mini|Manuka-Honig mini|Manuka-Honig verschiedener neuseeländischer Hersteller Manuka-Honig ist ein von Honigbienen aus dem Blütennektar der Südseemyrte (Manuka) erzeugter Honig, der traditionell als Naturheilmittel verwendet wird.M. Doerler, S. Reich-Schupke, P. Altmeyer, M. Stücker: Impact on wound healing and efficacy of various leg ulcer debridement techniques. In: Journal der Deutschen Dermatologischen Gesellschaft. Band 10, Nummer 9, 2012, S. 624–632, . . PMID 22591415. In vitro konnten antibakterielle Eigenschaften des Honigs nachgewiesen werden. Die Südseemyrte (lat.: Leptospermum scoparium), eine Verwandte des australischen Teebaums, hat ihre Heimat in den entlegenen, bergigen Regionen Neuseelands und Südost-Australiens.
Geschichte Die Ureinwohner Neuseelands, die Maori, verwenden traditionell Blätter und Rinde bzw. Auszüge daraus sowie den Honig des Manuka-Baums äußerlich zur Desinfektion und Unterstützung der Heilung von Wunden und Entzündungen, ferner innerlich bei Erkältungen, Blasenentzündungen und anderen Infektionen. Neuseeländische Farmer sollen bereits in den 1930er Jahren Manuka-Honig an ihre Kühe verfüttert haben, um diese robuster gegen Krankheiten zu machen.
Mit der steigenden internationalen Nachfrage erhöhte sich der Preis von 37 NZD für ein Kilo im Jahr 2010 auf über 100 NZD im Jahr 2015. Die Zahl der Imker wuchs sprunghaft und die Menge an produziertem Honig erreichte 2015 20.000 Tonnen. Mit der wachsenden Konkurrenz um die begrenzte Zahl an Futterpflanzen kam es zu zahlreichen Konflikten und steigender Kriminalität im Manuka-Imkermilieu. Dabei wurden allein 2015 hunderte Bienenvölker vergiftet oder gestohlen.Eleanor Ainge Roy: "Honey wars: crime and killings in New Zealand's booming manuka industry" The Guardian vom 4. November 2016
Inhaltsstoffe mini|Einheimische Biene auf einem Blütenzweig eines Manuka-Baums in Neuseeland mini|Strukturformel von Methylglyoxal (MGO)
Die wesentlichen Inhaltsstoffe des Manuka-Honigs sind neben den Zuckern des Honigs in wechselnden Mengen das nicht-peroxidisch antibakteriell wirksame Zuckerabbauprodukt Methylglyoxal (MGO).S. J. Kilty, M. Duval, F. T. Chan, W. Ferris, R. Slinger: Methylglyoxal: (active agent of manuka honey) in vitro activity against bacterial biofilms. Int Forum Allergy Rhinol. 2011, 1(5), S. 348–350, PMID 22287464. Methylglyoxal entsteht in der Honigwabe durch Dehydratation des im Nektar der Blüten des Manukastrauchs enthaltenen Stoffes Dihydroxyaceton (siehe unten). Im Nektar selbst ist noch kein Methylglyoxal vorhanden. Offenbar entwickelt sich dieser Stoff erst nach der Aufnahme des Nektars durch die Bienen und dem Transport in den Bienenstock.
In Arbeiten des Instituts für Lebensmittelchemie der Technischen Universität Dresden konnte die Konzentration des Stoffwechselproduktes Methylglyoxal in bestimmten Manuka-Honigen aus Neuseeland gemessen und dessen antibakterieller Einfluss quantitativ in vitro nachgewiesen werden.Elvira Mavric, Silvia Wittmann, Gerold Barth, Thomas Henle: Identification and quantification of methylglyoxal as the dominant antibacterial constituent of Manuka (Leptospermum scoparium) honeys from New Zealand, in: Mol. Nutr. Food Res., Band 52, Nr. 4, 1. April 2008, S. 483–489, doi:10.1002/mnfr.200700282 Besonders bakterizide Eigenschaften wurden gegen die Erreger Staphylococcus aureus und Escherichia coli festgestellt. Für Methylglyoxal wurde die minimale Hemmkonzentration gegenüber beiden Keimen ermittelt als 1,1 Millimol pro Liter (entsprechend 75 Milligramm Methylglyoxal pro Kilogramm). Der mittels einer HPLC-Methode ermittelte Methylglyoxal-Gehalt war in Manuka-Honig mit 20 bis 800 Milligramm pro Kilogramm bis zu 100fach höher als in konventionellen Honigsorten. In kleineren Studien hat der Honig auch Wirkungen gegen Helicobacter pylori, gegen chronische Wunden und Hautinfektionen gezeigt.P. E. Lusby, A. Coombes, J. M. Wilkinson: Honey: a potent agent for wound healing? In: Journal of wound, ostomy, and continence nursing: official publication of The Wound, Ostomy and Continence Nurses Society / WOCN. Band 29, Nummer 6, November 2002, S. 295–300, , PMID 12439453 (Review).
Methylglyoxal hat aufgrund seiner molekularen Eigenschaften – im Gegensatz zu Wasserstoffperoxid – eine hohe Stabilität. Man kann den Honig sogar erhitzen, ohne den Methylglyoxalgehalt zu verringern.
Forscher der Universität von Waikato (Neuseeland) fanden heraus, dass Methylglyoxal hauptsächlich durch einen katalytischen Effekt entsteht. So lösen verschiedene Anionen offenbar im „jungen“ Manuka-Honig eine Dehydratation des Inhaltsstoffes Dihydroxyaceton (DHA) zu Methylglyoxal aus. Dieser Prozess findet nach Einbringen des Honigs in den Bienenstock statt. Die MGO-Konzentration im „reifen“ Honig korreliert mit der DHA-Konzentration im Nektar, welche wiederum von Strauch zu Strauch schwankt. Die TU Dresden hat ein Messverfahren entwickelt, mit dem sich die durch Lagerung erzielbare MGO-Konzentration im Honig vorhersagen lässt. Dies könnte mittelfristig zur gezielten Züchtung und zum Anbau von Manukasträuchern führen und dadurch die Produktion eines hochwirksamen Honigs ermöglichen.Christopher J. Adams, Merilyn Manley-Harrisa, Peter C. Molan: The origin of methylglyoxal in New Zealand manuka (Leptospermum scoparium) honey. In: Carbohydrate Research. 344(8), 2009, 1050-3. , PMID 19368902, .
Der Honig aus dem Nektar der verwandten Kunzea-Art Kanuka kann kein MGO entwickeln; es fehlt DHA als Ausgangsstoff für die MGO-Synthese. Da aber die Pollen von Manuka und Kanuka praktisch nicht zu unterscheiden sind, wird auch Kanuka-Honig häufig als Manuka-Honig ausgewiesen. In der freien Natur Neuseelands wachsen Kanuka und Manuka oft in unmittelbarer Nachbarschaft, blühen aber nacheinander. Die Imker lassen teilweise die Bienenstöcke in der Nähe dieser Mischvegetation stehen, so dass auch durch die natürliche Mischung der Trachten Honige unterschiedlichen MGO-Gehalts entstehen.
Die ferner im Manuka-Honig enthaltenen Phenolcarbonsäuren (etwa Kaffeesäure, Ferulasäure, Syringasäure) und Flavonoide (Quercetin, Isorhamnetin, Luteolin) kommen in geringen Konzentrationen vor, ohne eine antibakterielle Wirkung zu entfalten.
Dagegen wurde vom Honig anderer Spezies der Gattung Leptospermum eine vergleichbare antibakterielle Wirkung bestätigt.Researchers Abuzz About High Levels of Antibacterial Activity in Australian Honey, auf: SciTechDaily vom 24. Oktober 2019, Quelle: University of Technology Sydney
Nicht-peroxidische antibakterielle Wirkstärke Kommerzielle Manuka-Honige werden hinsichtlich ihrer nicht-peroxidischen antibakteriellen Aktivität mit einem sogenannten = UMF (übersetzt „einzigartiger Manuka-Faktor“) gekennzeichnet, welchen der neuseeländische Verband Unique Manuka Factor Honey Association (UMFHA) an Lizenznehmer für entsprechende Honigqualitäten vergibt.http://www.umf.org.nz/. Zur Bestimmung dieses Faktors wird die antibakterielle Wirkung des Manuka-Honigs mit der einer Phenollösung verglichen: beispielsweise hat ein Manuka-Honig UMF® 20+ die gleiche nicht-peroxidische antibakterielle Wirksamkeit in-vitro wie eine 20-prozentige phenolische Lösung.Detlef Mix: Die Heilkraft des Honigs. 2. Auflage, Herbig, München 2006, ISBN 3-7766-2498-1, S. 70 ff. Im Gegensatz zur MGO-Messung handelt es sich hierbei um eine Messung der Wirksamkeit ohne Zugrundelegung eines speziellen Inhaltsstoffes. Zur Referenzmessung benötigt man mindestens zwei Petrischalen mit gleichen Bakterienkulturen und misst nach der Behandlung mit Honig bzw. Phenol die Größe des entstandenen Hofes. Die Methode wird in Neuseeland heute noch von einigen Firmen angewandt, hat aber den Nachteil, dass wegen der physikalischen Rahmenbedingungen (Abweichungen der Bakterienkulturen, Ungenauigkeiten in der Kreisbildung des jeweiligen Hofes) die Ergebnisse stark variieren können, so dass erst mehrere Messungen einen annähernd verlässlichen Mittelwert ergeben.
2006 wurde an der Technischen Universität Dresden Methylglyoxal (MGO) als antibakteriell aktive Komponente im Manuka-Honig identifiziert.E. Mavric: Dissertation 2006, S. 75. Die mit einer eigens entwickelten HPLC-Methode gemessenen Konzentrationen betrugen je nach Sorte des Manuka-Honigs zirka 20 bis 800 Milligramm pro Kilogramm. Auch konnte eine Korrelation zwischen den nach der UMF-Methode ermittelten Werten und den gemessenen Methylglyoxalgehalten hergestellt werden. Die Firma Manuka Health New Zealand Ltd. charakterisiert den Methylglyoxalgehalt der von ihr vertriebenen Manuka-Honige mit dem Markenzeichen MGO®, gefolgt von einer Zahl, die den Mindestgehalt an Methylglyoxal in Milligramm pro Kilogramm Honig angibt. Andere Anbieter folgen mittlerweile dieser Methodik, indem sie ebenfalls einen MGO-Wert (Methylglyoxalgehalt) zur Charakterisierung der nicht-peroxidischen antibakteriellen Wirkstärke angeben. Ferner wird der Methylglyoxalgehalt auch als Basis für die rechnerische Ermittlung des UMF-Werts verwendet anstelle dessen experimenteller Ermittlung mittels des Hemmhoftests. Beziehung zwischen Unique Manuka Factor UMF und Methylglyoxalkonzentration MGO (mg/kg) in Manuka-Honig UMF 5+ 10+ 15+ 20+ 25+ MGO ≥ 83 ≥ 263 ≥ 514 ≥ 829 ≥ 1200 Unique Manuka Honey Association: .
Die Bedeutung des Methylglyoxalgehaltes im Manuka-Honig wurde sowohl hinsichtlich der antibakteriellen Wirksamkeit als auch der toxikologischen Unbedenklichkeit kontrovers diskutiert.Peter Molan: MGO Level Not Good Indicator of Honey’s Antibacterial Activity, 30. Januar 2008.Pharmacy Today, Pressemitteilung: , 5. März 2012. Der Lebensmittelchemiker Thomas Henle von der TU Dresden hält die in Manuka-Honigen gefundenen 300 bis 700 mg pro Kilogramm „für den menschlichen Organismus (…) möglicherweise nicht mehr unbedenklich“. Zudem könne es sein, „dass der Manuka-Baum das Methylglyoxal selbst produziert – als Schädlingsabwehr oder durch Stress“. Auch Mikroorganismen von Bienen oder sogar synthetische Produktion und anschließende Beimischung könnten die hohen MGO-Gehalte erklären.Mit goldgelbem Bienensaft gegen Bakterien In: KONTAKT – online, Das Absolventenmagazin der TU Dresden, Ausgabe 2/2006.
Fertigprodukte Im August 2005 wurde ein zur Behandlung von Wunden ausgewiesenes Fertigpräparat unter der Bezeichnung Medihoney europaweit als Medizinprodukt zugelassen. Medihoney wird aus dem Blütennektar verschiedener Leptospermum-Arten gewonnen und enthält als weitere Komponente einen Blütenhonig mit einem hohen Anteil des Enzyms Glucose-Oxidase. Medihoney ist eine eingetragene Warenmarke von Derma Sciences und wird zur Behandlung von Brandwunden und zum generellen Wundmanagement vermarktet.About Derma Sciences Inc.S. Windsor, M. Pappalardo, P. Brooks et al.:A convenient new analysis of dihydroxyacetone and methylglyoxal applied to Australian Leptospermum honeys. In: Journal of Pharmacognosy and Phytotherapy. Bd. 4 (1), 2012, S. 6–11. Das Gemisch wird durch Bestrahlung keimfrei gemacht. Der Hersteller hatte in dem vorausgegangenen Zertifizierungsverfahren behauptet, die Wirkung beruhe auf dem osmotischen Effekt, käme also auf rein physikalischem Wege zustande. Dies wird nach den heutigen Kenntnissen über die antibakteriellen Eigenschaften des Inhaltsstoffes Methylglyoxal und dessen hohen analytisch nachgewiesenen Konzentrationen im Handelspräparat in Frage gestellt.
Für eine arzneiliche Verwendung von Manuka-Honig existieren keine zugelassenen Fertigarzneimittel, so dass ein Bezug nur als Rezeptur bzw. verlängerte Rezeptur in der Apotheke zulässig ist.
Manuka-Honig wird ferner gesundheitsbezogen als Lebensmittel angeboten sowie kosmetisch in Hautpflegepräparaten verwendet.
Anwendungsgebiete