Friedrich Schreyvogl (* 17. Juli 1899 in Mauer (Wien), Österreich-Ungarn; † 12. Jänner 1976 in Wien; auch: Friedrich Schreyvogel) war ein österreichischer Schriftsteller, Publizist, Dramaturg und Kulturredakteur.

Schreyvogl war ein katholisch-nationaler Autor und galt als „Vorzeigeautor des Austrofaschismus“.Uwe Baur, Karin Gradwohl-Schlacher, Sabine Fuchs: Macht Literatur Krieg. Böhlau, 1998. Er spielte eine wichtige Rolle bei der nationalsozialistischen Unterwanderung der österreichischen Literatur vor dem „Anschluss Österreichs“ und wurde im Deutschen Reich zum Apologeten des Nationalsozialismus.

Leben Schreyvogl war ein Urgroßneffe von Joseph Schreyvogel. Er studierte Staatswissenschaften unter anderem bei Othmar Spann. 1922 gehörte er zu den Gründungsmitgliedern des von Karl Anton Prinz Rohan gegründeten Europäischen Kulturbundes. Bevor er 1927 Vorsitzender des Katholischen Österreichischen Schriftstellerverbandes wurde, war er Schriftleiter der Zeitschrift Abendland.Gerald Tuma: Vom Ständestaatpoeten zu einem NS-Apologeten. Magisterarbeit, Wien 1996. – Daten der Zeitschrift: Deutsche Monatshefte für europäische Kultur, Politik und Wirtschaft. Gilde-Verlag, Köln / Wien / Berlin. 1927 wurde er Professor für Dramaturgie und Literatur an der Staatsakademie. Ab 1931 war er auch Dozent am Reinhardt-Seminar und von 1935 bis 1938 Konsulent der österreichischen Staatstheater. Schreyvogl war Duzfreund des Bundeskanzlers Kurt von Schuschnigg und von Kardinal Theodor Innitzer.Emmerich Tálos, Ernst Hanisch, Wolfgang Neugebauer: Nationalsozialistische Herrschaft in Österreich 1938–1945. Verlag für Gesellschaftskritik, 1988. In Heinz Kindermanns völkischer Anthologie Des deutschen Dichters Sendung in der Gegenwart (1933) bezeichnete Schreyvogl „Die Dichter als Vorhut der Nation“Heinz Kindermann: Des deutschen Dichters Sendung in der Gegenwart. P. Reclam Jun., 1933. Er spielte bei der nationalsozialistischen Unterwanderung der österreichischen Literatur „eine der verhängnisvollsten Rollen“.Friedbert Aspetsberger, Norbert Frei, Hubert Lengauer: Literatur der Nachkriegszeit und der fünfziger Jahre in Österreich. ÖBV, 1984.

1933 trat Schreyvogl aus dem PEN-Club aus. Er bekleidete das Amt eines Landestreuhänders für das Theater in Wien im Rahmen des VF-Werkes „Neues Leben“.Murray G. Hall: Der Paul Zsolnay Verlag: von der Gründung bis zur Rückkehr aus dem Exil. Niemeyer, 1994. Er erhielt 1935 den Julius-Reich-Preis. Bereits 1934 schloss er sich der illegalen NSDAP in Österreich an, am 31. Mai 1938 beantragte er die reguläre Aufnahme in die Partei und wurde rückwirkend zum 1. Mai desselben Jahres aufgenommen (Mitgliedsnummer 6.187.644).Bundesarchiv R 9361-VIII KARTEI/21121419 Er kooperierte mit der NSDAP,Gerhard Renner: Österreichische Schriftsteller und der Nationalsozialismus (1933–1940): der „Bund der deutschen Schriftsteller Österreichs“ und der Aufbau der Reichsschrifttumskammer in der „Ostmark“. Buchhändler-Vereinigung, 1986. war Denunziant für die ReichsschrifttumskammerReinhold Hangler: Der Fall Franz Karl Ginzkey und Seewalchen: eine Dokumentation. Mauthausen-Aktiv-Vöcklabruck, 1989. sowie Mitbegründer und „Säckelwart“ des nationalsozialistischen Bundes deutscher Schriftsteller Österreichs. 1938 war Schreyvogl mit einem Beitrag im Bekenntnisbuch österreichischer Dichter vertreten, das vom Bund deutscher Schriftsteller Österreichs herausgegeben wurde und in dem die Autoren begeistert den „Anschluss Österreichs“ begrüßten. „Ich will wahrhaftig nichts, als arbeiten“, schrieb er wenige Wochen nach dem „Anschluss“ an Hermann Heinz Ortner, „jetzt haben wir ja Platz genug!“

Schreyvogl übersiedelte zum Film und arbeitete als Dramaturg sowie als Drehbuchverfasser. Sein Werk umfasst auch über 20 Theaterstücke, von denen es viele aber nur bis zur Premiere brachten. Seine frühen Bühnenwerke waren im NS-Staat „wenig erwünscht“, Autoren wie er und Hermann Heinz Ortner galten unter Nationalsozialisten als Lavierer.Carl Zuckmayer (Gunther Nickel, Johanna Schrön): Geheimreport. Wallstein, 2002. Die kluge Wienerin (1941) und Titania (1943) jedoch wurden große Publikumserfolge. Die kluge Wienerin wurde von rund 100 Bühnen über 2000-mal gespielt, 1941/42 erreichte das Lustspiel allein am Deutschen Volkstheater in Wien 64 Aufführungen.

Nach 1945 blieb Schreyvogl im literarischen Leben fest verankert und wusste sich als „unwandelbar katholischer Dichter“ darzustellen. Er bestritt, illegaler Nationalsozialist gewesen zu sein, gab an, zwischen Mai 1938 und Kriegsende der NSDAP angehört zu haben und ersuchte gleichzeitig um Abstandnahme von der Registrierung.Karl Müller: Zäsuren ohne Folgen. Müller, 1990. Im Kabarett „Blattl vorm Mund“ von Helmut Qualtinger und Carl Merz wird Schreyvogls politische „Wendigkeit“ vom katholischen Ständestaat zum Apologeten des Nationalsozialismus als „schwarzbrauner Schreivogel“ karikiert.Helmut Qualtinger, Carl Merz: „Blattl vorm Mund“: Texte für den „Neuen Kurier“. 1946 war er Begründer und Präsident der österreichischen LVG (Literarische Verwertungs-Gesellschaft), die zur Wahrung der literarischen Nutzungsrechte ihrer Mitglieder dient.Hilde Haider-Pregler, Peter Roessler: Zeit der Befreiung: Wiener Theater nach 1945. Picus, 1998. In der Zweiten Republik war er auch in der Kulturredaktion der Wiener Zeitung tätig.Rebecca Unterberger: auf litkult1920er.aau.at, verfasst März 2017, redaktionell ergänzt Februar 2019 Ab 1952 war er Chefdramaturg am Theater in der Josefstadt. und zwischen 1954 und 1959 zweiter Direktor, dann Chefdramaturg des Wiener Burgtheaters.

Von 1956 bis zu seinem Tod im Jahr 1976 war Schreyvogl außerordentliches Mitglied der Akademie der Künste in Berlin (West), Sektion Literatur.Friedrich Schreyvogel. Eintrag bei der Akademie der Künste, Berlin.

Sein ehrenhalber gewidmetes Grab befindet sich auf dem Wiener Zentralfriedhof (Gruppe 40, Nummer 41).Bild des Grabes

Schreyvogl gilt als „wendiger, schnell- und vielschreibender Literat“.Das evangelische Intellektuellenmilieu in Deutschland, seine Presse und seine Netzwerke (1871–1963). Herausgegeben von Michel Grunewald, Uwe Puschner, Peter Lang, Berne 2008, ISBN 978-3-03911-519-8. Auch als Erzähler hat Schreyvogl Bedeutung. Laut Wilpert sind seine Romane „breite Zeitgemälde aus der Zeit vor dem 1. Weltkrieg.“Gero von Wilpert (Hrsg.): Lexikon der Weltliteratur. Deutschsprachige Autoren. Kröner 2004, S. 561. Auch entwickelten sie „den österreichischen Gedanken“.

Werke mini|hochkant=0.9|Grabstätte von Friedrich Schreyvogl Dramen: Der zerrissene Vorhang, 1920 Karfreitag, 1920 Auferstehung, 1921 Der ewige Weg, 1921 Das Mariazeller Muttergottesspiel, 1924 Der dunkle Kaiser, 1927 Johann Orth, 1928 Tod in Genf, 1933 Der Gott im Kreml, 1937 Das Liebespaar, 1939 Die kluge Wienerin, 1941 Die weiße Dame, 1942 Titania, 1943 Die Versuchung des Tasso, 1955 Der Mann im Feuerofen, 1957

Romane: Der Antichrist, 1921 Tristan und Isolde, 1930 Liebe kommt zur Macht, 1932 Franz Grillparzer. Einsamer unter Genießern, 1935 Brigitte und der Engel. Ein Roman für Liebende, 1936 Die Nibelungen, 1940 Eine Schicksalssymphonie, 1941 Der Friedländer. Roman um Wallenstein. Der Braune Buch-Ring, Berlin 1943 Der Sohn Gottes, 1948 Venus im Skorpion, 1961 Ein Jahrhundert zu früh, Das Schicksal Josephs II. 1964 Das Burgtheater. Wirklichkeit und Illusion, 1965 Die Dame in Gold., 1957

Bearbeitungen: „Gasparone“ Dramen von Maxwell Anderson, Lavery

Herausgeber: Franz Grillparzer, Gesammelte Werke, 1957 Ferdinand Raimund, Gesammelte Werke, 1960

Gedichte, Essays, Drehbücher, Operntexte, Übersetzungen

Filmografie (Auswahl) 1936: Die Leuchter des Kaisers 1941: Tanz mit dem Kaiser 1950: Glück muß man haben 1953: Ich und meine Frau 1954: Ewiger Walzer 1957: Der Pfarrer von St. Michael

Literatur Schreyvogl, Friedrich, in: Carl Zuckmayer: Geheimreport. Hrsg. von Gunther Nickel und Johanna Schrön. Wallstein, Göttingen 2002, ISBN 978-3-8353-3857-9, S. 86, S. 280–282.

Weblinks

Einzelnachweise

Kategorie:Autor Kategorie:Publizist Kategorie:Dramaturg Kategorie:Literatur (Deutsch) Kategorie:Literatur (Österreich) Kategorie:Hochschullehrer (Wien) Kategorie:Person (Wiener Zeitung) Kategorie:Innviertler Künstlergilde Kategorie:Mitglied des Österreichischen P.E.N.-Clubs Kategorie:Träger des Großen Bundesverdienstkreuzes Kategorie:Träger des österreichischen Ehrenkreuzes für Wissenschaft und Kunst I. Klasse Kategorie:Mitglied der Reichsschrifttumskammer Kategorie:Träger des Ritterkreuzes des österreichischen Verdienstordens (1934) Kategorie:VF-Mitglied Kategorie:NSDAP-Mitglied Kategorie:Person (Cisleithanien) Kategorie:Österreicher Kategorie:Geboren 1899 Kategorie:Gestorben 1976 Kategorie:Mann