mini|Feldsteinkirche in Baumgarten. mini|Fließ vom Kirch- zum Huwenowsee an der Baumgartner Dorfbadestelle. Baumgarten ist ein Dorf im brandenburgischen Landkreis Oberhavel. Es liegt zwischen dem Kirchsee und dem Kleinen Dölchsee, etwa vier Kilometer südlich des Ortes Sonnenberg, dessen Ortsteil es seit 1998 ist. Das Ortsbild wird geprägt von einer Feldsteinkirche mit einem quadratischen verbretterten Holzturm an ihrer Westseite.
Geschichte Erstmals urkundlich erwähnt ist der Ort 1348 als Bomgard. Im 14. und 15. Jahrhundert war der größte Teil des Orts im Besitz derer von Pfuel, bis Melchior von Pfuel diesen 1495 verkaufte.Ernst Fidicin: Die Territorien der Mark Brandenburg. Band IV: Kreis Prenzlau. Kreis Templin. Kreis Angermünde. J. Guttentag, Berlin 1864, S. 25., Abruf 1. September 2026. Um 1500 gehörte Baumgarten zur im Kern reichsunmittelbaren Herrschaft Ruppin der Grafen von Lindow-Ruppin. Er war Rittersitz der Herren von Flanß. Vor dem Dreißigjährigen Krieg erwarb die Familie von der Groeben Ländereien um Baumgarten und richtete einen zweiten Gutshof ein, später erwarben sie auch den Gutsbesitz der Herren von Flanß. In der Dorfkirche befand sich aus dieser Zeit ein Grabstein eines Arend v. d. Hagen, verstorben 1702.
Um 1735 erhielt Herrmann Graf von Wartensleben auf Rauschendorf, der seit 1723 mit einer Erbtochter der von Groebens, mit Albita von der Groeben verheiratet war, Baumgarten zusammen mit Schloss Meseberg. Die Töchter verkauften Baumgarten zusammen mit drei weiteren Gütern 1774 an den Prinzen Heinrich in Rheinsberg, der den Güterkomplex seinem Günstling Major Kaphengst schenkte. Später ging Meseberg mit Baumgarten wieder in den Verkauf. Neubesitzer wurde die Familie von Hövel, vertreten durch Friedrich von Hövel (1811–1898), verheiratet mit Friederike von Elverfeldt-Steinhausen (1821–1856). Die Hövels lebten hauptsächlich auf Meseberg. Dort fanden auch die Hochzeiten der beiden ältesten Töchter statt, so die der Agnes von Hövel mit dem späteren General Barnim von Zeuner.Vgl. Familienverband/Gesamthaus (Hrsg.): Geschichte des Geschlechtes der Freiherren von Elverfeldt. Band 2: (Urkunden und Regesten), II, Kommissionsverlag Bädeker, Elberfeld 1886, S. 244. Um 1880 besaß beide Güter der Herr von Hövel, landläufig Baron genannt. Reprint: ISBN 3-226-00787-4. Dessen Vorfahren stammten aus der Nähe von Dortmund und hatten dort einst die Rittergüter Haus Sölde und Haus Ruhr inne, welche für die Erwerbung des Komplexes Meseberg-Baumgarten veräußert wurde. Baumgarten war damals 932 ha groß, Meseberg als Hauptgut 530 ha.
Baumgarten blieb ausgehend von einer alten Vasallen-Tabelle der Grafschaft Ruppin bis ins 20. Jahrhundert über gemeinsame Besitzer mit Meseberg verbundenVgl. u. a. Friedrich Wilhelm August Bratring: Die Graf(f)schaft Ruppin. Ein Beitrag zur Kunde der Mark Brandenburg. Verlag Gottfried Hayn, Berlin 1799, S. 101 1885 wurde der Justizrat Lessing der neue Gutsbesitzer.Gotthold Lessing: Meseberg, In: Prof. Dr. Dade: Die Deutsche Landwirtschaft unter Kaiser Wilhelm II. Band 1: Königreich Preußen. Verlag Carl Marhold, Halle a. S. 1913, S. 363–368. Außer dem Gutsbetrieb existierten südlich des Ortes zwei Wassermühlen, zugehörig war auch der Ferdinandshof. Der Gutsbezirk Baumgarten mit der Försterei Friedenshorst und den Abbauten der Großen Mühle wurde 1928 in einem Gemeindebezirk vereinigt, ohne das sich am privatrechtlichen, kirchlichen, fiskalischen oder sonstigem Eigentum etwas veränderte. Eigentümer 1914 war der Politiker Gotthold Lessing,Ernst Seyfert: Güter-Adreßbuch für die Provinz Brandenburg. . Handbuch der Königlichen Behörden Nach amtlichen Quellen und auf Grund direkter Angaben bearbeitet. In: Niekammer’s Landwirtschaftliche Güter-Adreßbücher. Band VII, 2. Auflage, Reichenbach`sche Verlagsbuchhandlung, Leipzig 1914, S. 126–127. dann als Gutsherrin zu Meseberg die Witwe Anna Lessing geb. Zelle.Amtsblatt der Regierung zu Potsdam und der Stadt Berlin. Stück 16, A. W. Hayns Erben, Potsdam 16. April 1921, S. 242. Die Gutsgeschäfte führte als Verwalter Robert Lessing. Das Rittergut Baumgarten beinhaltete Ende der 1920er Jahre 975 ha.Ernst Seyfert, Hans Wehner, Alexander Haußknecht, GF Hogrefe: Landwirtschaftliches Adreßbuch der Rittergüter, Güter und Höfe der Provinz Brandenburg. . Verzeichnis sämtlicher Rittergüter, Güter und Höfe von ca. 20 ha aufwärts. Mit Unterstützung von Staats- und Kommunalbehörden, sowie des Brandenburgischen Landbundes zu Berlin, sowie der Kreislandbünde. Nach amtlichen Quellen und auf Grund direkter Angaben bearbeitet. In: Niekammer’s Landwirtschaftliche Güter-Adreßbücher. Band VII, 4. Auflage, Band Regierungsbezirk Potsdam. Kreis Ruppin, (Letzte Ausgabe-Paul Niekammer-Reihe), Selbstverlag von Niekammer’s Adreßbüchern GmbH, Leipzig 1929, S. 103. 1945/1946 erfolgten die Enteignungen des Großgrundbesitzes. Den Lessings gehörte einst eine bedeutende Büchersammlung.Hans Meier zu Eissen: Der Bücherraub in der DDR. Die ostdeutschen Adels- und Gymnasialbibliotheken 1945-1989. Der Postraub des Stasi-Generals "M". Dokumentation einer staatskriminellen Raubaktion. Im historischen Rückblick: Bibliothekskatastrophen aus drei Jahrhunderten. Selbstverlag, Münster 2007, ISBN 978-3-9800885-4-1, S. 357.
Im Zuge der kommunalen Neuordnung des Landes Brandenburg wurde die Gemeinde Baumgarten mit Wirkung vom 27. September 1998 in die Gemeinde Sonnenberg eingemeindet.StBA-Wiesbaden (Hrsg.): Änderungen bei den Gemeinden Deutschlands, siehe 1998., Stand 1999.
Einwohnerentwicklung
Literatur Baumgarten-Dorf, Kirche, In: Paul Eichholz, Prof. Willy Spatz, Friedrich Solger: Die Kunstdenkmäler des Kreises Ruppin. In: Die Kunstdenkmäler der Provinz Brandenburg. Band I, Teil 3, Schriftleitung: Theodor Goecke, Hrsg. Brandenburgischer Provinzialverband, Vossische Buchhandlung, Berlin 1914, S. 4–5.
Weblinks
Einzelnachweise
Kategorie:Ort im Landkreis Oberhavel Kategorie:Ehemalige Gemeinde (Landkreis Oberhavel) Kategorie:Ersterwähnung 1348 Kategorie:Gemeindeauflösung 1998 Kategorie:Geographie (Sonnenberg, Brandenburg)