Oxkintoc (auch Oxkintok) ist eine bedeutende Ruinenstätte der Maya in Mexiko. Sie befindet sich auf der Halbinsel Yucatán im Bundesstaat Yucatán, rund 70 Kilometer südlich von Mérida und rund 5 Kilometer östlich der Kleinstadt Maxcanú. Die Bedeutung des Namens ist mehrdeutig: ox ist im yukatekischen Maya das Zahlwort „drei“, kin die Bezeichnung für Sonne oder Tag, während tok je nach Aussprache mehrere Bedeutungen hat.

Forschungsgeschichte Die erste schriftliche Erwähnung stammt bereits vom Ende des 16. Jahrhunderts, als der Franziskaner Alonso Ponce auf einer weite Teile Mexikos umfassenden Inspektionsreise Oxkintoc besichtigte. Sein Begleiter und Sekretär Antonio de Ciudad Real beschrieb Einzelheiten der Ruinen mit einiger Präzision.Antonio de Ciudad Real: Tratadio curioso y docto de las grandezas de la Nueva España. Universidad Nacional Autónoma de México, México 1876. 2 Bände. Bd. 2, S. 351. Der nordamerikanische Entdeckungsreisende John Lloyd StephensJohn L. Stephens: Incidents of travel in Yucatan. Dover Publications, New York 1963, ISBN 0-486-20926-1. Bd. 1 S. 124–128. hinterließ eine Schilderung des Satunsat-Gebäudes. Auch Teobert MalerTeobert Maler: Península Yucatán. Hrsg. Hanns J. Prem. Gebr. Mann, Berlin 1997, ISBN 3-7861-1755-1, S. 235–236., der den Ort 1893 aufsuchte, beschrieb nur wenig mehr. Die erste ausführliche Untersuchung leistete Harry E. D. Pollock.Harry E. D. Pollock: The Puuc. An architectural survey of the hill country of Yucatan and northern Campeche, Mexico. Peabody Museums of Archaeology and Ethnology, Cambridge, Mass. 1980, ISBN 0-87365-693-8, S. 281–341. Von 1986 an war die Spanische archäologische Mission in Mexiko in Oxkintoc tätig; ihre Ergebnisse sind ausführlich veröffentlicht worden.Misión Arqueológica de España en México: Oxkintoc Ministerior de Cultura, Madrid 1987–1992, 4 Bde. ISBN 84-7483-808-8.Miguel Rivera Dorado: Notas de arqueología de Oxkintok. In: Hanns J. Prem (Hrsg.): Hidden Among the Hills: Maya Archaeology of the Northwest Yucatán Península. Fleming, Möckmühl 1994, ISBN 3-924332-09-6, S. 44–58. Ab 1994 fand für einige Jahre in Oxkintoc ein großes mexikanischen Restaurierungsprogramm unter Ricardo Velázquez statt.

Die Stadt mini|300px|Oxkintoc, Blick auf Gruppe May von Norden Oxkintoc ist eine in viele Gruppen von Bauten gegliederte Stadt. Sie liegt am südlichen Abhang der Hügelkette, die das Puuc-Hügelland im Norden begrenzt. In unmittelbarer Nähe befinden sich weitere, ausgedehnte Ruinenzonen, so dass die Abgrenzung zu diesen schwerfällt. Die einzelnen Gruppen tragen heute Namen, die vom spanischen Projekt vergeben wurden und die an bekannte Archäologen erinnern, sowie traditionelle lokale Bezeichnungen.

Die Bedeutung von Oxkintoc ergibt sich aus der Zeitstellung: Der Ort weist eine Besiedlungsgeschichte auf, die von spätestens 475 n. Chr. (ein Monument mit Datum der Langen Zählung) bis in die Endklassik reicht. In der archäologischen Puuc-Region sind nur in der Umgebung von Oxkintoc weitere gleich früh anzusetzende Fundorte bekannt geworden.

Satunsat mini|hochkant|Innengang im Satunsat mit Gewölbe im frühen Oxkintoc-Stil mini|300px|links|Satunsat von Südosten Dieses Gebäude ist einzigartig in der gesamten Mayakultur. Es hat wegen seiner eigenartigen Gestalt schon früh das Interesse der Besucher auf sich gezogen, die in ihm ungeahnte Geheimnisse vermuteten. In jüngerer Zeit ist auch das dritte Stockwerk wieder teilweise restauriert worden.

Das Satunsat nimmt eine Fläche von ungefähr 20 × 10 m ein. Es liegt in einem leicht nach Osten ansteigenden Gelände, so dass seine Westseite ein Stockwerk mehr besitzt. Die Mauern sind mit einer Stärke von 1 m ungewöhnlich massiv ausgeführt. Der einzige Eingang liegt in der Mitte der völlig schmucklosen Westfassade und ist mit einer Höhe von 1,5 m sehr niedrig.

Das erste und das zweite Stockwerk besitzen je vier parallele Gänge in Nord-Süd-Richtung, die durch schmale türartige Gänge nahe der Mitte verbunden sind. Die Gänge sind relativ niedrig und weisen das typische getreppte Gewölbe des frühen Oxkintoc-Stils auf. Im ersten Stockwerk existieren am Süd- und Nordende des Gebäudes zwei Gänge in Ost-West-Richtung, die aber jeweils nur mit dem ersten oder dem letzten der parallelen Gänge Verbindung haben. Von diesen führen schmale, um Ecken gehende Treppen mit sehr hohen Stufen auf das Niveau des zweiten Stockwerks. Man kann also jeden Raum des zweiten Stockwerkes auf zwei Wegen erreichen. Über den einzigen Ost-West verlaufenden Gang des zweiten Stockwerks gelangt man zu einer mehrfach verwinkelten Treppe in einen sehr kleinen Raum auf dem dritten Niveau. Weil die Außenwände nicht mehr vorhanden sind, lässt sich nicht erkennen, ob und wie man von diesem kleinen Raum Zugang zu den drei langen Nord-Süd laufenden Räumen des dritten Stockwerkes hatte. Diese Räume unterlagen nicht mehr der Notwendigkeit, das große Gewicht darüber liegender Konstruktionen zu tragen und sind deshalb breiter gehalten.

Die ursprüngliche Funktion des Satunsat liegt im Dunkeln. Mehrere zahlreichen quer durch die Wände des zweiten Stockwerks verlaufenden Lüftungskanäle sind so gerade, dass zu bestimmten Tagen um die Äquinoktien für Momente Licht bis in die innersten Gänge fällt, so dass die Vermutung einer astronomischen Funktion nahe liegt.Ivan Šprajc: El Satunsat de Oxkintok: ¿observatorio astronómico?. In: Oxkintoc, Bd. 3. Misión Arqueológico de España en México, Madrid 1990, ISBN 84-7483-644-1. S. 87–97 Es scheint eine spätere Änderung der Zweckbestimmung zu sein, wenn in den Fußboden der Gänge Opfergaben vergraben wurden und blind endende Gänge zugemauert wurden, um dort Bestattungen vorzunehmen.

Gruppe Dzib mini|Ballspielplatz mini|Zugangstorbogen Von dieser aus relativ kleinen Gebäuden bestehenden Gebäudegruppe unmittelbar nördlich des Satunsat ist nur der Ballspielplatz (am nördlichen Rand der Gruppe) und südlich davon ein vermutlich dem Säulchenstil angehöriges Gebäude ausgegraben worden. Bemerkenswert ist ferner ein den Zugang zu dieser Gruppe gewährender Torbogen ebenfalls am Nordrand (der nicht mit einem Gebäude verbunden ist) und zu dem eine Rampe hinauf führt.

Gruppe May Die Gruppe liegt wie auch die anderen Gruppen auf einer ein bis zwei Meter über das umgebende Gelände erhöhten Plattform mit unregelmäßigem Ausmaß. Die Pyramide nimmt ungefähr die Mitte dieser Plattform ein, nach Norden, Südwesten und Südosten schließen von niedrigen Gebäuden eingefasste Höfe an.

Pyramide MA-1 mini|300px|links|Hauptpyramide der Gruppe May, Ostseite des frühen Gebäudes mit verschlossenen Eingang Die Gruppe umfasst die höchste und bedeutendste Pyramide der Stadt. Die im Kopf angegebenen Koordinaten entsprechen dieser Pyramide. Ihre Baugeschichte gibt einzigartigen Aufschluss über die Entwicklung des Puuc-Stils und die Bedeutung von Oxkintoc in diesem Prozess.

Ursprünglich, im frühen Klassikum, befand sich hier ein zweistöckiges Gebäude. welches im Inneren der Pyramide weitgehend erhalten geblieben ist. Dank der Ausgrabungen von 1987 bis 1990 sind viele Details bekannt: Dieses erste Bauwerke entsprach weitgehend dem Satunsat. Es hatte zwei Stockwerke mit schmalen, gangartigen Räumen, die dort niedrig waren und die charakteristischen getreppten Gewölbe aufwiesen. Das erste Stockwerk verfügte über vier, vielleicht fünf dieser Räume, die in Ost-West-Richtung angeordnet waren. An den beiden Seiten verlief je ein Raum rechtwinklig über die gesamte Tiefe des Gebäudes. Da während der Ausgrabung diese Räume nicht vollständig freigelegt werden konnten, um die Stabilität des Gesamtgebäudes nicht zu gefährden, ist nicht bekannt, wie die Verbindung zwischen den einzelnen Räumen gewährleistet war. In Analogie zum Satunsat kann man annehmen, dass dies durch kurze Verbindungsgänge nahe der Mitte der Räume erfolgte. Ebenso ist die ursprüngliche Verbindung zum zweiten Stockwerk nicht bekannt, es existiert aber eine später eingebaute Treppe. Das zweite Stockwerk bestand aus zwei langen Räumen in Ost-West-Richtung, die breiter waren, aber dieselbe Gewölbekonstruktion hatten. Die größere Breite war möglich, weil darüber keine weiteren Konstruktionen lagen. An beiden Seiten besaß zumindest der vordere Raum einen schmalen Eingang von einer außen, auf dem Dach des darunter liegenden Querraumes umlaufenden Plattform. Die Fassade dieses Baues entspricht dem frühen Oxkintoc-Stil: über einer glatten Wand ohne Sockel ragt die obere Wandfläche etwas vor. Sie ist leicht nach innen geneigt und trägt eine breite Umrahmung einer etwas eingesenkten Fläche und erinnert insofern an Varianten des Tablero-Talud-Systems von Teotihuacan.

Ungefähr 150 Jahre später, im mittleren Klassikum, fand ein radikaler Umbau statt. Die unteren Teile der alten Außenfassade wurden entfernt und zwei Stufen eines pyramidenartigen Baues errichtet. Da sich diese wie ein Mantel um das ältere Gebäude legten, musste seine Stabilität erhöht werden, weshalb die inneren Räume und Gänge mit Geröll angefüllt wurden. Vor die Pyramide wurde eine Treppe gesetzt, die ungefähr die Breite des Tempelgebäudes hat, das auf der oberen Plattform der Pyramide errichtet wurde. Es bestand aus zwei parallelen, hintereinandergelegenen Räumen. Der vordere Raum hatte drei Eingänge. Noch später kam es zu einer weiteren Ausgestaltung der Pyramide. Zu beiden Seiten der Treppe wurden auf zwei Niveaus kleine, einräumige Bauten errichtet, die jeweils drei Eingänge, getrennt mit Mauerscheiben aufwiesen. Vor der Treppe entstand ein kleiner altarartiger Sockel.Yolanda Fernández Marquínez: Nuevos datos de la estructure MA-1. In: Oxkintoc 3. Misión Arqueológica de España en México, Madrid 1990, ISBN 84-7483-644-1, S. 31–47.

Nördlicher Hof MA-8 Unter dieser Bezeichnung wird das lange, hallenartige Gebäude verstanden, das unmittelbar nordwestlich der Pyramide steht und den Hof nach Westen einrahmt. Bauten dieser Art sind typologisch spät anzusetzen.

MA-9 Die lange Zeit der Nutzung der Gruppe wird belegt durch ein Gebäude aus fünf Räumen, die eine Aufteilung aufweisen, die sich außer in Uxmal im Puuc-Gebiet nur selten findet, aber das Standardmuster im Chenes-Stil ist. Hinter einer Reihe von vier Räumen (die gerade Zahl ist eigentlich unüblich, wird aber durch fünf Eingänge verheimlicht) liegt zentral der fünfte Raum, der nur durch den davor liegenden zugänglich ist. Die Fassade (auch wenn die obere Wandhälfte nicht erhalten ist) weist das Gebäude dem Puuc-Säulchen-Stil zu: der zwei- oder dreigliedrige Sockel mit einem eingesenkten mittleren Band aus relativ hohen Säulchen, die glatte untere Wandfläche, unterbrochen von Gruppen von drei Säulchen und zwei Gruppen von sieben Säulchen zu beiden Seiten des mittleren Eingang, während die Wand der Rückseite glatt ist. Darüber liegt das dreigliedrige mittlere Gesims mit geböschtem unterem Band, eingesenkter Säulchenreihe und glattem oberen Band. Hinzu kommen die typischen drei die ganze Wandhöhe einnehmenden Säulchen an den Ecken. Es fällt auf, dass der nach hinten vorspringende fünfte Raum offenbar zu einem späteren Zeitpunkt angesetzt wurde und einen Sockel ohne Säulchenband aufweist.

Westlicher Hof Von den Bauten der Umrahmung des Hofes sind nur die niedrigen ersten Steinreihen der Wände erhalten geblieben. In der Mitte des Platzes liegen zwei rechteckige Altarplattformen.

Gruppe Ah Canul Östlich der Gruppe May liegt die als Ah Canul bezeichnete Plattform, die eine etwas größere Fläche einnimmt. Auch die innere Struktur ist ganz unterschiedlich: Die Gruppe verfügt über drei Pyramiden ähnlich MA-1, dagegen sind die Höfe weniger deutlich ausgeprägt und kleiner. Die Pyramiden gehören zu den ältesten Bauten dieser Gruppe, nur das Gebäude CA-3 ist älter.

CA-3 mini|Gebäude Ah Canul 3