Neue Sorge war ein Stadtteil von Königsberg (Preußen). Er lag innerhalb des Stadtwalles, nördlich des Sackheim, östlich des Schlossteichs und westlich von Kalthof.
Name Der Name ist prußisch abzuleiten und verweist auf einen Wachtposten: sargs ‚Wächter‘, ‚Behüter‘, ‚Pförtner‘, ‚Schließer‘, ‚Sicherung‘. 1405 ist im Samland ein Dorf Sorgin belegt, dessen genaue Lage heute jedoch umstritten ist.
Dem Volksmund nach soll sie „ihren Namen daher erhalten haben, daß der damalige preußische Statthalter, Fürst Bogislaus Radzivil, als man ihn ersuchte, diesem neuen Stadttheil einen Namen zu geben, ‚wieder eine neue Sorge!‘ ausgerufen haben soll.“Baczko, Ludwig von: Versuch einer Geschichte und Beschreibung von Königsberg, Königsberg 1804, S. 32.
Lage Die drei Königsberger Städte waren von sogenannten Freiheiten umgeben. Die Neue Sorge gehörte neben der Burgfreiheit, dem Tragheim, dem Roßgarten und dem Sackheim zum Schloss. Hauptstraße war die Neue-Sorge- oder Gumbinnerstraße, später Königsstraße, die zum Gumbinner Tor oder Königstor führte. Nördlich wurde der Stadtteil durch die Kalthöfschestraße begrenzt. Das Gebiet des Stadtteils gehört heutzutage zum Leningrader Rajon.
Geschichte mini|:Festsaal „Deutsche Ressource“ Das Gerichtssiegel stammt aus dem Jahr 1662 und zeigt eine Hand aus den Wolken, die ein Winkelmaß zwischen zwei offenen Augen hält. Unter dem Kurfürsten Friedrich Wilhelm (1620–1688) erhielten hier Hofbediente Ländereien geschenkt, die bereits Häuser mit besonderen Privilegien besaßen. Das geschenkte Land konnten sie selbst nutzen oder auch gegen Zins anderen überlassen. Die Neue Sorge bestand also überwiegend aus Adelshäusern, den sogenannten „Adligen Gründen“. Sie unterstanden nicht der Gerichtsbarkeit des Oberburggrafen.
Später lagen in diesem Stadtteil das Landratsamt, die Kunst- und Gewerkschule, die „Deutsche Ressource“, ein Gymnasium, ein Ober-Lyzeum, die „Ostpreußische Feuersocietät“ sowie Polizeiunterkünfte. Südlich der Königstraße zum Sackheim hin befanden sich: Ober-Realschule, Lyzeum, französisch-reformierter Kirchhof, St.-Elisabeth-Krankenhaus, Landeshaus, Städtisches Waisenhaus.
Sakralbauten Lutherische Kirche. Baubeginn 1640; wegen Streit mit den Katholiken, die sich darüber beschwerten, dass ihnen die Kirche zu nahe gelegen sei, konnte der Bau erst 1648 vollendet werden. Französisch-reformierte Kirche, zwischen 1733 und 1736 erbaut
Literatur Baczko, Ludwig von: Versuch einer Geschichte und Beschreibung von Königsberg, Königsberg 1804 Blažiene, Grasilda: Hydronymia Europaea, Sonderband II, Die baltischen Ortsnamen im Samland, Wolfgang Schmid Hrsg., Steiner Verlag Stuttgart 2000 Gause, Fritz: Königsberg in Preußen, Rautenberg Leer 1987 Gerullis, Georg: Die altpreußischen Ortsnamen, Berlin, Leipzig 1922 Schroetter, Frey Herrn von: Karte von Ost-Preussen nebst Preussisch Litthauen und West-Preusssen nebst Netzedistrict 1796–1802, Historisch-Geographischer Atlas des Preußenlandes, Franz Steiner Verlag Wiesbaden
Einzelnachweise
Kategorie:Stadtteil von Königsberg (Preußen)