Die Feuerwehr Bonn ist zuständig für die Gefahrenabwehr der Bundesstadt Bonn. Sie ist als Amt 37 dem Dezernat I der Stadt Bonn zugeordnet.Organigramm der Stadt Bonn Die offizielle Bezeichnung des Amtes lautet Feuerwehr und Rettungsdienst. Wie jede deutsche Großstadtfeuerwehr gliedert sie sich in die Berufsfeuerwehr, die Freiwillige Feuerwehr und die Jugendfeuerwehr, die sich jeweils aus verschiedenen Einheiten mit verschiedenen Wachen zusammensetzen.
Geschichte Ursprüngliche Situation Erste Hinweise auf einen organisierten Brandschutz in Bonn gehen auf das Jahr 1672 zurück: Die Brandordnung des Kurfürsten Maximilian Heinrich von Bayern erwähnte eine Bestandsaufnahme vorhandener Brandschutzmittel und sah die Bestellung von vier Brandmeistern (aus dem Stadtrat und Vertretern der Zünfte) und einer gewissen Anzahl an Brandschützen vor. Zudem besetzte eine Brandwache den Turm der St.-Remigius-Kirche. Der Großbrand des kurfürstlichen Residenzschlosses im Jahr 1777 zeigte jedoch eindringlich die Grenzen der Leistungsmöglichkeiten auf.
Im Jahr 1830 erließ der Bonner Oberbürgermeister Joseph Windeck eine neue Feuerlöschordnung für die Stadt Bonn. Verantwortlich für den Feuerschutz war nun der Oberbürgermeister oder ein von ihm bestimmter Vertreter. Als technischer Berater stand ihm ein so genannter Löschungsrat zur Seite.
Erste Schritte nach dem Vorbild anderer Städte Ab dem Jahr 1853 gab es in Bonn Bemühungen, dem Beispiel anderer Städte zu folgen und eine organisierte Feuerwehr zu gründen. Oberbürgermeister Leopold Kaufmann ersuchte Hilfe von den Städten Aachen und Köln, die bereits Erfahrungen mit ihren Pompier-Corps hatten. Doch erst im Jahr 1858 wurden die Bemühungen konkret: Mit einem Aufruf an die Bürgerschaft Bonns forderte Oberbürgermeister Kaufmann Freiwillige für die Aufstellung einer 80 Mann umfassenden und uniformierten Feuerwehr-Compagnie. Das Ergebnis war niederschmetternd: Kein Freiwilliger meldete sich. Zwei Jahre später kam allmählich Bewegung in die angestrebte Gründung, nachdem Oberbürgermeister Kaufmann mit dem Turnverein eine mündliche Vereinbarung geschlossen hatte, als ein freiwilliges Löschung- und Rettungs-Corps in Erscheinung zu treten.
Gründung Am 20. September 1862 erfolgte die Umgestaltung der Feuerlösch-Abteilung zur Bonner Turner-Feuerwehr. Sie umfasste 60 Mann in Uniform und eine von der Feuerversicherungsanstalt überlassene Spritze. Am 29. Juni 1863 trat sie mit einer Übung auf dem Bonner Marktplatz zum ersten Mal den Schritt in die Öffentlichkeit.
Ab dem Jahr 1866 konnten auch Männer, die nicht Mitglied des Turnvereins waren, der Bonner Feuerwehr beitreten. Dem vorbeugenden Brandschutz gemäß wurden zudem 1868 die ersten Brandsicherheitswachen durchgeführt. Mit dem Aufbau des Bonner Hydrantennetzes wurde im Jahr 1874 begonnen.
Fortschritte Mit der Berufung von Josef Gemünd zum Branddirektor im Jahr 1897 wurde der Weg zu umfangreichen Fortschritten frei. Bereits ein Jahr darauf wurde mit 25 Feuerwehren und rund 1.000 Mitgliedern der Feuerwehrbezirksverband Bonn gegründet. In den Stadtteilen von Bonn und im Landkreis Bonn wurden zu diesem Zeitpunkt zahlreiche Freiwillige Feuerwehren gegründet.
Am 13. August 1905 bezog die Feuerwehr Bonn ihre Kaserne in der Bonner Maxstraße. Diese wurde von einem Führer und acht Feuerwehrleuten bewohnt, die ihren Beruf zu Hause ausüben konnten und daher auch tagsüber im Einsatzfall sofort verfügbar waren. Zeitgleich wurde der erste Bonner Rettungswagen in Dienst gestellt.
Weltkriege Der Erste Weltkrieg schwächte die Einsatzstärke der Bonner Feuerwehr: 198 Feuerwehrmänner wurden zur Armee eingezogen; am Ende waren 21 Gefallene und 4 Vermisste zu beklagen. Dem Gesetz über das Feuerlöschwesen in Preußen folgend wurde die Freiwillige Feuerwehr am 1. Januar 1934 dem Ortspolizeiverwalter unterstellt. Vom gleichen Tag an bildete sie den Kreisfeuerwehrverband Bonn Stadt. Die Vorstandsmitglieder wurden vom Regierungspräsidenten ernannt. Spätere Erlasse des Innenministers regelten die Leitung bei der Bekämpfung von Bränden und anderen Katastrophen, die Uniformierung, die Motorisierung und die Bezeichnung. Das Reichsgesetz über das Feuerlöschwesen vom 23. November 1938 schaltete die bisherige Selbstständigkeit der Freiwilligen Feuerwehr völlig aus. Sie verlor ihre Rechtsform als Verein und wurde zur Feuerlöschpolizei, einer Hilfspolizeitruppe unter staatlicher Aufsicht umgeformt.
Ab 1945 Nach Beendigung des Zweiten Weltkriegs 1945 wurde die seit 29. November 1941 bestehende, hauptamtliche Feuerschutzpolizei auf Anordnung der britischen Militärregierung als Berufsfeuerwehr Bonn in der kommunalen Verwaltung weitergeführt. Die verbleibenden Löschzüge der Freiwilligen Feuerwehr Bonn wurden ihr unterstellt. Ihre Gesamtstärke durfte zunächst 99 Mitglieder nicht überschreiten. Nach der kommunalen Neuordnung im Jahr 1969 bestand die Feuerwehr Bonn aus vier hauptamtlichen Feuerwachen der Berufsfeuerwehr und 21 Löschzügen der Freiwilligen Feuerwehr. Mit Beginn der 1960er Jahre wurden zudem die ersten Jugendfeuerwehren in den Freiwilligen Feuerwehren gegründet. 1982 führte die Stadtverwaltung Bonn die so genannte Rufbereitschaft – einen Alarmierungssystem mit wechselnden Schichten – bei den Freiwilligen Feuerwehren ein, die zum Vorbild für viele deutsche Städte wurde.
Berufsfeuerwehr Die Berufsfeuerwehr mit ihren 275 Beamten ist auf drei Feuer- und Rettungswachen verteilt, die von je drei Wachabteilungen im Wechselschichtdienst besetzt werden. Das Fahrzeugkonzept der Löscheinheiten der Berufsfeuerwehr Bonn besteht aus HLF 20/16 (1/1/3/5), einer DLK 23/12 (0/1/1/2) und einem TLF 3000 (0/1/2/3). Hinzu kommt der Führungsdienst mit einem ELW 1 (1/1/0/2) der von der FW 1 ausrückt. Somit ergibt sich eine Gesamtstärke von 2/4/6/12.
Die Stadt Bonn ist Trägerin des Rettungsdienstes. Dieser wird durch die Feuerwehr organisiert, wobei die Besatzung durch hauptamtliche Kräfte von Hilfsorganisationen gestellt wird. Zum Rettungsdienst gehört auch der Krankentransport, der ebenfalls durch hauptamtliche Kräfte von Hilfsorganisationen im Namen der Stadt Bonn durchgeführt wird. Seit 1. Juli 2018 werden auch nachts 2 Krankentransportwagen (KTW) bereitgestellt, um die Rettungswagen (RTW) zu entlasten. Wenn keine KTW zur Verfügung stehen, können auch RTW zum Krankentransport (und der entsprechend geringeren Gebühr) zum Einsatz kommen. Insgesamt werden 27 KTW-Funktionen, verteilt über den Tag, vorgehalten. Die Fahrzeuge sind an den jeweiligen Standorten der Leistungserbringer im Stadtgebiet verteilt stationiert. Diese kann die Leitstelle standardmäßig auch zu zeitunkritischen Primäreinsätzen disponieren, oder zu Notfalleinsätzen, sollte kein Rettungswagen in angemessener Zeit verfügbar sein.
Standard-Löscheinheit der Feuerwachen 1–3
Feuerwache 1 mini|links|Das Wachgebäude der Feuer- und Rettungswache 1
Die Feuerwache 1 befindet sich in Bonn-Tannenbusch (Lievelingsweg 112) und ist zugleich auch die Hauptwache mit 93 Einsatzkräften. Neben der Löscheinheit 1 (inkl. ELW 1) und der Rüsteinheit ist hier ebenfalls die Leitstelle und die Branddirektion untergebracht. Hier sind auch die Leitstelle (2 Disponenten am Pult, 2 in Bereitschaft und einer besetzt als Führungsassistent den ELW im Einsatzfall), die Verwaltung, die Stabsräume für den Katastrophenschutz, das Zentraldepot des Rettungsdienstes, Kfz-, Atemschutz-, Funk- und Schlauchwerkstatt untergebracht. Der Fahrzeugbestand umfasst unter anderem 8 Kommandowagen, 2 Einsatzleitwagen 1, ein Mannschaftstransportfahrzeug, ein Hilfeleistungslöschgruppenfahrzeug 20/16, eine Drehleiter mit Korb 23-12, ein Tanklöschfahrzeug 3000, einen Rüstwagen und einen Rüstwagen-Schiene, einen Feuerwehrkran, zwei Wechselladerfahrzeuge mit diversen Abrollbehältern (u. a. Einsatzleitung, Atemschutz, Besprechung, Schiene, Rüst, Kranbegleitung), einen Gerätewagen Logistik, 2 Notarzteinsatzfahrzeuge mit je einem Reservefahrzeug, 6 Rettungswagen, 6 Reserve-Rettungswagen und einen Gerätewagen Rettungsdienst. Vier der Rettungswagen werden von hauptamtlichen Kräften der Johanniter-Unfall-Hilfe besetzt. Ein Rettungswagen steht außerhalb am Standort ehm. Johannes-Hospital in der Kölnstraße 54 im Bonner Zentrum. Zudem sind auf der Wache bis zu drei die Verlege-Notärzte stationiert, welche vorrangig für Sekundärtransporte, z. B. in Kombination mit dem Intensivtransportwagen, eingesetzt werden. Da diese über keine eigenen Fahrzeuge verfügen, können im Bedarfsfall z. B. KTW eingesetzt werden, um diese zum Einsatzort zu bringen.
Feuerwache 2 mini|links|Das Wachgebäude der Feuer- und Rettungswache 2
Die Feuerwache 2 befindet sich in der ehemaligen selbstständigen Stadt und jetzigen Stadtbezirk Beuel (Maarstraße 8). Die drei Wachabteilungen haben hier eine Personalstärke von 22 Mann. Darüber hinaus sind hier das Ausbildungszentrum der Feuerwehr Bonn, die Verwaltung der Freiwilligen Feuerwehr, das Logistikzentrum des Katastrophenschutzes (dies befindet sich nicht auf dem Wachgelände, aber in einer nahgelegenen Liegenschaft) und einige kleinere Werkstätten untergebracht. Von der Feuerwache 2 werden zudem das Feuerlöschboot und das Mehrzweckboot der Feuerwehr Bonn, welche in Höhe der Kennedybrücke auf Bonner Seite im Rhein liegen, besetzt. Der Fuhrpark umfasst ein Hilfeleistungslöschgruppenfahrzeug 20, eine Drehleiter mit Korb 23-12, ein Tanklöschfahrzeug 3000, ein Gerätewagen Tierrettung, 3 Wechselladerfahrzeuge mit diversen Abrollbehältern, 2 Mannschaftstransportfahrzeuge sowie 4 Rettungswagen. 3 der Rettungswagen werden von hauptamtlichen Kräften des Malteser Hilfsdienstes besetzt. Ein Rettungswagen steht außerhalb am Standort Johanniter Krankenhaus. Feuerwache 3 mini|links|Das Wachgebäude der Feuer- und Rettungswache 3
Die Feuerwache 3 befindet sich in der ehemals selbstständigen Stadt Bad Godesberg (Friesdorfer Straße 160), wo pro Wachabteilung ca. 30 Einsatzkräfte ihren Dienst verrichten. Die Personalstärke beträgt rund um die Uhr 16 Kräfte der Berufsfeuerwehr, hauptamtliche Kräften des Deutschen Roten Kreuzes und einen Notarzt aus dem Evangelischen Waldkrankenhaus. Die Feuerwache dient zugleich als Feuerwehrhaus der Freiwilligen Feuerwehr Bad Godesberg (LE 31) und beherbergt zudem eine Schreinerei und eine Schlosserei. Die Feuerlöscherwerkstatt ist zum 1. Januar 2019 mit dem Vollbetrieb der Werkfeuerwehr UKB auf deren Wache umgezogen. Ihr Fuhrpark umfasst ein Hilfeleistungslöschgruppenfahrzeug 20, eine Drehleiter mit Korb 23-12, ein Tanklöschfahrzeug 3000, ein ABC-Erkundungskraftwagen, zwei Wechselladerfahrzeuge mit diversen Abrollbehältern, darunter auch ein Abrollbehälter zur Dekontamination von verletzten Personen (AB-Dekon V), für den ABC-Einsatz und Ölbekämpfung, ein Mannschaftstransportfahrzeug sowie 4 Rettungswagen und ein Notarzteinsatzfahrzeug. Zwei Rettungswagen werden von hauptamtlichen Kräften des Deutschen Roten Kreuzes besetzt. Ein Rettungswagen steht außerhalb am Standort Koblenzer Straße 148.
Ehemalige Feuerwache 4 (Löscheinheit 41) mini|links|Wachgebäude der Feuerwache 4 – Löscheinheit Duisdorf