360px|mini|Chinesisch-Arabisches Wörterbuch mit Xiao’erjing (d. h. Chinesisch in zwei Schriften, Leserichtung: rechts nach links)Li Dianjun – Zhong-A shuangjie zidian, Shanghai 1955.
Xiao’erjing (, Xiao’erjing: ) oder Xiao’erjin () oder kurz Xiaojing ( bzw. ) ist die Praxis, sinitische Sprachen wie das Chinesische (insbesondere den Lanyin-Dialekt-, Zhongyuan-Dialekt- und Nordöstlichen Dialekt) oder die dunganische Sprache in arabischer Schrift zu schreiben. Sie wird von vielen ethnischen Minderheiten verwendet, die in China dem islamischen Glauben angehören (meist Hui, aber auch von den Dongxiang und Salar) und früher von ihren dunganischen Vorfahren in Zentralasien. Sowjetische Schriftreform zwang die Dunganen, das Xiao’erjing durch die lateinische Orthographie und später durch ein kyrillisches Alphabet zu ersetzen, das bis heute in Verwendung ist.
Wie auch andere Schriftsysteme, die auf dem arabischen Alphabet basieren, wird Xiao’erjing von rechts nach links geschrieben. Das Xiao’erjing-Schriftsystem ist dem für die uigurische Sprache verwendeten heutigen Schriftsystem darin ähnlich, dass alle Vokale zu jeder Zeit explizit markiert werden. Dies geschieht im Gegensatz zur Praxis, die kurzen Vokale in der Mehrzahl derjenigen Sprachen, für die die arabische Schrift adaptiert wurde, wegzulassen (wie zum Beispiel im Arabischen, Persischen und Urdu). Dies geschieht möglicherweise aufgrund der überragenden Bedeutung des Vokals in einer chinesischen Silbe.
Nomenklatur Xiao’erjing hat keine Standardbezeichnung, auf die Bezug genommen werden kann. In Shanxi, Hebei, Henan, Shandong, dem östlichen Shaanxi und auch in Peking, Tianjin und den nordöstlichen Provinzen wird die Schrift als „Xiǎo’érjīng“ bezeichnet, was dann verkürzt zu Xiǎojīng oder „Xiāojīng“ wird (das „Xiāo“ darin hat in den obengenannten Gebieten die Bedeutung von „wiederholen“). In Ningxia, Gansu, der Inneren Mongolei, Qinghai, dem westlichen Shaanxi und in den nordwestlichen Provinzen wird die Schrift als „Xiǎo’érjǐn“ bezeichnet. Die Dongxiang sprechen von ihr als der „Dongxiang-Schrift“ oder der „Huihui-Schrift“; die Salar bezeichnen sie als „Salar-Schrift“; die Dunganen in Zentralasien verwendeten eine als „Hui-Schrift“ bezeichnete Variante des Xiao’erjing, bevor sie die arabische Schrift zugunsten der lateinischen und kyrillischen Schrift aufgaben.
Ursprünge Seit der Ankunft des Islam während der Tang-Dynastie (beginnend in der Mitte des 7. Jahrhunderts) wanderten viele Sprecher des Arabischen oder Persischen nach China ab. Jahrhunderte später assimilierten sie sich mit der heimischen han-chinesischen Bevölkerung und bildeten die Ethnie der Hui. Viele chinesische muslimische Studenten besuchen Madrasas (Koranschulen), um klassisches Arabisch und den Koran zu studieren. Weil diese Studenten von der chinesischen Schriftsprache und den chinesischen Schriftzeichen nur grundlegende Kenntnisse hatten, begannen sie mit dem Chinesischen als Muttersprache und einer guten Kenntnis des arabischen Alphabets, das arabische Alphabet anstatt der chinesischen Schriftzeichen für die Notation der von ihnen gesprochenen Sprache zu verwenden. Häufig wurden Anmerkungen auf chinesisch als Gedächtnisstütze für die Suren geschrieben. Diese Methode wurde auch verwendet, um chinesische Übersetzungen von in den Madrasas gelerntem arabischen Vokabular zu schreiben. So entwickelte sich allmählich und standardisierte sich zu gewissen Graden ein System zum Schreiben der chinesischen Sprache in arabischer Schrift. Das zur Zeit älteste bekannte Artefakt mit Xiao’erjing-Schriftzeichen ist eine Steinstele im Hof der Daxue-Xixiang-Moschee in Xi’an in der Provinz Shaanxi. Die Stele ist mit arabischen Koranversen beschrieben sowie einer kurzen Notiz zu den Namen derjenigen, die sie in Xiao’erjing beschrieben haben. Die Stele stammt aus dem Jahr AH 740 im islamischen Kalender (zwischen dem 9. Juli 1339 und dem 26. Juni 1340).
Verwendung mini|Eine Rechtsabhandlung auf Arabisch mit paralleler chinesischer Übersetzung in arabisch/persischer Schrift, veröffentlicht in Taschkent (1899). Die linke Seite zeigt die Buchinformationen in arabischer Sprache. Die rechte Seite enthält gemischte Zeilen in Arabisch (gekennzeichnet durch eine durchgehende schwarze Linie oben) und ihre chinesische Übersetzung in Xiao'erjing-Schrift, die dem arabischen Original in derselben Zeile folgen.
Xiao’erjing kann in zwei Gruppen unterteilt werden: das „Moschee-System“ und das „Alltagsgebrauch-System“. Das „Moschee-System“ ist das System, das von den Schülern und Imams in Moscheen und Madrasas verwendet wird. Es enthält viel arabischen und persischen religiösen Wortschatz und verwendet keine chinesischen Schriftzeichen. Dieses System ist relativ standardisiert und kann als ein richtiges Schriftsystem betrachtet werden. Das „Alltagsgebrauch-System“ ist das von den weniger Gebildeten zu persönlichen Zwecken zum Schreiben und für die Korrespondenz verwendete System. Oft werden einfach chinesische Schriftzeichen in das arabische Alphabet hineingemischt, überwiegend in nichtreligiösen Angelegenheiten, und es enthält damit relativ wenige arabische und persische Lehnwörter. Diese Praxis kann sich von Person zu Person drastisch unterscheiden. Das System wird vom Schreiber auf seinem eigenen Verständnis des arabischen und persischen Alphabets beruhend selbst ausgedacht [?] und nach seiner eigenen Dialektaussprache entworfen. Häufig können nur der Absender und der Adressat des Briefes das Geschriebene vollständig verstehen, während es für andere sehr schwierig zu lesen ist.
Moderne Verwendung mini|Eine Xiao’erjing-Inschrift in der Niujie-Moschee
In der jüngsten Zeit ist die Verwendung des Xiao’erjing wegen des wirtschaftlichen Aufschwungs in der Volksrepublik China und der Verbesserung des Unterrichts von chinesischen Schriftzeichen in den ländlichen Gebieten Chinas beinahe verschwunden. Chinesische Schriftzeichen zusammen mit Hanyu Pinyin haben das Xiao’erjing inzwischen ersetzt. Seit Mitte der 1980er Jahre hat das Xiao’erjing sowohl in China als auch im Ausland viel Forschungsinteresse erfahren. Feldforschung wurde betrieben und die Schreiber der Xiao’erjing-Schrift wurden interviewt. Handgeschriebene und gedruckte Xiao’erjing-Materialien wurden von den Forschern ebenfalls gesammelt, die Sammlung der Nanjing-Universität ist am umfassendsten.
Alphabet Xiao’erjing hat 36 Buchstaben, von denen 4 für die Darstellung von Vokallauten verwendet werden. Die 36 Buchstaben bestehen aus 28 aus dem Arabischen übernommenen Buchstaben, 4 aus dem Persischen übernommenen Buchstaben zusammen mit 2 modifizierten Buchstaben und 4 Extrabuchstaben, die es nur im Xiao’erjing gibt.
Silbenanlaute und Konsonanten Alphabet Final-Medial-Initial StandardchinesischeAussprache Hanyu Pinyin ArabischeAussprache PersischeAussprache Beispiel Anmerkungen 1 30pxAlif 30px , a, a-, -a, -a- , , , , اَ(阿ā) Vokallaut 2 30pxBā' 100px- b- بَا(爸bà) 3 30pxPe 100px - p- keine پﹾ(婆pó) aus dem Persischen übernommen 4 30pxTā' 100px - t- تَا(塔tǎ) 5 30pxThā' 100px -, - q-, x- ثِئ(些xiē) der Laut wandelt sich wenn für die Darstellung des Chinesischen verwendet 6 30pxThe 100px - q- keine keine ﭤْﻮ(穷qióng) 7 30pxDschīm 100px - zh- ﺟﹾ(这zhè) der Laut wandelt sich wenn für die Darstellung des Chinesischen verwendet 8 30pxTsche 100px - ch- keine ﭼﹾ(车ché) aus dem Persischen übernommen 9 30pxḤā' 100px - h- ﺣﹾ(河hé) vor Silben mit den Auslauten -e, -ei, -en, -eng 10 30pxChā' 100px - h- ﺧﹸ(湖hú) vor Silben mit den Auslauten -u, -ua, -uai, -uan, -uang, -ui, -un, -uo 11 30pxDāl 30px-, - d-, j- دٍْ(钉dīng) auch verwendet für die Darstellung einiger Silben mit dem Anlaut j- 12 30pxDhal 30px - z- ذَىْ(在zài) 13 30pxRā' 30px - -r لِر(粒儿lìr) stellt den rhotischen Endlaut -r (rhotic final -r) dar 14 30pxZāy 30px keine keine زَكَاة(zakāt) nur für arabische Lehnwörter verwendet 15 30pxŽe 30px- r- keine ژﹾ(热rè) aus dem Persischen übernommen 16 30pxSīn 100px -, - s-, x- سٍ(信xìn) auch verwendet für die Darstellung einiger Silben mit Anlaut s- und sh- 17 30px 100px - s- keine keine 60px (思sī) nur für den Ru-Ton oder frühere Ru-Ton-Silben 18 30pxSchīn 100px -, - sh-, x- شِ(是shì) auch verwendet für die Darstellung einiger Silben mit Anlaut x- 19 30pxSād 100px - s- صْ(色sè) 20 30pxDād 100px keine keine الْضَّاد(die Arabische Welt) nur bei arabischen Lehnwörtern verwendet 21 30pxCi 100px - c- keine keine ڞْ(册cè) 22 30pxṬā' 100px - z- طٌ(遵zūn) der Laut wandelt sich wenn Chinesisch dargestellt wird 23 30pxZā' 100px - z- ظْ(作zuò) der Laut wandelt sich wenn Chinesisch dargestellt wird 24 30pxʿAin 100px e, e-, -e, -e- ﻋﹶ(恶è) ein Vokal wenn das Chinesische dargestellt wird; wird aber als Konsonant betrachtet wenn arabische und persische Lehnwörter dargestellt werden 25 30pxGhain 100px keine keine , , , غَبْن(Betrug) nur für arabische Lehnwörter verwendet 26 30pxFā' 100px - f- فِ(废fèi) 27 30pxQāf 100px- g- , قَ(个ge) der Laut wandelt sich wenn Chinesisch dargestellt wird 28 30pxKaf 100px keine keine keine كَلِمَة(Sprichwort) nur für arabische Lehnwörter verwendet 28 30pxKāf 100px - k- keine ﮎْ(可kě) aus dem Persischen übernommen 29 30pxGaf 100px keine keine keine گنج(Schatz) aus dem Persischen übernommen und nur für persische Lehnwörter verwendet 30 30px 100px -, - ng-, gn- keine keine ݣْا(仰ngǎng) relativ selten, wird entweder verwendet, um den -Anlaut aus Ningxia und der Inneren Mongolei darzustellen oder den -Anlaut aus Gansu und Qinghai 31 30pxLām 100px - l- لِ(里lǐ) 32 30pxMīm 100px- m-, n- مِ(秘mì) 33 30pxNūn 100px - n- نِ(你nǐ) 34 30pxHā' 100px - h- , , هَا(哈hā) meist für arabische Lehnwörter verwendet, vor Silben mit Auslaut -a, -ai, -an, -ang, -ao 35 30pxWāw 30px , wu, u-, -u, -u- , , , , , ءُ(无wú) Vokallaut 36 30pxYā' 100px keine keine , keine يَوْم(Der Tag des Gerichts) nur in arabischen Lehnwörtern und ein Vokallaut 36 30pxYā' 100px , yi, i-, -i, -i- keine , , يَا(呀ya) aus dem Persischen übernommen und ein Vokallaut
Silbenendlaute (finals) und Vokale Chinesisch