Gültigkeit, denn dieses wurde postalisch von Preußen verwaltet. 1853 wurde Nikolaus Friedrich Peter Großherzog von Oldenburg. Unter seiner Regierung wurde 1854 die Herrschaft Kniphausen zurück erworben. mini|Fahne der Konstitution, angefertigt für die Verabschiedung des Staatsgrundgesetzes Oldenburg an 11. März 1849 (Landesmuseum Kunst und Kultur Oldenburg) 1854 trat Oldenburg dem Deutschen Zollverein bei. Zu Beginn des Jahres 1864 wurde in Oldenburg mit dem Verein zur Pflege verwundeter Krieger die zweite nationale Rotkreuz-Gesellschaft der Geschichte gegründet, die Schirmherrschaft über den Verein übernahm Nikolaus Friedrich Peter.

Einigungskriege und Deutsches Reich mini|links|100px|Historische Briefmarke des Groß­herzogtums Oldenburg Im Deutsch-Dänischen Krieg 1864 war Oldenburg neutral – die Neutralität wurde jedoch von den preußischen Truppen verletzt (siehe Erstürmung des Schwartauer Schlagbaumes).

Im Deutschen Krieg 1866 kämpften Oldenburgische Truppen auf Seiten Preußens gegen Österreich und das Königreich Hannover. Als Teil der Oldenburgisch-Hanseatischen Brigade, die unter der Führung des oldenburgischen Generals Ludwig von Weltzien stand, beteiligten sich oldenburgische Einheiten am Mainfeldzug. Straßennamen erinnern an Krieg Abgerufen am 24. August 2016.

Oldenburg trat 1867 dem Norddeutschen Bund bei und gab 1868 sein eigenes Postregal auf.

Das Oldenburgische Infanterie-Regiment Nr. 91 und das Oldenburgische Dragoner-Regiment Nr. 19 nahmen am Deutsch-Französischen Krieg 1870/1871 teil, an dessen Ende die Gründung des Deutschen Reichs stand.

Als Teil des Deutschen Reichs nahm das Großherzogtum Oldenburg 1914–1918 am Ersten Weltkrieg teil. An dessen Ende musste der letzte Großherzog Friedrich August im Zuge der Novemberrevolution 1918 auf den Thron verzichten. Seinen Lebensabend verbrachte er im Schloss Rastede.

Verwaltung mini|155px|Herzogtum Oldenburg mini|155px|Fürstentümer Lübeck und Birkenfeld

Im Herzogtum Oldenburg bestand 1814–1858 die folgende Verwaltungsgliederung:

Kreis Oldenburg mit der Stadt Oldenburg und den Ämtern Oldenburg, Elsfleth und Zwischenahn Kreis Neuenburg mit den Ämtern Bockhorn, Rastede, Varel und Westerstede Kreis Ovelgönne mit den Ämtern Abbehausen, Brake, Burhave, Landwürden und Rodenkirchen Kreis Delmenhorst mit den Ämtern Berne, Delmenhorst, Ganderkesee und Wildeshausen Kreis Vechta mit den Ämtern Damme, Steinfeld und Vechta sowie der Herrlichkeit Dinklage Kreis Cloppenburg mit den Ämtern Cloppenburg, Friesoythe und Löningen Herrschaft Jever mit der Stadt Jever und den Ämtern Jever, Minsen und Tettens Herrschaft Kniphausen, ab 1854 Amt Kniphausen

1853 wurde das Jadegebiet aus dem Amt Jever herausgelöst und an Preußen abgetreten. Im Jadegebiet entstand in der Folgezeit die Stadt Wilhelmshaven. Im Jahre 1858 wurde im Herzogtum eine umfangreiche Verwaltungsreform durchgeführt. Varel wurde amtsfreie Stadt I. Klasse. Das Amt Zwischenahn ging im Amt Westerstede auf, das Amt Ganderkesee im Amt Delmenhorst, das Amt Bockhorn im Amt Varel und das Amt Rastede im Amt Oldenburg. Die Ämter Minsen, Tettens und Kniphausen kamen zum Amt Jever. Die Ämter Burhave und Abbehausen wurden zum Amt Stollhamm zusammengeschlossen. Das Amt Ovelgönne trat an die Stelle des Amtes Rodenkirchen. Die Einteilung in Kreise und Herrschaften wurde nicht fortgeführt. 1868 wurde das Amt Rastede auf die Ämter Varel und Oldenburg aufgeteilt. 1871 wurde das Amt Steinfeld in das Amt Damme eingegliedert. Bei einer erneuten Gebietsreform wurde 1879 die Anzahl der Ämter weiter reduziert. Das Amt Löningen wurde in das Amt Cloppenburg eingegliedert sowie das Amt Damme ins Amt Vechta. Aus dem Amt Stollhamm wurde das Amt Butjadingen und das Amt Berne kam zum Amt Elsfleth. Die Ämter Landwürden und Ovelgönne zum Amt Brake.

Im Jahre 1902 wurde aus drei Gemeinden des Amtes Jever das neue Amt Rüstringen gebildet. Die Stadt Delmenhorst schied 1903 aus dem Amt Delmenhorst aus und wurde amtsfreie Stadt I. Klasse. Der Landesteil Oldenburg des Großherzogtums besaß somit zuletzt die folgende Gebietseinteilung:

Städte I. Klasse (Amtsfreie Städte) Delmenhorst Jever Oldenburg Varel

Ämter Brake Butjadingen Cloppenburg Delmenhorst Elsfleth Friesoythe Jever Oldenburg Rüstringen Varel Vechta Westerstede Wildeshausen

Im Fürstentum Birkenfeld bestanden die drei Ämter Birkenfeld Nohfelden Oberstein

1868 wurden die Ämter im Fürstentum Birkenfeld aufgehoben.

mini|Alter Grenzstein des Fürstentums Lübeck an der heutigen Grenze der Kreise Ostholstein und Segeberg an der B432. Im Fürstentum Lübeck bestanden die Stadt Eutin, sowie die Ämter Eutin Großvogtei Kaltenhof Kollegiatstift

Seit 1843 gab es nur noch die Ämter Eutin und Schwartau. 1866 kam das bis dahin holsteinische Amt Ahrensbök zum Fürstentum Lübeck. Die Ämter im Fürstentum Lübeck wurden 1868 aufgehoben.

Für die Gerichtsorganisation siehe Gerichte im Großherzogtum Oldenburg.

Verwaltungsgliederung mit Einwohnerzahlen 1871Volkszählung 1871.

Landesteil Einwohner 1871 Fürstentum Birkenfeld 36.128 Amt Einwohner 1871 Birkenfeld 9.730 Nohfelden 8.899 Oberstein 17.499 Landesteil Einwohner 1871 Fürstentum Lübeck 34.353 Stadt Einwohner 1871 Eutin 3.700 Amt Einwohner 1871 Ahrensbök 7.887 Eutin 10.425 Schwartau 12.341 Landesteil Einwohner 1871 Herzogtum Oldenburg 244.297 Städte I. Klasse Einwohner 1871 Jever 4.721 Oldenburg (Oldenbg.) 14.928 Varel 4.858 Amt Einwohner 1871 Berne 7.859 Brake Unterweser 7.765 Cloppenburg 10.420 Damme 14.062 Delmenhorst 18.449 Elsfleth 8.064 Friesoythe 9.636 Jever 22.584 Landwürden 1.492 Löningen 11.164 Oldenburg 27.082 Ovelgönne 8.696 Stollhamm 12.494 Varel 16.984 Vechta 17.229 Westerstede 17.709 Wildeshausen 8.100

Wappen

Das Wappen ist ein quergeteilter Schild, oben gespalten, unten durch eine aufsteigende Spitze gespalten. Im ersten Feld sind zwei rote Querbalken in Gold (Oldenburg), im zweiten in Blau ein schwebendes goldenes Kreuz (Delmenhorst), im dritten im blauen Feld ein schwebendes mit der Bischofsmütze bedecktes goldenes Kreuz (Fürstentum Lübeck), im vierten ein rot und weiß geschachtes Feld (Birkenfeld), in der Spitze im blauen Feld ein goldener gekrönter Löwe (Jever).

Die Landesfarben sind blau-rot, die Flagge ist blau mit einem roten Kreuz.

Regierende Herzöge und Großherzöge (Gottorp)

Name Herrschaft Bemerkungen Peter I. (Peter Friedrich Ludwig) (restituiert) 1813–1829 seit 1785 bereits Prinzregent, seit 1823 selbst Herzog, seit 1815 de jure Großherzog August I. (Paul Friedrich August) 1829–1853 Annahme des Großherzogstitels Peter II. (Nikolaus Friedrich Peter) 1853–1900 Friedrich August 1900–1918 Abdankung als Monarch, jedoch weiterhin Oberhaupt des Hauses Oldenburg

Staatsminister des Großherzogtums Oldenburg Die Leitung der Regierung erfolgt durch das Staatsministerium. Die drei Minister wurden durch den Großherzog ernannt und entlassen. Regierungschef ist der Präsident des Gesamtministeriums. Das Staatsministerium leitet die Verwaltung im Herzogtum Oldenburg unmittelbar und in den beiden Fürstentümern über lokale Verwaltungen.

Name Amtszeit Karl Ludwig Friedrich Josef von Brandenstein (1760–1847) 12.10.1814 – 30.06.1842 Günther Heinrich Freiherr von Berg (1765–1843) 01.07.1842 – 09.09.1843 Wilhelm Ernst Freiherr von Beaulieu-Marconnay (1786–1859) 09.09.1843 – 01.08.1848 Johann Heinrich Jakob Schloifer (1790–1867) 01.08.1848 – 13.08.1849 Christian Diedrich von Buttel (1801–1878) 13.08.1849 – 01.05.1851 Peter Friedrich Ludwig Freiherr von Rössing (1805–1874) 01.05.1851 – 23.06.1874 Karl von Berg (1810–1894) 23.06.1874 – 01.10.1876 Friedrich Andreas Ruhstrat (1818–1896) 01.10.1876 – 14.03.1890 Günther Jansen (1831–1914) 14.03.1890 – 19.08.1900 Wilhelm Friedrich Willich (1846–1917) 19.08.1900 – 17.08.1908 Friedrich Julius Heinrich Ruhstrat (1854–1916) 17.08.1908 – 03.01.1916 Franz Friedrich Paul Ruhstrat (1859–1935) 03.01.1916 – 06.11.1918

Parteien Das Großherzogtum war eine Hochburg des Liberalismus. Die Bildung politischer Parteien im 19. Jahrhundert wurde geprägt durch die Teilung des Landes in zwei kulturell und konfessionell sehr unterschiedliche Gebiete, den protestantischen Norden mit starkem Liberalismus und den katholischen Süden mit einer starken Zentrumspartei. Der Oldenburgische Landtag war kein starkes Parlament und wurde bis zur Wahlrechtsreform 1909/1911 nur indirekt gewählt, so dass die Parteienkonkurrenz sich stärker auf die Reichstagswahlen fokussierte.