Alfred Schachner-Blazizek (* 7. Mai 1912 in Mürzzuschlag als Alfred Friedrich Blažižek;Taufbuch Mürzzuschlag, tom. IX, fol. 43 (Faksimile), abgerufen am 1. Januar 2024 † 17. September 1970 in Graz) war ein österreichischer Politiker der SPÖ im Bundesland Steiermark.

Leben Vor 1945 Alfred Blažižek wurde am 7. Mai 1912 als Sohn des Lokomotivführers Friedrich Anton Blažižek (* 8. April 1873)Trauungsbuch Mürzzuschlag, tom. V, fol. 120 (Faksimile), abgerufen am 1. Januar 2024 und dessen Ehefrau Maria „Mitzi“ (geborene Steflitsch; * 24. Jänner 1878) in Mürzzuschlag geboren und am 18. Mai 1912 auf den Namen Alfred Friedrich getauft. Seine Eltern hatten am 10. Februar 1902 in Mürzzuschlag geheiratet. Der aus einer Eisenbahnerfamilie stammende Blažižek wurde während seines Studiums 1930 Mitglied der Burschenschaft Arminia Wien.Helge Dvorak: Biographisches Lexikon der Deutschen Burschenschaft. Band I: Politiker. Teilband 5: R–S. Winter, Heidelberg 2002, ISBN 3-8253-1256-9, S. 178–179. Am 22. August 1931 heiratete er Maria Höllerbauer.

Zum 1. Juni 1933 trat er der NSDAP bei (Mitgliedsnummer 1.610.437), die Aufnahme trat allerdings nicht in Kraft, da die Partei wenig später in Österreich verboten wurde. Regulär schloss er sich nach dem Anschluss Österreichs zum 1. April 1940 der Partei an (Mitgliedsnummer 8.435.986), die formale Doppelmitgliedschaft wurde im Rahmen einer Karteirevision durch die NSDAP bereinigt.Doris Sotopietra/Maria Wirth: Ehemalige NationalsozialistInnen in der SPÖ: eine Untersuchung. in: Maria Messner (Hrsg.): Entnazifizierung zwischen politischem Anspruch, Parteienkonkurrenz und Kaltem Krieg. Das Beispiel der SPÖ. Oldenbourg, Wien/München 2005, ISBN 978-3-7029-0534-7, S. 266–334, hier S. 327Bundesarchiv R 9361-IX KARTEI/3181600 Er war auch Förderndes Mitglied der SS, Mitglied des NS-Rechtswahrerbundes und während der NS-Herrschaft in der Bezirksverwaltung in Mürzzuschlag tätig. Eine kolportierte Tätigkeit als NS-Gaurichter ist hingegen aktenmäßig nicht nachgewiesen.Doris Sotopietra/Maria Wirth: Ehemalige NationalsozialistInnen in der SPÖ: eine Untersuchung. in: Maria Messner (Hrsg.): Entnazifizierung zwischen politischem Anspruch, Parteienkonkurrenz und Kaltem Krieg. Das Beispiel der SPÖ. Oldenbourg, Wien/München 2005, ISBN 978-3-7029-0534-7, S. 266–334, hier S. 327

Nach 1945 Nach Ende des Zweiten Weltkriegs wurde er 1945 vom provisorischen steirischen Landeshauptmann Reinhard Machold (SPÖ) zum Bezirkshauptmann vom Bezirk Mürzzuschlag ernannt. Er gelangte über den Bund Sozialistischer Akademiker (BSA) zur SPÖ, deren steirischer Landesvorsitzender er ab 1960 war. Zudem war er ab 1965 stellvertretender Vorsitzender der Bundespartei. Als Schachner-Blazizek 1954 zum Landesrat nominiert wurde, gab es heftige parteiinterne Widerstände gegen diese Besetzung; vor allem die beiden Widerstandskämpfer gegen das NS-Regime Fritz Matzner und Max Eibegger kritisierten Schachner-Blazizeks „schwankende politische Haltung in der Vergangenheit“.Doris Sotopietra/Maria Wirth: Ehemalige NationalsozialistInnen in der SPÖ: eine Untersuchung. in: Maria Messner (Hrsg.): Entnazifizierung zwischen politischem Anspruch, Parteienkonkurrenz und Kaltem Krieg. Das Beispiel der SPÖ. Oldenbourg, Wien/München 2005, ISBN 978-3-7029-0534-7, S. 266–334, hier S. 326

Vom 27. Jänner 1954 bis 2. Jänner 1964 war Schachner-Blazizek Landesrat und anschließend bis 17. September 1970 Landeshauptmann-Stellvertreter der Steiermark (unter Josef Krainer senior, ÖVP). Im Rahmen der Koalitionsverhandlungen nach der Nationalratswahl 1966 war Schachner-Blazizek für einen Ministerposten oder sogar als SPÖ-Vizekanzler im Gespräch; schließlich scheiterten die Verhandlungen jedoch und die SPÖ ging in Opposition. Für die erste Regierung Kreisky im Jahr 1970 war Schachner-Blazizek als Finanzminister vorgesehen, er lehnte jedoch ab, da er zu diesem Zeitpunkt bereits unheilbar an Krebs erkrankt war.Heinz Mang: Steiermarks Sozialdemokraten im Sturm der Zeit. Graz 1988, S. 257–266 Am 17. September 1970 erlag er seiner Krebserkrankung im LKH-Universitätsklinikum Graz.

Im Mai 1959 ließ Blažižek seinen Familiennamen in Schachner-Blazizek ändern. Schachner war der Mädchenname seiner Großmutter mütterlicherseits. Der Alfred Schachner Gedächtnis-Fonds ist eine parteinahe Einrichtung mit der Aufgabe, wissenschaftliche Forschung und kulturelle Leistungen zu fördern.ORF.at: Woher kommt das Geld für Förderungen

Sein Sohn Peter Schachner-Blazizek war ebenfalls SPÖ-Politiker.

Literatur Wolfgang Neugebauer, Peter Schwarz: Der Wille zum aufrechten Gang. Offenlegung der Rolle des BSA bei der gesellschaftlichen Reintegration ehemaliger Nationalsozialisten. Hrsg. vom Bund sozialdemokratischer AkademikerInnen, Intellektueller und KünstlerInnen. Wien : Czernin, 2005, ISBN 3-7076-0196-X. PDF, S. 144–146

Einzelnachweise

Kategorie:Landeshauptmann-Stellvertreter (Steiermark) Kategorie:Landesrat (Steiermark) Kategorie:Bezirkshauptmann (Steiermark) Kategorie:NSDAP-Mitglied Kategorie:Förderndes Mitglied der SS Kategorie:SPÖ-Mitglied Kategorie:Burschenschafter (20. Jahrhundert) Kategorie:Person (Graz) Kategorie:Person (Mürzzuschlag) Kategorie:Österreicher Kategorie:Geboren 1912 Kategorie:Gestorben 1970 Kategorie:Mann