mini|300px|Neustadt an der Waldnaab (2023) mini|300px|Historischer Stadtkern mit Pfarrkirche St. Georg (2023) Neustadt an der Waldnaab (amtlich Neustadt a.d.Waldnaab, Bairisch: Naistadl) ist die Kreisstadt des gleichnamigen Landkreises im Regierungsbezirk Oberpfalz.
Geographie Die Stadt liegt im Oberpfälzer Wald im Herzen des Naturparks Nördlicher Oberpfälzer Wald an der Mündung der Floß in die Waldnaab.
Gemeindegliederung Es gibt vier Gemeindeteile (in Klammern ist der Siedlungstyp angegeben): Neustadt an der Waldnaab (Hauptort) Mühlberg (Dorf) Bergmühle (Weiler) Radschinmühle (Einöde)
Auf 9,93 km² wird das Gebiet der flächenmäßig kleinsten Kreisstadt Bayerns von der Waldnaab und der Floß zerschnitten. Die historische Altstadt liegt auf einem Gneisrücken zwischen den beiden Flussläufen; die neueren Wohngebiete haben sich halbkreisförmig ausgebreitet. Mühlberg und Radschinmühle sind neben der Kernstadt die einzigen nur jeweils 500 m entfernten selbständigen Gemeindeteile. Bergmühle ist längst mit der Stadt zusammengewachsen.
Nachbargemeinden sind im Süden die kreisfreie Stadt Weiden in der Oberpfalz Nachbar, im Südwesten die Gemeinde Altenstadt an der Waldnaab, die Gemeinden Kirchendemenreuth im Westen, Theisseil im Südosten und Störnstein im Nordosten sind weitere Nachbarn. Neustadt, Altenstadt und die kreisfreie Stadt Weiden bilden ein zusammenhängendes besiedeltes Gebiet.
Geschichte Aus dem Frühjahr 2012 liegen Funde (Lyditkernsteine und Silexartefakte) vor, die die Anwesenheit von Menschen im südwestlichen Stadtgebiet bereits im Endpaläolithikum (12.000–10.000 v. Chr.) und im Mesolithikum (10.000–ca. 5000 v. Chr.) belegen.
Neustadt wurde 1218 anlässlich der Verpfändung der „nova civitas“ an Heinrich von Ortenburg erstmals urkundlich erwähnt. 1329 kam es bei der Landesteilung an die wittelsbachischen Pfalzgrafen bei Rhein, die es 1353 dem böhmischen König und Römischen Kaiser Karl IV. verkauften (des Kaisers Land in Bayern). Lehensrechtlich verblieb das Gebiet fortan bei der Krone Böhmen. Die Herrschaft wurde von den wechselnden Lehnsnehmern und Pflegern auf Burg Störnstein ausgeübt, darunter von 1382 bis 1514 den Herren Pflug zum Rabenstein. Kaiser Maximilian I. stellte das Gebiet unter den Schutz des Heiligen Römischen Reiches.
1575 wurde Neustadt an die Lobkowitzer verkauft. Diese erhielten damit ein außerböhmisches Territorium (dort unterstanden sie der Krone Böhmen) im Reich, welches, zwar als Exklave und Erblehen der Lobkowitzer, weiterhin zum Bayerischen Reichskreis gehörte und später die Reichsunmittelbarkeit des Hauses Lobkowitz ermöglichte.
1641 wurde aus den Herrschaften Neustadt und Störnstein die reichsunmittelbare Gefürstete Grafschaft Störnstein mit Sitz und Stimme im Regensburger Reichstag.
Der Rheinbund führte zur Auflösung der kleineren Territorien in Deutschland und damit auch zum Ende des Fürstentums. 1807 wurden die verbliebenen Herrschaftsrechte von Fürst Lobkowitz an das Königreich Bayern verkauft.Georg Dehio: Handbuch der deutschen Kunstdenkmäler, Band Bayern V: Regensburg und die Oberpfalz. 2., durchgesehene und ergänzte Auflage, 2008.
Im Jahr 1810 wurde im Verlauf der Verwaltungsneugliederung Bayerns das Landgericht Neustadt an der Waldnaab errichtet. Dieses wurde dem Mainkreis zugeschlagen, dessen Hauptstadt Bamberg war. 1838 kam das Gebiet des Landgerichts Neustadt an der Waldnaab zur Oberpfalz.
Als erster Glasbetrieb ließ sich 1891 die Spiegelglashütte der Nachkommen des Glasmeisters Franz Schrenk in Neustadt nieder – Nachfolgehütte der 1890 im Bayerischen Wald geschlossenen Osserhütte. Der Unternehmer und Geheime Kommerzienrat Zacharias Frank verlegte 1898 durch den Bahnanschluss einen Teil seiner Glashütte vom Bayerischen Wald nach Neustadt. Damit bekam Neustadt seine zweite Glashütte und mit der dritten Hütte, der Firma Tritschler, Winterhalder & Co., kam 1905 die Umsiedlungswelle aus dem Bayerischen Wald zum Abschluss.
Kurz vor dem Ende des Zweiten Weltkriegs wurde Neustadt am 21. April 1945 von der US-Armee eingenommen.
1945 und 1946 kam es zu einem erheblichen Zustrom von Heimatvertriebenen aus dem benachbarten Sudetenland sowie aus Schlesien. Die Bedeutung Neustadts als Kreisstadt wurde durch die Gebietsreform in Bayern mit der im Juli 1972 erfolgten neuen Gebietsabgrenzung des Landkreises stark aufgewertet. Der Altkreis Neustadt an der Waldnaab bestand zuvor aus 63 Gemeinden. Hinzu kamen vor allem Orte aus den Landkreisen Eschenbach in der Oberpfalz und Vohenstrauß.
Die wirtschaftliche Lage des gesamten Landkreises Neustadt im Vergleich zu Gesamt-Westdeutschland – nahe an der Grenze zur Tschechoslowakei im Osten, dem amerikanischen Truppenübungsplatz im Westen und ohne namhaften Fremdenverkehr – entwickelte sich bis in die 1980er Jahre insgesamt negativ. Seit dem Wegfall des „Eisernen Vorhanges“ und der damit entfallenen harten Ostgrenze zur Tschechischen Republik ab 1992 und insbesondere nach der EU-Osterweiterung 2004 ist wirtschaftlich ein deutlicher Aufschwung zu verzeichnen.
Namensführung Im Laufe der Jahrhunderte gab es unzählige Namensformen; einige seien hier erwähnt:Ascherl, Geschichte der Stadt …, S. 798
1232 Nova civitas 1339 Neustat vor dem Wald 1353 Neuenstatt 1463 Neustädtlein 1514 Niuwenstat an der Waldnab 1557 Neuenstätlein 1575 Neustedl 1603 Neustädlein an der WaldnabBayerisches Hauptstaatsarchiv, GU Störnstein Nr. 13 und Nr. 36 1792 Neustadt a. d. Waldnaab
Eingemeindungen Der Gemeindeteil Mühlberg wurde auf Antrag seiner Einwohner mit Entscheidung der Regierung der Oberpfalz vom 30. Januar 1972 aus der Gemeinde Altenstadt an der Waldnaab zum 1. April 1972 in die Stadt Neustadt eingegliedert. Im Rahmen der Gemeindegebietsreform in Bayern (von 1972 bis 1978) gab es keine Änderungen im Gemeindegebiet.
Einwohnerentwicklung Zwischen 1988 und 2018 wuchs die Stadt von 5511 auf 5727 um 216 Einwohner bzw. um 3,9 %. Einwohnerentwicklung Neustadts seit 1840 400px 1. Dezember 1840 1392 1. Dezember 1871 1496 1. Dezember 1900 1801 16. Juni 1925 3016 17. Mai 1939 3614 6. Juni 1961 5481 27. Mai 1970 5953 25. Mai 1987 5537 30. Juni 1992 5669 30. Juni 1997 6207 30. Juni 2002 6191 30. Juni 2007 5987 31. Dezember 2012 5868 31. Dezember 2016 5795
Religionen Nach der Volkszählung waren 1987 87,2 % der Bevölkerung römisch-katholisch, 10,3 % evangelisch-lutherisch und 2,5 % mit anderer oder ohne Konfession.
Nach dem Zensus von 2011 waren 74,7 % römisch-katholisch und 13,9 % evangelisch-lutherisch.
Vom 14. Jahrhundert bis 1684 gab es eine Jüdische Gemeinde in Neustadt.
Politik Stadtrat Der Stadtrat besteht aus dem Ersten Bürgermeister und 20 Stadtratsmitgliedern, wovon seit der Kommunalwahl am 15. März 2020 die CSU acht (− 1), die SPD sieben und die Freien Wähler (FW) fünf (+ 1) Mitglieder stellen. (In Klammern: Veränderung zur Wahl 2014)
Bürgermeister Erste (hauptamtliche) Bürgermeisterin ist Tanja Kippes (CSU). Ihre Vorgänger waren Sebastian Giering (SPD), Rupert Troppmann (CSU), Gerd Werner (SPD), Anton Binner (CSU) und Hans Trottmann (SPD).
Wappen
Partner- und Patenschaften Neustadt an der Waldnaab ist Gründungsmitglied der internationalen Städtefreundschaft Neustadt in Europa mit weiteren 35 Städten und Gemeinden namens Neustadt in Deutschland, Österreich, Polen, der Tschechischen Republik, Ungarn, der Slowakei und den Niederlanden (Stand: August 2018). Jährlich einmal kommen seit 1979 jeweils weit über tausend Vertreter aus den Mitgliedsstädten zu einem großen Neustadt-Treffen zusammen; so 2016 in Neustadt an der Weinstraße, 2017 in Neustadt bei Coburg, 2018 erstmals im polnischen Nowe Miasto nad Pilicą und 2019 in Bad Neustadt an der Saale. Seit dem Jahr 1991 besteht zwischen dem Gymnasium Neustadt an der Waldnaab und dem Töröc-Ignac-Gymnasium in Gödöllő (etwa 30 km von Budapest entfernt) eine Schulpartnerschaft. Im Herbst eines jeden Schuljahres besuchen etwa 25 Neustädter Gymnasiasten der 10. Jahrgangsstufe die Schule in Ungarn und sind bei Gastfamilien untergebracht. Im Frühjahr kommen die ungarischen Schülerinnen und Schüler nach Neustadt, wo sie ebenfalls bei Gastfamilien wohnen. Während des Aufenthalts werden den Schülern sowohl in Ungarn als auch in Bayern zahlreiche schulische und kulturelle Aktivitäten angeboten. Im Juli 2025 ging Neustadt an der Waldnaab eine Patenschaft mit der 4. Batterie des Panzerartilleriebataillons 131 der Bundeswehr aus Weiden in der Oberpfalz ein.
Kultur und Sehenswürdigkeiten mini|Stadtpfarrkirche St. Georg mini|Wallfahrtskirche St. Felix Bauwerke und Denkmale
Altes Schloss der Heidecker (erbaut 1532–1620) Neues Schloss der Lobkowitzer (erbaut 1698–1720) Barockgarten Katholische Stadtpfarrkirche St. Georg (erbaut um 1689) Katholische Wallfahrtskirche St. Felix (1735–1746) mit Kloster der Franziskaner-Minoriten (1925) Katholische St.-Anna-Kirche (Mutter-Anna-Kirche) in Mühlberg Katholische Friedhofskirche Zur heiligen Dreifaltigkeit (1662) Evangelisch-lutherische Martin-Luther-Kirche (1975) Denkmalschutz-Ensemble Stadtplatz im Charakter des 17. Jahrhunderts. Die Schmalseiten der Häuser mit hohen Giebeln wenden sich zur Straße. In einer Grünanlage im Süden der Stadt an der Waldnaab stehen zwei große Gedenksteine mit den Inschriften „Den Opfern der Weltkriege 1914–1918 und 1939–1945“ und „Den Toten in der Heimat“ (Sudetenland).
Museen Das Stadtmuseum Waldnaab ist in vier Abteilungen gegliedert: Glas, Handwerk und Gewerbe, Kostbarkeiten aus Bürgerhäusern, Kirchen und Klöstern und Stadtgeschichte. Eine Rauchkuchel, eine Weihnachtskrippe und Wandvitrinen mit verschiedenen Ausstellungsstücken runden das Angebot ab. Gleich neben dem Eingang können die Museumsbesucher sehen, weshalb Neustadt a. d. Waldnaab Die Stadt des Bleikristalls genannt wird. Kunstwerke aus Glas vermitteln einen Eindruck von der Geschicklichkeit und Kunstfertigkeit der Neustädter Glasmacher und -schleifer. Prunkstück der Sammlung ist eine ca. einen Meter große Überfangvase in Goldrubin. Auch das Muster einer Schale, die weltweit nur dreimal existiert (Die Erben von Franz Josef Strauß, König Hussein von Jordanien und die Familie Frank sind die Besitzer) zeugt von meisterlicher Kunst. Daneben werden regelmäßig Sonderausstellungen zu ortsgeschichtlich bedeutenden Themen geboten.
Musik Hausmusik und Volksmusik haben Tradition und werden intensiv gepflegt. Typisches Instrument der Glasmacher-Familien in Neustadt ist die Zither. Band für moderne christliche Musik Carpe Diem Blaskapelle und Show-Band Die Waldnaabtaler Ensemble CantArt: Neue geistliche Lieder Stadtkapelle der Musikschule Neustadt an der Waldnaab Kirchenchor der Kath. Stadtpfarrkirche St. Georg Männergesangverein Sängerbund Neustadt an der Waldnaab Zitherclub Neustadt an der Waldnaab mit großem Zither-Orchester und Stubn-Musi Salonorchester
Sport In Neustadt an der Waldnaab bestehen folgende Sportvereine: Sportverein DJK Neustadt mit Sportheim und Sportanlage einschließlich fünf Tennisplätzen Sportverein ASV Neustadt mit Sportheim und Sportanlage einschließlich drei Tennisplätzen Schützenverein Eichenlaub Neustadt mit Schützenheim und Schießständen Eisstockfreunde ESF Neustadt mit Sportheim, Sommer- und Winterschießanlagen Schachvereinigung SV Neustadt-Altenstadt e. V.
Freizeit Hallenbad Freizeitanlage mit Kinderplantschbecken und Grillplätzen Jugendtreff Freiheit der Stadt Neustadt in einem Gebäude der Freizeitanlage Kinderferienclub des Pfarrgemeinderates Radwandern auf dem Waldnaab-Radweg oder auf einer ehemaligen Bahntrasse: Der Bockl-Radweg beginnt in Neustadt und ist mit 52 Kilometern der längste Bahntrassenradweg Bayerns. Zugleich ist er Teilstück des Paneuropa-Radweges Paris-Prag.
Brauchtum Weit über die Grenzen der Stadt hinaus ist die Historische Bürgerwehr (früher „Königlich-Bayerische Bürgerwehr“) bekannt. Der Neustädter Trachtenverein pflegt örtliche volkstümliche Traditionen.