mini|Regimentskaserne in Worms, um 1900 mini|Ältere Regimentsfahne

Das Infanterie-Regiment „Prinz Carl“ (4. Großherzoglich Hessisches) Nr. 118 war seit 1872 ein Infanterieverband des Großherzoglich Hessischen Kontingents innerhalb der Preußischen Armee, dessen Geschichte auf das Jahr 1791 zurückgeht.

Geschichte Errichtet wurde der Verband am 23. Januar 1791 (Stiftungstag) als Regiment „Erbprinz“ in der Landgräflich Hessischen Armee unter Landgraf Ludwig X. von Hessen-Darmstadt. Es formierte sich zunächst zu zwei Bataillonen mit je vier Kompanien. Nach dem Beitritt von Hessen-Darmstadt zum französisch dominierten Rheinbund wurde der Verband nach französischem Vorbild uniformiert in ein Infanterieregiment nach französischem Muster umgegliedert. Im Jahre 1806 erhielt es den Namen „Brigade Groß- und Erbprinz“. Zwei Jahre darauf wurde es in Regiment „Groß- und Erbprinz“ umbenannt, bis es sich schließlich am 11. April 1830 zum 4. Infanterie-Regiment formierte.

Nach dem Ende des Deutschen Bundes unterstellte der Großherzog von Hessen mit einer Militärkonvention seine Truppen dem König von Preußen. Die hessischen Truppen wurden zur 25. Division zusammengefasst und in das Namensschema der Preußischen Armee eingefügt. Das Regiment trug ab dem 25. Oktober 1871 die Bezeichnung 4. Infanterie-Regiment „Prinz Carl“ (Nr. 118) und wurde zum 1. Januar 1872 in den Verband der Preußischen Armee eingegliedert. Es formierte sich zu drei Bataillonen mit je vier Kompanien. Am 28. November 1906 erhielt es seine letzte Bezeichnung Infanterie-Regiment „Prinz Carl“ (4. Großherzoglich Hessisches) Nr. 118. Namensgeber war Prinz Karl Wilhelm Ludwig von Hessen, der Vater von Großherzog Ludwig IV. von Hessen. Er war seit dem 31. August 1836 Inhaber des Regiments gewesen.

Garnison mini|Erinnerungstafel an der ehemaligen Prinz-Carl-Kaserne in Worms mini|Hofansicht der ehemaligen Prinz-Carl-Kaserne (heute: Prinz-Carl-Anlage) in Worms

Ursprünglich war das Regiment in Mainz stationiert. 1872 wurde zunächst das II. Bataillon nach Worms verlegt und in der innerstädtischen Pfalzgrafenkaserne untergebracht. Wegen deren räumlichen Enge wurde 1897 eine neue Kaserne in Nachbarschaft zum Heereslazarett errichtet. Diese wurde im selben Jahr unter der Bezeichnung Prinz-Carl-Kaserne eingeweiht. Nach dem Ersten Weltkrieg zogen dort die Franzosen ein und nannten sie Caserne de Vallieres. 1936 übernahm die Wehrmacht die Kaserne und nannte sie nach der Schlacht um den Kemmelberg in Flandern, an dem das alte Infanterie-Regiment Nr. 118 teilgenommen hatte, Kemmel-Kaserne. Nach dem Zweiten Weltkrieg diente die Kaserne kurzzeitig den Amerikanern als Kriegsgefangenenlager, dann wurde sie an die französische Besatzungsmacht übergeben und hieß fortan Quartier Foch. 1951 übernahmen abermals die Amerikaner die Kaserne und nannten sie ab 1956 Taukkunen Barracks. Sie fügten einige Bauten hinzu. 1996 zogen die Amerikaner endgültig ab und das nun Prinz-Carl-Anlage benannte Gelände wurde für ein Hotel und Gewerbebetriebe umgenutzt.

Erster Koalitionskrieg Während des Ersten Koalitionskrieges nahm das Regiment am Feldzug gegen die Franzosen am Mittelrhein und an der Lahn teil. Dabei kam es am 11. November im Gefecht bei Kreuznach und am 2. Dezember 1795 bei Planig zum Einsatz. Am 4. Juni stand es im Gefecht bei Neustadt an der Wipper und am 9. September 1796 beteiligte sich der Verband an der Eroberung der Platte bei Wiesbaden.

Koalitionskriege Gemäß den mit Napoleon Bonaparte abgeschlossenen Verträgen kämpfte das Regiment auf französischer Seite in Spanien und im Feldzug nach Russland. Ebenso noch in der Völkerschlacht bei Leipzig. Vom 13. März bis 4. Mai 1814 zog das Regiment gegen Frankreich und war an der Einschließung der Festung Mainz beteiligt. Das I. Bataillon gelangte am 23. Juni bei Rheinzabern sowie am 28. Juni 1815 bei Straßburg zum Einsatz. Das II. Bataillon nahm vom 2. Juli bis 10. August 1815 an der Belagerung von Neu-Breisach und vom 15. bis 26. August 1815 an der Belagerung von Hüningen teil.

Schleswig-Holsteinischer Krieg 1848 trat das Regiment seinen Ausmarsch in die Herzogtümer Schleswig und Holstein an, ohne jedoch aktiv in die Kämpfe einzugreifen.

Deutsche Revolution 1848/49 Anlässlich der revolutionären Unruhen rückte das Regiment aus und besetzte am 29. Mai 1849 Worms. Im Zuge der Badischen Revolution kam es am 30. Mai zu Gefechten mit Aufständischen bei Hemsbach, in die die 5. und 6. Kompanie verwickelt war. Gemeinsam mit preußischen Truppen nahm das Regiment in der Folgezeit an den Gefechten bei Weinheim, Großsachsen und Gernsbach teil.

Deutscher Krieg 1866 Während des Deutschen Krieges kämpfte das Regiment im Deutschen Bund gegen Preußen. Dabei kam es am 13. Juli bei Frohnhofen und am 25. Juli 1866 bei Gerchsheim zu Kampfhandlungen.

Deutsch-Französischer Krieg 1870/71 Während des Krieges gegen Frankreich nahm das Regiment zunächst an der Schlacht bei Gravelotte und der Belagerung von Metz teil. Im Anschluss daran kämpfte es bei Noisseville, Coulours, Orléans und während der Schlacht bei Beaugency auf dem linken Ufer der Loire. Dabei nahm es am 9. Dezember 1870 am Sturm auf Chambord teil. Dieses Ereignis wurde vom Regiment jährlich gefeiert, Regimentskommandeur Karl von Behr (ab 1910) dichtete dafür ein Nibelungen-LiedKoch, S. 86f. und zum 25. Jahrestag wurde das Ereignis zu einem Jubiläumsschauspiel verarbeitet.

Das Regiment wurde nach dem Krieg 1872 in Worms stationiert und erhielt dort 1897 einen Kasernenneubau, heute: Prinz-Carl-Anlage.Koch, S. 86f.

Erster Weltkrieg Bei Ausbruch des Ersten Weltkriegs machte der Verband am 2. August 1914 als Teil der 50. Infanterie-Brigade (2. Großherzoglich Hessische) der 25. Infanterie-Division mobil. Es marschierte in das neutrale Belgien ein und beteiligte sich hier an den Kämpfen bei Longlier und Neufchâteau. Daran schloss sich die Schlacht an der Maas sowie an der Marne an. Am 11. Oktober 1914 war das Regiment in Stellungskämpfe bei Damremy-Soyécourt/Vesle-Somme-Avre verwickelt. Am Abend des 17. Dezember 1914 wurde die 17. Reserve-Division im Stellungskrieg bei Roye zwischen Saint-Mard und dem damaligen Saint-Aurin, das heutige L’Échelle-Saint-Aurin nachdem es mit dem einstigen Nachbarort L’Échelle verschmolz, durch die 25. Division abgelöst. Die Stellung des Infanterie-Regiment „Lübeck“ (3. Hanseatisches) Nr. 162 übernahm das Infanterie-Regiment „Prinz Carl“ Nr. 118.Otto Dziobek: Geschichte des Infanterie-Regiments Lübeck (3. Hanseatisches) Nr. 162. erste Auflage 1922. Am 7. März änderte sich das Unterstellungsverhältnis. Das Regiment kam nun zur 112. Infanterie-Brigade der neugebildeten 56. Infanterie-Division. Zunächst noch an der Westfront eingesetzt, verlegte das Regiment im Mai 1915 an die Ostfront und beteiligte sich hier u. a. an den Schlachten bei Gorlice-Tarnów und Lemberg. Ende Juni 1915 erfolgte die Rückverlegung an die Westfront. Zunächst noch in Reserve gehalten, kam das Regiment Ende September in der Herbstschlacht in der Champagne zum Einsatz. Am 25. September war es in Kämpfe bei Sommepy-Tahure verwickelt. Daran schloss sich bis Ende April 1916 Stellungskämpfe in der Champagne an. Ende Mai 1916 trat es dann in die Kämpfe um Verdun ein. Dort kämpfte es am 5. August am Thiaumont-Rücken. Nach Stellungskämpfen in Flandern und Artois nahm das Regiment an der Schlacht an der Somme teil. Während der anschließenden Stellungskämpfe in der Champagne erhielt das Regiment eine 2. und 3. MG-Kompanie.

In der Osterschlacht bei Arras kämpfte am 9. April 1917 zunächst nur das I. Bataillon bei Vimy. Am 23. April 1917 wurde dort das komplette Regiment eingesetzt. Der Verband lag dann die kommenden Monate bis April 1918 in Stellungskämpfen und beteiligte sich an der Schlacht um den Kemmel. Nach schweren Verlusten in den Abwehrschlachten in Flandern mussten am 8. Oktober 1918 die 4., 6. und 12. Kompanie aufgelöst werden, da kein Ersatz mehr nachgeführt zur Verfügung stand.

Verbleib Nach Kriegsende marschierten Reste des Regiments in die Heimat zurück. Da die bisherige Garnison Worms in der nunmehrigen entmilitarisierten Zone lag, stand diese nicht mehr zur Verfügung. Das Regiment musste daher auf einen rechtsrheinischen Standort ausweichen und traf am 20. Dezember 1918 in Bensheim ein. Im Januar 1919 erfolgte die Demobilisierung und das Regiment wurde offiziell am 10. Mai 1919 aufgelöst. Aus demobilisierten Teilen bildete sich im Januar 1919 ein Freiwilligen-Bataillon, auch Freiwilligen-Bataillon „von Goessel“ genannt, mit MG- und MW-Kompanie. Nach der Aufstellung trat diese Einheit zum Freikorps Hessen über. Im Zuge der Bildung der Vorläufigen Reichswehr folgte die Übernahme als II. Bataillon in das Reichswehr-Schützen-Regiment 35.

Kommandeure mini|hochkant|Wilhelm König