mini|Theodorusquelle mini|Blick auf die Quellen mini|Quellenpark Kronthal, Kunstwerk mini|Theodorusquelle mini|Wassertretanlage mini|Kronberg Quellen Kronthal 2022 Der Quellenpark Kronthal ist ein Landschaftspark mit öffentlich zugängigen Mineralquellen in Kronberg im Taunus.
Quellenpark Kronthal Der Quellenpark Kronthal befindet sich in einem Tal zwischen Kronberg und Mammolshain oberhalb des Schafhofes.früher Frohnröderhof, Domaine der Ritter von Cronberg, 1803 nassauisch, seit 1919 Eigentum der Stiftung Hospital zum heiligen Geist in Frankfurt am Main, 1970 von der Stiftung (erb-)verpachtet an Liselott Linsenhoff, nach deren Tod 1999 von der Tochter Ann Kathrin Linsenhoff übernommen, s. a. Wolf u. Zwicker: "Der Schafhof in Kronberg im Wandel der Zeit" Societäts-Verlag, Frankfurt am Main 2008, ISBN 978-3-7973-1056-9 Das Tal wird vom Badbach und vom Hollerbornbach durchflossen, die sich zum Sauerbornbach vereinigen. Es weist eine Reihe von Mineralquellen auf, denen Heilkraft zugeschrieben wird. Die älteste Quelle ist die heutige Theodorusquelle, die vor 1568 bereits geschürft wurde und 1960 nach dem Wormser Arzt Theodorus Tabernaemontanus benannt wurde, der sie 1571 erstmals beschrieb.
Die heutigen Quellen Quelle Jahr Tiefe Inhalt Bild Fürstenbergquelle 1978 42 Natrium-Chlorid-Hydrogencarbonat-Säuerling mini|Fürstenbergquelle Nymphenquelle 1977 30 Eisenhaltiger Natrium-Chlorid-Hydrogencarbonat-Säuerling mini|Nymphenquelle Wilhelmsquelle 1833 23,60 Natrium-Chlorid-Hydrogencarbonat-Säuerling mini|Wilhelmsquelle Theodorusquelle 1568 Natrium-Chlorid-Hydrogencarbonat-Säuerling, Staatlich anerkannte Heilquelle mini|Theodorusquelle
Der Park bietet neben den Quellen noch eine Wassertretanlage, einen Spielplatz und einen Grillplatz.
Geschichte
Vor 1818 Das Kronthal wurde bereits in vorgeschichtlicher Zeit besiedelt. 2004 wurden im Rahmen der Sanierung der Anlage das Kurrondel auf eine Tiefe von 6,50 Meter ausgehoben und der Erdaushub durch Fritz Schummer untersucht.Fritz Schummer: Vor- und Frühgeschichte der Kronthaler Quellen. Online auf www.historische-eschborn.de. Es fanden sich jungsteinzeitliche Steinklingen, ein keltisches Tüllenbeil und Scherben römischer Amphoren und römische Münzen, außerdem Fragmente von Trinkbechern aus dem 13. bis 16. Jh. Die Funde sind heute im Museum Stadtgeschichte Kronberg an der Burg Kronberg ausgestellt.
Am 28. Juni 1439 wurde die Quelle erstmals erwähnt.in einem Schenkungsvertrag vom 28. Juni 1439, in dem "ein Henne von Schwalbach […] der Präsenz der Geistlichen zu Cronberg eine Wiesenparzelle vmb den obersten suern born" vermachte (K.-W. Bruno S. 34; s. a. Schwalbacher Annalen, Hauptstaatsarchiv Wiesbaden, Abteilung 330, Urkunden Nr. 23) Der 27. Mai 1568 wird allerdings allgemein als Ersterwähnung geführt.Vergleich eines Grenzstreites zwischen Kronberg und Königstein, in dem neben der Grenzziehung festgelegt wurde, dass der Sawerbrunnen […] jetzt genannten beyden Herrschaften gemeyn sein und bleiben soll. (Königsteiner Jurisdictionalbuch 1619) 1571 beschrieb der Artzney Doctor zu Straßburg Gallus Etschenreutter den Kronenburger Sauerbrunn als ein Brunnen, der macht lust zu essen, vertreibt den stein der blasen und lenden weh. Im bad aber heilt er eusserliche gebrechen der haut.Gallus Etschenreutter: "Aller heilsamen Bäder und Brunnen Naturkraft, Tugendt und Würckung, so in Teutschlanden bekannt und erfahren" Straßburg 1571 1618 wurde der Sauerborn auf Veranlassung des Königsteiner Oberamtmannes Friedrich Fürstenberg gefasst.Die in Eichenholz gefertigte Fassung trug die Inschrift: "Peter Müller von Kronberg machte diesen Kasten zum Sauerbrunnen Anno Dom. THT 1618" Dieser Balken wurde 1836 wiederentdeckt und nach Anbringung der folgenden Inschrift auf der Rückseite wieder eingebaut: "Renoviert Anno 1836 von der Stadt Cronberg durch Jakob Sauer, Christof Weidmann und Maurer A. Dietz, nach 15jähriger Verwüstung". Der Balken wurde 1925 bei Renovierungsarbeiten durch die Kronberger Firma Küchler erneut ausgegraben (W. Jung S. 172, Oberurseler Bürgerfreund vom 12. November 1925).
Aufgrund des Tonvorkommens im Sauerborntal errichteten im 17. Jh. Mitglieder der bekannten Ziegler-Familie Sachs aus Oberhöchstadt eine (Dach-)Ziegelhütte (auf Mammolshainer Gelände), die wohl bis ins frühe 19. Jh. betrieben wurde und als Sächsische Ziegelhütte bekannt war, sowie einen Kalkofen. Zu Küsters Zeiten (siehe unten) vermietete man dort einige einfache Zimmer zu Wohnungen.F. Küster: Crontha. S. 98. Von der Ziegelhütte sind zwei Fachwerkbauten aus dem 18. Jh. sowie ein kleiner Schuppen erhalten.
1818–1988
1818 wurde der Sauerbrunnen vom nassauischen Amtsarzt und Medizinalrat Ferdinand Küster (1791–1854), der im selben Jahr als Physicus nach Cronberg versetzt wurde, „entdeckt“. Er erkannte die Heilwirkung der Quellen und organisierte 1821 erste Formen eines Bade- und Kurbetriebs."ich war in Folge eines Bronchial-Catarrhs […] so matt, dass ich den damals sehr steilen Weg nach Cronberg nicht ohne vorher auszuruhen besteigen konnte. Die lebhaft sprudelnde Quelle, in deren Nähe ich ausruhte, veranlaßte mich zum oft wiederholten Kosten des Wassers […] Die Wirkung des Wassers war so wohltätig, daß ich es nun kurmäßig trank und nach 6 Wochen völlig geheilt war (F. Küster: "Die Nassauischen Heilquellen", Wiesbaden 1851.) Küster baute ab 1822 ein Kurhaus, das 1835 durch einen Neubau ersetzt wurde (auf dem Gelände des heutigen Seniorenstifts Kronthal).Ferdinand Küster: Über die Wasserheilkunde: mit besonderer Berücksichtigung der Wasserheilanstalt zu Cronthal, Frankfurt am Main 1841 online Die Konzession für den Kurbetrieb erhielt er 1826. Nach seinem Tod übernahm sein Sohn Rudolph Küster (* 1816) den Geschäftsbetrieb.
Bis 1833 nannte man das Gebiet um die Quellen Sauergrund, Sauerborn, Sauerthal, Sawerborn, Sawerbrunnen, Sauerborntal; das Gebiet umfasste die Quellen, den Schafhof, die Ziegelhütte und eine Anfang des 19. Jahrhunderts errichtete Bürstenfabrik. Erst am 21. Juli 1833 war in der Bäderchronik der Didaskalia (S. 204) von einem bereits vorm Jahr erbauten Kronthaler Hof, am vorderen Ecke des romantischen Bergthälchens von Mamolshain die Rede (wahrscheinlich das auf Mammolshainer Grund gelegene „Steinerne Haus“).W. Jung, S. 204.
In dieser Zeit wurde das Kronthal zum regionalen Ausflugsziel, nachdem die „Frankfurter Aktiengesellschaft zur Gründung einer Kuranstalt“ einen zweiten Brunnen erschlossen hatte und ein Kurhaus erbauen ließ.Es zog auch einigen Unmut auf sich. So schreibt der Landwirtschaftliche Verein 1844 in Band 5 "Landwirtschaftliche Beschreibung des Herzogthums Nassau": […] für die Jugend des Volkes alle 2 bis 3 Wochen auf einem sogenannten "Tivoli" im Cronthale. Hierbei kann die Sittlichkeit und Reinheit der Jugend nicht bewahrt werden Der Kaufmann G. Zimmermann übernahm das Gesellschaftshaus 1859 für 28.000 Gulden und erweiterte es zu einem eleganten und modernen Haus.Ewich, S. 331 f.
Der Kaufmann Johann Adam „Hermann“ Osterrieth und seine Schwester Maria Elisabeth veranlassten die Umgestaltung des Kronthals zu einem Kurpark im Stil englischer Landschaftsgärten.1792–1868, später Ehrenbürger Kronbergs Die Erbin Anna Maria Küster (1818–1893) verkaufte 1872 das Anwesen an Ludwig Köpp, der über den beiden Quellen eine Brunnenhalle errichtete, die bis 1922 stand. Köpp geriet 1874 in Konkurs und Kronthal wurde zwangsversteigert. Den Zuschlag erhielt Ernst von Eckardstein-Prötzel (vermutlich ein Gläubiger Köpps), der 1875 August Thiemann als Direktor der Kronthaler Mineral-Quellen einsetzte.Eintrag im Stockbuch Cronberg vom 2. März 1875. Unter Thiemann begann die kommerzielle Nutzung der Quellen, die von späteren Besitzern und Pächtern – darunter The Wilhelm's Quelle Comp. Limited, eine Aktiengesellschaft mit Sitz in London – ausgeweitet wurde.
1880 wurden 1,5 Millionen Tonkrüge abgefüllt, 1888 bereits 4 Millionen. Exportiert wurde unter dem Namen „Apollinis Brunnen, Bad Kronthal, Nassau“ in die USA, nach Südamerika und Indien.Hermann Reimer: "Handbuch der speciellen Klimatotherappie und Balneotherapie mit besonderer Berücksichtigung auf Mittel-Europa zum Gebrauch für Aerzte", Berlin 1889, S. 133Der Name Apollinis Brunnen wurde 1889 nicht zuletzt auf Betreiben der "Apollinarisbrunnen vormals Georg Kreuzberg AG" in Bad Neuenahr wieder aufgegeben (W. Jung S. 159, H. Niehaus in: "Der Mineralbrunnen" 4/1994, S. 162 ff), obwohl die Appellation bzw. Revision der Apollinaris in zwei letztinstanzlichen Verhandlungen vor dem Reichsgericht abgewiesen wurden (RG Rep. II. 129/79 und RG Rep. II. 295/80, sog. "Apollinarisentscheidung")Jahresbericht der Handelskammer zu Wiesbaden 1880
Das Kronthaler Mineralwasser erhielt um 1880 mehrere internationale Preise und Auszeichnungen. Weltausstellung Sydney 1880: 2 erste Preise, Internationale Ausstellung Brüssel 1880: Goldene Medaille, Exposition Médicale Genua 1880: Ehren-Diplom, München 1879: Goldene Medaille
Am 18. Januar 1892 wurde im Kronthal eine fahrbare Dampflokomobile von Siemens & Halske mit angeschlossenem Generator zur Versorgung der Stadt Kronberg mit Elektrizität aufgestellt. Nach einigen Jahren wurde das Gespann nach Bad Soden (auf das Gelände der heutigen Süwag) verlegt und diente dort als Reserve.
1898 verkauften die Erben Eckardsteins das gesamte Kronthal ohne die in städtischem Besitz verbleibende Wilhelmsquelle an die „Cronthal Company Limited, London“. Diese Gesellschaft bestand jedoch nicht sehr lange. Kronthal gelangte wieder in den Besitz der Erben von Eckardsteins, die den Brunnenbetrieb unter dem Namen „Kronthaler Mineralquellen Betriebsgesellschaft m.b.H.“ fortführen ließen.Grundbucheintrag der Stadt Cronberg vom 3. Juli 1908: Ernst Freiherr von Eckardstein, Hans Freiherr von Eckardstein, Richard Freiherr von Eckardstein, Margarethe Gräfin von Finkenstein, geborene von Eckardstein, als ungeteilte Erbengemeinschaft. Bis zum Ersten Weltkrieg konnten jährlich bis zu 2,7 Millionen Flaschen abgefüllt werden, man exportierte weiterhin in die USA, nach England, Ägypten, Indien, während das Kurhaus 1915 zum Lazarett wurde.Vertrieb in England durch Schweppe (The Royal Society, The Britisch Medical Journal, 13. Mai 1899, S. 1169).
Mit dem Ende des Ersten Weltkrieges, 1918, verlor das Kronthaler Wasser seine Märkte. Die französische Besatzungsmacht (Kronberg gehörte zum Mainzer Brückenkopf) beschlagnahmte Wohn- und Betriebsgebäude und quartierte im ehemaligen Kurhaus etwa 200 Marokkaner ein. 1920 erwog die Gemeinde Mammolshain, das durch die Einquartierung der französischen Hilfstruppen heruntergekommene Kurhaus zu kaufen, um dort mehrere 2-Zimmer-Wohnungen einzurichten. Der Kauf scheiterte jedoch am für die Gemeindekasse zu hohen Preis.K.-W. Bruno S. 121 Der Abfüllbetrieb lief jedoch weiter; 1921 wurde die Abfüllanlage aufgrund des langen und heißen Sommers wieder auf 40.000 Flaschen pro Tag erweitert.
1922 verkaufte die von Eckardstein’sche Erbengemeinschaft das Kurhaus sowie alle Nebengebäude und Anlagen für den geringen Kaufpreis von 21 Millionen Mark an zwei Oberurseler Fabrikanten (wohl Gläubiger der Freiherren von Eckardstein), die sämtliche Einrichtungen, Maschinen, Rohrleitungen als Schrott verkauften. Der Flaschenbestand ging an eine Offenbacher Brunnenfirma.In der Zeit der Inflation; ca. 10.000 Goldmark.