Das Kleinkastell am Hinteren Schloßbuck – auch als Feldwache Schloßbuck und Kleinkastell auf dem Hinteren Schloßbuck bekannt – ist ein kleiner ehemaliger römischer Garnisonsort, der nahe am Obergermanisch-Rätischen Limes, einem UNESCO-Weltkulturerbe, errichtet wurde. Seine Überreste befinden sich heute auf dem „Schloßbuck“, einem Bergrücken bei Gunzenhausen im Landkreis Weißenburg-Gunzenhausen in Bayern.

Lage mini|links|Limesverlauf am Schloßbuck mini|links|KK auf dem Hinteren Schloßbuck und Wp 6 Das Kleinkastell am Hinteren Schloßbuck liegt inmitten des Burgstallwalds auf dem west-östlich ausgerichteten 485 Meter hohen Bergrücken „Schloßbuck“, der östlich der Stadt Gunzenhausen ansteigt. In Gunzenhausen befand sich das Numeruskastell Gunzenhausen, das womöglich dem rückwärtigen südwestlich gelegenen Kohortenkastell Gnotzheim unterstand. Rund 500 Meter westlich des Kleinkastells am Hinteren Schloßbuck befindet sich der nachträglich an die rätische Mauer gebaute Limeswachturm Wp 14/5. Vor seiner Erbauung hatte es nach Forschungen der Reichs-Limeskommission (RLK) dort einen Durchgang durch die in der römischen Provinz Raetia (Rätien) um 161 n. Chr.Bernd Becker: Fällungsdaten römischer Bauhölzer anhand einer 2350jährigen süddeutschen Eichen-Jahrringchronologie. In: Fundberichte aus Baden-Württemberg. Band 6, Theiss, Stuttgart 1981, ISBN 380621252X, S. 369–386, doi:10.11588/fbbw.1981.0.26390Wolfgang Czysz, Lothar Bakker: Die Römer in Bayern, Theiss, Stuttgart 1995, ISBN 3806210586, S. 123.Dieter Planck: Archäologie in Württemberg, Theiss, Stuttgart 1988, ISBN 3806205426, S. 269. errichtete Eichenholzpalisade gegeben, nicht jedoch durch die spätere Steinmauer. 165 Meter weiter westlich von Wp 14/5 lag Wp 14/4, fast auf dem höchsten Punkt des Bergrückens. Der mit der Limesmauer errichtete Turm hatte wohl eine Doppelfunktion. Neben dem Wachdienst war er auch für den dort sowohl in der Palisade als auch in der Mauer nachzuweisenden Limesdurchgang zuständig. In 70 Meter Entfernung vom Kleinkastell am Hinteren Schloßbuck lag am nach Osten abfallenden Hang Wp 14/6 und an der Talsohle, wieder 270 Meter weiter, Wp 14/7. Südöstlich befand sich das Kohortenkastell Theilenhofen.Kastell Theilenhofen bei

Forschungsgeschichte Das rund 18 Meter hinter der Limesmauer errichtete Kleinkastell hat erstmals Heinrich Eidam (1849–1934), ein Streckenkommissar der RLK, in kleinen Teilen angeschnitten. Anschließend wurde auf dem Platz der Anlage ein Gedenkstein mit der Aufschrift Castrum Romanum aufgestellt. Erst im Spätherbst 2009 fanden auf Veranlassung des Bayerischen Landesamts für Denkmalpflege wieder Forschungen in Form einer Magnetometerprospektion unter der Leitung des Geophysikers Jörg Faßbinder am Kleinkastell statt, die bereits 2010 publiziert wurden.

Baugeschichte mini|Das Kleinkastell nach der Magnetometerprospektion von 2009 Eidam schnitt das quadratische, rund 20 × 20 Meter (= 0,04 Hektar) große Kleinkastell nur an der Nordostecke an. Dabei wurde festgestellt, dass das Lager eine quadratische, 0,70 Meter starken, aus Stein gesetzte Außenmauer mit rechtwinkeligen Ecken besaß. Die 2009 durchgeführten Magnetometermessungen bestätigten die von Eidam ermittelten Grabungsergebnisse und ergänzten den Grabungsbefund. Die ausgewerteten Daten zeigen unter anderem das Fundament der Umwehrung, das laut den Messdaten zwischen einem Meter und rund 1,20 Metern stark war. Im Inneren dokumentiert das Messbild rund drei Meter von der Umfassungsmauer entfernt, vereinzelt erhalten gebliebene Fundamentsockel, die eine Stärke von rund einen Meter besitzen und einen quadratischen Innenhof umstehen. Diesen Befund hatte bereits Eidam feststellen können. Vermutlich trugen diese Sockel einst hölzerne Ständer, die möglicherweise ein zum Innenhof abfallendes Pultdach stützten. Das Inneren gliederten wohl in Holzbauweise errichtete Wohn- und Wachstuben um einen ebenfalls quadratischen Innenhof. Zwischen der Außenmauer und den Fundamentsockeln, wurde bei den Ausgrabungen Eidams eine drei Meter breite Pflasterung festgestellt. Durch einen wohl hölzernen Aufgang gelangten die Soldaten möglicherweise auf einen umlaufenden Wehrgang. Deutlich erkennbar war für die Ausgräber der Brandschutt, der wie eine aufgefundene Soldatenfibel in die ersten beiden Drittel des 3. Jahrhunderts datiert werden konnten. Möglicherweise ist die Anlage in den Alamannenkriegen, spätestens aber 260 n. Chr. untergegangen. Vor der kleinen Anlage beobachtete Eidam den Limes in seinen drei Ausbaustufen mit Flechtzaun, Palisade und Steinmauer.

Ein umlaufender Umfassungsgraben konnte an diesem Kleinkastell durch die Messungen 2009 nicht festgestellt werden, der Eingang an der dem Limes zugewandten Nordseite ließ sich bestätigen.

Kleinkastelle gehörten neben den Türmen zu den wesentlichen Stützpunkten der römischen Truppe direkt hinter dem Limes. Ihre Besatzung und Nutzung ist in der Regel jedoch unbekannt. Die Massierung von Türmen im Bereich des „Schloßbuck“ ist außergewöhnlich und lässt sich möglicherweise nur durch den dort befindlichen Limesdurchgang erklären. Warum dieser Durchgang nicht in der Ebene am Kastell Gunzenhausen, sondern für die Reisenden beschwerlich auf dem Bergrücken angelegt wurde, lässt sich wohl nicht klären. Die deutlichen Umbaumaßnahmen an diesem Limesabschnitt haben ihre Ursache vielleicht in veränderten Anforderungen.

Limesverlauf zwischen dem Hinteren Schloßbuck und Gündersbach