Die Bahnstrecke Břeclav–Hrušovany nad Jevišovkou ist eine eingleisige Nebenbahn („regionální dráha“) und frühere Hauptbahn („celostátní dráha“)Vergleich von Karte M02 mit Stand vom 12. November 2013 und Karte M02 mit Stand vom 2. November 2015 in Tschechien, die ursprünglich durch die k.k. priv. Lundenburg-Nikolsburg-Grußbacher Eisenbahn erbaut wurde. Sie verläuft in Südmähren von Břeclav (Lundenburg) über Valtice (Feldsberg) und Mikulov (Nikolsburg) nach Hrušovany nad Jevišovkou (Grußbach).

Geschichte

Am 4. September 1870 wurde die Konzession für eine „Locomotiveisenbahn von Lundenburg im Anschlusse an die ausschl. priv. Kaiser Ferdinands-Nordbahn über Nicolsburg nach Grußbach zur Verbindung mit dem Ergänzungsnetze der priv. österreichischen Staatseisenbahn-Gesellschaft“ erteilt. Darin enthalten war die Verpflichtung, den Bau innerhalb von sechs Monaten zu beginnen und innerhalb zwei Jahren fertigzustellen.Reichsgesetzblatt vom 21. Februar 1871

Eröffnet wurde die Strecke am 30. Dezember 1872. Den Betrieb führte zunächst die k.k. priv. Kaiser Ferdinands-Nordbahn (KFNB), ab 14. Juli 1874 die k.k. priv. Österreichische Nordwestbahn (ÖNWB). Am 8. Dezember 1873 wurde die abzweigende Strecke nach Zellerndorf eröffnet.

Am 15. April 1876 ging die Strecke schließlich in das Eigentum der KFNB über, die auch die Betriebsführung wieder übernahm. Nach der Verstaatlichung der KFNB kam die Strecke 1906 in das Eigentum der k.k. Staatsbahnen (kkStB).

Nach dem Ersten Weltkrieg wurde das gesamte Bahngebiet von der Tschechoslowakei beansprucht, obwohl ein Teil der Strecke bei Feldsberg (Valtice) auch in Niederösterreich verlief. Österreich bot daraufhin der Tschechoslowakei eine Neutrassierung der Strecke über mährisches Gebiet auf eigene Kosten an, was von tschechoslowakischer Seite abgelehnt wurde. Im Friedensvertrag von St. Germain wurde deshalb Feldsberg mit den Nachbargemeinden der Tschechoslowakei zugesprochen. Eigentümer und Betreiber waren jetzt die neugegründeten Tschechoslowakischen Staatsbahnen (ČSD).

Am 5. Oktober 1930 wurde die durch die neue geschaffene Grenze unbedeutend gewordene Zweigbahn Richtung Zellerndorf stillgelegt und kurz darauf abgebaut.

Nach der Angliederung des Sudetenlandes an Deutschland im Herbst 1938 kam die Strecke zur Deutschen Reichsbahn, Reichsbahndirektion Wien. Im Reichskursbuch war die Verbindung nun als KBS 462v Lundenburg–Grußbach-Schöngrafenau–Znaim enthalten. Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs kam die Strecke wieder zu den ČSD. mini|Reisezug mit Baureihe 842 in Valtice město (2009) Eine besondere Situation entstand mit der Errichtung des Eisernen Vorhangs ab den 1950er Jahren. Der seinerzeit errichtete Grenzzaun befand sich zwischen Sedlec u Mikulova und Mikulov direkt am Gleis der Bahnlinie.

1993 ging die Strecke infolge der Aufteilung der Tschechoslowakei in die selbständigen Staaten Tschechien und Slowakei an die České dráhy (CD) über.

Heute hat die Strecke nur noch regionale Bedeutung. Der Fahrplan 2009 verzeichnet werktags insgesamt 15 Reisezugpaare in der Relation Břeclav–Znojmo, die in einem angenäherten Stundentakt verkehren.cdrail.cz: Die Züge wurden fast ausschließlich von den Triebwagen der ČD-Baureihe 842 befördert, nur in Ausnahmefällen kamen auch Diesellokomotiven der ČD-Baureihe 714 zum Einsatz.

Von 2017 bis Juni 2019 wurde der Abschnitt zwischen Břeclav und Mikulov umfassend modernisiert. Neben der Erneuerung von Gleisen und Anlagen wurde auch die Betriebsstelle Sedlec u Mikulova näher am Ort neu gebaut und als Kreuzungsbahnhof eingerichtet. Nach Abschluss der Arbeiten wurde die Streckengeschwindigkeit von 80 auf 120 km/h angehoben.„Trať do Mikulova zrekonstruují za miliardu, vlaky pak zrychlí na 120 km/h“ auf idnes.cz„SUDOP BRNO představuje revitalizaci trati Břeclav – Znojmo, 2. stavba“ auf tvstav.cz

Die Elektrifizierung der Strecke ist im Rahmen der Dekarbonisierung des Eisenbahnbetriebs bis 2032 vorgesehen.„Koncepce rozvoje elektrické Trakce v České republice“ auf zdopravy.cz (PDF; 2,7 MB)

Streckenbeschreibung Zwischen Boří les und Valtice město nutzt die Strecke über einige Kilometer die Trasse der ehemaligen barocken Landshuter AlleeZdeněk Novák: Eisgrub-Feldsberg in Mähren. Ein bedeutendes Dokument der Landschaftsgestaltung in Mitteleuropa. In: Die Gartenkunst 6 (1/1994), S. 89–104 (89)., die, von Valtice ausgehend, in Richtung Osten gradlinig auf Lanžhot (damals: Landshut) zielte. Die Bahnstrecke Břeclav–Hrušovany nad Jevišovkou erschließt hier den südlichen Teil der Kulturlandschaft Lednice-Valtice.

Literatur Zdeněk Hudec u. a.: Atlas drah České republiky 2006–2007, 2. Auflage; Verlag Pavel Malkus, Praha, 2006, ISBN 80-87047-00-1

Weblinks

Bahnstrecke Břeclav–Znojmo auf www.zelpage.cz Betriebs-Eröffnung der k. k. pr. Lundenburg-Nikolsburg-Grußbacher Bahn. Das Vaterland, 21. Dezember 1872

Einzelnachweise

Kategorie:Bahnstrecke in Tschechien