Friedrichskoog (plattdeutsch Friechskouch, kurz Fri’ko bzw. Frie’ko, als Spitzname Friko rsp. Frieko) ist eine Gemeinde im Südwesten des Kreises Dithmarschen in Schleswig-Holstein. Ihr im 19. und 20. Jahrhundert durch Eindeichung von drei Kögen entstandener Kern liegt auf einer Halbinsel an der Helgoländer Bucht, Nordsee und wird seeseitig von der Elbmündung sowie der Meldorfer Bucht bzw. dem Nationalpark Wattenmeer begrenzt. Die Vogelschutzinsel Trischen zählt mit zur Gemeinde. Der Gemeinde im Wattenmeer vorgelagert ist die größte deutsche Bohr- und Förderinsel Mittelplate.

Geografie Lage mini|Friedrich VII., König von Dänemark, Herzog von Holstein sowie Namensgeber für Koog und Gemeindemini|Hinweis auf den 54. Breitengrad in der Nähe des ehemaligen Hafens

Die Gemeinde Friedrichskoog befindet sich nach den Kriterien des Bundesinstituts für Bau-, Stadt- und Raumforschung (BBSR) in einer ländlichen und sehr peripheren Randlage.BBSR: Laufende Raumbeobachtung – Raumabgrenzungen; Raumtypen 2010, abgerufen am 17. November 2020. Sie ist die zweitgrößte Gemeinde im Verwaltungsgebiet des Amts Marne-Nordsee und zählt über den Kreis Dithmarschen zur Metropolregion Hamburg. Durch das südliche Gemeindegebiet verläuft der 54. Grad nördlicher Breite.

Seeseitig ist der Bereich um Friedrichskoog besonders dadurch beeinflusst, dass Süßwasser der Elbe und Salzwasser der Nordsee aufeinandertreffen. In der Folge absterbende Organismen führen zu Verschlickungen beziehungsweise einer überdurchschnittlichen Verlandungsintensität.Peter Wieland: Untersuchung über geomorphologische Veränderungen in der Dithmarscher Bucht, in: Die Küste, (Heft 40, 1984), S. 107–138, abgerufen am 8. August 2020. Zudem ist die Flutdauer kürzer als die Ebbdauer. Dadurch wird das mit dem stärkeren Flutstrom aus anderen Teilen der Deutschen Bucht eingebrachte Sediment bei Ebbe nicht wieder vollständig abtransportiert.Petra Witez: Programme zur langfristigen Erhaltung des Wattenmeeres – ProWatt –, Abschlussbericht zum Forschungsvorhaben MTK 0608 (03 KIS 3160), Hrsg.: Landesamt für Natur und Umwelt des Landes Schleswig-Holstein, Juni 2002, abgerufen am 8. August 2020. Die aus dem sogenannten „Tidal Pumping“ (wörtlich: Pumpen der Gezeiten) resultierende Sedimentation hat die Bildung der Marsch und der Köge begünstigt, gleichzeitig aber auch zu besonderen Herausforderungen beispielsweise in Bezug auf den Erhalt des Hafens geführt. Sie scheint sich mit Vor- bzw. Eindeichungen einhergehenden Verringerungen des Flutraums regelmäßig verstärkt zu haben.Thomas Hirschhäuser, Ulrich C. E. Zank: Morphologische Langfristprognose für das System Tidebecken-Außensände am Beispiel Sylts und der Dithmarscher Bucht, in: Die Küste, (Heft 64, 2001), S. 127–160, abgerufen am 8. November 2020.

Gemeindegliederung Mit rund 5300 Hektar ist Friedrichskoog die größte Flächengemeinde Dithmarschens. Sie gliedert sich in den namensgebenden Friedrichskoog (ca. 2200 Hektar), den Kaiserin-Auguste-Viktoria-Koog (ca. 540 Hektar) und den Dieksanderkoog (ca. 1300 Hektar) zuzüglich des jeweiligen Deichvorlands sowie die rund zehn Kilometer vom Festland entfernte Insel Trischen (ca. 100 Hektar). Ursprünglich wurden die Köge in Hinblick auf die landwirtschaftliche Nutzung als Streusiedlungen mit auseinanderliegenden Gehöften angelegt; im Zeitablauf erfolgten insbesondere durch Infrastruktureinrichtungen wie Bahn und Hafen an verschiedenen Stellen Verdichtungen der Besiedlung.

Der Friedrichskoog entstand in den Jahren 1853 bis 1854 durch Eindeichung des Dieksands und sechs weiterer Quellerinseln. Entsprechend der damaligen Herrschaftsverhältnisse ist er nach dem dänischen König und holsteinischen Herzog Friedrich VII. benannt (bis 12. Oktober 1904: Frederik-VII.-Koog). Dort befinden sich die Ortsteile Friedrichskoog I bis III; die Bezeichnungen entsprechen den Haltestellen der früheren Bahnstrecke St. Michaelisdonn–Friedrichskoog, die in der Gemeinde entlang der Koogstraße verlief und kurz vor der Brücke über das Rugenorter Loch endete. Friedrichskoog III hat sich aufgrund von Neubaugebieten aus den 1930er und 1980er Jahren sowie der Zentralfunktion mit Bürgerbüro und Kirche, Einzelhandel, Gastronomie und Dienstleistungsunternehmen zum heutigen „Friedrichskoog-Ort“ entwickelt. Am nordwestlichen Ende des Friedrichskoogs befindet sich das seit den 1960er Jahren entstandene und touristisch geprägte See- und Nordseeheilbad „Friedrichskoog-Spitze“ als eigener Ortsteil.

Nordöstlich grenzt der im Jahr 1899 eingedeichte und nach der deutschen Kaiserin Auguste Viktoria von Schleswig-Holstein-Sonderburg-Augustenburg benannte Kaiserin-Auguste-Viktoria-Koog an. Er wurde am 23. März 1901 in die Gemeinde eingegliedert und ist in seiner äußeren Erscheinung landwirtschaftlich geprägt. Die Besiedlung erfolgte entlang der den Koog mittig erschließenden Straße.

Südwestlich an den Friedrichskoog schließt sich der in den Jahren 1933 bis 1935 eingedeichte Dieksanderkoog an.Gesellschaft für Schleswig-Holsteinische Geschichte (Hrsg.): Adolf-Hitler-Koog, abgerufen am 22. November 2020. Er wird im nördlichen Bereich durch den mittlerweile stillgelegten Hafen in zwei Abschnitte geteilt. Hier befinden sich u. a. die sogenannte alte und neue „Fischersiedlung“ sowie der Kindergarten „Wirbelwind“ und die Grundschule „Marschenschool“. Die Wohnsiedlungen bilden gemeinsam mit dem im Friedrichskoog befindlichen Siedlungskern „Friedrichskoog-Ort“ eine über die alte Deichlinie zusammengewachsene Einheit. Weiter südwestlich liegt im Bereich der Neulandhalle ein weiterer Siedlungsschwerpunkt. Der Koog im Ganzen ist ebenfalls deutlich von der Landwirtschaft geprägt.

Trischen ist eine alluviale Dünen-Salzwiesen-Insel, die zwischen 17. und 19. Jahrhundert am seeseitigen Rand des Friedrichskoog vorgelagerten Wattrückens Marner Plate entstanden ist. In den Jahren 1896 bis 1947 wurde sie landwirtschaftlich genutzt und zeitweise auch dauerhaft bewohnt. Durch den Einfluss der Meeres- und Windkräfte ist sie jedoch sehr starken natürlichen Veränderungen unterworfen: Jährlich wandert sie bis zu 40 Meter in östlicher Richtung und verliert dabei etwa 20 Hektar ihrer Fläche. Da Trischen mit Flakstrom im Norden und Neufahrwasser im Süden an zwei starke Wattströme grenzt, droht die im Jahr 2020 etwa 100 Hektar große Insel in den nächsten Jahren vollständig aufgerieben zu werden.Peter Wieland: Trischen - die Geschichte einer alluvialen Insel im Dithmarscher Wattenmeer, in: Die Küste, (Heft 62, 2000), S. 101–140, abgerufen am 14. Juni 2020. Bis dahin ist sie eine Vogelinsel, die aus Gründen des Naturschutzes jeweils von März bis Oktober lediglich von einem Vogelwart bewohnt wird und im Übrigen nur mit Ausnahmegenehmigung betreten werden darf. Anna Sophie Kühne: Die Vogelwartin von Trischen. In: faz.net vom 31. August 2023, abgerufen am 5. November 2023.

Nachbargemeinden Direkt angrenzende Nachbargemeinden sind Kronprinzenkoog im Osten und Kaiser-Wilhelm-Koog im Süden.

Größere umliegende Orte sind die Städte Meldorf (Distanz ca. 23 km) im Nordosten und Marne (ca. 12 km) im Südosten als Unterzentren sowie die ebenfalls im Südosten gelegene Stadt Brunsbüttel (ca. 26 km) als Mittelzentrum.Land Schleswig-Holstein: Landesplanung – Zentralörtliches System, 2019

Landschaft mini|Wattenmeer aus Nordwest mit (von vorn) Sandbank Karkhof, Insel Trischen, Plattform Mittelplate, Friedrichskoog (2012) mini|Vorland-Salzwiesen südlich vom Trischendamm, im Hintergrund die Plattform Mittelplate (2013)

Die Landschaft und damit die Lebensräume für Flora und Fauna lassen sich innerhalb der Gemeinde grob in die mit den Kögen eingedeichte Marsch, die den Deichen sowohl südlich als auch nördlich der Halbinsel vorgelagerten Salzwiesen sowie das Wattenmeer mit der Insel Trischen untergliedern. Jedoch sind die Lebensräume insbesondere in Bezug auf den Vogelzug als Einheit zu sehen. Der gesamte Küstenstreifen zählt zum „Ramsar-Gebiet S-H Wattenmeer und angrenzende Küstengebiete“Land Schleswig-Holstein: Vogelschutzgebiete und ist damit Teil des internationalen „Natura-2000-Netzes“.

Ökologisch herausragende Bedeutung hat das Watt. Mit der Marner Plate als dominierendem Wattrücken unterliegt es starken Veränderungen durch die beweglichen Stromsysteme der Elbe und der Piep.Walter Hensen: Die Entwicklung der Fahrwasserverhältnisse in der Außenelbe, in: Jahrbuch der Hafenbautechnischen Gesellschaft, Bd. 18, 1939/40 Die weitgehend vegetationsfreien Außensände sind wichtige Lebensräume für zahlreiche Wat- und Wasservögel sowie Seehunde. Da das Watt bei Ebbe mit Muscheln, Schnecken, Würmern und Krebsen ein reichhaltiges Nahrungsangebot bietet, ist es Rast-, Mauser- oder Winterquartier für viele Vogelarten des ostatlantischen Zugweges. Dies gilt insbesondere für Alpenstrandläufer und Knutt, gefolgt von Ringelgans, Nonnengans, Brandente und Pfuhlschnepfe. Die Tiere fressen sich im Watt Fettreserven für ihre langen Flüge in subarktische und arktische Brutgebiete oder in südliche Überwinterungsgebiete an. Im Spätsommer versammelt sich traditionell etwa 90 Prozent des europäischen Brandentenbestandes zur Mauser im südlichen Dithmarscher Watt.Ministerium für Umwelt, Naturschutz und Landwirtschaft des Landes Schleswig-Holstein (Hrsg.): Landschaftsrahmenplan für den Planungsraum IV, Gesamtfortschreibung Januar 2005; abgerufen am: 7. April 2023Naturschutzbund Deutschland (NABU) e. V. (Hrsg.): Vogelparadies Wattenmeer, 1. Auflage 3/2012; abgerufen am: 7. April 2023Landesbetrieb für Küstenschutz, Nationalpark und Meeresschutz Schleswig-Holstein (Hrsg.): Vögel beobachten, 1. Auflage 2008; abgerufen am: 7. April 2023

Auch die Salzwiesen im Vorland sowie auf Trischen sind wegen ihres vergleichsweise hohen Natürlichkeitsgrads, ihrer besonders angepassten Tier- und Pflanzenwelt sowie als Nahrungsbiotop für Gänse und Enten ein international bedeutsames Ökosystem. Zudem sind sie bedeutsames Brutgebiet für Lach- und Silbermöwen, Seeschwalben, Watvögel (u. a. Austernfischer, Rotschenkel, Löffler), Seeregenpfeifer sowie einige Entenvögel. Insgesamt wurden auf Trischen etwa 15.000 und in den Vorländern etwa 12.000 Brutpaare von Seevögeln jährlich gezählt.

Die drei Köge zählen zu der während der letzten 300 Jahre durch Eindeichungen gezielt gewonnenen Jung- bzw. Kalkmarsch. Den Übergang in die weitgehend selbständig gewachsene und durch landwirtschaftliche Nutzung entkalkte „Alte Marsch“ bzw. Kleimarsch markiert die östlich verlaufende Bundesstraße B 5; deren Verlauf entspricht annähernd dem sogenannten „1000-jährigen Deich“.Landesamt für Landwirtschaft, Umwelt und ländliche Räume des Landes Schleswig-Holstein: , abgerufen am 24. Januar 2020. In den landwirtschaftlich genutzten Kögen ist trotz fortschreitender Drainung das für die Marsch typische Entwässerungssystem noch deutlich erkennbar: Es beginnt mit schmalen Grüppen auf Weiden und Äckern, die in zentrale Abläufe (Wetter) münden, welche wiederum zur Vorflut führen. In Friedrichskoog wurden bei der Eindeichung vorgefundene Wattrinnen wie Rugenorter Loch oder Krabbenloch in das Entwässerungssystem eingebunden. Abseits der Bebauung sind in der Marschlandschaft nur wenige Bäume zu finden. Eine Ausnahme bilden entlang der Straßen und Wege noch vereinzelt vorhandene Pappelreihen; diese sollten ursprünglich für die Herstellung von Streichhölzern dienen, wurden jedoch nicht „geerntet“ und sind zwischenzeitlich abgängig. Sie werden – soweit mit dem Deichschutz vereinbar – durch andere Bäume ersetzt.

Geschichte Hafen mini|Frachtsegler (Tjalken) im Sielhafen des Friedrichskoogs (ca. 1899) mini|Saugbagger Isern Hinnerk II im Hafen (2013) mini|Erfolgloser Protest gegen die Hafenschließung (2011)