Die Straße Alt-Friedrichsfelde ist ein Teilstück der auf gemeinsamer Trasse geführten Bundesstraßen B 1 und B 5 im Bezirk Lichtenberg. Sie verläuft in West-Ost-Richtung und liegt bis auf vier Hausnummern vollständig im Ortsteil Berlin-Friedrichsfelde. An der Straße und in ihrer Umgebung befinden sich sowohl Zeugnisse aus der Erstbebauungszeit im 18. und 19. Jahrhundert als auch ganze Quartiere aus den 1970er und 1990er Jahren wie die Wohnbauten um den Rosenfelder Ring oder das Gensinger Viertel. Die Straße Alt-Friedrichsfelde bildet mit den umgebenden Flächen den nördlichsten Bereich von Friedrichsfelde.
Lage mini|links|hochkant=2|Die Skizze zeigt die Straße Alt-Friedrichsfelde mit den anliegenden Wohngebieten.
Die Straße verläuft südlich der Ostbahn mit den S-Bahn-Linien S5, S7 und S75. Sie beginnt im Westen an der Rosenfelder Straße an der Grenze zum Ortsteil Rummelsburg als Verlängerung der Frankfurter Allee. Dort beginnt (Hausnummer 1) und endet (Hausnummer 127) auch die Nummerierung der Häuser. Im Südwesten schließt sich der Weitlingkiez und im Süden der alte Dorfkern von Friedrichsfelde an. Nördlich der Straße befinden sich die beiden Wohnquartiere Rosenfelder Ring und Gensinger Viertel, die durch die Rhinstraße getrennt sind. Alt-Friedrichsfelde wird in ihrem Verlauf vom Straßenzug Am Tierpark/Rhinstraße gekreuzt und nur fünf Straßen münden auf sie. Der östliche Endpunkt der Straße trägt die Hausnummer 62a und beherbergt eine Gewerbeeinheit. Hier, an der Einmündung der Märkischen Allee hinter den Bahnbrücken des Berliner Außenrings geht die Straße Alt-Friedrichsfelde in die Straße Alt-Biesdorf über. Der äußerste Nordosten der Straße mit den Hausnummern 63 und 64 gehört zum Bezirk Marzahn-Hellersdorf, Ortsteil Marzahn. Dieser nordwärts führende Ast bildet die Zufahrt zum Betriebshof der Dr.-Herrmann-GruppeHomepage Dr.-Herrmann-Gruppe (Touristik, Fahrschule und weiteres) und zu einer Zustellbasis von DHL.
Geschichte der Straße Die Straße Alt-Friedrichsfelde ist ein Teilstück der im Jahr 1708 durch Veranlassung des Markgrafen Albrecht Friedrich von Brandenburg-Schwedt angelegten Fernhandels- und Heerstraße zwischen dem Berliner Zentrum und den östlich gelegenen Handelsstädten. Da ihr dortiger Zielpunkt die Stadt Frankfurt an der Oder ist, erhielt sie den Namen Frankfurter Chaussee. Im Siebenjährigen Krieg rückten russische Truppen über diese Straße nach Berlin vor und bezogen für neun Tage im Ort Friedrichsfelde bei Privatleuten ihre Quartiere. Im gesamten Umkreis „nahmen die Kosaken alles fort, selbst die Leinen und Griffe der Kirchenglocken … “Kurze Geschichte von Berlin-Friedrichsfelde und Karlshorst zum Gebrauch für Schule und Haus; (S. 15), Leipzig 1917. und sicherlich noch vieles mehr. Auch Truppenteile von Napoleons Armee unter Feldmarschall Davoust schlugen östlich von Berlin ihr Lager auf. Sie besetzten unter anderem das Schloss Friedrichsfelde und richteten im Dorf großen Schaden an. Auf dem Mühlenberg, nahe am heutigen Bahnhof Friedrichsfelde Ost soll auch eine große Heerschau abgehalten worden sein. – So diente die Frankfurter Chaussee bereits mehrfach als militärisches Aufmarschgebiet. Zu Beginn des 19. Jahrhunderts bestimmte eine Kabinetts-Order die Namensänderung in Frankfurter Allee. In den letzten Jahrzehnten des 19. Jahrhunderts entwickelte sich das Dorf Friedrichsfelde beiderseits der Straße besonders stark, es entstanden lange Häuserzeilen und ausgedehnte Wohnanlagen. Die 1920 erfolgte Eingemeindung größerer Dörfer des damaligen Umlandes zu Berlin führte zu einer abschnittsweisen Aufteilung des Straßennamens. Auf einem Berlin-Plan von 1926 erscheint das beschriebene Straßenstück unter dem Namen Berliner Straße. Der seit 1992 wieder gültige Name Alt-Friedrichsfelde wurde ihr am 26. Juli 1927 erstmals verliehen.
mini|hochkant|Siegestor mit der Inschrift „Ruhm der Roten Armee“ 1945 Weil zum Ende des Zweiten Weltkriegs die Rote Armee von Osten kommend nach Berlin vordrang, errichtete sie gleich nach Kriegsende über diese Straße ein Siegestor (die genaue Lage ist aus dem im Buch 725 Jahre Lichtenberg abgedruckten Foto nicht zuordenbar). Das Tor überspannte die Fahrspuren, trug sowohl im Bogen als auch auf dem Auflieger kyrillische Inschriften und wurde von einem aus Sandstein gestalteten Siegesorden bekrönt, der auf einem rechteckigen Postament mit der Jahreszahl 1945 ruhte.Jürgen Hoffmann: Lichtenberg – Kurze Geschichte eines Berliner Bezirks. Hrsg. Bezirksamt Lichtenberg, 2013, ISBN 978-3-00-043170-8; S. 151.
Im Jahr 1975 gab die Ost-Berliner Stadtverwaltung dem hier dargestellten Straßenabschnitt den Namen Straße der Befreiung, womit am 30. Jahrestag der Befreiung, dem 8. Mai 1945, an den Einzug der Truppen der Roten Armee und damit an die Befreiung vom Nationalsozialismus erinnert wurde. Nach der Wende, im Jahr 1992 erhielt die Straße ihren historischen Namen Alt-Friedrichsfelde zurück. mini|hochkant|links|Gedenktafel für Nikolai E. Bersarin
In dem Wohnhaus Alt-Friedrichsfelde 1 befand sich von Ende April bis Anfang Mai 1945 die erste sowjetische Stadtkommandantur, in der Generaloberst Nikolai Bersarin als neu ernannter Stadtkommandant wirkte. Daran erinnert dort seit der DDR-Zeit eine Gedenktafel. Zunächst war sie an der Hauswand eingelassen, wurde jedoch im Jahr 2005 mit Gewalt herausgebrochen. So ließ das Bezirksamt die Tafel erneuern und in den Gehweg einfügen. In: www.gedenktafeln-in-berlin.de
mini|Ehemaliges Lichtenberger Wappen am Hausgiebel; wurde 2007 überputzt
Der Ost-Berliner Magistrat ließ zwischen 1979 und 1984 die noch vorhandenen Altbauten an der Straße der Befreiung rekonstruieren und modernisieren. Das erste alte Gebäude an der Ecke Rhinstraße erhielt am östlichen Giebel ein Putzrelief mit der Darstellung des damals gültigen Lichtenberger Wappens (siehe rechtes Bild – bei der Sanierung 2006/2007 wurde das Wappen überputzt.) Hinter den historischen Häusern in der zweiten Zeile und entlang der Rhinstraße entstanden neue Wohnhäuser als Plattenbauten. Die Straße wurde in der gleichen Zeit autogerecht auf sechs bis acht Fahrstreifen verbreitert. Die viel befahrene Kreuzung mit der Rhinstraße/Am Tierpark erhielt dazu 1979 einen Verkehrstunnel, der 1995–1997 saniert wurde.Info von Structurae zum Straßentunnel Alt-FriedrichsfeldeBaumaßnahme Tunnel Alt-Friedrichsfelde. Presseinfo der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung vom 24. Juli 2007 Für die Fußgänger entstand zur gefahrlosen Überquerung der Straße etwa in Höhe der Robert-Uhrig-Straße eine behindertengerechte Brücke (auf dem Plan zwischen den grauen Strichen angedeutet).
Einzelne Abschnitte von Alt-Friedrichsfelde Südliche Straßenseite mini|Bauensemble Alt-Friedrichsfelde Nummer 18–18b Hausnummernbereiche 1–40
Direkt am Straßenzug der damaligen Frankfurter Chaussee ließen sich erste Kolonisten nieder und bauten zwischen 1776 und 1783 zahlreiche Wohnhäuser. Die noch erhalten gebliebenen Kolonistenhäuser sind saniert und bilden mit weiteren Gebäuden aus dem 19. und 20. Jahrhundert eine fast geschlossene Straßenrandbebauung (Hausnummern 1–3, 9–22).
mini|links|Ehemaliges Kino Volkshaus, Alt-Friedrichsfelde 3, Hof
Für die Bewohner von Friedrichsfelde gab es ab dem Beginn des 20. Jahrhunderts zwei einfache Kinogebäude, eins waren die Schlosslichtspiele (nahe dem U-Bahnhof Friedrichsfelde) und das zweite stand auf dem Hof des Wohnhauses Alt-Friedrichsfelde 3. Es wurde 1928 eröffnet und hieß zuerst nach seinem Betreiber Kino Busch und hatte 600 Sitzplätze. Von 1943 bis 1945 waren es die Corso-Lichtspiele. Als Kino Volkshaus wurde es ab 1948 bespielt. Noch 1990 erfolgte eine Modernisierung und die Zahl der Sitzplätze wurde auf 250 reduziert, doch 1992 musste der Betrieb aufgegeben werden. In den Jahren 2008/2009 wurde das Gebäude entkernt und 2017 dann abgerissen. Heute steht ein Neubau mit Wohnungen an dieser Stelle.Datenbank über Berliner Kinos mit Text und vier Bildern vom Volkshaus
Hinter den denkmalgeschützten früheren Kolonistenhäusern und Wohnblöcken entstanden in den 1970er und 1980er Jahren modern ausgestattete Neubauten, die sich um die Paul-Gesche-Straße und die Robert-Uhrig-Straße bis zur Straße am Tierpark gruppieren. Kaufhalle, Kindergarten und einige Dienstleistungseinrichtungen vervollständigten die Angebote für die neuen Bewohner. Die Altbauten enthielten zahlreiche kleine Geschäfte oder Handwerksbetriebe, die bis auf wenige ab den 1990er Jahren wirtschaftlich aufgeben mussten.
Mit dem Gebäude Nummer 22 ist ein älteres unsaniertes Haus erhalten, das auf der Fassade im zweiten Geschoss eine verwitterte Darstellung eines Malers mit Pinsel und Palette zeigt.
mini|hochkant=1.5|Ansicht des noch unfertigen Wandbildes im Winter 2012/2013
Die bei der Wohnbebauung der Kreuzung mit der Straße Am Tierpark angelegte innere Zufahrtsstraße erhielt die Hausnummernbereiche Alt-Friedrichsfelde 23–40. Der gesamte Gebäudekomplex zieht sich auch ein Stück Am Tierpark entlang und bildet eine zusammenhängende Wohnschlange von etwa 450 Metern Länge. Besitzerin ist die Wohnungsgenossenschaft Solidarität. Diese suchte bei der Sanierung zu Beginn des 21. Jahrhunderts nach einer ansehnlichen Gestaltung und vergab deshalb an die Künstlergruppe Cité Création, Berliner Filiale DekorativeCity, den Auftrag für den Entwurf und die Ausführung eines großflächigen Wandbildes. Gemeinsam mit den rund 1500 Mietparteien in den entsprechenden Häusern entwickelte man ein naturnahes dreiteiliges Fassadenbild. Teil 1 wurde Friedrichsfelder Tor genannt und im Jahr 2011 fertiggestellt. Teil 2 war die Friedrichsfelder Bilderstadt, 2012 vollendet,Wohnungsbaugenossenschaft Solidarität: und Teil 3 bekam die Bezeichnung Baumhäuser und wurde am 22. August 2013 offiziell eingeweiht. Die drei Teile des Wandbildes umfassen eine Fläche von etwa 22.000 Quadratmetern und stellen Motive aus der Tier- und Pflanzenwelt in warmen Farbtönen dar. Zur Zeit der Fertigstellung war es das weltweit größte Fassadenbild und sollte Eingang in das Guinnessbuch der Rekorde finden., RBB, 9. August 2013-08-08; abgerufen=2013-08-09.
Zwischen der Straße Am Tierpark und der Brücke zur Auffahrt Märkische Allee mini|Nummer 60: Ehemaliger Sitz der Staatssicherheit für Ost-Berlin mini|Brückenwiderlager Hausnummernbereiche 41–61
In den 1960er Jahren reichten noch Felder und Wiesen an die Straße Alt-Friedrichsfelde heran mit Ausnahme der unmittelbaren Einmündung der Schloßstraße (heutige Straße Am Tierpark). Diese Flächen wurden für eine eventuelle Erweiterung des Tierparks nach Norden frei gehalten.