Der Ferrari 500 TRC Scaglietti Spider, kurz Ferrari 500 TRC, ist ein offener Frontmotor-Rennsportwagen mit zwei Sitzen und einem hauseigenen 2,0-Liter-DOHC-Vierzylinder-Reihenmotor. Der italienische Automobilhersteller Ferrari stellte das Modell nur 1957 und gezielt für den Motorsport her; es löste den 500 Testa Rossa (500 TR) von 1956 ab. Je nach Sichtweise entstanden 17 bis 20 Exemplare, die mit Erfolg von meist kleineren Rennsportteams und Privatfahrern eingesetzt wurden.
Hintergrund Ferrari ging als Titelverteidiger und Mitfavorit in die Sportwagen-Weltmeisterschaft 1957.
Rückblick auf die Sportwagen-WM-Saison 1956 mini|hochkant=1.3|Zum Vergleich: Das technisch eng verwandte Vorgängermodell 500 TR Scaglietti Spider mit der Chassisnummer 0620MDTR von 1956, der einzige Linkslenker und nachträglich an den „Anhang C“ des FIA-Reglements angepasst In der Saison 1956, die aus fünf Rennen bestand, hatte das norditalienische Unternehmen die Markenweltmeisterschaft der Fédération Internationale de l’Automobile (FIA) knapp vor Maserati und klar vor Jaguar gewonnen; hingegen hatte sich Mercedes-Benz, der Gewinner der Saison 1955, als Werksteam aus der Sportwagen-Weltmeisterschaft zurückgezogen. Den Titel der Saison 1956 hatten Werksfahrer der Scuderia Ferrari wie Fangio, Phil Hill, Hawthorn, Collins und von Trips insbesondere auf Ferrari 860 Monza, einem Reihenvierzylinder mit knapp 3,5 Liter Hubraum, und Ferrari 290MM, einem V-12 mit 3,5 Liter Hubraum, gesichert. Zahlreiche Privatfahrer hatten das Werksteam auf Ferrari 500 TR unterstützt, einem nur 1956 gebauten Reihenvierzylinder. Ihr Hauptaugenmerk galt Klassensiegen in der Kategorie bis 2,0 Liter Hubraum sowie Titeln in nationalen Sportwagen-Meisterschaften; mit den Modellen A6GCS/2000 und 200S war Maserati auch hier ein vielfach ebenbürtiger Gegner gewesen.Braun & Schulz (2006); S. 151–154.Ludvigsen (2008); S. 151–169.
Der neue „Anhang C“ des Sportwagen-Reglements der FIA für 1957 Das Reglement der Sportwagenweltmeisterschaft hatte für die Saison 1957 kurzfristig einige umstrittene Änderungen erfahren: Nach dem Willen der Commission Sportive Internationale (CSI) sollte der Unterschied zwischen Rennsportwagen und Straßenfahrzeugen verringert werden; verlangt wurden nun insbesondere ein Beifahrersitz, eine Tür auch auf der Beifahrerseite, eine Windschutzscheibe von mindestens 100 Zentimeter Breite und 15 Zentimeter Höhe, ferner ein Verdeck, das allerdings auch abnehmbar sein konnte und im Rennen nicht einmal mitgeführt werden musste. Die Einzelheiten waren in dem neuen „Anhang C“ des Reglements festgeschrieben.Braun & Schulz (2006); S. 49 und 155.
Die Ferrari-Rennsportwagen der Saison 1957 mini|hochkant=1.3|Ein Ferrari 500 TRC in Kristianstad: Beim dortigen Großen Preis von Schweden 1957, einem Lauf zur Sportwagen-WM, starteten drei 500 TRC, einer gewann die Klasse bis zwei Liter Hubraum. Bei den Werkswagen reagierte Ferrari mit einer Anpassung der Zwölfzylinderfahrzeuge des Typs 290MM und deren Weiterentwicklung in der ersten Saisonhälfte über den 290S zum 315S und 335S; es kam zu einem aufwendigen „Wettrüsten“, um gegen Maserati mit dem 450S, Jaguar mit dem D-Type und Aston Martin mit dem DBR1 bestehen zu können. Vor diesem Hintergrund verlor die Kategorie bis 2,0 Liter Hubraum 1957 an Bedeutung, zumal immer mehr ehemalige Werkswagen der großen Kategorie auch für kleinere Teams und Privatfahrer verfügbar waren. Dennoch schuf Ferrari für sie in der Kategorie bis 2,0 Liter Hubraum den neuen 500 TRC; er stellte in mehrfacher Hinsicht eine Weiterentwicklung des bewährten und erfolgreichen 500 TR dar und konkurrierte vor allem mit dem weiterentwickelten Maserati 200SI.
Das Fahrzeugkonzept mini|hochkant=1.3|Ein Ferrari 500 TRC mit der niedrigen, geschwungenen Gürtellinie sowie dem ab 1957 vorgeschriebenen Beifahrersitz und der größeren Windschutzscheibe Der Ferrari 500 TRC von 1957 war der Schlusspunkt einer Reihe von vierzylindrigen Frontmotor-Rennsportwagen mit 2,0 Liter Hubraum, die als offene Kleinserien-Rennsportwagen vorrangig für zahlungskräftige kleinere Kundenteams und Privatfahrer konzipiert waren. Entsprechend dem FIA-Reglement besaßen sie eine vollständige Fahrzeugbeleuchtung und wesentliche Armaturen und konnten insofern nach den damaligen Rechtsvorschriften zum öffentlichen Straßenverkehr zugelassen werden.
Entscheidende Vorarbeiten für den 500 TRC erbrachte der Ende 1955 bei Ferrari ausgeschiedene Chefingenieur Aurelio Lampredi, die maßgeblichen Entwicklungsarbeiten Vittorio Jano, Alberto Massimino, Luigi Bellentani und Andrea Fraschetti.
Die Ferrari-Rennsportwagen mit 2,0-Liter-Reihenvierzylinder Begonnen hatte die Sportwagenreihe 1954 mit dem 500 Mondial der Serie I, von dem 13 Pinin Farina Spider, zwei Pinin Farina Berlinetta sowie einzelne Scaglietti Spider entstanden. Ihm folgte der ausschließlich als Scaglietti Spider karossierte 500 Mondial der Serie II für die Rennsportsaison 1955 – die restlichen der insgesamt 17 von Scaglietti eingekleideten 500 Mondial Spider. Für die Rennsportsaison 1956 folgte der weiterentwickelte 500 TR („Testa Rossa“); von ihm entstanden 16 Scaglietti Spider sowie durch nachträglichen Rückbau der Ferrari 625 LM drei Touring Spider.
Die Ferrari-500-Baureihe und die Ferrari-Vierzylinder im Allgemeinen Gemeinsam mit dem Grand-Prix-Rennwagen Ferrari 500 F2 gehören der Rennsportwagen 500 TRC und seine Vorläufer zur Ferrari-500-Baureihe. Allen gemeinsam ist der Ferrari-Vierzylinder mit 2,0 Liter Hubraum, den der damalige Ferrari-Chefingenieur Aurelio Lampredi entworfen hatte. Ferrari baute das Triebwerk zwischen 1951 und 1957 für verschiedene Einsatzzwecke und mit unterschiedlichen Spezifikationen. Neben der kleinsten Version mit 2,0 Liter gab es für andere Modelle auch Varianten mit 2,5, mit 3,0 und 3,5 Liter Hubraum.
Mit dem 2,0-Liter-Motor hatten Fahrer der Scuderia im Ferrari 500 F2 die Automobil-Weltmeisterschaft 1952 sowie diejenige 1953 dominiert, die beiden einzigen Jahre, in denen die Automobil-Weltmeisterschaft ausnahmsweise nach dem Formel-2-Reglement ausgetragen wurde. Mit dem Ende der Saison 1955 hatte Ferrari bereits den Bau des Vierzylinder-Rennsportwagens 750 Monza mit 3,0 Liter Hubraum ohne direkten Nachfolger eingestellt; zugleich war der Chefingenieur Lampredi als treibende Kraft dieses Vierzylinderprojekts nach einem enttäuschenden Rennsportjahr zu Fiat gewechselt. Kleinere Rennsportteams und Privatfahrer, die einen offenen Ferrari-Rennsportwagen suchten, mussten daher für die Saison 1956 mit dem 500 TR in der kleineren 2,0-Liter-Kategorie vorliebnehmen oder auf gebrauchte Vorjahresfahrzeuge der größeren Kategorie zurückgreifen.
Zur Modellbezeichnung 500 TRC mini|hochkant=1.3|Die tief heruntergezogene Front und die hoch gewölbten Kotflügel des Ferrari 500 TRC Beim 500 TRC steht die Zahl „500“ weiterhin für den (auf-)gerundeten Hubraum je einzelnem Zylinder, wie es damals entsprechend auch bei den Ferrari-Zwölfzylindern üblich war. „TR“ steht weiterhin für „Testa Rossa“ (italienisch für „roter Kopf“), was auf den mit rotem Schrumpflack überzogenen Zylinderkopf zurückgeht, wie er im Vorjahr mit dem 500 TR eingeführt worden war. Das angehängte „C“ steht je nach Lesart für den neuen „Anhang C“ des Sportwagen-Reglements der FIA oder für das Wort „clienti“ (italienisch für „Kunden“), um darauf hinzuweisen, dass der 500 TRC gezielt für die Bedürfnisse der kleinen Rennsportteams und Privatfahrer entwickelt wurde.Braun & Schulz (2006); S. 155.
Die Position des 500 TRC innerhalb des Ferrari-Modellprogramms In der Saison 1957 löste der neue 500 TRC bei den Rennsportwagen den 500 TR als Ferrari-Einstiegsmodell ab. Wer in der größeren Sportwagenkategorie antreten wollte, musste mangels neuer Alternativen auf gebrauchte Vorjahres-Werkswagen der Modelle 860 Monza oder 290MM zurückgreifen. Eine weitere Alternative waren die seriennahen GT-Sportwagen von Ferrari, namentlich die speziell für den Motorsport optimierten, besonders leichten Varianten: der 250 GT LWB Berlinetta „Tour de France“ mit Rennsport-Coupékarosserien ebenfalls von Scaglietti oder vereinzelt von Zagato oder offen als California Spider LWB mit reiner Aluminiumkarosserie von Scaglietti.
Der 500 TRC war nur 1957 erhältlich. Zum Ende der Saison gab das Unternehmen sowohl de facto die 2,0-Liter-Kategorie als auch das Vierzylinderkonzept insgesamt auf. Gründe waren eine erneute Änderung des Sportwagenreglements durch die FIA für die Saison 1958 mit einer Begrenzung des Hubraums für Sportwagen auf 3,0 Liter und damit einem weiteren Bedeutungsverlust der kleineren Kategorien; hinzu kam das Ausscheiden des größten Fürsprechers Lampredi Ende 1955 sowie die Überzeugung, dass nur die V12-Motoren das Ferrari-Image dauerhaft in Richtung Exklusivität fördern könnten.
Der 500 TRC ist somit der bislang letzte Vierzylinderwagen von Ferrari.
Zur Nachfolge des Ferrari 500 TRC mini|hochkant=1.3|Der Ferrari Dino 196 Sport Fantuzzi Spider von 1959 mit 2,0-Liter-V6-Motor; der potentielle Nachfolger des 500 TRC blieb ein Einzelstück mini|hochkant=1.3|Erst der Ferrari Dino 206S von 1966 war wieder ein Ferrari-Rennsportwagen in der 2,0-Liter-Kategorie, der auch für Privatfahrer erhältlich war Zu der Frage, welches Ferrari-Modell als Nachfolger des 500 TRC anzusehen ist oder ob er überhaupt einen Nachfolger hatte, bestehen unterschiedliche Auffassungen.
Zum Teil wird der ab Mitte 1957 gebaute Rennsportwagen 250 Testa Rossa Scaglietti Spider genannt. Begründen lässt sich dies mit der direkten zeitlichen Abfolge und der Verfügbarkeit für kleinere Rennsportteams und Privatfahrer; dagegen spricht, dass er mit einem 3,0-Liter-V12-Motor in einer höheren (Hubraum-)Kategorie als der 500 TRC angesiedelt ist.
Hinsichtlich Hubraum und Leistung können mehrere Ferrari-Modelle als 500-TRC-Nachfolger angesehen werden: der Ferrari Dino 206 Sport Scaglietti Spider mit der Chassisnummer 0740 von 1958, der Ferrari Dino 196 Sport Fantuzzi Spider mit der Chassisnummer 0776 für die Saison 1960, die beiden Ferrari Dino 196SP Fantuzzi Spider mit teils wechselnden Chassisnummern zwischen 0790 und 0804 sowie der Ferrari Dino 206P mit der Chassisnummer 0834 von 1965.
Sie waren zwar Rennsportwagen in der 2,0-Liter-Kategorie, kamen jedoch nicht über den Status von Versuchsträgern und Werksprototypen hinaus, waren somit grundsätzlich nicht für Privatfahrer verfügbar.
Letztlich kann der Ferrari Dino 206S als Nachfolger gesehen werden, von dem zwischen 1965 und 1967 immerhin 34 Fahrzeuge entstanden und der auch für kleinere Rennteams und Privatfahrer erhältlich war; gegen ihn spricht der zeitliche Abstand von rund acht Jahren zum 500 TRC.
Die Produktionsgeschichte mini|hochkant=1.3|Der Ferrari mit der Chassisnummer 0672MDTR: einer von zwei 625 TRC, ursprünglich mit einem 2,5-Liter-Reihenvierzylinder, später mit einem 3,0-Liter-V12 (erkennbar an der atypischen, langen und hohen Lufthutze) Der Ferrari 500 TRC debütierte Anfang 1957 rechtzeitig vor dem Beginn der Rennsportsaison 1957. Das erste Fahrzeug der Kleinserie trägt die Chassisnummer 0658MDTR, das letzte die Nummer 0708MDTR. Wie alle Ferrari-Rennsportwagen dieser Periode besitzt jeder 500 TRC eine gerade Nummer. Das Chassiskürzel MDTR übernahm der 500 TRC unverändert vom 500 TR; es steht weiterhin für „Mondial Testa Rossa“. Das neue „C“ der Typenbezeichnung fand hingegen keinen Eingang in die Chassisnummer.