Die Geschichte Pinkafelds begann vor etwa 6000 Jahren. Anhand von Funden und Dokumenten lässt sich die Geschichte der Stadt Pinkafeld von der Jungsteinzeit über die Römer und Kelten, das Herrschaftsgebiet Karls des Großen bis hin zur Zeit unter den Habsburgern im Königreich Ungarn nachvollziehen. Seit 1920 gehört Pinkafeld zu Österreich und hat sich seither zu einer Schul- und Hochschulstadt entwickelt.
Urgeschichte und Antike 350px|mini|Hügelgräber im Stadtpark sind stumme Zeugen der Römerzeit
Die ältesten prähistorischen Fundstücke aus dem Pinkafelder Stadtgebiet stammen aus der Jungsteinzeit (in Mitteleuropa von 5600/5500 v. Chr. bis Ende des 3. Jahrtausends v. Chr.). Bei Ausgrabungen im Sommer 2002 wurden 6000 Jahre alte Funde geborgen, die bezeugen, dass das Gebiet schon in der Jungsteinzeit besiedelt war. Aus der Bronzezeit sind derzeit keine Funde mit Bezug zu Pinkafeld bekannt. In der Eisenzeit haben die Kelten Spuren im Gemeindegebiet hinterlassen. Ihre Siedlung lag im Bereich des heutigen Bahnhofs Pinkafeld. Die Kelten betrieben in der La-Tène-Zeit (5.–1. Jahrhundert v. Chr.) eine Eisenverhüttungsanlage, deren Überreste sich im Lamplfeld erhalten haben. mini|Grabhügel der Hallstattzeit in Pinkafeld Diese Anlage wurde in der Antike von den Römern übernommen und dürfte in eine Altstraße von Königsdorf in das Wiener Becken eingebunden gewesen sein. Die Straße verlief von Süden kommend – fast durchwegs gleichlaufend mit heute bestehenden Wegen und Straßen – entlang des östlichen Randes des Lafnitztales über Dobersdorf und Rudersdorf bis zur Pfarrkirche Wolfau, danach östlich des Stögersbaches über Kitzladen, Loipersdorf bis Grafenschachen und danach wahrscheinlich ungefähr über die Trasse der Wechsel Straße.Josef Stern: Wege um die Bernsteinstraße. In: Burgenländische Heimatblätter. Heft 4/2008, hrsg. vom Landesarchiv und Landesmuseum Burgenland, Eisenstadt 2008, S. 196ff ().
In der Römerzeit war das Gebiet des heutigen Burgenlands Kernland der Provinz Pannonien (9 bis 433). Rund um Pinkafeld bestehen heute noch viele Hügelgräber, die zum Beispiel im bewaldeten Stadtpark hinterm ehemaligen Eisteich noch sehr gut erkennbar und stille Zeugen dieser Epoche sind. Zum Zeitpunkt ihrer Öffnung in den 1920er Jahren enthielten diese Gräber vorwiegend Knochen, wenige Fragmente von Gefäßen und eine römische Münze.
Mittelalter Frühmittelalter mini|Ausschnitt aus der Urkunde König Ludwigs des Deutschen vom 20.11.860: „item ad Peinicahu“.
Über Pinkafeld zur Zeit der Völkerwanderung (375–568) ist derzeit nichts bekannt. Vom 6. Jahrhundert bis zum 8. Jahrhundert (Frühmittelalter) herrschten die Awaren über das Gebiet des heutigen Burgenlandes. Unter ihrer Herrschaft fand eine Besiedlung mit den tributpflichtigen Slawen statt. Wie man aus der Namenkunde weiß, entstammt der Flussname „Pinka“ der slawischen Sprache. Zwischen 791 und 803 unterwarf Karl der Große nach zahlreichen Feldzügen die Awaren. Noch während der Awarenkriege setzte die Christianisierung des Gebietes ein. Nach der Eroberung des Awarischen Hrings wurde das Gebiet um den Plattensee der Salzburger Kirche zur Mission übergeben, und nach 803 entsandte Bischof Arn seine Priester nach Unterpannonien.Herwig Friesinger, Brigitte Vacha: Die vielen Väter Österreichs. Römer · Germanen · Slawen. Eine Spurensuche. Compress Verlag, Wien 1987, ISBN 3-900607-03-6. Im Interesse von Salzburg wurde in Pannonien allerdings kein eigener Bischof eingesetzt.
Pinkafeld war nun Teil des Fränkischen Reiches unter Karl dem Großen, der zur Sicherung seiner Grenzgebiete eine Reihe von Marken einrichtete. Pinkafeld gehörte zum Bairischen Ostland, auch Marcha orientalis genannt, das einem eigenen Präfekten mit Sitz in Lorch unterstand. Zunächst war das Gebiet um Pinkafeld im Besitz der karolingischen Könige.Alfred Ratz: Pfarrnetzentwicklung und Karolingerzeit im südburgenländischen Raum, Burgenländische Forschungen, 1950. Große Teile des eroberten Landes vergaben die Könige als Lehen oder Eigengut an verdiente Adlige, Kirchen oder Klöster. Infolge dieser Landschenkungen kamen zahlreiche fränkische Siedler (vor allem aus Baiern) und erstmals die deutsche Sprache ins spätere Burgenland.
Im Jahre 830 legte der König von Baiern Ludwig der Deutsche im Zuge einer kirchlichen Reorganisation die Raab als kirchliche Grenze zwischen Salzburg (nördlich der Raab) und Passau (südlich der Raab) fest,Herwig Wolfram: Salzburg, Bayern, Österreich. Die Conversio Bagoarium et Carantanorum und die Quellen ihrer Zeit, Verlag Oldenbourg, Wien/München 1996.Ernst Ludwig Dümmler: Geschichte des ostfränkischen Reiches. Band 1, Verlag Duncker & Humblot, Frankfurt am Main 2009, ISBN 978-3-7749-3663-8, S. 400ff. womit Pinkafeld bei der Diözese Salzburg blieb. Nach der Teilung des Fränkischen Reichs zwischen den Enkeln Karls mit dem Vertrag von Verdun im Jahre 843 wurde Pinkafeld ostfränkisch. Die weltliche Verwaltung der Pinkafelder Gegend unterstand dem Herren der Grafschaft Steinamanger Rihheri und ab 860 Odalrich. Bekannte Lehensbesitzer der Ländereien um Pinkafeld waren Isaak und Engildeo. Das Lehen Engildeos befand sich aber ursprünglich im Einflussbereich des Plattensee-Fürstentums von Pribina und Kocel. Erinpert, der Kirchenherr zu Pinkafeld, hatte diese Lehen von Kocel noch zu Lebzeit seines Vaters Pribina erhalten und an das Bistum Salzburg weitergegeben.
Im Zuge der kriegerischen Auseinandersetzungen des Prinzen Karlmann, der nach mehr Macht im Bairischen Ostland strebte, gegen seinen Vater, den nunmehrigen König des Ostfrankenreichs Ludwig dem Deutschen, kam es (vermutlich) zur ersten urkundlichen Erwähnung der heutigen Stadt. Am 20. November 860 schenkte König Ludwig dem Erzbischof von Salzburg Adalwin (Adaluuinus) unter anderem das Gut „ad Peinicahu“, das die Salzburger Kirche zuvor bereits als Lehen innehatte. Der König wollte mit dieser Schenkung seine Stellung gegenüber dem aufständischen Sohn stärken. Unter Historikern ist umstritten, ob es sich bei dem genannten Ort Peinicahu tatsächlich um das heutige Pinkafeld handelt. Diesfalls würde es sich um die älteste Urkunde handeln, die einen Ort im heutigen Burgenland benennt. Das Lehen Isaaks (bei Oberwaldbauern, Unterwaldbauern oder in Sinnersdorf) schenkte möglicherweise König Arnulf von Kärnten im Jahr 891 ebenfalls dem Salzburger Erzbistum. Die diesbezügliche Urkunde ist allerdings eine Fälschung.Franz Kugler: Geschichte der Stadt Pinkafeld mit Berücksichtigung d. r.k. Pfarre, Eigentümer, Hrsg. und Verleger: Dechant Franz Kugler, Pinkafeld 1973.
Um 900 nahm das magyarische Reitervolk das Gebiet in Besitz. Seit dieser Zeit gehörte das Gebiet des heutigen Burgenlands und damit auch das Gebiet Pinkafelds für über 1000 Jahre überwiegend zum Königreich Ungarn. Zur Sicherung des ungarischen Reiches entstand im Gebiet des heutigen Bezirks Oberwart eine Kette von ungarischen Grenzwächterposten. Aus den Grenzwachen entstanden später unter anderen die Ortschaften Oberwart und Unterwart, Oberschützen und Unterschützen, Siget in der Wart, Spitzzicken, Eisenzicken und Kotezicken. Das Gebiet Pinkafelds lag im Niemandsland (Gyepűelve) zwischen diesen ungarischen Vorposten und den Dörfern an der Grenze zu Karantanien. Nach der so genannten „Landnahme“ durch die Ungarn kam es zu einer Reihe von kriegerischen Auseinandersetzungen (Ungarneinfälle) zwischen den Magyaren und ihren Nachbarn, die ihren Höhepunkt in der Schlacht auf dem Lechfeld (955) fanden. Der König des Ostfrankenreiches Otto der Große besiegte dabei die ungarischen Reiter, die daraufhin sesshaft wurden und ihre Grenzen bis hinter den Wienerwald zurückzogen.
Hochmittelalter Die Ungarn nahmen nun friedliche und familiäre Beziehungen zum Westen auf. Auf Initiative des ersten ungarischen Königs Stephan I. kamen weitere deutschsprachige Siedler ins Burgenland. Im 11. Jahrhundert, zur Blütezeit des westlichen Rittertums, Lehnswesens und Minnesangs (Hochmittelalter) baute König Stephan I. in Ungarn die Verwaltung des noch relativ jungen ungarischen Staatsgebildes aus und richtete Komitate als weltliche sowie Bistümer als kirchliche Verwaltungsbezirke ein. Zu dieser Zeit entstand das Komitat Eisenburg, dem Pinkafeld bis zur Entstehung des Burgenlandes im Jahr 1921 überwiegend angehörte hat. In kirchlicher Hinsicht unterstand Pinkafeld ab dem 11. Jahrhundert dem Bistum Raab.
Die Besiedlung der benachbarten (heutigen) Oststeiermark begann um das Jahr 1122 und war gegen Ende des 13. Jahrhunderts abgeschlossen. Die ersten Siedler kamen aus dem jetzigen Ober- und Niederösterreich. Das eigentliche ungarische Besiedlungsgebiet begann erst jenseits ihrer Grenzposten, das Niemandsland davor war nahezu menschenleer. Die Besiedlungsgeschichte Pinkafelds könnte daher in engem Zusammenhang mit jener der Oststeiermark stehen, und möglicherweise bauten diese Ober- und Niederösterreicher auch die ehemalige Pinkafelder Siedlung der Karolingerzeit weiter aus.
Spätmittelalter mini|links|hochkant|Wappen der Güssinger Grafen: bis 1327 waren sie die Besitzer Pinkafelds mini|hochkant|Pinkafelder Pranger: Symbol der hohen Gerichtsbarkeit
Im frühen Spätmittelalter, zur Zeit der Machtentfaltung der ungarischen Oligarchen, gehörte die Siedlung schließlich zum Besitz der Güssinger Grafen. Im Zuge der Güssinger Fehde (1289/90) fiel Pinkafeld neben zahlreichen anderen Orten der Region (beispielsweise Ödenburg, Güns, Schlaining, Stegersbach) in die Hände des österreichischen Herzogs Albrecht I. von Habsburg. Nachdem die Siedlung und deren Befestigungswerke (Wehrkirche, Erdwerke, Palisaden) während der Güssinger Fehde 1289 zerstört worden waren, wurde sie ab 1291 Teil der Herrschaft Bernstein. 1327 kam es zur Schlacht bei Güns zwischen König Robert von Anjou und den Güssinger Grafen. Die Burg und die Herrschaft Bernstein und damit Pinkafeld gelangten unter König Ludwig dem Großen in die Verwaltung der ungarischen Krone.
Durch Ludwig den Großen gefördert, erreichte die Stadt 1397 in wichtigen Bereichen die Unabhängigkeit von Bernstein. Der neue Grundherr in Bernstein, Nikolaus von Kanizsay, der 1388 Burg und Herrschaft Bernstein in Pfand nahm, verlieh Pinkafeld 1397 eine vom Kastellan unabhängige hohe und niedere Gerichtsbarkeit und das Recht seine Richter selbst zu wählen. Daraufhin verlieh er das Markt- und Mautrecht und gestattete den Pinkafeldern, die Pflicht zur Robot durch eine einmalige Zahlung in Geld abzulösen. Pinkafeld wurde Handelsmittelpunkt der Herrschaft Bernstein. Es war allen Untertanen gestattet auf dem Pinkafelder Markt zu handeln, ohne hier Marktzoll zu bezahlen. Die Wochenmärkte dauerten von Dienstagnachmittag bis zum Donnerstag.
Im 15. Jahrhundert war der Dreißigstzoll (der Grenzzoll wurde in Ungarn „Dreißigst“ genannt) eine Aus- und Einfuhrabgabe, die in den Schatz des Königs floss. Die Kaufleute mussten an der Zollstelle ein Dreißigstel des Werts ihres Wagenvorrates abliefern. Unter der Herrschaft der polnisch-litauischen Jagiellonen wurde 1498 das Netz der königlichen Einhebungsstellen geregelt. In Pinkafeld sowie in Kaltenbrunn und Rudersdorf waren Dreißigstämter. Diesen übergeordnet war das Hauptdreißigstamt in Steinamanger.
Der überdurchschnittlich hohe Anteil an Berufsnamen als Familiennamen (wie Lederer, Hafner, Müllner) weist darauf hin, dass im Mittelalter das Handwerk die beherrschende Wirtschaftsform gewesen sein dürfte. Die Erzeugnisse der Bauern dienten nur der Eigenversorgung. Im ganzen Bezirk war der Weinbau weit verbreitet. Der Wein der Batthyányschen Hofkellereien in Pinkafeld wurde im 16. Jahrhundert im Gegensatz zum Wein der weiter östlich gelegenen Herrschaften (wie Eisenberg) allerdings als „gar schlecht und gering“ bezeichnet und „daraus nit einmal Essig werden mag“.