mini|Die ehemalige Bergwerksdirektion Saarbrücken als Eingangsgebäude der Europa-Galerie, März 2011 mini|Südlicher Flügel an der Trierer Straße

Die ehemalige Bergwerksdirektion ist ein unter Denkmalschutz stehendes Gebäude im Zentrum des Saarbrücker Stadtteils St. Johann. Vorgeschichte Mit der Ausweitung der Kohlenförderung an der Saar nach dem durch das Königreich Preußen gewonnenen Deutsch-Französischen Krieg wuchsen auch die Verwaltungsaufgaben der für die Förderung zuständigen Behörden. Die alten Räumlichkeiten der „Königlich-Preußischen Bergwerksdirection“ im ehemaligen Erbprinzenpalais am Saarbrücker Schlossplatz entsprachen nicht mehr den neuen Anforderungen. In der expandierenden Saarbrücker Nachbarstadt St. Johann a.d. Saar fand man in unmittelbarer Nähe zu dem in den Jahren 1851/1852 neuerrichteten St. Johanner Bahnhofsgebäude einen geeigneten Standort. Die Planungen für das neue Direktionsgebäude wurde der Berliner Architektengemeinschaft Gropius und Schmieden übertragen.

Geschichte und Gestaltung Bau Das von 1877 bis 1880 nach Plänen der Architekten Martin Gropius und Heino Schmieden im Stil der Neorenaissance mit Anklängen an die florentinische Frührenaissance errichtete Haus beherbergte von 1880 bis in die frühen 1970er Jahre (bis 1919 unter der offiziellen Bezeichnung Königlich Preußische Bergwerksdirektion Saarbrücken) die zentrale Verwaltung des jeweiligen Betreibers der Bergwerke im Saarkohlerevier, angefangen beim Königlich-preußischen Bergfiskus über den französischen und den deutschen Staat, die Mission Française des Mines de la Sarre bis hin zu den Saarbergwerken AG. mini|hochkant|Palais Ferstel als architektonisches Vorbild der Bergwerksdirektion, nach Rudolf von Alt Das spitzwinklig zulaufende Grundstück zwischen der Trierer Straße und der Reichsstraße bedingte eine zweiflüglige Anlage mit einem zusätzlichen schmalen Mittelpavillon, der die Hauptschauseite des Gebäudes darstellt. Diese Hauptschauseite bildet den Endpunkt der Blickachse der St. Johanner Bahnhofstraße und entfaltet so eine bedeutende städtebauliche Wirkung. Der Flügel an der ebenen Trierer Straße hat die doppelte Länge des Flügels an der ansteigenden Reichsstraße, da hier das Gelände zum Hauptbahnhof stark geneigt ist. Der Flügel an der Trierer Straße wird durch einen Mittelpavillon unterteilt, der eine zweite Portalanlage erhielt. Das Gebäude der Bergwerksdirektion weist im architektonischen Aufbau deutliche Parallelen zu dem von Heinrich von Ferstel bereits in den Jahren 1856–1860 in der Wiener Innenstadt errichteten Gebäude der Nationalbank und der Börse (heute Palais Ferstel) auf.Hertha Wohlrab: Die Freyung, Wien 1971.Österreichische Zeitschrift für Kunst und Denkmalpflege, Wien 1971, Heft 1/2.http://www.burgenkunde.at/wien/w_palais_ferstel/w_palais_ferstel.htm Anders als das Palais Ferstel in der engbebauten Herrengasse der Wiener Altstadt, kann die ähnlich gestaltete St. Johanner Hauptfassade der Bergwerksdirektion einen mehrere hundert Meter langen Point-de-vue-Effekt erzielen und krönt somit den Straßenzug der Bahnhofsstraße, die bereits der Saarbrücker Barockarchitekt Friedrich Joachim Stengel als schnurgerade Achse projektiert hatte. mini|Bergwerksdirektion Saarbrücken, Fassadenschmuck mini|Bergwerksdirektion Saarbrücken, historischer Fassadenriss des Mittelpavillons Als Schmuckwerke der Fassade der Bergwerksdirektion dienen steinerne Wappenschilde mit den Namen der saarländischen Bergwerke in gusseisernen Lettern, Porträtmedaillons mit bedeutenden Persönlichkeiten des Bergbaus sowie sechs Skulpturen, die Personen aus Bergbauberufen mit berufstypischer Kleidung darstellen. Die Grubennamen sind so gruppiert, dass der Aufteilung nach Berginspektionen und Grubenabteilungen sinnvoll Rechnung getragen wird:Saarbrücker Bergmannskalender für das Jahr 1879, 7. Jg. S. 106f.

Die in Bonn durch den Bildhauer Albert Küppers gefertigten Portraitmedaillons stellen folgende Persönlichkeiten dar:Hans-Christoph Dittscheid: Die Bergwerksdirektion - ein Zeugnis preußischer Architektur in Saarbrücken, in: Saarbrücker Hefte 43, 1976, S. 19–34, hier S. 22; erschienen auch in: Die Hauptverwaltung der Saarbergwerke AG, Saarbrücken 1981, S. 21–58. Heinrich Böcking (Oberbürgermeister Saarbrückens ab 1814 und ab 1838 Bergrat) Ernst Heinrich von Dechen (Dechen war zur Erbauungszeit der Bergwerksdirektion Direktor des preußischen Oberbergamtes Bonn, dem die Saarbrücker Verwaltung unterstand, und führte den Titel eines Oberberghauptmannes) Otto Ludwig Krug von Nidda (Nidda war seit 1860 als Ministerialdirektor an der Spitze des preußischen Bergwesens in Berlin. Die Schachtanlage Dechen ist nach ihm benannt.) Leopold Sello (Sello war in den Jahren 1816 bis 1857 der erste Präsident der neugegründeten preußischen Grubenverwaltung an der Saar.)

Der skulpturale Schmuck in Überlebensgröße (Höhe ca. 2,50 m) auf Wandkonsolen stellt am Mittelpavillon der Trierer Straße folgende Berufsgruppen dar:Hans-Christoph Dittscheid: Die Bergwerksdirektion - ein Zeugnis preußischer Architektur in Saarbrücken, in: Saarbrücker Hefte 43, 1976, S. 19–34, hier S. 23–25; erschienen auch in: Die Hauptverwaltung der Saarbergwerke AG, Saarbrücken 1981, S. 21–58. Ein Kohlenhauer, der sich auf seine Keilhaue lehnt und einen Schachthut trägt. Als Hutembleme erkennt man Hammer und Schlägel. Ein Bergwerksdirektor in aufwändiger Uniform mit reichen Verschnürungen am Rock, eichenlaubgeschmücktem Kragen sowie Schachthut mit wallendem Federbusch. In seiner Linken hält er einen Säbel, in der Rechten einen Riss eines Bergwerkes. Ein Steiger, der sich auf einen Steigerstab stützt, und dessen Paradeuniform und Hut ähnlich der des Bergwerkdirektors gehalten ist. Ein Gesteinshauer mit breitkrempigem Hut, der in der rechten erhobenen Hand das Fäustel, in der linken einen Gesteinsbohrer hält.

Die Figuren erheben sich jeweils vor aufgetürmten Gesteinsbrocken, die auf den Bergbau hindeuten.

Als Skulpturen des Eckpavillons stehen folgende Statuen auf Wandkonsolen: Ein Hüttenarbeiter mit langem Lederschurz zum Schutz gegen Funkenflug mit Absticheisen in seiner Linken. Ein Bergmann, der sich mit beiden Armen auf einen spiralig gedrehten Gesteinsbohrer stützt.

Die Statuen wurden, wie auch die Wappenschilde der Fassade, von den in München künstlerisch ausgebildeten Brüdern Jakob und Karl Menges im Jahr 1879 aus französischem Muschelkalk gefertigt.

Die Wappenschilde des Eckpavillons zeigen über der Vorhalle folgende Wappensymbole: Adler-Wappen des Deutschen Reiches Adler-Wappen des Königreichs Preußen Wappen der Stadt St. Johann an der Saar Wappen der Stadt Saarbrücken

Der Schlussstein des mittleren Bogens zeigt eine Grubenlampe, die von Hammer, Schlägel und Eichenlaub gerahmt ist. Darüber erhebt sich die preußische Königskrone.

Der Fassadenbalkon des Eckpavillons trägt als Inschrift den Bergmannsgruß „Glück auf“. Er beschreibt die Hoffnung der Bergleute, „es mögen sich Erzgänge auftun“ (Einkürzung der längeren Grußformel „Ich wünsche Dir Glück, tu einen neuen Gang auf“), denn beim Abbau von Erzen ließ sich ohne Prospektion nur unsicher vorhersagen, ob die Arbeit der Bergleute überhaupt zu einem Lohn führen würde.Wilhelm Hermann, Gertrude Hermann: Die alten Zechen an der Ruhr (Reihe: Die Blauen Bücher). Verlag Langewiesche Nachfolger, Königstein im Taunus, 6., erweiterte und aktualisierte Aufl. 2008, ISBN 978-3-7845-6994-9, S. 323. Weiterhin wird mit diesem Gruß der Wunsch für ein gesundes Ausfahren aus dem Bergwerk nach der Schicht verbunden. Der Bergmannsgruß war als Inschrift ebenfalls am kriegszerstörten Balkon des Mittelpavillons in der Trierer Straße angebracht.

Die Loggienzwickel des Mittelpavillons werden geschmückt durch Wappen von adeligen Herrscherfamilien, die in der Geschichte des Saarlandes von größerer Bedeutung waren:Hans-Christoph Dittscheid: Die Bergwerksdirektion - ein Zeugnis preußischer Architektur in Saarbrücken, in: Saarbrücker Hefte 43, 1976, S. 19–34, hier S. 24; erschienen auch in: Die Hauptverwaltung der Saarbergwerke AG, Saarbrücken 1981, S. 21–58. Das Wappen des Herzogtums Lothringen Das Wappen der Grafschaft bzw. des Fürstentums Nassau-Saarbrücken Das Wappen der Herrschaft von der Leyen Das Wappen der Herrschaft von Kerpen

Die ursprüngliche Farbgebung der mit Sandsteinquadern verblendeten Fassade war dreigeteilt: Die Flächen bestanden aus gelblichem Sandstein der Saarregion, die Gliederungselemente sowie die Wappenschilde waren aus rotem Kaiserslauterer Sandstein, die Figuren und Medaillons aus weißem französischem Sandstein.

Seit einem im Jahr 1965 erfolgten Anstrich in lichtem Ocker und Sandsteinrot ist die ursprüngliche Farbgebung des Steins verdeckt. Ehrenmal im Treppenhaus mini|Saarbrücken Bergwerksdirektion, Fensteranlage „Unseren toten Bergleuten“ im Treppenhaus Als bedeutendstes Architekturmerkmal des Innenraumes und historisches Mahnmal der saarländischen Geschichte gilt der Bereich des gusseisernen Treppenhauses der Bergwerksdirektion. Der Künstler Ferdinand Selgrad gestaltete im Jahr 1964 die Fenster auf dem ersten Podest der Treppe als Denkmal für die Opfer des Grubenunglücks von Luisenthal sowie für alle verunglückten Bergleute. Am 7. Februar 1962 hatte sich im Bergwerk Luisenthal eines der schwersten Grubenunglücke in der Geschichte des deutschen Bergbaus ereignet. Dabei waren durch eine Schlagwetterexplosion im Abbaugebiet Alsbachfeld 299 Bergleute zu Tode gekommen. Die farbige Bleiverglasung mit dem Titel „Unseren toten Bergleute“ aus dem Jahr 1964 (drei Rundbogenfenster, je 3,10 × 1,20 m) wurde von der Glasmalereimanufaktur Wilhelm Derix in Rottweil am Neckar ausgeführt.

Ein beschränkter Wettbewerb, zu dem sechs saarländische Künstler und sechs Künstler von außerhalb eingeladen worden waren, hatte insgesamt 15 Entwürfe ergeben. Aus der Vorauswahl des Arbeitskreises entschied sich der Vorstand der Saarbergwerke AG für den Entwurf von Ferdinand Selgrad. Der aus Neunkirchen (Saar) gebürtige und in Kaiserslautern, Saarbrücken und Paris ausgebildete Selgrad arbeitete damals als freier Künstler und war durch Glasfenster, Mosaike, Reliefs und Wandmalereien für Kirchen und öffentliche Gebäude hervorgetreten.

Selgrad stellt einen toten Bergmann in das Zentrum der figürlichen Darstellung, umgeben von seiner hinterbliebenen Familie und Bergmannskollegen. Im Mittelfenster hält die Ehefrau den schweren, leblosen Körper ihres toten Mannes, dessen Arme schlaff herunterhängen. Sein weißer Schutzhelm und die umgefallene, erloschene Grubenlampe liegen auf der Erde. Die Komposition erinnert an christliche Pietà-Darstellungen des vom Kreuz abgenommenen Jesus im Schoß seiner trauernden Mutter.

Im rechten Fenster stehen die beiden trauernden Kinder, denen die Schutzpatronin der Bergleute, die heilige Barbara schützend an die Seite gestellt ist. Da die Heilige – der Legende nach – auf der Flucht vor ihrem heidnischen Vater von einem Felsen geschützt worden war, der sich öffnete und sie verbarg, hatten die Bergleute sie im Mittelalter zu ihrer Schutzpatronin erwählt. Die heilige Barbara zählt zu den Vierzehn Nothelfern, und ihr Verhalten im Angesicht von Gefahr und Tod gilt als Symbol der Wehr- und Standhaftigkeit im Glauben. Darauf weist ihre Darstellung mit ihrem Attribut hin, dem Turm, in den sie ihr Vater gesperrt hatte. In der Abgeschiedenheit ihres Gefängnisses hatte sich Barbara gegen den Willen ihres Vaters zum Christentum bekannt. Dem Turm, so die Legende, ließ Barbara ein drittes Fenster als Symbol der Dreifaltigkeit hinzufügen. Demzufolge stellt auch Selgrad in der Bergwerksdirektion die Heilige mit einem dreifenstrigen Turm dar. Wie zu einem tröstenden und schützenden Segensgestus hält die heilige Barbara ihre rechte Hand über die gesamte Szenerie.