Das Kleinkastell Petersbuch, das auch als Kleinkastell Kaldorf bekannt ist, gehört zu der Kette von ehemaligen römischen Militärlagern, die nahe der zum UNESCO-Weltkulturerbe erhobenen Rätischen Mauer errichtet wurde. Die Befestigung befindet sich heute westlich der Dörfer Kaldorf und Petersbuch im Landkreis Eichstätt in Bayern.

Lage und Forschungsgeschichte mini|links|Lage zum Limes mini|links|KK Petersbuch (oben links) mit seinem östlichen Limesumfeld mini|Das Kleinkastell nach der von Friedrich Winkelmann 1920 veranlassten Vermaßung

Die heute in einem Wald versteckte kleine Anlage wurde an einem südwestlich verlaufenden Stück der Rätischen Mauer, kurz bevor diese in 200 Meter Entfernung einen Knick in westöstliche Richtung macht, errichtet. Unmittelbar neben dem Kleinkastell befinden sich zwei tiefe Dolinen.Günter Ulbert, Thomas Fischer: Der Limes in Bayern. Theiss, Stuttgart 1983, ISBN 3-8062-0351-2, S. 88.

Zur Zeit seiner Erstbeschreibung durch den Pappenheimer Dechanten und Konsistorialrats Michael Redenbacher (1764–1816) und anschließend durch den Archäologiepionier Franz Anton Mayer (1773–1854) ragte das zusammenhängende Mauerwerk des Kleinkastells noch einige Fuß über den Erdboden hinaus. Unter Einheimischen waren die Baureste damals als verlassener Gutshof bekannt.

Friedrich Ohlenschlager (1840–1916), der in den Jahren 1875, 1879, 1880 und 1886 den gesamten Limes in Bayern ablief,Friedrich Ohlenschlager: Die römische Grenzmark in Bayern. In: Abhandlungen der Philosophisch-Philologischen Classe der Königlich Bayerischen Akademie der Wissenschaften 18, München 1890, S. 59 ff.; hier: S. 63. berichtet, dass er in den Grammetsäckern einen viereckigen quadratischen Steinwall von einem halben Meter Höhe sah, der eine Seitenlänge von rund 18 Metern besaß.Friedrich Ohlenschlager: Die römische Grenzmark in Bayern. In: Abhandlungen der Philosophisch-Philologischen Classe der Königlich Bayerischen Akademie der Wissenschaften 18, München 1890, S. 59 ff.; hier: S. 120.

Als Friedrich Winkelmann (1852–1934), ein Streckenkommissar der Reichs-Limeskommission (RLK), im Jahr 1920 die Anlage ergrub, behauptete der Bauer, auf dessen Grundstück das Kleinkastell lag, dass die Ruine der Rest seines ursprünglichen Hofes war, der später nach Kaldorf verlegt wurde. Winkelmann beschränkte sich bei seiner Ausgrabung darauf, die Lage, Größe und Umwehrung beschreiben zu können. Die Einmessung der Befunde nahm ein amtlicher Geometer vor. Nach der Untersuchung wurden die Fundamente wieder zugedeckt. Von dem Viereck blieb anschließend noch ein leichter Wall sichtbar.Ernst Fabricius, Felix Hettner, Oscar von Sarwey (Hrsg.): Der obergermanisch-raetische Limes des Roemerreiches. Abteilung A, Band 7: Die Strecken 14 und 15. Petters, Heidelberg 1933, S. 95 und Tafel 10, Abb. 1 und 2. In dieser Form blieb das Kastell bis heute erhalten.Dietwulf Baatz (Der römische Limes. Archäologische Ausflüge zwischen Rhein und Donau, S. 253), 1974: „Die Umwehrung ist zu erkennen. Sie hat einen flachen Schuttwall hinterlassen.“; Hermann Bierl (Archäologie Führer Deutschland. Bodendenkmäler und Museen, S. 521), 2006: „Südlich des Limes bei zwei Dolinen die schwachen Wälle eines Kleinkastells zu erkennen sind.“

Baubeschreibung Die in Stein ausgebaute Anlage wurde auf ebenem Gelände errichtet. Sie besitzt einen quadratischen, 20,20 × 20,20 Meter (≈ 400 Quadratmeter) umfassenden Grundriss und war mit ihrer Prätorialfront nach Nordosten zum rund 28 Meter entfernten Limes ausgerichtet. An der Nordostseite befand sich auch der einzige Einlass noch erhaltenen einspurigen Zufahrt. Dieser war bei der Grabung Winkelmanns noch erhalten. Über dem 2,50 Meter breiten Tor, das nach innen und außen hervorspringende, einen Meter breite und zweieinhalb Meter tiefe Wangen besaß, erhob sich möglicherweise ein turmartiger Aufbau. Die Umfassungsmauer war 0,90 Meter stark und besaß wohl einen umlaufenden Wehrgang. Alle vier Ecken dieser Mauer waren im rechten Winkel ausgeführt. Als Annäherungshindernis wird ein umlaufender Spitzgraben anzusprechen sein, der an der Durchfahrt aussetzte. Das Innere des Kleinkastells wurde von Winkelmann nicht untersucht. Die noch von Redenbacher in der Mitte der Anlage festgestellte Vertiefung wurde ihm von den Anwohnern als ehemaliger Keller erklärt. Da es seit 1920 keine Untersuchungen mehr gegeben hat, bleiben viele Einzelheiten der Anlage unbekannt. Es ist davon auszugehen, dass die sich wohl um einen Innenhof gruppierende Innenbebauung aus Holz bestand.

Limesverlauf zwischen den Kleinkastellen Petersbuch und Biebig +Spuren der Limesbauwerke zwischen den Kleinkastellen Petersbuch und Biebig. ORLORL = Nummerierung der Limesbauwerke gemäß der Publikation der Reichs-Limeskommission zum Obergermanisch-Rätischen-Limes Name/Ort Beschreibung/Zustand KKKK = nicht nummeriertes Klein-Kastell Kleinkastell Petersbuch siehe oben Vom Kleinkastell bis zum nächsten Turm bleibt die Erhaltung des Schuttdamms der Teufelsmauer „vorzüglich“.Dietwulf Baatz: Der römische Limes. Archäologische Ausflüge zwischen Rhein und Donau, Mann, Berlin 1974, ISBN 3-7861-1064-6, S. 253. Beim Austritt aus dem Wald, kurz vor dem Limesknick, ist sie „von Lesesteinen überhöht, mit Hecken bewachsen und weithin als dominierende Landmarke auf der Albhochfläche zu erkennen“. Wp 14/56Wp = Wachposten, Wachturm. Die Ziffer vor dem Schrägstrich bezeichnet den Limesabschnitt, die Ziffer hinter dem Schrägstrich in fortlaufender Nummerierung den jeweiligen Wachturm. „An der Limesecke bei Petersbuch“ mini|links|Limesknick bei Wp 14/56, Lagemini|Limesknick bei Wp 14/56, Grundriss Bereits Ohlenschlager konnte bei seiner Limesbegehung an diesem Limesknick nichts mehr erkennen. Die RLK ergrub später einen 6,40 × 6,33 Meter großen Steinturm,Wp 14/56 bei an den die Steinmauer nachträglich angebaut worden war. In der ebenfalls eingeknickten Palisade erkannte sie einen Durchgang. Auch der Flechtwerkzaun wurde festgestellt. Heute ist dort nichts mehr zu sehen. Der Schuttwall der Limesmauer ist dagegen von hier an auf knapp drei Kilometer Länge bis hinter Wp 14/59 als schnurgerader, gut sichtbarer, bewachsener Damm in der freien Landschaft zu erkennen. Wp 14/57 Turmstelle wird vermutet.Wp 14/57 ungefähr bei Wp 14/58 Turmstelle wird vermutet.Wp 14/58 ungefähr bei Wp 14/59 „Bei Petersbuch“ mini|links|Wp 14/59, Lagemini|Wp 14/59, Grundriss Redenbacher sah hier noch einen ungewöhnlich mächtigen Schutthaufen, doch konnte ohne eine Ausgrabung keine Bestimmung vorgenommen werden. Die Einwohner von Petersbuch versicherten ihm jedoch, dass das dort liegende Bauwerk schon stark abgetragen sei. Ohlenschlager hingegen konnte die Stelle nicht begehen, da sie von fast undurchdringlichen Haselstauden bewachsen war.Friedrich Ohlenschlager: Die römische Grenzmark in Bayern. In: Abhandlungen der Philosophisch-Philologischen Classe der Königlich Bayerischen Akademie der Wissenschaften 18, München 1890, S. 59 ff.; hier: S. 119. Bei seiner Ergrabung durch die Reichs-Limeskommission wies der sockellose Steinturm eine Breite von 6,50 Metern und eine Tiefe von 5,60 bis 5,70 Metern auf.Wp 14/59 bei Die Mauerstärke betrug 0,85 Meter. An seiner feindwärts gewandten nördlichen Außenfront war der Turm noch 0,85 Meter hoch erhalten, die Innenseite der Nordmauer wies sogar noch eine Höhe von 1,12 Metern auf. An der Nordmauer war ein einfaches und ein doppeltes Opus spicatum erkennbar. An seiner schlecht erhaltenen südlichen Rückseite war das Bauwerk im Inneren nur noch eine Steinreihe hoch. Die Existenz eines ebenerdigen Zugangs konnte aufgrund des schlechten Erhaltungszustandes der Rückseite weder bewiesen noch verneint werden, zumal auch die Außenseite des Mauerwerks nicht freigelegt werden konnte. Das Baumaterial bestand aus gebrochenen und zusammengelesenen Steinen, die roh zugerichtet waren und unregelmäßig verbaut wurden. Es wurde deutlich, dass die an dieser Stelle 1,07 Meter starke Limesmauer nachträglich an den Turm angefügt worden war. Im Turminneren fand sich in der Südwestecke eine Feuerstelle. Der gleiche Befund war vor der Ostseite des Turmes zu machen. An den Feuerstellen fanden sich auch Keramikscherben. Heute ist an diesem Platz nichts mehr zu sehen.Ernst Fabricius, Felix Hettner, Oscar von Sarwey (Hrsg.): Der obergermanisch-raetische Limes des Roemerreiches. Abteilung A, Band 7: Die Strecken 14 und 15. Petters, Heidelberg 1933, S. 99. Das Palisadengräbchen lag hier vor der Limesmauer. Wp 14/60 Turmstelle wird vermutet.Wp 14/60 ungefähr bei Wp 14/61 „Westlich von Eckertshofen“ mini|Lage und Grundriss Soweit er nicht von dem Fahrweg, der über ihn hinwegführte, bedeckt war, konnte der Turm durch Winkelmann ergraben werden.Wp 14/61 bei Trotz dieser Tatsache, dass sich die Ausgrabung damit auf den südlichen Teil des Wachturms beschränken musste, ließ sich dessen vollständiger Umfang ermitteln. Er betrug 5,90 × 7,50 Meter. Die 0,82 Meter starken Wände waren noch bis zu 0,75 Meter hoch erhalten geblieben. Der Turm besaß keine Sockelleiste und offensichtlich auch keinen ebenerdigen Zugang im Süden. Der Limes selbst orientierte sich nach Norden. Das gebrochene Steinmaterial des aufgehenden Mauerwerks ist in gleichmäßigen Lagen gemauert. An der östlichen Außenseite des Turms war der Boden auffallend schwarz. Dort konnte auch eine Anzahl an Keramikscherben geborgen werden. Bereits Redenbacher hatte an dieser Stelle die Limesmauer aufgraben lassen und maß sie mit vier Fuß Breite (≈ 1,17 Meter) ein. Nach seinen Untersuchungen war der Turm an die Mauer angebaut worden. Als später Mayer an diese Stelle kam, fand er noch einen runden, ziemlich hohen Schutthaufen vor, der in seiner Mitte eine trichterförmige Vertiefung besaß.Ernst Fabricius, Felix Hettner, Oscar von Sarwey (Hrsg.): Der obergermanisch-raetische Limes des Roemerreiches. Abteilung A, Band 7: Die Strecken 14 und 15. Petters, Heidelberg 1933, S. 100. Die gleiche Feststellung machte auch Ohlenschlager.Friedrich Ohlenschlager: Die römische Grenzmark in Bayern. In: Abhandlungen der Philosophisch-Philologischen Classe der Königlich Bayerischen Akademie der Wissenschaften 18, München 1890, S. 59 ff.; hier: S. 118. Das Palisadengräbchen wurde 12 Meter vor dem Turm festgestellt.Ernst Fabricius, Felix Hettner, Oscar von Sarwey (Hrsg.): Der obergermanisch-raetische Limes des Roemerreiches. Abteilung A, Band 7: Die Strecken 14 und 15. Petters, Heidelberg 1933, S. 100. Heute ist an dem Platz nichts mehr zu sehen. Wp 14/62 Turmstelle wird vermutet.Wp 14/62 bei Wp 14/63 mini|links|Der rekonstruierte Wachturm 14/63 mini|rechts|Der Gedenkstein zwischen Wp 14/63 und Wp 14/64 Die Turmstelle wird nur vermutet.Wp 14/63 ungefähr bei Jedoch wurde 1992Thomas Fischer, Erika Riedmeier Fischer: Der römische Limes in Bayern. Pustet, Regensburg 2008, ISBN 978-3-7917-2120-0, S. 130. eine steinerne RekonstruktionWp 14/63 (Rekonstruktion) bei . in diesem Bereich, gut 100 Meter östlich der vermuteten Stelle errichtet.Dietwulf Baatz: Der Römische Limes. Archäologische Ausflüge zwischen Rhein und Donau. 4. Auflage, Mann, Berlin 2000, ISBN 3-7861-2347-0, S. 302. Die steinerne Limeswachtürme waren in der Antike weiß verputzt. Mit einem dann aufgetragenen roten Fugenstrich wurde Quadermauerwerk vorgetäuscht. Neben diesem Rekonstruktionsversuch wurde gleichfalls 1992 ein Parkplatz mit Hinweistafeln angelegt und ein 3,5 Kilometer langer Limeslehrpfad eröffnet. Der in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts errichtete Gedenkstein zwischen Wp 14/63 und Wp 14/64 wurde von der Nürnberger Naturhistorischen Gesellschaft restauriert. Wp 14/64 „Im Herlingsharder Wald“ mini|Lage und Grundriss