mini|300px|Tonhalle, Konzertsaal des 31. Niederrheinischen Musikfestes in Düsseldorf Das Niederrheinische Musikfest war eines der bedeutendsten Musikfeste des 19. und 20. Jahrhunderts im Bereich der Klassischen Musik, welches mit einigen meist kriegsbedingten Unterbrechungen jährlich von 1818 bis 1958 zu Pfingsten insgesamt 112 Mal im Wechsel mehrerer Städte im Rheinland stattfand.

Geschichte mini|hochkant|Anzeige des 37. Niederrheinischen Musikfestes in einer niederländischen Zeitung Das Musikfest geht zurück auf die Musikdirektoren Johannes Schornstein aus der vor 1929 noch selbstständigen Stadt Elberfeld (seitdem zu Wuppertal) und Friedrich August Burgmüller aus Düsseldorf, die im Rahmen einer Konzertveranstaltung von Elberfelder und Düsseldorfer Musikern im Jahre 1817 in Elberfeld den Entschluss gefasst hatten, diese Veranstaltung in einem regelmäßigen jährlichen Turnus durchzuführen. Zwei Jahre nach dem Anschluss an das Königreich Preußen und in der musikalischen Epoche der Hochromantik bestand im Rheinland ein immenser Hunger nach Kultur in der Bevölkerung, dem diese Konzertreihe Rechnung tragen sollte.

Auf Initiative von Burgmüller schlossen sich nach dem ersten Erfolg in Elberfeld verschiedene Düsseldorfer Musikvereine zum „Verein für Tonkunst“ und schließlich bereits im Jahre 1818 zum „Städtischen Musikverein e. V.“ unter seiner Leitung zusammen, aus dem sich dann später auch die Düsseldorfer Symphoniker entwickelten. Diese veranstalteten noch zu Pfingsten des gleichen Jahres das offizielle 1. Niederrheinische Musikfest. Es war wiederum ein durchschlagender Erfolg und so entschieden sich die beiden Musikdirektoren für die Beibehaltung dieser Veranstaltung alljährlich zu Pfingsten im Wechsel zwischen Elberfeld und Düsseldorf. Im Jahr 1821 kam die Stadt Köln hinzu, wohingegen Elberfeld mit einer letzten Veranstaltung im Jahr 1827 ausschied, da diese Stadt dem Ansturm an Musikern und Gästen logistisch nicht mehr gewachsen war. Dafür sprang dann im Jahr 1825 die Stadt Aachen ein, die dieses Musikfest zum Anlass nahm, ihr neu errichtetes Theater Aachen mit der Erstaufführung der 9. Symphonie von Ludwig van Beethoven in Deutschland einzuweihen. Im Zeitraum der Revolutionsjahre 1848/49 wurde das Musikfest ebenso wie später während des Ersten Weltkrieges mehrere Jahre aus Sicherheitsgründen abgesagt. In der Zeit des Nationalsozialismus entsprach das Programm nicht den musikalischen Vorstellungen des Regimes, und so wurde es ab 1934 von den Machthabern nicht mehr genehmigt und stattdessen durch die Reichsmusiktage abgelöst, die 1938 und 1939 stattfanden. Erst nach dem Zweiten Weltkrieg wurde das traditionelle Musikfest im Jahr 1946 in Aachen erneut aufgenommen. Anlässlich des Musikfestes im Jahr 1948 trat jedoch Köln aus dem Zyklus aus. Stattdessen sprangen zum einen Wuppertal ein, das nach 1929 aus Barmen und Elberfeld hervorgegangen war und sich deshalb der Tradition verpflichtet fühlte, sowie zum anderen Duisburg, das dann im Jahr 1958 auch die Abschlussveranstaltung des Niederrheinischen Musikfestes organisierte, da von diesem Jahr ab die Veranstaltung endgültig eingestellt werden sollte.

Im Jahr 1984 folgte sodann, initiiert und unterstützt durch den Westdeutschen Rundfunk Köln (WDR), als Neuauflage dieser Konzertreihe zunächst jeweils das „Rheinische Musikfest“ und das „Westfälische Musikfest“, welches ebenfalls eine traditionsreiche Geschichte in der preußischen Zeit des Rheinlandes nachweisen kann. Beide Musikfeste wurden dann später ab 2006 vollends unter der Schirmherrschaft des WDR gemeinsam als „WDR-Musikfest“ mit einem umfangreicheren und zeitgemäßen Programm zusammengefasst.

Das Niederrheinische Musikfest verlief anfänglich über zwei Tage, wurde aber auf Grund der großen Resonanz seit dem Jahr 1826 bis zur Einstellung dieser Konzertreihe im Jahr 1958 auf die gesamten drei Tage des Pfingstwochenendes ausgedehnt. Zwischenzeitlich, im Jahre 1834, hatte der preußische König Friedrich Wilhelm III. aus pietistischen Gründen untersagt, dieses Fest an den Pfingsttagen abzuhalten. Durch Vermittlung des Prinzen Friedrich von Preußen, welcher ein Kunst liebender in Düsseldorf residierender Neffe des Königs sowie Protektor der Düsseldorfer Kunst-, Musik- und Theatervereine war, konnte ab 1836 die Veranstaltung wie gewohnt wieder an den Pfingstfeiertagen durchgeführt werden, allerdings mit der Auflage, „dass am Morgen des ersten Feiertages keine Musikprobe gehalten, am Abend des ersten Tages immer, wie bisher, ein Oratorium und auch am anderen Tage nur klassische Werke der Tonkunst ausgeführt, überhaupt aber alle Störungen der kirchlichen Feier der Festtage vermieden werden“.

Charakteristik mini|Gedenkmünze zum 15. Niederrheinischen Musikfest, 1833: Rhenus als Personifikation der Rheinlande erhält von Euterpe, der Muse der Musik, deren Attribut, die Doppelflöte. Das Niederrheinische Musikfest verstand sich von Anfang an als ein gesellschaftlich kultureller Höhepunkt auf hohem künstlerischem Niveau. Den in- und ausländischen Gästen sowie den anwesenden Mitgliedern des Hochadels, einflussreichen Politikern und Geschäftsleuten sowie musikalisch bewanderten Bürgern wurde alles geboten, was zur jeweiligen Zeit in der Musik eine bedeutende Rolle spielte. Außer den örtlich amtierenden Musikdirektoren traten dabei als Festspielleiter oder Gastdirigenten oftmals die großen Komponisten persönlich auf, ebenso wie auch bekannte Virtuosen. Immer wieder wurde diese Veranstaltung auch als Podium für Erstaufführungen oder Neueinspielungen von Werken bekannter Persönlichkeiten aus der Musikszene sowie als Chance zur Einführung von weniger bekannten Komponisten oder Solisten genutzt. Den Schwerpunkt bildete die Aufführung der Musik der vergangenen Epochen des Barocks und der Wiener Klassik sowie der aktuellen Musikstile besonders in Form der großen symphonischen Werke. Die Festspielleitung verschloss sich aber auch nicht, zukunftweisende Neuerungen, wie beispielsweise später die Neue Musik, mit einzubauen. Einen weiteren und maßgeblichen Schwerpunkt bildete die geistliche Musik in Form der großen Messen, Oratorien, Chorälen und Kantaten ebenso wie der Genuss der Kammermusik in einem mehr privat familiären Rahmen und ab 1833 die Matinees.

Dies alles brachte es mit sich, dass an den jeweiligen Veranstaltungen insgesamt zwischen 400 und manchmal deutlich mehr als 600 Orchester- und Chormusiker beteiligt waren, was einschließlich der anreisenden Gäste eine lukrative Einnahmequelle für das Hotel- und Gaststättengewerbe aber auch eine finanzielle und logistische Herausforderung für die Festspielleitung bedeutete.

Chronologie Im Folgenden eine Chronologie der Niederrheinischen Festspiele im Einzelnen, so wie sie aus den verschiedenen Quellen hervorgeht, wobei allerdings die Einträge unter „Besonderheiten“ nur eine grobe Auswahl darstellen können.