Die Murellenberge, die Murellenschlucht und der Schanzenwald sind eine in der Weichseleiszeit entstandene Hügellandschaft in der Berliner Ortslage Ruhleben im Ortsteil Westend des Bezirks Charlottenburg-Wilmersdorf. Das Gebiet befindet sich westlich des Olympiageländes. Der größte Teil der Stauch- und Endmoränenlandschaft ist als Naturschutzgebiet Murellenschlucht und Schanzenwald ausgewiesen, das zum Biotopverbund Fließwiese Ruhleben, Tiefwerder Wiesen und Grunewald gehört. Etwa  Kilometer nordöstlich des Gebietes (ab Murellenberg) liegt das Naturdenkmal Murellenteich.

Die Murellenberge (oft als ‚Murellenberg‘ bezeichnet, früher: Morellenberge) sind Teil des Teltownordbandes, das den nördlichsten Ausläufer des Teltowplateaus zum Berliner Urstromtal bildet. Der Zusammenhang des ursprünglichen Naturraums ging durch den Stadtbau weitgehend verloren. Die bis zu 62 Meter hohen Berge und der bis zu 30 Meter eingeschnittene Talkessel weisen insbesondere in ihren Trockenrasenbereichen eine vielfältige und bestandsbedrohte Flora und Fauna auf. Über 150 Jahre als Militär- und Polizeigelände genutzt, konnten sich im Schanzenwald die Waldbestände nahezu ungestört entwickeln. Im östlichen Teil der Schlucht entstand 1936 unter Leitung des Architekten Werner March die Waldbühne. Die Nationalsozialisten richteten in den Bergen eine Hinrichtungsstätte für Deserteure und sogenannte „Wehrkraftzersetzer“ ein. Die Installation Denkzeichen zur Erinnerung an die Ermordeten der NS-Militärjustiz am Murellenberg der Künstlerin Patricia Pisani aus dem Jahr 2002 erinnert an die Opfer.

Lage des Gebiets und Etymologie Das ursprünglich deutlich ausgedehntere und heute zum Teil zersiedelte Hügelgebiet reicht bis in den Mündungsbereich der Spree in die Havel. Es umfasst über das heutige Naturschutzgebiet hinaus ein polizeiliches Übungsgelände und daran nach Norden anschließend den Friedhof Ruhleben. Der lange für militärische Zwecke genutzte Teil des Schanzenwalds westlich des Polizeigeländes ist heute wieder weitgehend zugänglich und Teil des Naturschutzgebietes. Nach Westen begrenzt der ab 1907 aufgeschüttete Damm der Spandauer Vorortbahn das Gelände. Die Eisenbahntrasse bildet zudem die Grenze zwischen den Bezirken Charlottenburg-Wilmersdorf und Spandau. Nach Süden und Osten schließen heute, vereinfacht dargestellt, die Murellenschlucht und ihre Fortsetzung in der Fließwiese Ruhleben das Gelände ab. Im Norden begrenzt der Hempelsteig das Gebiet, dessen Verlauf in etwa dem ehemals gebietstrennenden und zugeschütteten Elsgraben folgt.

Der Namensbestandteil Murellen oder früher Morellen wird vom Brandenburgischen Namenbuch auf die Morelle (= Weichselkirsche) zurückgeführt.Brandenburgisches Namenbuch. Teil 10. Die Gewässernamen Brandenburgs. Begründet von Gerhard Schlimpert, bearbeitet von Reinhard E. Fischer. Herausgegeben von K. Gutschmidt, H. Schmidt, T. Witkowski. Berliner Beiträge zur Namenforschung im Auftrag des Geisteswissenschaftlichen Zentrums Geschichte und Kultur Ostmitteleuropas e. V. Verlag Hermann Böhlaus Nachfolger, Weimar 1996, ISBN 3-7400-1001-0, S. 187 (siehe Hinweis auf den Flurnamen Murellenberg beim Eintrag zu Morellgraben) Auch in einem Lexikon zu Berlins Straßennamen findet sich unter Murellenweg, der von der Fließwiese Ruhleben in die Siedlung Ruhleben führt, der Eintrag: „Murellen, verwilderte Kirschen, die den Murellenbergen ihren Namen gaben.“Klaus Katzer: Berlins Straßennamen. Haude und Spener, Berlin 1982, S. 150. ISBN 3-7759-0256-2 Eine Ableitung aus Moräne (von ), die auf die geologische Struktur des Gebiets abhebt, lässt sich nicht verifizieren.

Geologie und Klima Nordband des Teltow mini|links|hochkant=1.3|Geologische Übersichtskarte des Teltow. Die Murellenberge liegen im Übergangsbereich der rot schraffierten Stauchendmoräne zur rot gepunkteten Grundmoräne nördlich des Grunewald (rot eingerahmt).

Geologisch gehören die Murellenberge wie auch der Grunewald zum Teltowplateau, das nach Westen in der Havelniederung und nach Norden in dem Berliner Urstromtal, das von der Spree durchflossen wird, ausläuft. Die Havel trennt die weichseleiszeitliche Teltowhochfläche von der nordwestlich gelegenen Nauener Platte mit Gatow und Teilen von Wilhelmstadt. Die Spreeniederung scheidet das Plateau vom Barnim. Während die Grundmoränenplatte des Teltow in weiten Teilen flachwellig ausgebildet und von Geschiebemergel bestimmt ist, dominieren im Grunewald außergewöhnlich mächtige (20 Meter und mehr) Schmelzwassersande aus der Vorstoßphase des Inlandeises. Im Bereich um Schildhorn, dem Pichelsberg und den Murellenbergen hat das vorstoßende Eis die Sande zudem kräftig gestaucht (gestört), sodass hier ein bewegtes Relief einer Stauch-/Endmoräne das Landschaftsbild bestimmt. Die Nordkante des Teltow verläuft von den Murellenbergen entlang der Murellenschlucht weiter nach Norden und wendet sich kurz nach dem Erreichen der Fließwiese Ruhleben nach Nordosten. Sie führt um den Murellenteich herum und weiter über die ehemalige Spandauer Spitze am ehemaligen Spandauer Bock und dem Ruhwaldpark zum Steilhang oberhalb der Mineralwasserquelle Fürstenbrunn. An dieser Stelle, südlich der heutigen Rohrdammbrücke, erreicht das Teltowplateau seinen nördlichsten Punkt. Danach knickt die Teltowkante entlang des Schlossgartens Charlottenburg nach Südosten ab. (PDF; 1,4 MB) siehe Literatur, Grafik zur Teltowkante, S. 12, Senatsverwaltung für Stadtentwicklung

Das heutige Trockental Murellenschlucht stellt eine ehemalige Toteisrinne dar, die sich bis zu 30 Meter tief in die Hügellandschaft einschneidet. Die bis zu 100 Meter breite Schlucht verläuft am Südrand des Gesamtareals und trennte die Murellenberge vom Pichelsberg,Pichelsberg. In: Bezirkslexikon Charlottenburg-Wilmersdorf auf berlin.de der wie die Murellenberge eine Höhe von 62 Metern aufweist und heute fast vollständig überbaut ist. Nach Westen reichte die Abflussrinne ursprünglich über den Havelaltarm Hohler Weg bis zum Stößensee. In der anderen Richtung biegt sie nach Norden ab und setzt sich im Verlandungsmoor und Naturschutz- sowie Natura-2000-Gebiet Fließwiese Ruhleben fort. Der nordwestlich gelegene Schanzenwald gehört bereits zum Talsandbereich der Spreeniederung im Urstromtal.Naturschutzgebiet Murellenschlucht und Schanzenwald. In: Senatsverwaltung […] (siehe Literatur) (Zum gesamten Nordband des Teltow und seiner Lage zur Spreeniederung → siehe historische Karte.)

Findlinge mini|Als Naturdenkmal gelisteter Findling in der Murellenschlucht

Von der landschaftsprägenden Kraft des Eises in den Murellenbergen zeugen zahlreiche Findlinge. Zwei der erratischen Blöcke stehen als Naturdenkmal (NDM) unter Schutz:Verordnung zum Schutz von Naturdenkmalen in Berlin, vom 2. März 1993 (mit Ergänzungen, Stand August 2002) (PDF; 734 kB), Senatsverwaltung für Stadtentwicklung; zu beiden Findlingen siehe S. 43 der eine liegt in der Murellenschlucht (NDM VII-6F), der andere (NDM VII-5F) wurde 1968 von der Murellenschlucht auf die Wiese am südlichen Ausgang des hochgelegenen U-Bahnhofs Ruhleben gebracht. Während die Findlinge der Schlucht und der Berge ansonsten hauptsächlich aus Granit bestehen, ist der Stein am Bahnhof aus grauem, mittelkörnigen Sandstein (sogenanntem Braunkohlenquarzit) aufgebaut. Da Geschiebe aus diesem weichen Material nach einer Verdriftung aus Skandinavien in der Regel höchstens Kopfgröße aufweist, kann der rund 1,2 m³ große Brocken anders als Granit- oder Gneisfindlinge nicht einen derart weiten Weg zurückgelegt haben. Fachleute vermuten daher die Region um Stettin oder Bad Freienwalde als Herkunftsort. Seine Abmessung beträgt 1 m × 1 m × 1,2 m und die des Findlings in der Schlucht, der wahrscheinlich aus Biotitgneis oder Alkaligranit besteht, 1,5 m × 1,5 m × 1 m.Hainer Weißpflug: Berliner Denkmale der Natur. Eine topographische und geschichtliche Studie. Edition Luisenstadt, Berlin 1997, ISBN 3-89542-096-4, S. 258f.Findlinge in Berlin. Hrsg.: Landesstelle für Naturschutz und Landschaftspflege in Berlin, Verlag Ihring, Berlin 1970, S. 10.

Klima Die Murellenberge und der Schanzenwald liegen in einer gemäßigten Klimazone im Übergangsbereich vom atlantisch geprägten Klima Nord-/Westeuropas zum kontinentalen Klima Osteuropas. Das Klima entspricht dem der Berliner Stadtrandlagen. Dabei gehören Teile der Murellenschlucht, die einmal der Kuhle Grund geheißen haben soll, Murellenberg & Murellenschlucht zu einer der innerstädtischen „Kälteinseln“.

Siehe auch: Abschnitt Klima im Artikel Berlin

Naturräumliche Entwicklung und urbane Eingriffe Durch zunehmende Bebauung hat die eiszeitlich geprägte Landschaft der Murellenberge im letzten Jahrhundert ihre Anbindung an die umliegenden Landschaftsteile und „ihren ursprünglichen Charakter in vielen Bereichen verloren.“Naturschutz- und NATURA 2000-Gebiet Fließwiese Ruhleben. In: Senatsverwaltung für Stadtentwicklung Berlin: natürlich Berlin! Naturschutz- und NATURA 2000-Gebiete in Berlin. Verlag Natur & Text, Berlin 2007, ISBN 978-3-9810058-3-7, S. 124.

Verlorene Anbindung an den Grunewald (Süden) mini|Blick vom Glockenturm auf die Berliner Waldbühne, Murellenschlucht, -Berge und Schanzenwald

Die Nordgrenze des Forsts und Landschaftsraums Grunewald wird heute in der Regel mit der Heerstraße gezogen, sodass die nördlich der Straße liegenden Murellenberge vom Grunewald ausgespart sind. Früher gehörten die Berge, die Schlucht und der Schanzenwald zum Forst beziehungsweise zur Teltower Heide und Spandower Heide, wie der Grunewald vorher hieß. So bezeichnet die Preußische Kartenaufnahme von 1835 die Murellenschlucht als Tal innerhalb der Spandauer Heide. Die Abtrennung der Murellenberge vom heutigen Landschaftsraum Grunewald erfolgte ab 1907 mit dem Bau der Rennbahn Grunewald und des Deutschen Stadions auf ehemaligem Grunewaldgelände und dem gleichzeitigen Bau der Heerstraße und der Spandauer Vorortbahn, die den ausgedehnten Naturraum des Grunewalds von West nach Ost durchschnitten. Weitere Bauten zu den Olympischen Spielen 1936, insbesondere im Bereich der Glockenturmstraße, verengten die Waldverbindung. Mit dem Bau der Hochhaussiedlung an der Angerburger Allee in den 1960er Jahren ging die direkte Grünverbindung des Areals Murellenberge/Schanzenwald an den Grunewald endgültig verloren. Forstamtlich ist das Areal allerdings nach wie vor dem Grunewald zugeordnet, indem es zur Revierförsterei Saubucht gehört.

Im Zuge der Baumaßnahmen zu den Sommerspielen 1936 entstand im Ostteil der Murellenschlucht unter der Leitung von Werner March nach Plänen von Conrad HeidenreichErika Schachinger: Conrad Heidenreich und Paul Michel. Die Architekten des Weinhauses Huth. In: Mitteilungen des Vereins für die Geschichte Berlins, Heft 4, April 1998 diegeschichteberlins.de die Waldbühne, eine Freilichtbühne mit Platz für 22.000 Zuschauer. Der Bau in Form eines natürlichen Talkessels bedeutete einen erheblichen Eingriff in den Naturraum, auch wenn die natürlichen Hangneigungen der Murellenberge weitgehend beibehalten wurden. Die Südböschung und Teile der Schlucht wurden zwischen 1948 und 1950 zudem mit Trümmerschutt verfüllt.Angela M. Arnold, Gabriele von Griesheim: Trümmer, Bahnen und Bezirke, Selbstverlag, Berlin 2002, S. 88, ISBN 3-00-009839-9 Auf der Aufschüttung stehen heute die neue Eissporthalle und die Zentral-Gebäude des darunter angelegten Erdgasspeichers Berlin der Gasag.Bezirksamt Charlottenburg-Wilmersdorf Kiezspaziergang am 11. Mai 2002 mit Sozial- und Umweltstadträtin Martina Schmiedhofer: Vom S-Bhf Pichelsberg durch die Murellenschlucht bis zum U-Bhf Ruhleben Erdgasspeicher Berlin

Trennung von Tiefwerder (Westen)