mini|Fritz Schramma, 2007

Fritz Schramma (* 27. August 1947 in Köln; † 17. August 2026 ebenda) war ein deutscher Politiker (bis 2025 CDU). Er war von 2000 bis 2009 Oberbürgermeister der Stadt Köln. In seine Amtszeit fiel der Bau der Kölner Moschee; in diesem Zusammenhang hat er viel für die Integration von Zugewanderten getan. Auf der anderen Seite wurde er nach dem Einsturz des Kölner Stadtarchivs für seine Krisenpolitik kritisiert.

Privatleben Fritz Schramma wurde 1947 in Köln geboren. Er besuchte das Dreikönigsgymnasium und studierte an der Universität zu Köln Latein, Philosophie und Pädagogik. Von 1972 bis 1988 war er als Studienreferendar und Lehrer an verschiedenen Gymnasien in Köln-Rodenkirchen, Wesel und Hürth (Ernst-Mach-Gymnasium) tätig. Von 1988 bis 2000 war er Studiendirektor am Geschwister-Scholl-Gymnasium in Pulheim, wo er Latein und Philosophie unterrichtete.

Schramma war verheiratet und Vater einer Tochter und eines Sohnes. Sein Sohn wurde am 31. März 2001 in der Kölner Innenstadt am Rudolfplatz als unbeteiligter Fußgänger bei einem Autounfall tödlich verletzt, der durch ein illegales Straßenrennen verursacht worden war. Zugriff am 4. September 2015

Im November 2025 machte Schramma seine Krebserkrankung öffentlich. Er starb am 17. August 2026 im Alter von 78 Jahren in der Palliativstation „Mildred-Scheel-Haus“ des Universitätsklinikums Köln. Am 27. August, seinem Geburtstag, wurde er auf dem Westfriedhof in Köln-Vogelsang beigesetzt.Kölner Stadt-Anzeiger Köln vom 21. August 2026: Fritz Schramma. Stadt Köln nennt Termin für Trauerfeier und Beisetzung (red), abgerufen am 22. August 2026Kölner Stadt-Anzeiger Köln vom 27. August 2026: Abschied vom Alt-OB. Bewegende Trauerfeier für Fritz Schramma, „den Köln-Versteher schlechthin“, von Jan Wördenweber, abgerufen am 28. August 2026

Politische Karriere Schramma trat 1976 in die CDU ein.Peter Schilder: Die Kölsche Schwampel. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 18. November 2008, S. 3. Ab 1989 saß er für die Partei im Kölner Stadtrat. Im Oktober 1999 wurde er Erster Bürgermeister, also ehrenamtlicher erster Stellvertreter des damaligen Oberbürgermeisters Harry Blum (CDU). Nachdem dieser im März 2000 überraschend verstorben war, übernahm Schramma gemeinsam mit Stadtdirektor Bernhard Wimmer (CDU) kommissarisch die Geschäfte des Oberbürgermeisters.

Bei der vorgezogenen Wahl zum Oberbürgermeister gewann Schramma 47,3 Prozent der Stimmen im ersten Wahlgang und konnte sich in der Stichwahl am 17. September 2000 mit 52,3 Prozent gegen Anke Brunn von der SPD durchsetzen. Die Kölner SPD war damals durch einen Skandal um die Insider-Aktiengeschäfte des früheren SPD-Kandidaten Klaus Heugel geschwächt, Brunn galt als Verlegenheitskandidatin. Schramma wurde so, laut einer Schlagzeile des Kölner Stadt-Anzeigers, „Oberbürgermeister aus Zufall“. in: Kölner Stadt-Anzeiger, 29. März 2009 Durch eine Besonderheit im Kommunalrecht Nordrhein-Westfalens betrug Schrammas Amtszeit als Oberbürgermeister neun anstatt fünf Jahre: Der Rest der Amtsperiode seines verstorbenen Vorgängers plus eine volle fünfjährige Amtsperiode. Bei der Kommunalwahl 2004 wurde daher der Rat der Stadt Köln neu gewählt, nicht aber der Oberbürgermeister.

Im Mai 2008 wurde Schramma in Solingen mit dem Genç-Preis für friedliches Miteinander ausgezeichnet. In der Begründung der Jury wurde neben seinem dauerhaften Einsatz für Integration insbesondere seine Rolle als Vermittler bei den Auseinandersetzungen um den von der DITIB angestrebten Kölner Moscheebau hervorgehoben.Kölner gegen Moschee in geplanter Größe in: Kölner Stadt-Anzeiger, 19. Juni 2007 Schramma genehmigte den Bau von Deutschlands größter Moschee in Köln.

Nach dem Einsturz des Kölner Stadtarchives am 3. März 2009 wurde Schramma wegen seiner Krisenpolitik heftig kritisiert. Daraufhin erklärte er am 29. März seinen Verzicht auf eine erneute Kandidatur zum Oberbürgermeister bei den Kommunalwahlen. in: Kölner Stadt-Anzeiger, 29. März 2009

Ein Ermittlungsverfahren gegen Schramma wegen vermeintlicher unzulässiger Tonbandmitschnitte bei Sitzungen des Koordinierungsstabes zum Einsturz des Historischen Stadtarchivs wurde nach wenigen Tagen von der Staatsanwaltschaft eingestellt. Schramma hatte angeführt, dies sei völlig offen geschehen und habe nur die Arbeit der Protokollführer erleichtern sollen. in: Rheinische Post, 6. April 2009. Schrammas Amtszeit als Oberbürgermeister von Köln endete am 20. Oktober 2009.

Im Oktober 2025 trat Schramma mit seiner gesamten Familie nach fast 50-jähriger Mitgliedschaft aus der CDU aus.Kölner Stadt-Anzeiger, 28. Oktober 2025, Köln, S. 22; Statement der CDU Köln zum Austritt Als Grund gab er eine mangelnde Diskussionskultur innerhalb der Partei, fehlende Verantwortungsübernahme für Wahlniederlagen durch lokale Parteifunktionäre sowie seine gesundheitliche Situation an. Schramma kritisierte, dass Bernd Petelkau trotz schlechtem Wahlergebnis „am nächsten Morgen in einer Nacht- und Nebel-Aktion“ erneut zum Kölner Fraktionsvorsitzenden gewählt worden war und die Kreisvorsitzende Serap Güler als Bundestagsabgeordnete und Staatsministerin nicht genug Zeit für ihr Amt in Köln aufbringen könne.

Kritik an der Amtsführung Der mehrere hundert Millionen Euro teure Auftrag zum Bau der Kölner Messehallen stand in der Kritik und damit auch die über hundert Millionen Euro „Nebenkosten“, darunter allein sieben Millionen Euro für Vermittlung eines Mieters – obgleich der Mieter, die Kölnmesse, feststand. Vom EU-Gerichtshof wurde dieses Verfahren als rechtswidrig beurteilt. Das Gericht zeigte sich überzeugt, dass die Anmietung der gebauten Messehallen eine Trickmaßnahme gewesen sei, um sich der Pflicht zur öffentlichen Ausschreibung zu entziehenEU-Gericht: Rechtsverstoß bei Kölner Messehallen; dpa-Meldung auf EU-info.de vom 29. Oktober 2009 (siehe auch Josef Esch (Bauunternehmer)).

Im November 2009 wurde Schramma in geheimer Abstimmung im Stadtrat in den Aufsichtsrat der Kölnmesse gewählt. Sein Mandat nahm er jedoch nicht an. Er sah sich als Opfer einer politischen und medialen Kampagne, die mit dem Einsturz des Stadtarchivs begonnen habe. Die Gegner seiner Wahl, darunter die Fraktion der Grünen im Kölner Rat, führten Schrammas Verwicklung in das rechtswidrige Messegeschäft als Grund für ihren Widerstand an.Peter Michael Soénius: Rede im Rat der Stadt Köln am 14. November 2006 (pdf; 41 kB)Christian Deppe: Kölnmesse: Schramma lehnt Aufsichtsrats-Posten ab; Kölnische Rundschau, 24. November 2009Eva-Maria Thoms: Hässliches Erbe. Halbherzig müht sich Kölns neuer OB um die Aufklärung alter Klüngelaffären. Nun setzt ihn der Europäische Gerichtshof unter Druck; Die Zeit, Nr. 45, 29. Oktober 2009, S. 9Ingolf Gritschneder, Georg Wellmann; Gert Monheim (Redaktion:: Manuskript zum Film Milliarden-Monopoly. Die verschwiegenen Geschäfte der Oppenheim-Esch-Holding; WDR Fernsehen, Erstsendung am 4. Juli 2005, 22.30 Uhr (pdf; 99 kB))mini|Fritz Schramma für die Bürgergarde „blau-gold“ auf dem Ehrenfelder Veedelszug, 2014

Ehrenamtliches Engagement Im Dezember 2009 wurde Schramma in Düsseldorf mit dem Pro-Ehrenamt-Preis für sein Engagement zugunsten des Sports und der in Köln engagierten Ehrenamtlichen ausgezeichnet. Der Preis wird verliehen vom Deutschen Olympischen Sportbund und der Commerzbank in Kooperation mit dem Bundesnetzwerk Bürgerschaftliches Engagement. Schramma hat in Köln u. a. die Sport-Agenda Köln 2015 und die Kommunalstelle zur Förderung und Anerkennung bürgerschaftlichen Engagements initiiert.

Als Oberbürgermeister war Schramma Mitglied zahlreicher Vereine und Verbände sowie Schirmherr vieler Veranstaltungen in Köln. (PDF; 72 kB) Im Oktober 2009 wurde er von der Jahreshauptversammlung der Kölner Karnevalsgesellschaften zum Ehrenmitglied des Festkomitees ernannt. Damit war Schramma nach dem Altoberbürgermeister Norbert Burger das zweite Ehrenmitglied. Schramma war Mitglied der Ehrenfelder Karnevalsgesellschaft Bürgergarde „blau-gold“ von 1904. Ab Januar 2001 war Schramma Mitglied der Roten Funken.

Fritz-Schramma-Preis Seit 2024 wird vom Kölner Kochkunstverein der mit 2000 Euro dotierte Fritz-Schramma-Preis verliehen, den erstmals Herbert Reul erhielt.Kölner Stadt-Anzeiger Köln vom 12. November 2024: Geehrt. Kölner Köche verleihen erstmals Fritz Schramma-Preis. Wahl fällt auf NRW-Minister, von Jan Wördenweber, abgerufen am 18. November 2025 2025 erhielt ihn die ehemalige finnische Ministerpräsidentin Sanna Marin.Kölner Stadt-Anzeiger Köln vom 11. November 2024: „Alte Männer in grauen Anzügen“. Colonia Kochkunstverein ehrt Sanna Marin in Abwesenheit, von Maxi Gaiser, abgerufen am 19. November 2025 Das Preisgeld wird von den jeweiligen Preisträgern an eine Organisation ihrer Wahl gespendet.

Auszeichnungen und Ehrungen 2024: Rheinlandtaler des LVR in der Kategorie Gesellschaft, zusammen mit seiner Frau Ulla für ihre Gründung des Vereins Kölner Opferhilfe 2002LVR Rheinlandtaler.: Die Preisträger*innen 2024, abgerufen am 20. Oktober 2024

Veröffentlichungen CD Oberbürgermeister Fritz Schramma liest Sagenhaftes aus Köln. 5 ungekürzte Sagen. Regie: Kerstin Kaiser. Bastei Lübbe, Bergisch Gladbach 2002, ISBN 978-3-7857-1232-0.

Weblinks

Welt Politik vom 5. April 2009: Kölns Oberbürgermeister Schramma "Ich wollte keine Zielscheibe mehr sein", von Kristian Frigelj

Einzelnachweise

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