mini|Liudgeri-Kirche von Süden mini|Ansicht von Norden mit Glockenturm Die Liudgeri-Kirche in Holtgaste stammt aus dem 13. Jahrhundert und gilt als älteste Kirche des Rheiderlandes im südwestlichen Ostfriesland.
Geschichte und Baubeschreibung mini|Innenraum mit Triumphbogen Seit ihren Anfängen um 820 unterstand die Holtgaster Kirche dem Kloster Werden, das von Liudger gegründet wurde.Menno Smid: Ostfriesische Kirchengeschichte. Selbstverlag, Pewsum 1974, S. 19 (= Ostfriesland im Schutze des Deiches. Band 6). Das Kloster besaß in Holtgaste Land und ließ durch seine Benediktiner-Mönche auf einer Warft eine Kirche aus Holz errichten und weihte sie Liudger. Eine Backsteinkirche löste in der ersten Hälfte des 13. Jahrhunderts die hölzerne Vorgängerkirche ab. Das romanische Gebäude verfügte ursprünglich über eine Apsis und zwei Seitenapsiden. Das Kloster verkaufte die Kirche 1282 an den Bischof Eberhard von Münster, der sie nach zwei Jahren an die Johanniterkommende in Jemgum weiterverkaufte.Homepage der Kirchengemeinde, abgerufen am 19. Dezember 2022. Um 1290 wurde die Apsis durch einen gewölbten Chor mit fast quadratischer Grundfläche ersetzt. Ein spitzbogiger Triumphbogen trennt den Chor vom Schiff. Diese Wand ist heute der älteste erhaltene Teil des Gebäudes.
Das Hagioskop, eine sogenannte Lepraspalte, an der Südseite ist heute zugemauert.Ingeborg Nöldeke: Verborgene Schätze in ostfriesischen Dorfkirchen – Hagioskope, Lettner und Sarkophagdeckel – Unbeachtete Details aus dem Mittelalter. Isensee Verlag, Oldenburg 2014, ISBN 978-3-7308-1048-4, S. 158 ff. In vorreformatorischer Zeit gehörte die Kirche dann zur Propstei Hatzum im Bistum Münster.Menno Smid: Ostfriesische Kirchengeschichte (= Ostfriesland im Schutze des Deiches. Band 6). Selbstverlag, Pewsum 1974, S. 42. Im Chorraum und dem vorgelagerten Bereich sind sieben Grabstellen für Erbbegräbnisse bedeutender Familien eingerichtet. Überliefert wird, dass die Vitalienbrüder die Kirche als Stützpunkt nutzten, da damals noch über einen kleinen Seitenarm ein Wasserweg zur Ems bestand.Freerk van Lessen: Holtgaste. (PDF; 300 kB) Ortschronisten der Ostfriesischen Landschaft; abgerufen am 19. Dezember 2022.
Da nach der Reformationszeit 1534 Graf Enno II. aus dem Hause Cirksena die Johanniterkommende als Kirchenpatronat rechtmäßig erhielt, wurde die Holtgaster Kirche gegen den Widerstand der reformierten Kirchenmitglieder lutherisch. Nachdem das Kirchenschiff im Dreißigjährigen Krieg stark gelitten hatte, wurde es 1644 abgetragen und beim Wiederaufbau um sechs Meter verkürzt.
1855 fand ein Umbau der Kirche statt, bei dem ein westlicher Eingang geschaffen und statt des Nordeingangs drei Fenster eingebaut wurden. Zuvor hatte die Kirche in der Nordwand nur ein Fenster gehabt, in der Südwand zwei. Im Chor wurde das Gewölbe entfernt und im Schiff die Holzdecke eingezogen.
Das Äußere der Kirche wurde 1990/1991 saniert. In den Jahren 2001 bis 2003 erfolgte eine umfassende Sanierung des Kircheninneren.
Wie in Ostfriesland vielfach üblich, steht der Glockenturm separat. Der massive Turm südöstlich der Kirche wurde 1711 auf den mittelalterlichen Fundamenten wiederaufgebaut, wobei man im unteren Bereich teils alte Klostersteine verwendete. Dem Pyramidendach ist ein kleiner Dachreiter aufgesetzt.Karstkarel: Alle middeleeuwse kerken. 2008, S. 769. Die ältere Glocke weist keine Beschriftung auf, wird jedoch um 1280–1300 datiert, was als Hinweis auf die erste Steinkirche gewertet wird. Die jüngere Glocke wurde 1379 angefertigt und der Heiligen Katharina von Alexandrien geweiht, wie die Beschriftung verrät. Sie sind die ältesten Glocken im Rheiderland und gehören zu den ältesten in Ostfriesland.Glocken Holtgaste. kirche-bingum.de; abgerufen am 19. Dezember 2022. Glockenturm und Glocken wurden 2007 aufwändig saniert.
Die lutherische Holtgaster Kirchengemeinde teilt sich heute mit Bingum eine Pfarrstelle.
Ausstattung mini|hochkant|links|Altarfragment im Heimatmuseum Rheiderland mini|hochkant|Mahler-Kanzel Im Zuge der Umbauten im Jahr 1644 wurde auch eine neue Kanzel mit Schalldeckel von Meister Tönnies Mahler eingebaut, die mit reichen Holzschnitzereien und Intarsien versehen ist. Wahrscheinlich hat er auch das ursprüngliche gotische Weihwasserbecken durch den dreistufigen hölzernen Schnitzaufsatz in ein Taufbecken umgestaltet.
Die verbliebenen Altarretabel-Reste des wertvollen alten Schnitzaltars mit Szenen aus der Passionsgeschichte, der um 1520 angefertigt wurde und sich offensichtlich an Albrecht Dürer orientierte, sind heute im Heimatmuseum in Weener zu besichtigen.
Ein Kronleuchter aus Messing wurden im Jahr 1737 gestiftet. Zu den Vasa Sacra gehören ein Silberkelch und eine Abendmahlsschale, die 1766 als Ersatz für das von den Truppen des Freicorps Conflans gestohlene Abendmahlsgerät beschafft wurden. Das Kastengestühl stammt aus dem 19. Jahrhundert. Die beiden gestifteten Bleiglas-Chorfenster wurden 1929 gestaltet.
Orgel mini|Rohlfs-Orgel von 1865 Die kleine einmanualige Orgel wurde 1864/1865 von Gebr. Rohlfs erbaut und verfügt über sieben Register und ein angehängtes Pedal. Sie ist original und in gutem Zustand erhalten. 1990/1991 erfolgte durch die Krummhörner Orgelwerkstatt eine Renovierung. Die Disposition ist seit 1865 unverändert:Die Rohlfs-Orgel von 1865. kirche-bingum.de; abgerufen am 19. Dezember 2022.
Manual C–f2 Principal 8′ Oktave 4′ Oktave 2′ Gedackt 8′ Salicional 8′ Hohlflöte 4′ Piccoloflöte 2′ Pedal C– angehängt
Traktur: Tontraktur: Mechanisch Registertraktur: Mechanisch Windversorgung: Zwei Keilbälge Winddruck: 65 mmWS Stimmung: Höhe a1= 440 Hz Gleichstufige Stimmung
Siehe auch Liste der historischen Kirchen in Ostfriesland
Literatur
Hans-Bernd Rödiger, Menno Smid: Friesische Kirchen in Emden, Leer, Borkum, Mormerland, Uplengen, Overledingen und Reiderland. Band 3. Verlag C. L. Mettcker & Söhne, Jever 1980, S. 80.
Weblinks
Homepage der Kirchengemeinden Bingum und Holtgaste Ein kleiner Führer durch die Lutgerikirche Holtgaste (PDF; 474 kB) max-e5.info Freerk van Lessen: Holtgaste. (PDF; 300 kB) Ortschronisten der Ostfriesischen Landschaft. Holtgaster Glocken. YouTube.
Einzelnachweise
Kategorie:Kirchengebäude im Landkreis Leer Kategorie:Sakralbau in Jemgum Kategorie:Ludgerikirche Kategorie:Kirchengebäude der Backsteinromanik Kategorie:Erbaut im 13. Jahrhundert Kategorie:Kirchengebäude des Kirchenkreises Emden-Leer Kategorie:Bauwerk der Romanik in Niedersachsen Kategorie:Baudenkmal in Jemgum Holtgaste, Ludgeri Holtgaste