Die Sandridge Bridge (früher Sandridge Railway Bridge) ist eine 174,4 Meter lange Balkenbrücke über den Yarra River in Melbourne und bereits das dritte Brückenbauwerk an dieser Stelle. Die erste Brücke wurde 1853 als Teil der ersten Passagiereisenbahnstrecke Australiens gebaut und 1859 ersetzt. Die heutige Stahlbrücke wurde 1888 fertiggestellt und diente bis 1987 dem Eisenbahnverkehr. Nach einer grundlegenden Sanierung wurde sie am 12. Mai 2006 zum Beginn der Commonwealth Games 2006 als reine Fußgänger- und Radfahrerbrücke wiedereröffnet. Weltweite Bekanntheit erlangte die Brücke durch die mobile Skulptur The Travellers, die im Zuge der Sanierung an der Brücke installiert wurde, und bei der sich neun überlebensgroße abstrakte Figuren, die Einwanderer symbolisieren, über die Brücke hin und her bewegen.
Lage Die Sandridge Bridge wurde nahe der Yarra Falls errichtet, einem ehemaligen kleinen Wasserfall, an dem sich das Wasser des Yarra River von Süß- in Salzwasser wandelte. Die Wasserfälle waren ein traditioneller Treffpunkt der Aborigines. Aufgrund der Verfügbarkeit von Frischwasser wählten die ersten weißen Siedler unter John Batman diesen Platz im Jahr 1835 als Standort für ihre neue Siedlung Melbourne aus. Die seichte Kopfzone des Wasserfalls wurde in den ersten Jahren der Besiedlung als Flussüberquerung benutzt. In den 1880er Jahren wurde der Wasserfall jedoch gesprengt, um Schiffen einen Zugang stromaufwärts ins Landesinnere zu ermöglichen.
Heute befindet sich die Brücke im Stadtzentrum Melbournes und verbindet das Geschäftsviertel mit dem Stadtteil Southbank.
Geschichte Die heutige Sandridge Bridge ist die dritte Brücke an dieser Stelle. Alle drei Brücken spielten eine wichtige Rolle bei der Entwicklung von Melbourne zu einer kommerziellen Großstadt.
Erste Brücke (1853–1859) mini|Zeichnung von Melbourne mit der Sandridge Bridge (links) aus dem Jahr 1855 mini|hochkant|Karte von Melbourne mit den Eisenbahnlinien nach Sandridge und St Kilda aus dem Jahr 1890 Nach Beginn des Goldrausches in Victoria Anfang der 1850er Jahre stieg die dortige Bevölkerung rasant an. Jede Woche kamen Dutzende von Schiffen in der Hobsons Bay an, die Goldgräber und Fracht am Strand absetzten. Der Yarra River war zu seicht und schmal für größere Schiffe und so mussten die Einwanderer und Händler viel Geld für den Transport nach Melbourne auf einem Wagen oder einer Fähre bezahlen.
Geschäftsleute sahen dies als eine günstige Gelegenheit und gründeten die Melbourne and Hobson’s Bay Railway Company. Sie errichteten die erste Passagiereisenbahnstrecke Australiens zwischen dem Vorort Sandridge (Railway Pier, später Station Pier) und dem Stadtzentrum (Melbourne Terminus, heute Flinders Street Station). Zur Überquerung des Yarra River wurde im Jahr 1853 eine eingleisige Holzbrücke gebaut. Beim Bau des Gleises verwendete man die breite irische Spurweite von 1600 mm. Die gesamte Eisenbahnstrecke wurde in 18-monatiger Bauzeit fertiggestellt und kostete 388.000 Pfund. Die erste Dampflokomotive verließ Melbourne Terminus am 12. September 1854 um 12:20 Uhr. Sie benötigte für die 4,5 Kilometer lange Strecke 10 Minuten.
Zweite Brücke (1859–1888) Nachdem die Melbourne and Hobson’s Bay Railway Company am 13. Mai 1857 eine weitere, ebenfalls 4,5 Kilometer lange Eisenbahnlinie nach St Kilda eröffnete, ersetzte man 1859 die eingleisige Brückenkonstruktion durch eine zweigleisige Trestle-Brücke. Gleichzeitig wurde die enge Kurve beim Eintritt in den Bahnhof durch eine ungewöhnlich schräge Führung, wie sie heute noch sichtbar ist, vermieden.
Bereits 1861 wurden jährlich über eine halbe Million Passagiere und über 150.000 Tonnen Fracht über die Brücke transportiert. Im Jahr 1878 übernahm das staatliche Victorian Railways Department die private Eisenbahngesellschaft und die Strecken wurden Teil eines mittlerweile 1.600 Kilometer langen Eisenbahnnetzes, das sternförmig von Melbourne ausging. Bis in die 1880er Jahre wurden alle Gleise, Lokomotiven und Eisenbahnwagen aus dem Vereinigten Königreich importiert, danach konnte der Großteil der Ausrüstung in Australien gefertigt werden.
Dritte Brücke (seit 1888) mini|Die Sandridge Bridge (mittlere Brücke) und die Flinders Street Station im Jahr 1928 mini|Die Sandridge Bridge vor der Restaurierung 2005 mini|Die Sandridge Bridge heute mit South und North Banks Die heutige Stahlbalkenbrücke wurde vom Victorian Railways Department geplant. Der Bau durch den Konstrukteur David Munro begann 1886, die Eröffnung konnte im Juni 1888 stattfinden. Am Bau der Brücke soll John Monash, der spätere Kommandeur der australischen Truppen im Ersten Weltkrieg, als junger Ingenieur beteiligt gewesen sein.
Die vierspurige Brücke bestand aus zwei Teilen zu je zwei Spuren. Die beiden westlichen Spuren führten nach Sandridge (heute Port Melbourne), die beiden östlichen nach St Kilda. Sie war die erste vierspurige Eisenbahnbrücke in Australien und eine der ersten Brücken des Landes, die Stahl statt Eisen als Träger verwendete. An beiden Brückenenden lagen die vernieteten Stahlbalken auf Stützpfeilern aus Basalt und Ziegeln auf, an der Südseite des Flusses wurde die Brücke als Viadukt aus Ziegeln weitergeführt. Ungewöhnlich für eine Eisenbahnbrücke wurden die Spannen, Pfeiler und darüber liegenden Giebel detailvoll verziert. Die Brücke ist heute im Victorian Heritage Register verzeichnet.
Im Hafen von Melbourne wurde im Jahr 1914 neben dem Station Pier ein größerer Anlegeplatz namens New Railway Pier (später Princes Pier) gebaut. Dieses Pier war der Ablegepunkt für australische Kriegsschiffe während des Ersten und Zweiten Weltkriegs. Tausende von Soldaten fuhren über die Sandridge Bridge zum Pier, um von dort zu den Schlachtfeldern in Europa und Asien zu segeln. Im Zweiten Weltkrieg war der Princes Pier auch der Ankunftsort für amerikanische Truppen. Nach Ende des Krieges kamen dort Tausende von Kriegsflüchtlingen an.
Im Jahr 1925 wurde die Brücke elektrifiziert und die bis dahin verwendete Holzabdeckung durch Schienenträger aus Beton ersetzt. Die Sandridge Bridge wurde bis in die 1950er Jahre für den Frachtverkehr und bis 1987 für den Personenverkehr genutzt. Der letzte Zug in Richtung St Kilda fuhr am 1. Juli 1987, der letzte in Richtung Port Melbourne am 10. Oktober 1987. Die beiden Eisenbahnlinien wurden durch die Straßenbahnlinien 96 und 109 ersetzt, die den Yarra River etwa einen Kilometer weiter flussabwärts auf der Spencer Street Bridge überqueren.
Obwohl das Viadukt und der Eisenbahndamm über das südliche Ufer als historisch signifikantes Erbe gelistet waren, wurden sie abgerissen, um Platz für ein Casino zu schaffen, und nur das Segment über den Fluss selbst blieb erhalten. Das Stellwerk am nördlichen Brückenende aus dem Jahr 1905, das den Zugverkehr über die Brücke und entlang des Flusses regelte, wurde ebenfalls außer Betrieb genommen. Das Gebäude brannte 2002 aus, es wurde jedoch renoviert und beherbergt seit Herbst 2009 ein Jugendzentrum für Kunst mit Namen Signal.
In den 1990er Jahren wurden der Stadt Melbourne einige Sanierungsvorschläge für die Brücke unterbreitet, die jedoch alle nicht zum Zug kamen. Im Jahr 2001 versuchte der Bundesstaat Victoria sogar erfolglos, industrielle Partner für eine Wiederinbetriebnahme der Brücke zu finden. Schließlich übernahmen 2003 das Melbourne City Council und das Department of Sustainability and Environment selbst die Leitung. Sie stellten 15,5 Millionen Australische Dollar für die Brückensanierung, zur Schaffung einer Plaza namens Queensbridge Square am Südende und zur Herstellung von Verbindungswegen zu der Uferpromenade am Nordende zur Verfügung. Die Instandsetzung der Brücke, die in den Jahren 2005 und 2006 stattfand, wurde von dem Ingenieurbüro Arup durchgeführt.
Die Brücke samt Plaza und Verbindungswegen wurde am 12. März 2006, drei Tage vor Beginn der Commonwealth Games 2006, wiedereröffnet. Für die Öffentlichkeit ist nur der östliche Teil der Brücke zugänglich, die westliche Hälfte der Brücke wird weiterhin stabilisiert und nachts von unten beleuchtet. Die Sanierung kostete schließlich 18,5 Millionen Australische Dollar.
Technische Details mini|Blick unter die Brücke am Südende Die heutige Brücke wurde in einem ungewöhnlichen 33-Grad-Winkel zum Flussufer konstruiert. Die Gesamtlänge der Balkenbrücke beträgt 178,4 Meter. Sie besteht aus insgesamt fünf Teilstücken, die von Süden nach Norden gesehen 36,9 m, 36,6 m, 36,3 m, 36,9 m und 31,7 m messen. Die Brücke ist 17 Meter breit, die Stahlbalken sind 2,74 Meter hoch.
Die insgesamt zwölf Brückenpfeiler bestehen aus mit Beton gefülltem Eisen und sind in vier Dreiergruppen in Flussrichtung angeordnet, um den Einfluss der Gezeiten auf die Brückenkonstruktion zu minimieren. Die maximale Durchfahrtshöhe für Schiffe beträgt bei Ebbe 4,7 Meter und bei Flut 4,1 Meter. Die minimale Durchfahrtsbreite zwischen den Pfeilergruppen wird mit 18 Metern angegeben.
Im Zuge der Renovierung wurde für die Fußgänger und Radfahrer am Südende der Brücke eine etwa 50 Meter lange Rampe installiert, die den Höhenunterschied von etwa 4 Metern überwindet, der durch den Abriss des Viadukts entstanden war.
The Travellers mini|The Travellers bei der Wende an der South Bank Als künstlerischer Beitrag wurden im Zug der Sanierung zehn 7,5 Meter große abstrakte Figuren an der Brücke installiert. Neun der zehn Figuren bewegen sich in einer 15-minütigen Sequenz auf Fahrgestellen zwischen beiden Brückenteilen über die Brücke hin und her. Sie sollen die verschiedenen Einwanderer symbolisieren, die traditionell per Zug über die Brücke nach Melbourne gelangten. Eine zehnte Figur verbleibt unbeweglich am Flussufer und symbolisiert die Australischen Ureinwohner von Victoria. Die Installation, genannt The Travellers, wurde von dem libanesischen Künstler Nadim Karam (Atelier Hapsitus, Beirut) entworfen.
Die Bewegung der Figuren wird durch eine Software gesteuert, die auf einem Computer der Stadt installiert ist. Die Figuren können einzeln oder als Gruppe angesteuert werden und beliebige Bewegungen ausführen. Über Nacht werden sie üblicherweise am Südende der Brücke „geparkt“. Sobald sie aktiviert werden, was dreimal am Tag geschieht, bewegen sie sich als Prozession zu vorprogrammierten Punkten entlang der Brücke und kehren daraufhin zu ihrem Ausgangspunkt zurück. Die Figuren bewegen sich dabei mit einer Geschwindigkeit von 1,5 Kilometern pro Stunde.
Übersicht Jede der Figuren steht für eine bestimmte Einwanderungsperiode in der Geschichte Australiens. Die einzelnen Perioden wurden durch den australischen Historiker James Jupp definiert. Für die Figuren wurden mehr als 3,7 Kilometer rostfreien Stahls in insgesamt 4455 Einzelteilen verarbeitet. Die Figuren sind ungefähr 7,5 Meter hoch und 5 bis 10 Meter breit. Ihr mittleres Gewicht beträgt etwa 2,3 Tonnen, ihre mittlere Oberfläche knapp 80 Quadratmeter.
Name Periode Zeitraum Länge anStahl Gewicht Oberfläche Stahl-elemente Gayib Aborigines 223,5 m 7701 kg 121,6 m2 198 First Settler Strafgefangene 1788–1866 328,7 m 1383 kg 62,53 m2 349 Melbourne Beauty Goldrausch 1850–1890 234,5 m 1092 kg 46,99 m2 310 Walker and his Tuckerbag Unterstützte Migration 1830–1930 293,5 m 1224 kg 55,05 m2 350 Shelter Vertriebene 1947–1953 345,1 m 1463 kg 65,96 m2 524 Urban Wheel Migration aus Europa 1947–1983 383,0 m 1858 kg 78,08 m2 447 Running Couple Flüchtlinge 1958–2005 574,7 m 2609 kg 111,9 m2 655 Butterfly Girl Migration aus Asien und dem Orient 1975–2005 356,6 m 1531 kg 68,58 m2 494 Technoman Studenten und Fachleute 1975–2005 658,0 m 2499 kg 113,3 m2 650 Walking Sun Australischer Multikulturalismus 368,2 m 1715 kg 71,56 m2 468
Gayib mini|Figur Gayib