mini|Blick über Brackenheim
Brackenheim () ist eine Stadt im Landkreis Heilbronn in Baden-Württemberg. Sie gehört zum Regionalverband Heilbronn-Franken (bis 20. Mai 2003 Region Franken) und zur Randzone der europäischen Metropolregion Stuttgart. Mit 798 ha Gesamtrebfläche ist sie die größte württembergische Weinbaugemeinde. Einer der bekanntesten Söhne der Stadt ist der erste deutsche Bundespräsident Theodor Heuss.
Geographie Geographische Lage Brackenheim liegt im Zabergäu im südwestlichen Landkreis Heilbronn, 15 km südwestlich der kreisfreien Stadt Heilbronn. Zaber, Forstbach, Herrenwiesenbach und Neipperger Bächle durchziehen die Teilorte in Ost-West-Richtung. Mit seinen Stadtteilen erreicht Brackenheim die Abhänge des Heuchelbergs im Norden und berührt im Süden die Ausläufer des Stromberg-Höhenzuges. Die Landschaft prägt der intensiv betriebene Weinbau.
Nachbargemeinden Nachbarstädte und -gemeinden Brackenheims sind (im Uhrzeigersinn, beginnend im Südwesten): Cleebronn, Güglingen, Eppingen, Schwaigern, Nordheim, Lauffen am Neckar (alle Landkreis Heilbronn), Kirchheim am Neckar und Bönnigheim (beide Landkreis Ludwigsburg). Mit Cleebronn ist Brackenheim eine Vereinbarte Verwaltungsgemeinschaft eingegangen.
Stadtgliederung Brackenheim besteht aus insgesamt acht Ortsteilen, neben Brackenheim selbst aus Botenheim, Dürrenzimmern, Haberschlacht, Hausen an der Zaber, Meimsheim, Neipperg und Stockheim.
Zu Brackenheim selbst gehören noch die Wohnplätze Burgermühle und St.-Johannis-Mühle, zu Meimsheim die Wohnplätze Bellevue, Obere Schellenmühle und Untere Schellenmühle, zu Neipperg Schloss und Hof Neipperg, zu Stockheim Schloss und Hof Stocksberg. Abgegangene, nicht mehr bestehende Orte sind die Hengstmühle auf Markung Botenheim sowie Jägerhaus, Schleifmühle und Stärkefabrik auf Markung Meimsheim.Quelle für den Abschnitt Stadtgliederung:Das Land Baden-Württemberg. Amtliche Beschreibung nach Kreisen und Gemeinden. Band IV: Regierungsbezirk Stuttgart, Regionalverbände Franken und Ostwürttemberg. Kohlhammer, Stuttgart 1980, ISBN 3-17-005708-1. S. 63–68 sowie Berichtigung in Bd. VIII, Stuttgart 1983, ISBN 3-17-008113-6, S. 661
Flächenaufteilung Weinbau und Landwirtschaft prägen die Flächenaufteilung in Brackenheim und seinen Teilorten. Diese machen über 66 % der vorhandenen Fläche aus.
Geschichte mini|Brackenheim um 1640 (Illustration aus Matthäus Merians Topographia Sueviae, 1643) mini|Brackenheim von Nordosten, Aquarell über Feder (Künstler unbekannt, um 1820) mini|Historischer Stadtplan von 1835 mini|Löschwasserteich in Brackenheim (1914) mini|Logo der Stadt Brackenheim
Bis zum 18. Jahrhundert Das Gebiet zwischen dem Strom- und dem Heuchelberg ist schon seit etwa 5000 bis 6000 Jahren besiedelt. Die ältesten menschlichen Siedlungsfunde auf dem Gebiet der heutigen Stadt Brackenheim datieren aus der Jungsteinzeit, aus der etwa 30 Siedlungsstellen im Stadtgebiet nachgewiesen sind. Auch aus den nachfolgenden Epochen ist eine Besiedelung des sich längs und nördlich der Zaber erstreckenden Stadtgebietes belegt, das von zahlreichen vorgeschichtlichen Wegen durchzogen wurde, die in und um den heutigen Stadtteil Meimsheim einen wichtigen Knotenpunkt hatten.
Zur Zeit der Römer lag Brackenheim im Hinterland des Neckar-Odenwald-Limes bzw. Obergermanisch-Raetischen Limes. Im fruchtbaren Zabergäu bestanden damals zahlreiche römische Gutshöfe. Die bedeutendsten Funde aus römischer Zeit im heutigen Stadtgebiet wurden bei der Martinskirche in Meimsheim und in Hausen an der Zaber geborgen. Aus der nachfolgenden Zeit der Alamannen gibt es aus Brackenheim nur vereinzelte und teilweise umstrittene Funde. Die intensive Besiedelung des heutigen Stadtgebiets und die Gründung der heutigen Stadtteile fand dann während der fränkischen Landnahme ab dem 6. Jahrhundert statt. Der Stadtteil Meimsheim wurde 788 im Lorscher Codex erstmals erwähnt, es folgen 793/94 Botenheim und Frauenzimmern oder Dürrenzimmern.
Ein Zeisolf von Brackenheim wurde im 12. Jahrhundert im Hirsauer Codex anlässlich einer Schenkung von Gütern in Botenheim und Meimsheim erwähnt. Der Ort Brackenheim wird in einer Urkunde Erkingers von Magenheim vom 6. Oktober 1246 erstmals genannt. Die Herren von Magenheim sind ein spätestens seit 1147 nachweisbares Adelsgeschlecht mit umfangreichen Besitztümern in Kraichgau und Zabergäu und mit Beziehungen zum Bistum Mainz, Bistum Speyer, Bistum Worms, zu den Staufern und auch zu König Rudolf I. von Habsburg. Auf die Magenheimer, die eventuell auch schon auf einer durch den Gewannnamen Burg nachgewiesenen alten Burg einen Sitz hatten, geht der Ausbau des Ortes Brackenheim zur Stadt zurück. Der bestehende Ort wurde dabei planmäßig erweitert und nahezu rechteckig ummauert. Außerdem wurde dabei ein neuer Herrensitz innerhalb der Stadt errichtet, auf den das heutige Schloss zurückgeht. Die älteste Erwähnung als oppidum (Stadt) datiert auf 1279, das Stadtrecht wurde durch Rudolf I. förmlich am 29. Mai 1280 verliehen. Mit der ersten Erwähnung des Markttors in Richtung Neipperg im Jahr 1301 gilt der Abschluss der Ummauerung der Stadt als belegt. Die Stadt ist bis ins frühe 20. Jahrhundert kaum über diese mittelalterliche Umfassung hinausgewachsen.
Durch Erbteilung zerfiel der Besitz der Magenheimer in verschiedene Teile. Um 1280 erhielt dabei Erkinger III. von Magenheim die Stadt Brackenheim mit Zugehör. Nach 1287 teilten dessen Söhne den Besitz nochmals auf. Über weitere Erbgänge kam eine Hälfte von Brackenheim an Graf Burkhard von Hohenberg, der seinen Besitz in Brackenheim, Magenheim sowie auf Burg Blankenhorn 1321 an Graf Eberhard I. von Württemberg verkaufte. Dessen Sohn Ulrich III. veräußerte den Besitz in Brackenheim zwar 1327 an Erzbischof Matthias von Mainz, jedoch erlangte Württemberg um 1356 den Besitz an jener Hälfte der Stadt zurück. Faktisch scheint Württemberg ab jener Zeit jedoch die Herrschaft über die ganze Stadt ausgeübt zu haben, da Eberhard II. am 27. Dezember 1367 von vier Magenheimer Erben auch den Anspruch auf die restliche Hälfte der Stadt für eine sehr geringe Summe erwarb.
Brackenheim wurde württembergische Amtsstadt. Zum Amt Brackenheim zählten ursprünglich neben der Stadt auch noch die Orte Haberschlacht, Meimsheim, Nordheim, Hausen an der Zaber, Dürrenzimmern und die württembergische Hälfte von Cleebronn. Später kamen noch die Gemeinden Kleingartach, Niederhofen und Stetten am Heuchelberg hinzu.
Das Schloss Brackenheim wurde zusammen mit der Stadt und dem Amt Brackenheim verschiedenen Witwen württembergischer Regenten als Witwensitz verschrieben, außerdem diente es auch als Sitz des jeweiligen württembergischen Obervogts. Im 17. und 18. Jahrhundert hat jedoch keine der mit dem Schloss bedachten Witwen auch tatsächlich in Brackenheim gewohnt.
In der Zeit des Dreißigjährigen Krieges hatte Brackenheim vielfach Plünderungen und die Auswirkungen von Truppendurchzügen und Einquartierungen zu erdulden. Die größte Not war gerade überwunden, als ab 1688 mit dem Ausbruch des Pfälzer Erbfolgekriegs sich erneut militärische Operationen um Brackenheim zutrugen. Inmitten dieser Notzeit mit Plünderungen und der Verwüstung von Feldern ereignete sich im Mai 1691 ein großer Stadtbrand, bei dem 112 Gebäude in Brackenheim zerstört wurden. Der Umstand, dass die Einwohner der umliegenden Amtsorte ihr Mobiliar und ihre Fruchtvorräte in der vermeintlich sichereren Stadt eingelagert hatten, vergrößerte das Ausmaß der Katastrophe dramatisch. Es kam zu Hungersnot und Armut, die durch die kriegerischen Handlungen und Missernten in den Folgejahren noch vergrößert wurden.
Nach dem Stadtbrand von 1691 waren weite Teile im Norden und Osten der Stadt zerstört, wobei sich der Wiederaufbau bis weit in das 18. Jahrhundert hinein zog. Eine Neugestaltung des Marktplatzes war notwendig. Auch das alte Rathaus von 1424 war abgebrannt, so dass der Rat in das ehemalige Badhaus zog, bis 1776 das neue Rathaus an der Stelle des alten fertiggestellt war.
19. bis 21. Jahrhundert Mit Gründung des Königreichs Württemberg 1806 blieb Brackenheim Verwaltungssitz des gleichnamigen Oberamtes (ab 1934 Kreis Brackenheim). Bei der Verwaltungsreform während der NS-Zeit in Württemberg kam Brackenheim 1938 zum Landkreis Heilbronn. 1933 wurden 1633 Einwohner gezählt, 1939 waren es 1671.Mitteilungen des Württ. Stat. Landesamtes Nr. 4/5 vom 10. Dezember 1940: Ergebnisse der Volks- und Berufszählung am 17. Mai 1939
In den letzten Tagen des Zweiten Weltkriegs wurde Brackenheim am 2. und am 5. April 1945 zum Ziel mehrerer Bombenabwürfe, wobei zahlreiche Dächer abgedeckt und einige Gebäude, vor allem Scheunen, stark beschädigt wurden. Obwohl am 5. und 6. April noch Panzersperren errichtet und zwei Brücken gesprengt wurden, zogen französische Truppen am Nachmittag des 6. April 1945 kampflos in Brackenheim ein, anschließend kam es vereinzelt zu Plünderungen und Vergewaltigungen. Die Kriegsschäden waren im Wesentlichen bereits im Spätjahr 1945 behoben. Im Jahr 1946 fanden rund 550 Heimatvertriebene, größtenteils aus dem Sudetenland, Aufnahme in Brackenheim.
1945 wurde der Ort Teil der Amerikanischen Besatzungszone und gehörte somit zum neu gegründeten Land Württemberg-Baden, das 1952 im jetzigen Bundesland Baden-Württemberg aufging.
Im Zuge der baden-württembergischen Gemeindereform wurden von 1971 bis 1974 die Nachbargemeinden Botenheim, Dürrenzimmern, Haberschlacht, Hausen an der Zaber, Meimsheim, Neipperg und Stockheim nach Brackenheim eingemeindet. Die rege Ausweisung von Baugebieten ließ die Ortsteile teilweise zusammenwachsen und führte zu einem deutlichen Bevölkerungswachstum, alleine von 1995 bis 2004 um annähernd 2700 Einwohner.
Eingemeindungen Stadtteil Datum Botenheim 1. Januar 1971 Dürrenzimmern 1. November 1971 Haberschlacht 29. Februar 1972 Meimsheim 1. April 1972 Neipperg 1. Januar 1974 Stockheim 1. Januar 1974 Hausen an der Zaber 1. Oktober 1974
Religionen
Konfessionsstatistik Gemäß dem Zensus 2011 waren 53,5 % der Einwohner evangelisch, 18,6 % römisch-katholisch und 27,9 % waren konfessionslos, gehörten einer anderen Glaubensgemeinschaft an oder machten keine Angabe., Zensus 2011 Mit Stand 4. Januar 2022 waren von den 16.439 Einwohnern 42,4 % (6967) evangelisch, 16,2 % katholisch und 41,4 % (6809) waren konfessionslos oder gehörten einer anderen Glaubensgemeinschaft an.Stadt Brackenheim Zahlenspiegel Statistik, abgerufen am 4. April 2022https://www.brackenheim.de/stadt-info/zahlen-daten-fakten/flaeche-bevoelkerungsstand Die Zahl der Protestanten und Katholiken ist demnach im beobachteten Zeitraum gesunken.
Geschichte Brackenheim ist seit der Reformation überwiegend evangelisch geprägt. Die Stadt war bis 2024 Sitz des Kirchenbezirks Brackenheim der Evangelischen Landeskirche in Württemberg (jetzt Kirchenbezirk Heilbronn-Brackenheim). In Brackenheim, Botenheim, Dürrenzimmern, Hausen, Meimsheim und Neipperg gibt es eigene evangelische Kirchengemeinden; Haberschlacht und Stockheim haben eine gemeinsame Kirchengemeinde. Brackenheim ist auch Sitz des evangelischen Bezirksjugendwerks Brackenheim, das als Teil des Evangelischen Jugendwerks in Württemberg für die Jugendarbeit in den Kirchengemeinden des Kirchenbezirkes Brackenheim zuständig ist.
In Stockheim gibt es die katholische Kirchengemeinde St. Ulrich, die auch Haberschlacht und den Eppinger Stadtteil Kleingartach umfasst. Neipperg gehört zur Kirchengemeinde St. Martinus in Schwaigern. Die katholische Christus-König-Gemeinde in Brackenheim entstand im Wesentlichen durch den Zuzug von katholischen Heimatvertriebenen nach dem Zweiten Weltkrieg und umfasst die restlichen Brackenheimer Stadtteile.
In Brackenheim sind auch eine evangelisch-freikirchliche Gemeinde (Baptisten) und die Zeugen Jehovas vertreten, in Botenheim die Evangelisch-methodistische Kirche und in Meimsheim die Neuapostolische Kirche.
Politik
Gemeinderat und Ortschaftsräte