Der Film Ghost in the Shell (japanisch , Kōkaku Kidōtai, dt. Übersetzung Mobile Angriffspanzer-Einsatztruppe) von Mamoru Oshii aus dem Jahr 1995 gilt als einer der klassischen Science-Fiction-Anime und trug zur zunehmenden internationalen Popularität von Animes bei. Er basiert auf dem gleichnamigen Manga Ghost in the Shell von Masamune Shirow. Der Cyborg-Fantasy-Film befasst sich mit der Frage, was den Menschen beziehungsweise die menschliche Persönlichkeit ausmacht. Das Subgenre wird mitunter auch als Mecha-Anime bezeichnet.Anime Lexikon der Filmbegriffe, aufgerufen am 14. Januar 2022.

Der futuristische Cyberpunk-Film spielt in einer dystopischen Zukunft, in der unkontrollierbarer Einsatz technischer Möglichkeiten und Körpermodifikationen die gesellschaftliche Stabilität gefährden. Wie bereits Akira (1988) enthält auch Ghost in the Shell Gewaltdarstellungen und Body-Horror-Elemente. Außerhalb Asiens trugen beide Filme entscheidend zu einer Emanzipation des Anime-Films für Erwachsene bei, der zunehmend separat von Zeichentrickfilmen für Kinder wahrgenommen wurde.Deutsches Filminstitut - DIF / Deutsches Filmmuseum & Museum für angewandte Kunst (Hg.): ga-netchû! Das Manga Anime Syndrom. S. 50.Ghost in the Shell (1995) von Oliver Armknecht am 10. Juni 2015 Film Rezensionen, aufgerufen am 14. Januar 2022.

Oftmals von späteren Werken zitiert, lieferte der Science-Fiction-Meilenstein unter anderem den Wachowskis einige Ideen, die sie in ihrem 1999 Cyberpunk-Film Matrix aufgriffen. Auch James Cameron hat einige Ideen aus Ghost in the Shell in seinem Werk Avatar – Aufbruch nach Pandora (2009) verwendet.How the original 'Ghost in the Shell' changed sci-fi and the way we think about the future von Paul Schrodt am 1. April 2017 Business Insider, aufgerufen am 14. Januar 2022.

Handlung Im Jahr 2029 haben viele Menschen Teile ihres Körpers durch künstliche Bestandteile ersetzen lassen, wurden also zu Cyborgs, um so bestimmte Fähigkeiten zu verbessern oder sich neue anzueignen. Sogar das Gehirn lässt sich teilweise durch ein sogenanntes Cyberbrain ersetzen. Verpackt in einer Biokapsel (Shell) stecken darin menschliche Gehirnzellen mit dem Geist (Ghost), der die Identität und Persönlichkeit enthält. Bedrohlich ist das Auftauchen eines unbekannten Hackers, genannt Puppet Master (zu dt. Puppenspieler), der die Sicherheitsbarrieren der Shell überwinden und einige Cyborgs kontrollieren kann. Seine Opfer werden mit falschen Erinnerungen manipuliert, verlieren ihre Identität und begehen Verbrechen für den Puppet Master oder seine Auftraggeber.

Nachdem er verschiedene Staatsbeamte unter seine Kontrolle gebracht hat und mit ihnen die Politik manipuliert, wird die geheime, für Cyberkriminalität zuständige Sektion 9 des Innenministeriums mit der Suche nach dem Puppet Master beauftragt. Doch die gefassten Personen haben keine Erinnerungen an ihre Taten. Major Motoko Kusanagi, die für die Sektion 9 arbeitet und einen fast vollständig künstlichen Körper besitzt, ist auch persönlich bedroht: Ihr künstlicher Körper verleiht ihr übermenschliche Kräfte, macht sie aber gleichzeitig abhängig von der Technik und zu einem potenziellen Ziel für Manipulationen des Puppet Masters. Als menschlicher Wesenskern ist ihr nur ihr Ghost verblieben. Oft denkt sie darüber nach, ob sie überhaupt noch ein Mensch oder nur ein künstliches Wesen mit einem künstlichen Bewusstsein ist.

Wie sich im Zuge der Ermittlungen herausstellt, ist der Puppet Master ein Ghost, der aus unerklärlichen Gründen aus dem Netzwerk selbst entstanden zu sein scheint. Er besitzt kein organisches Gehirn in einer Shell oder in einem bestimmten Körper. Dieses Wesen wird schließlich von der Sektion 9 in einem durch einen Unfall beschädigten weiblichen Cyborg-Körper aufgespürt. Der so verkörperte Puppet Master beantragt politisches Asyl bei Sektion 9. Der Körper wird aber kurz darauf von Sektion 6 entführt. Diese hat die Software erschaffen, aus der der Puppet Master entstanden ist, um damit Hackerangriffe auszuführen. Kusanagi befreit den Puppet Master, auch weil sie an ihm aufgrund ihrer eigenen Identitätskrise interessiert ist. Er offenbart ihr, dass er durch seine Verbrechen versucht hat, die Sektion 9 und Kusanagi auf sich aufmerksam zu machen. Sein Wunsch ist es, seinen Ghost mit jenem von Kusanagi zu verschmelzen, um zu erlangen, was ihm zum Leben fehlt. In einer solchen Verschmelzung sieht er eine Möglichkeit der Erneuerung des Lebens, eine Alternative zur biologischen Fortpflanzung, wie sie ihm und auch Cyborgs wie Kusanagi nicht möglich ist.

Letztendlich findet Kusanagi wohl eine Antwort auf ihre Existenzfrage und auf den Wunsch des Puppet Masters und beide verschmelzen miteinander. Als neues Wesen wird sie, nachdem die alten Shells bei dem Befreiungsversuch zerstört worden sind, von ihrem Kollegen und Vertrauten Batou im Cyborgkörper eines jungen Mädchens reaktiviert. Sie erklärt Batou, was passiert ist, dankt ihm und beginnt ein neues Leben als Neugeborene.

Produktion Der Film wurde 1995 unter der Regie von Mamoru Oshii im Studio Production I.G produziert. Produktionsfirma war außerdem Bandai Visual, die Umsetzung fand unter anderem auch durch Tezuka Production und Tōei statt. Die Finanzierung wurde zu 30 % vom noch jungen britischen Anime-Verlag Manga Entertainment getragen, der sich damit die exklusiven Verwertungsrechte für seinen Markt sicherte.Jonathan Clements: Anime – A History. Palgrave Macmillan 2013. S. 185. ISBN 978-1-84457-390-5. Das Drehbuch schrieb Kazunori Ito nach dem Manga von Masamune Shirow. Hiroyuki Okiura entwarf das Charakterdesign und die künstlerische Leitung hatte Hiromasa Ogura inne.

Bei der Produktion wurde das Compositing der zuvor gescannten Vorder- und Hintergrundbilder digital durchgeführt und danach Effekte ergänzt. Dadurch konnte Oshii auch mit Kameraeinstellungen und -effekten arbeiten, die denen von Realfilmen entsprechen, was im Trickfilm zuvor nicht möglich war. Diese Methode war damals neu und wurde für Ghost in the Shell erstmals in einem Anime eingesetzt, war aber in Hollywood bereits für einige Zeit in Gebrauch. Entgegen der Behauptung der Produzenten im Making-of war die Produktion in ihrer Nutzung digitaler Techniken daher nicht bahnbrechend und auch Anime-Studios wie Tōei Animation setzten parallel bereits auf ähnliche Methoden.Jonathan Clements: Anime – A History. Palgrave Macmillan 2013. S. 195, 198. ISBN 978-1-84457-390-5.

Zitierte Werke und kulturelle Bezüge Literatur Ghost in the Shell enthält zahlreiche Anspielungen und Bezüge zu literarischen und philosophischen Werken. Oshii gab an, die Methode des Einflechtens diverser Bezüge vom französischen Filmemacher Jean-Luc Godard übernommen zu haben, der in seinen Science-Fiction-Film Lemmy Caution gegen Alpha 60 (1965) ebenfalls sehr viele Zitate und kulturelle Anspielungen verwendete.

Motoko Kusanagis Antwort bleibt dem Zuschauer verborgen, dennoch gibt es einen deutlichen Hinweis darauf. Am Ende zitiert sie das Hohelied der Liebe.Ghost In The Shell: 10 Most Amazing Quotes From The 1995 Anime Film Comic Book Resources, aufgerufen am 14. Januar 2022.:

In der neuen deutschen Synchronisation wurden diese Zeilen leicht abgeändert.„In der Kindheit sind auch die Worte kindlich; ist das Denken kindlich, sind die Ansichten kindlich. Doch wird man erwachsen, wirft man das Kindliche ab.“ 42 min. zuvor wird formuliert: „Als blickten wir in einen Spiegel, bleibt das, was wir sehen, verschwommen.“

Weitere literarische Werke, die in dem Film zitiert werden, sind: Der Fänger im Roggen (engl.: The Catcher in the Rye) (1951) Coming-of-Age-Roman von J. D. Salinger Neuromancer (1984) Cyberspace-Roman von William Gibson

Filme 2001: Odyssee im Weltraum (engl. A Space Odyssey) (1968) von Stanley Kubrick Der dunkle Schirm (engl. A Scanner Darkly) (1977) nach ein Science-Fiction-Roman von Philip K. Dick Alien – Das unheimliche Wesen aus einer fremden Welt, Science-Fiction Film von Ridley Scott (1979) soll die Vorlage für das weiße Blut geliefert haben Blade Runner, Science-Fiction Film von Ridley Scott (1982) nach der Romanvorlage Träumen Androiden von elektrischen Schafen? (1968) von Philip K. Dick

Veröffentlichung Ghost in the Shell kam am 18. November 1995 in die japanischen Kinos. Bandai Channel strahlte den Film im japanischen Fernsehen aus. Der Anime wurde unter anderem in Großbritannien, den USA, Spanien und Frankreich im Kino gezeigt und wurde 1996 auf den Filmfestspielen von Venedig vorgeführt.

Rapid Eye Movies veröffentlichte den Film am 15. November 1996 auf Deutsch auf VHS-Kassette, am 7. Januar 2005 wurde Ghost in the Shell von arte erstmals im deutschen Fernsehen gezeigt. Am 1. August 2005 wurde der Film von Panini Video auf DVD veröffentlicht.

Ende Dezember 2014 erschien eine 25-Jahre Jubiläumsedition des Films auf DVD und erstmals auch auf Blu-ray auf Deutsch vom Studio Nipponart. Auf dieser Edition ist die alte sowie neue Synchronisation anwählbar als auch ein Booklet und Making-of enthalten.

Synchronisation Die erste deutsche Synchronfassung von Ghost in the Shell wurde von der Splendid Synchron GmbH aus Köln für die Veröffentlichung auf VHS-Kassette erstellt. Für die DVD-Veröffentlichung des Films wurde vom Berliner Synchronstudio Hermes Synchron GmbH eine neue Übersetzung angefertigt. Bei dieser schrieb Claudia Urbschat-Mingues das Dialogbuch, und Andreas Pollak führte die Dialogregie. Hierfür wurden dieselben Sprecher eingesetzt, die später auch für die Fernsehserie Ghost in the Shell: Stand Alone Complex verpflichtet wurden.

Rolle Japanische Sprecher(Seiyū) Deutsche Sprecher(Alte Synchronisation) Deutsche Sprecher(Neue Synchronisation) Motoko Kusanagi Atsuko Tanaka Luise Charlotte Brings Christin Marquitan Batou Akio Ōtsuka Volker Wolf Tilo Schmitz Togusa Kōichi Yamadera Gregor Höppner Klaus-Peter Grap Aramaki Tamio Ōki Hans-Gerd Kilbinger Hasso Zorn Ishikawa Yutaka Nakano Volker Wolf Erich Räuker Puppet Master Iemasa Kayumi Renier Baaken Detlef Bierstedt Außenminister Masato Yamanouchi K.Dieter Klebsch

Musik Die Filmmusik wurde von Kenji Kawai komponiert. Das Hauptthema des Films ist ein choraler Gesang (, utai) in drei Teilen – Making of Cyborg, Ghost City und Reincarnation – das im Kontrast zum Science-Fiction-Thema des Films steht. Zum einen verwendet dieses eine Melodie basierend auf traditionellen japanischen Volksliedern (, min’yō) ergänzt mit Einflüssen aus der bulgarischen Volksmusik, da die traditionelle japanische Musik keine Choräle kennt, und wird von der Min’yō-Sängerinnengruppe Nishida Kazue Shachū gesungen. Zum anderen ist der Liedtext, der für alle drei Teile derselbe ist, in Altjapanisch gehalten wie in der Gedichtanthologie Man’yōshū aus dem 8. Jahrhundert erhalten und ist trotz der (teilweise futuristischen) Titel dem Text nach ein Hochzeitslied. Der Soundtrack erschien am 22. November 1995 in Japan auf CD.

Das Stück wurde von dem deutschen Drum-and-Bass-Musiker Makai in „Beneath The Mask“ gesamplet und erschien bei dem Label Precision Breakbeat Research. Auch Deadmau5 und Klangkarussell nutzten das Sample in „Intelstat“ und „Sternenkinder“.

Der erste Gesang Making of Cyborg wird dabei im Vorspann verwendet, der zweite Ghost City innerhalb des eigentlichen Films und der dritte im Abspann Reincarnation. In der internationalen Filmversion wurde der Abspanntitel durch One Minute Warning von „The Passengers“, d. h. die Rockband U2 und Brian Eno, ersetzt. In der neuen deutschen Synchronfassung wurde stattdessen wieder das japanische Lied verwendet.

Rezeption Kritiken und Analysen