mini|Hauptsitz in Aachen Misereor (Eigenschreibweise misereor bzw. eingetragen als Bischöfliches Hilfswerk Misereor e. V.) (von ) gilt als das weltweit größte katholische Entwicklungshilfswerk und setzt sich dabei vorrangig für die weltweite Armutsbekämpfung ein. Das Hilfswerk der römisch-katholischen Kirche in Deutschland hat seinen Sitz in Aachen.

Im Sinne einer zeitgemäßen Entwicklungszusammenarbeit auf Augenhöhe konnte Misereor nach dem Prinzip der Hilfe zur Selbsthilfe bis heute über 100.000 Projekte im Globalen Süden unterstützen. Zentrale Querschnittsthemen für die Arbeit von Misereor sind dabei Friedensarbeit und Menschenrechte, Hunger- und Armutsbekämpfung, Bildungsarbeit und Gesundheitsschutz, Gleichstellung und Empowerment, Erneuerbare Energien und Klimawandel, Fairer Handel und Ethisches Wirtschaften, Flucht und Migration, Ernährungssicherheit und -souveränität, Digitalisierung im Kontext eines sozial-ökologischen Wandels, sozial-ökologisch gerechte Stadtentwicklung sowie Rohstoffwende und Schutz von Natur und Lebensräumen.Homepage Misereor Das Hilfswerk Misereor gilt als Pendant zur evangelischen Hilfsorganisation Brot für die Welt.

Jährlich führt Misereor die Fastenaktion während der Fastenzeit durch, zum Beispiel im Jahr 2026 unter dem Leitwort Hier fängt Zukunft an. Bei der Fastenaktion 2026 wurde ein Projekt mit dem Schwerpunkt berufliche Bildung in Kamerun präsentiert.Fastenaktion 2026: Misereor

Geschichte Bereits der 76. Deutsche Katholikentag in Fulda 1954 hatte die Bildung einer „deutsche[n] Institution für die Ausbildung und Betreuung qualifizierter Laienkräfte“ in Entwicklungsländern empfohlen. Internationale katholische Frauenverbände und die internationale Pax Christi Bewegung riefen zur Bekämpfung des Hungers auf; der deutsche Zweig der Pax Christi Bewegung begann in der Bundesrepublik Deutschland systematisch mit der Sammlung von Spenden für Hungernde, Aussätzige und Überseestudenten. Verbände wie KAB (Erzbistum Paderborn), Kolpingsfamilie und BdkJ starteten Aktionen.

In seiner Weihnachtsansprache 1957 bat der Kölner Kardinal Josef Frings im Erzbistum um Spenden für das Erzbistum Tokio und deutete an, dass er Größeres plane. Auf Initiative von Alfons Erb, Vizepräsident von Pax Christi, bat das Zentralkomitee der deutschen Katholiken (ZdK) 1958 die deutschen Bischöfe, in der Fastenzeit 1959 möge eine Aktion gegen Hunger in der Welt durchgeführt werden.misereor.de: Geschichte

Blatt 1 der fünfbändigen Entstehungsakte für das Bischöfliche Hilfswerk Misereor im Archiv der Erzdiözese Köln ist ein Schreiben von Jakob Holl vom 24. April 1958 an den Generalvikar Joseph Teusch. Darin macht er ihn auf einen von ihm geschriebenen Artikel mit der Überschrift „Hunde haben's bei uns besser“ aufmerksam, der in der Kölner Kirchenzeitung vom Vortag erschienen war. Holl wirbt in dem Artikel dafür, mehr gegen den Hunger in der Welt zu unternehmen und dafür neue Organisationsformen zu schaffen. Vorausgegangen war eine dreimonatige Reise Holls von Ende Oktober 1957 bis Anfang Januar 1958 nach Asien, die ihn auch mehrere Wochen zu Mutter Teresa in Kalkutta führte. Er begleitete sie mit seiner Kamera zu Sterbenden und bewunderte ihre Geduld dabei. Wer unter den Hungernden noch essen konnte, bekam von ihr unter dem Blitzlicht von Holls Kamera Milch und Reis. Ein 14-jähriger Junge starb in den Armen von Holl in der Sterbehalle von Kalighat, der die ihm eingeflößte Milch nicht mehr schlucken konnte. Als Holl wieder zu Hause war, ergriff er sofort Initiativen. Über das Päpstliche Werk der Glaubensverbreitung in Aachen richtete er ein Postscheckkonto mit dem Stichwort „Reis für Kalkutta“ ein und sammelte Spenden. Als sein Bericht in der Kirchenzeitung veröffentlicht wurde, hatte er bereits 75.000 DM gesammelt, die er an Mutter Teresa weiterleitete. In einem Begleitbrief schrieb er ihr:

Insgesamt erbrachte die Aktion „Reis für Kalkutta“ rund eine halbe Million DM.Herbert Stahl: Wie Misereor zu seinem Namen kam, in: Rheinisch-Bergischer Kalender 2017, 87. Jahrgang, S. 36ff., ISBN 978-3-87314-499-6

Der Kölner Erzbischof Joseph Kardinal Frings nahm diese Bestrebungen zum Anlass und bat auf der Bischofskonferenz in Fulda im Herbst 1958 um die Einrichtung eines bischöflichen Hilfswerks, der „Aktion gegen Hunger und Krankheit in der Welt“ mit der Bezeichnung Misereor super turbam, um in den Entwicklungsländern besser Hilfe leisten zu können. Die Bischöfe stimmten dem Vorschlag einhellig zu. Der Name wurde jedoch auf das Wort Misereor verkürzt. Damit führte die Spur über Jakob Holl auch gleichzeitig zu Mutter Teresa.Erich Läufer: Vor 40 Jahren wurde das bischöfliche Hilfswerl Misereor gegründet, in: Kirchenzeitung Köln 9/98 vom 27. Februar 1998 In der Fastenzeit 1959 wurde die erste Fastenaktion durchgeführt, die 34 Millionen Mark erbrachte. abgerufen am 28. Juli 2019 Ein Jahr später zog Misereor in die Aachener Mozartstraße Nr. 9 ein, wo sie in direkter Nachbarschaft zur Bischöflichen Akademie des Bistums Aachen einen Großteil des Gebäudetraktes von dem dort seit 1932 ansässigen Priesterseminar Aachen übernahm.

Arbeitsschwerpunkte Projektarbeit Seit der Gründung im Jahr 1958 wurden über 110.000 Projekte in Asien und Ozeanien, Afrika, Lateinamerika und der Karibik unterstützt. Jedes Jahr werden etwa 6000 Projektanfragen an die Organisation gestellt. Misereor arbeitet mit den Menschen, die unter Krankheit, Armut oder einer anderen menschlichen Not leiden, um dadurch Gerechtigkeit, Freiheit, Versöhnung und Frieden in der Welt zu fördern. Zentrale Themen in der Projektarbeit sind der Kampf für Menschenrechte, für jeden Menschen zugängliches Trinkwasser, der Kampf gegen AIDS, Klimawandel, die Armut in Städten oder Genderproblematiken. Schlüsselbereiche der Förderung sind ländliche Entwicklung, das Gesundheitswesen, die Berufs- und Erwachsenenbildung, die Kleingewerbeförderung, Selbsthilfewohnbau, Projekte der Sozialarbeit, Frauenförderung, Menschenrechtsarbeit sowie die Schulung örtlicher Führungskräfte.

Misereor arbeitet mit ortsansässigen Partnerorganisationen. Projektpartner vor Ort leben mit den Armen und wissen, unter welchen Bedingungen diese leben. Misereor-Partner kommen aus Ortskirchen, Selbsthilfeinitiativen, Kooperativen, Menschenrechtsgruppen und anderen nichtstaatlichen Organisationen. Während der Projektbegleitung bilden der Erfahrungsaustausch und die Auswertung von durchgeführten Maßnahmen einen stetigen Entwicklungsprozess. Des Weiteren will Misereor einen Süd-Süd-Dialog als Grundlage für eine zukunftsfähige Entwicklung verstärken.misereor.de

Öffentlichkeitsarbeit Misereor führt Untersuchungen zu den Ursachen von Verarmung, Unterdrückung und Zerstörung durch und informiert darüber. Um der Entwicklungszusammenarbeit in der Politik und öffentlich den Rücken zu stärken, betreibt Misereor Lobbyarbeit. Dies bedeutet auch die Beteiligung an internationalen Diskussionen über Entwicklungspolitik und Einflussnahme auf den Willensbildungsprozess in der Gesellschaft. Tausende Menschen unterstützen die Entwicklungsarbeit von Misereor mit ihrem ganz persönlichen Beitrag. Eine besondere Bedeutung kommt dabei der jährlichen Fastenaktion zu.misereor.de

Aktionen | Kampagnen

Fastenaktionen Die jährliche Aktion in der Fastenzeit soll den römisch-katholischen Pfarrgemeinden die Lebenswelt von Menschen nahebringen, die unter Armut und Ungerechtigkeit leiden. +Chronologische Liste der FastenaktionenAktions-JahrThemamisereor.de1989Solidarisch in der Einen Welt – Gerechtigkeit und Erbarmen (30 Jahre Misereor)1990Gemeinsam handeln – Solidarisch in der Einen Welt1991Die Würde des Menschen ist unantastbar19921492–1992 – 500 Jahre Lateinamerika1993Die Schöpfung bewahren – …damit alle leben können1994Flüchtlinge – Prüfstein weltweiter Solidarität1995Zeit für Versöhnung1996Jeder Tropfen zählt1997Brich mit den Hungrigen dein Brot1998Die Armen zuerst (40 Jahre Misereor)1999Ich will Kind sein2000Jetzt ist die Zeit – gemeinsam anders handeln2001Teilen mit Gewinn2002Schritte zum Frieden2003Wem gehört die Welt?2004Unser tägliches Brot gib uns. Heute.2005Teilen verbindet – gemeinsam gegen Krankheit in der Welt2006Die Fülle des Lebens teilen2007Entdecke, was zählt!2008Mit Zorn und Zärtlichkeit an der Seite der Armen2009Gottes Schöpfung bewahren – damit alle leben können2010Gottes Schöpfung bewahren – damit alle leben können2011Menschenwürdig leben. Überall!2012Menschenwürdig leben. Kindern Zukunft geben2013Wir haben den Hunger satt!2014Mut ist zu geben, wenn alle nehmen.2015Neu denken! Veränderung wagen.Webseite der Misereor-Fastenaktion, abgerufen am 9. Februar 20152016Das Recht ströme wie Wasser 2017Die Welt ist voller guter Ideen. Lass sie wachsen.2018Heute schon die Welt verändert?2019Mach was draus: Sei Zukunft!2020Gib Frieden!2021Es geht! Anders.2022Es geht! Gerecht.2023Frau. Macht. Veränderung.2024Interessiert mich die Bohne2025Auf die Würde. Fertig. Los!2026Hier fängt Zukunft an

Hungertücher Über den Zeitraum von meist jeweils zwei Jahren steht den Kirchengemeinden in der Fastenzeit ein Hungertuch zur Verfügung, das zur Meditation und zur Auseinandersetzung mit Themen der Entwicklungsarbeit einlädt. Die Themen bisheriger Hungertücher waren:

+Chronologische Liste der HungertücherHungertuch JahrMottoKünstler1976Christus im Lebensbaum – Hoffnung für alleIndien1978Ereignisse der HeilsgeschichteAlemayehu Bizuneh, Äthiopien1980Hungertuch aus dem Mittelaltersog. Bruder-Klaus-Meditationsbild, Schweiz (15. Jh.)1982Die Welt der BibelJacques Chéry, Haiti1984Leben – Wasser und LichtJyoti Sahi, Indien1986Als Christinnen und Christen auf dem WegFrauen und Männer aus Santiago de Pupuja, Peru1988Vaterunser-BittenRené Tchebetchou, Kamerun1990Biblische Frauengestalten – Wegweiser zum Reich GottesLucy D’Souza, Indien1992Ein neuer Himmel und eine neue ErdeAdolfo Pérez Esquivel, Argentinien1994Gott begegnen im FremdenAzariah Mbatha, Südafrika1996Hoffnung den AusgegrenztenSieger Köder, Deutschland1998Barmherzigkeit und GerechtigkeitBruder-Klaus-Meditationsbild mit Erweiterungen2000Ein Jahr, das Gott gefällt – Neubeginn und BefreiungSuryo Indratno, Java2002Augen-Blicke des FriedensEl Loko, Togo2004Brot und RosenFrauen aus Lateinamerika2007Selig seid ihrLi Jinyuan, China2009Gottes Schöpfung bewahren – damit alle leben könnenTony Nwachukwu, Nigeria2011Was ihr dem Geringsten tutSokey A. Edorh, Togo2013Wie viele Brote habt ihr?Ejti Stih, Bolivien2015/2016Gott und Gold – wie viel ist genug?Dao Zi, China2017/2018Ich bin, weil du bistChidi Kwubiri, Nigeria/Deutschland2019/2020Mensch, wo bist du?Uwe Appold, Deutschland2021/2022Du stellst meine Füße auf weiten Raum – Die Kraft des WandelsLilian Moreno Sánchez, Chile2023/2024 Was ist uns heilig?Emeka Udemba, Nigeria2025/2026Liebe sei TatKonstanze Trommer, Deutschland2027/2028Weg ins UngewisseBruce Clarke, Frankreich

Weitere Aktionen Misereor unterstützt oder initiiert u. a. folgende weitere Kampagnen und Aktionen: Mit zwei Euro die Welt verändernMit zwei Euro im Monat helfen Demonstration Wir haben es satt!. Die Veranstaltung findet jährlich Anfang Januar in Berlin statt. Faire Woche Kein Patent auf LebenKein Patent auf Leben Erlassjahr.de – Entwicklung braucht Entschuldung Miteinander teilen – gemeinsam handeln – Ökumenisches Projekt: Im Rahmen der Aktion Miteinander Teilen stellen das katholische Hilfswerk Misereor und die evangelische Organisation „Brot für die Welt“ monatlich ein konkretes Projekt vor. Nach dem Dammbruch von Brumadinho vom Januar 2019 in Brasilien unterstützt Misereor gemeinsam mit der europäischen Menschenrechtsorganisation ECCHR seit Oktober 2019 fünf Opferangehörige der Katastrophe im Verfahren vor dem Landgericht München I gegen das beteiligte Unternehmen TÜV Süd.

Organisation Geschäftsführung