Das Kleinkastell Hegelohe (in der älteren Literatur auch als „Feldwache bei Wachposten Wp 14/67“ bezeichnet) ist ein römisches Militärlager, das nahe der zum UNESCO-Weltkulturerbe erhobenen Rätischen Mauer errichtet wurde und dessen Reste heute südwestlich des Weilers Hegelohe, Ortsteil von Titting, im Landkreis Eichstätt in Bayern liegen.

Lage und Forschungsgeschichte mini|links|Das Kleinkastell Hegelohe mit seinem weiteren Limesumfeld

Die kleine Anlage wurde auf flachem Terrain an der östlichen Kante des kurzen Östlichen Wassertals direkt an der hier fast genau in südöstliche Richtung laufenden rätischen Mauer errichtet. Vom Kastellplatz aus konnte nicht nur der von Norden nach Süden ausgerichtete Taleinschnitt, sondern auch die sich dort hinunter- und wieder hinaufziehende Grenzbefestigung überwacht werden. Zudem bestand mit dem nur vermuteten östlich gelegenen Wp 14/67 sowie mit dem auf der anderen westlichen Talseite postierten Wp 14/66, dessen Überreste erhalten sind, Sichtkontakt.

Friedrich Winkelmann (1852–1934), ein Streckenkommissar der Reichs-Limeskommission (RLK), erschloss hauptsächlich die steinerne Umwehrung des Kleinkastells. Sein erster Bericht erfolgte 1895. Seither haben dort keine Grabungen mehr stattgefunden.

Baugeschichte Die fast quadratische, 20,25 (20,20) × 20,15 (20,10) Meter große Anlage mit rechtwinkeligen Ecken besitzt einen einzigen 3,25 Meter breiten Einlass in der Mitte der Ostmauer. Dieser wird von zwei Torwangen flankiert, die drei Meter tief und 1,30 Meter breit sind. Im Unterschied zu vielen anderen ähnlichen Kleinkastellen befand sich der Zugang nicht auf der dem Limes gegenüberliegenden Seite, denn dieser verlief in einer Entfernung von 20 bis 26 Metern entlang der Nordmauer. An den Innenflanken der Torwangen konnten als bauliches Details zwei 0,25 Meter hervorspringenden und 0,32 Meter breite steinerne Ansätze beobachtet werden, hinter denen einst wohl die Torflügel angebracht waren. Es konnte festgestellt werden, dass die im besten Fall nur noch zwei bis drei Steinlagen hoch erhaltene Wehrmauer rundum 0,80 Meter stark war. An einigen Stellen ließ sich noch ein 0,10 bis 0,15 Meter weit aus dem Umfassungsmauer hervorspringender Sockel feststellen. In der Nordostecke war das Mauerwerk als Opus spicatum (Fischgrätmuster) gestaltet. Die Mauern selbst waren aus einem mit Ziegelmehl vermischten Mörtel errichtet worden. Die Innenbebauung, die sich wohl in einem zum Tor hin offenen Karree um einen Innenhof gruppierte, wird – wie an anderen Kleinkastellen nachgewiesen – wohl in Holzbauweise ausgeführt worden sein. Ein Graben konnte durch Winkelmann nicht gefunden werden.Ernst Fabricius, Felix Hettner und Oscar von Sarwey (Hrsg.): Der obergermanisch-raetische Limes des Roemerreiches, Abteilung A, Band 7: Die Strecken 14 und 15, Petters, Heidelberg 1933, S. 106.

In dem 1933 erschienenen Grabungskompendium der RLK, dem Der obergermanisch-raetische Limes des Roemerreiches (ORL), wird berichtet, dass als Fundgut lediglich „Scherben gewöhnlichster Art“ und viele Tierknochen zu Tage kamen. Ein quer durch die Anlage gezogener Suchschnitt ließ keine weiteren Bauten erkennen. Auf Verlangen des Waldbesitzers mussten die Ausgräber die Grabungsstätte sofort wieder zuschütten.

Kleinkastelle gehörten neben den Türmen zu den wesentlichen Stützpunkten der römischen Truppe direkt hinter dem Limes. Ihre Besatzung und Nutzung ist in der Regel jedoch unbekannt.

Limesverlauf zwischen dem Kleinkastell Hegelohe und dem Kastell Böhming +Spuren der Limesbauwerke zwischen dem Kleinkastell Hegelohe und dem Kastell Böhming. ORLORL = Nummerierung der Limesbauwerke gemäß der Publikation der Reichs-Limeskommission zum Obergermanisch-Rätischen-Limes Name/Ort Beschreibung/Zustand KKKK = nicht nummeriertes Klein-Kastell Kleinkastell Hegelohe siehe oben Wp 14/67Wp = Wachposten, Wachturm. Die Ziffer vor dem Schrägstrich bezeichnet den Limesabschnitt, die Ziffer hinter dem Schrägstrich in fortlaufender Nummerierung den jeweiligen Wachturm. mini|Wandvorlagen an der Limesmauer zwischen Wp 14/65 und 14/68. In diesem Bereich wird die Turmstelle nur vermutet.Wp 14/67 ungefähr bei Die zwischen Wp 14/65 und Wp 14/68 vermessene Stärke der Limesmauer lag bei 1,15 und 1,30 Meter. Um die Stabilität der Mauer zu gewährleisten, hatten sie die Erbauer im Abstand von 6,90 bis 7,30 Metern mit rechteckige Wandvorlagen ausgestattet, die 0,25 Meter tief und 0,70 Meter breit waren. Wp 14/68 „Östlich von Hegelohe“ mini|links|Lage des Wp 14/68 mini|Grundriss und Profil der Türme Der 6,10 × 4,00 Meter große Steinturm mit seinen 0,80 Meter starken Außenmauern ist konserviert sichtbar.Wp 14/68 (Steinturm) bei Er steht etwas schräg im Verbund mit der nachträglich angebauten Limesmauer, die in diesem Bereich 1,10 Meter breit ist. Da an seiner Rückseite kein ebenerdiger Eingang festgestellt werden konnte, wird der Turm im ersten, nicht erhaltenen Geschoss eine Türe besessen haben, die über eine Leiter erreichbar gewesen ist. Der mächtige, östlich gelegene, ältere Holzturmhügel mit seinem umlaufenden rechteckigen Graben wird von der Mauer durchschnitten.Wp 14/68 (Holzturm) bei Die RLK konnte vor der jüngeren Steinmauer die Palisade feststellen. Der Schuttwall des Limes ist in diesem Bereich gut sichtbar. Wp 14/69 Turmstelle wird vermutet.Wp 14/69 ungefähr bei Wp 14/70 „Nordöstlich von Hirnstetten“ Die Turmstelle wurde festgestellt,Wp 14/70 bei war für Wilhelm Schleiermacher in den 1960er Jahren schlecht erkennbarWilhelm Schleiermacher: Der römische Limes in Deutschland. Ein archäologischer Wegweiser für Autoreisen und Wanderungen. Mann, Berlin 1967, S. 196. und wurde von Dietwulf Baatz in den 1990er Jahren als sehr flacher Turmhügel festgestellt.Dietwulf Baatz: Der römische Limes. Archäologische Ausflüge zwischen Rhein und Donau. Mann, Berlin 1993, ISBN 3-7861-1701-2, S. 304. Wp 14/71 Turmstelle wird vermutet.Wp 14/71 ungefähr bei Wp 14/72 „In der Flur Pfahlheg auf der Höhe nordwestlich von Pfahldorf“ mini|Lage des Steinturms Wp 14/72 Die an die Limesmauer gebaute Turmstelle wurde festgestellt; die Ausgrabung selbst aber nicht genau dokumentiert.Wp 14/72 bei Es ist jedoch heute nichts mehr sichtbar. Wp 14/73 Turmstelle wird vermutet.Wp 14/73 ungefähr bei Im Bereich der kurz danach folgenden modernen Kreuzung deckte das Landesamt für Denkmalpflege 1981 bei Straßenbauarbeiten Teile der Limesmauer sowie einen römischen Kalkofen auf. Heute ist hier nichts mehr zu sehen. Wp 14/74 mini|Schnitt durch den Palisadengraben zwischen den Wachtürmen Wp 14//74 und 14/75 Nur vermutete, archäologisch nicht nachgewiesene Turmstelle östlich von Pfahldorf.Wp 14/74 ungefähr bei Rund 150 Meter südöstlich von dieser Stelle entfernt wird die rätische Mauer im Wald, begleitet von einem Weg, als deutlicher Schuttwall sichtbar.Günter Ulbert, Thomas Fischer: Der Limes in Bayern. Theiss, Stuttgart 1983, ISBN 3-8062-0351-2. S. 91. Wp 14/75 „Östlich von Pfahldorf“ mini|links|Der Limes zwischen den Wachtürmen Wp 14/74 und 14/75 mini|Die Lage des Wachturms Wp 14/75 mini|Grundriss des Wachturms Wp 14/75 50 Meter nach dem Beginn des Schuttwalls werden die Reste von Wp 14/75 sichtbar.Wp 14/75 bei Der rechteckige, 6,60 × 5,80 Meter große Steinturm wurde rund 25 Meter von der Limesmauer entfernt errichtet. Er hatte einen 0,90 Meter breiten, etwas aus der Mitte versetzten ebenerdigen Zugang an seiner Rückseite und besaß zwischen 0,90 und einen Meter starke Mauern. An seiner östlichen Außenseite konnte eine über die gesamte Länge gehende, 0,20 Meter breite Sockelverstärkung festgestellt werden. Im Inneren wurde außerdem in drei Ecken je eine Feuerstelle nachgewiesen. Kurz nach Wp 14/75 macht der Schuttwall des Limes einen leichten Knick nach Südosten.Wp 14/76 mini|100px|links|Die rätische Mauer zwischen Wp 14/76 und Wp 14/77, 2009 mini|Die Limesmauer zwischen Wp 14/75 und Wp 14/76 (links) und zwischen Wp 14/76 und Wp 14/77 (rechts), 1993 Der nächste Wachturm, Wp 14/76, kann ebenfalls nur vermutet werden.Wp 14/76 ungefähr bei Er soll sich am Nordrand einer heutigen, landwirtschaftlich intensiv genutzten Lichtung befunden haben. Von hier bis zu Wp 14/77 tritt der Schuttwall des Limes, je dichter man in den Wald kommt, immer deutlicher aus dem Boden. Bei Wp 14/76 wurde auch ein nachrömischer Kalkofen festgestellt, der mitten in die Limesmauer gesetzt wurde. Hier brannte man das aus den abgebrochenen Limesanlagen gewonnene antike Steinmaterial zu Kalk.Wp 14/77 „Im Bezirk Taferlschlag“ mini|Grundriss des Wachturms Wp 14/77 mini|Der Steinturm Wp 14/77, 1993 Genau an einem Knick der rätischen Mauer liegen die Reste des rechteckigen, 5,95 × 5,20 Meter großen Steinturms Wp 14/77, der 0,50 bis 0,65 m starke Mauern besaß. Die am Wachturm 1,2 Meter breite Limesmauer war nachträglich angebaut worden.Wp 14/77 bei Auf seinem Boden wurden ein Estrich und Feuerstellen vorgefunden. An seiner Rückseite befand sich ein etwas aus der Mitte versetzter, 0,90 m breiter ebenerdiger Eingang. Von hier bis zur Spitze des Bergsporns, wo die rätische Mauer naturbedingt endet, um sich dann im Tal fortzusetzen, kann die Limesmauer als mächtiger Damm, nur gestört von alten Grabungsschnitten und Wegedurchstichen, besucht werden.