mini|Herrenhaus Melkof um 1898
Das Herrenhaus Schloss Melkof liegt an einem See im Vellahner Ortsteil Melkof, einer Gemeinde im Landkreis Ludwigslust-Parchim in Mecklenburg-Vorpommern. Es befindet sich heute in Privatbesitz. Das Gebäude ist mit seinen über 4800 m² Nutzfläche eines der größten Herrenhäuser Norddeutschlands aus der Zeit des Historismus. Gebäude und Park liegen im Zentrum des Mecklenburgischen Elbauetals.
Geschichte und Besitzerfolge mini|Wappen der Familie von Pentz
Familie von Pentz Melkhof In einer Urkunde vom 27. August 1471 wurde Knappe Ullrich Pentz zu Melkhof erstmals urkundlich erwähnt.Friedrich von Meyenn: Urkundliche Geschichte der Familie von Pentz. Band I. Bärensprungsche Hofbuchdruckerei, Schwerin 1891, Urkunde vom 27. Aug. 1471, Nr. 179. Aus dieser ist zu entnehmen, dass er Eigentümer von Hufen und Höfen in Melkhof war. Ullrich Pentz gilt als Stammvater des Hauses Melkhof.
Seine Söhne Paschen und Helmold erschienen erstmals als Herren des Gutes Melkhof, mit allen verbundenen Ansprüchen und Verpflichtungen.Friedrich von Meyenn: Urkundliche Geschichte der Familie von Pentz. Band I. Bärensprungsche Hofbuchdruckerei, Schwerin 1891, S. 244 (§ 46). Nachdem Paschen von Pentz 1533 gestorben war, übernahm sein Bruder Helmold seine Lehngüter, so auch Melkhof. Dies allerdings nur vorläufig, um diese für Paschens Tochter Ursula zu verwalten.Friedrich von Meyenn: Urkundliche Geschichte der Familie von Pentz. Band I. Bärensprungsche Hofbuchdruckerei, Schwerin 1891, S. 256 (§ 49). Aus dem Landbuch der Ritterschaft und des Adels von 1535 geht Helmold von Pentz als Herr über Melkhof und Quast hervor. Seinen Hauptwohnsitz verlegte dieser im Jahr 1537 von Quast nach Melkhof.
1553 übertrug Helmold seiner Tochter Anna und ihrem Mann Wolf von Ahlefeld auf Lebenszeit die Lehnsgüter. Der Vertrag wurde am 30. Dezember 1553 durch den Herzog Johann Albrecht bestätigt. In der zweiten Jahreshälfte des Jahres 1572 starb der bereits erblindete Helmold von Pentz. Er und sein älterer Bruder Paschen waren die ersten Herren des Gutes Melkhof.
Familie von Pentz Raguth Bereits 1571 gelangte Christoph von Pentz aus dem Raguther Hause teilweise in Besitz des Gutes Melkhof.
Am 29. November 1629 kam es dann zur Erbteilung in der Raguther Linie. Kuno Ulrich von Pentz erhielt daraufhin das Gut Melkhof. Erst 1648, nach dem Tode Levins von Pentz, gelangten die Güter in Besitz der Söhne Kuno Ullrich und Markwart Ernst; aber nicht per Erbschaft, sondern als Lehnsfolger.Friedrich von Meyenn: Urkundliche Geschichte der Familie von Pentz. Band II. Bärensprungsche Hofbuchdruckerei, Schwerin 1891, S. 138 (§ 112).
Mit dem Tod von Markwart Ernst von Pentz im Jahr 1733 endete die Raguther Linie ohne einen männlichen Erben. Das Gut fiel daher an die Besendorfer Linie derer von Pentz, nachdem man sich mit der Witwe geeinigt hatte.
Familie von Pentz Besendorf und Brahlstorf Mit dem Erlöschen der Besendorfer Linie der Familie von Pentz gingen die Güter Melkhof, Jesow und Langenheide an die Lehnsvettern des Brahlstorfer Hauses über. Im Jahre 1771 übernahmen David und Wilken von Pentz diese Güter. Gutsherr David von Pentz starb am 28. Juni 1799 im Herrenhaus Melkhof. Im September 1800 wurde der Sohn und Erbe Carl Friedrich Wilhelm von Pentz nach Schwerin geladen, um den Lehnseid bezüglich der auf ihn vererbten Güter Melkhof, Jesow und Langenheide abzuleisten.
Am 12. März 1811 verstarb auch die Mutter von Carl von Pentz. Daraufhin beauftragte der Erbe den Kammerherrn und Gutsverwalter Hans von Graevenitz mit dem Verkauf des Gutes Melkhof, mit der Auflage, dass das Gut Melkhof nicht unter 200 000 Taler verkauft werden sollte. Erst 1819 fand sich ein Käufer, der hannoverische Staats- und Kabinettsminister Claus von der Decken. Carl von Pentz verstarb am 18. Mai 1827 in Frankfurt am Main.
Familie von der Decken Im Auftrag des neuen Gutsherrn wurde im Zeitraum von 1819 bis 1820 ein klassizistisches Herrenhaus errichtet.Felix Lüdemann: Schlösser, Gutshäuser und Domänenpächterhäuser in der Region Ludwigslust und dem Amt Neuhaus: Beiträge zur Denkmaltopographie Mecklenburgs und Pommerns. Teil 1. Hamburg 2013, ISBN 978-3-00-044538-5, S. 90.
Klaus von der Decken verstarb nur wenige Jahre später am 10. Juli 1826 in Hannover. Die Güter erbte sein Sohn Ernst Carl von der Decken, der ebenfalls seinen Hauptwohnsitz auf Melkhof hatte. Als dieser 1846 starb, trat sein ältester aber noch minderjähriger Sohn Julius von der Decken die Erbfolge an. Nach Vereinbarung mit der Curatel der minderjährigen Kinder des Verstorbenen, wurden die beiden Brüder des Verstorbenen als gegenwärtige Eigentümer der Güter Melkhof, Jesow und Langenheide anerkannt.Regierungsblatt für Schwerin, S. 21, Nr. 5, dritte Abteilung, Justiz-Ministerium Schwerin den 12. Januar 1851 Mit Erlangung der Volljährigkeit trat Julius von der Decken das Erbe seines Vaters an und übernahm fortan die Verantwortung für den Gutsbetrieb. Des Erben jüngerer Bruder Carl Claus von der Decken, bekannter Ost-Afrika Reisender, hatte ebenfalls seinen Wohnsitz auf Gut Melkhof.
Gutsherr Julius von der Decken starb am 16. Juni 1867 während einer Auslandsreise in Vichy.
Nach dem Tod von Julius von der Decken, ließ seine Witwe Anna Hedwig von der Decken auf dem Schlossgelände die heute als evangelische Dorfkirche genutzte Gutskirche Melkof mit Gruftanbau errichten.
Vier Generationen von der Decken auf Melkof, vom Minister Claus von der Decken bis zu den Urenkelinnen
Familie von Kanitz Die Tochter von Julius von der Decken und Hedwig von Kleist, Adelheid von der Decken, heiratete am 15. September 1875 in der Gutskirche Melkhof den preußischen Grafen Konrad Erich Rudolf von Kanitz (1844–1901) und erbte das Familienfideikommiss nach dem mecklenburgischen Erbjungfernrecht.Thassilo von der Decken und Claudia Bei der Wieden: Güter und Höfe der Familie von der Decken, Stade 1998, S. 260. Aus der Ehe gingen vier Kinder hervor.Hedwig Charlotte Emilia Julie, geboren am 1. August 1876; Marie Hedwig Charlotte Adelheid, geboren am 24. Juli 1877; Elisabeth Charlotte Luise Hedwig Asta, geboren am 28. März 1881; Bolko Georg Oskar Friedrich Julius Emil Konrad, geboren am 7. November 1883.
Als Großherzoglich Mecklenburg-Schwerinscher Kammerherr pflegte Graf von Kanitz enge Kontakte zum Großherzoglichen Haus Mecklenburg-Schwerin. So konnte er im Oktober 1893 Großherzog Friedrich Franz III. und Großherzogin Anastasia sowie Prinz und Prinzessin Reuß als seine Gäste auf Schloss Melkof begrüßen.Carl Schröder: Friedrich Franz III., Großherzog von Mecklenburg-Schwerin: Aus seinem Leben und seinen Briefen. Verlag Friedrich Bahn, Schwerin 1898, S. 344. Auch die Herzöge Adolf Friedrich und Heinrich zu Mecklenburg folgten gerne den Einladungen des Grafen zur Jagd, wie in den Jahren 1898/1899. Auch Herzog-Regent Johann Albrecht zu Mecklenburg und seine Frau Elisabeth besuchten die Familie von Kanitz im Jahr 1899 auf ihrem Anwesen. 1901 verstarb Ehrenritter des Johanniterordens und preußischer Rittmeister a. D. Konrad Erich Rudolf Graf von Kanitz auf seinem Anwesen in Melkof.Gothaisches Genealogisches Taschenbuch der Gräflichen Häuser. Justus Perthes, Gotha 1911, S. 439.
Auf Antrag von Adelheid von Kanitz wurde per landesherrlicher Anordnung im Jahresübergang 1887/88 die Umbenennung des Gutes Melkhof vollzogen, welches seither den Namen Melkof trägt.Friedrich von Meyenn: Urkundliche Geschichte der Familie von Pentz. Band I. Bärensprungsche Hofbuchdruckerei, Schwerin 1891, S. 145 f (§ 16).Abgleich Ortsbezeichnung: Regierungsblatt für Mecklenburg-Schwerin 1887, S. 237, Nr. 36 vom 24. Oct. 1887 „Regelung Landpostträger-Verbindung (u. a. Melkhof)“; Regierungsblatt für Mecklenburg-Schwerin 1888, S. 127, Nr. 24 vom 13. Juni 1888 „Einrichtung einer Telegrafenanstalt in Melkof mit Fernsprechbetrieb, welche ab 12. Juni in Betrieb“.
Der 1883 geborene Sohn Bolko Konrad Graf von Kanitz, zuvor im Internat auf der Ritterakademie Brandenburg und dann Leutnant im Eliteregiment der Gardes du Corps, übernahm ab 1908/1909 das Gut Melkof von seiner Mutter. Aufgrund seines Kriegseinsatzes übertrug er im Sommer 1914 die Leitung des Gutsbetriebes an seinen Schwiegervater, Franz Hubert Graf von Tiele-Winckler.Antje Strahl: Das Großherzogtum Mecklenburg-Schwerin im Ersten Weltkrieg: Von der Friedens- zur Kriegswirtschaft. Böhlau Verlag, Köln u. Weimar 2015, ISBN 978-3-412-22496-7, S. 31 ff. Rittmeister Bolko Konrad Graf von Kanitz starb am 25. November 1916 an einer TropenkrankheitBeigesetzt auf dem deutschen Soldatenfriedhof von Tarabya (Istanbul); Grab Nr. 137. vgl. Norbert Schawke: Deutsche Soldatengräber in Israel: der Einsatz deutscher Soldaten an der Palästinafront im Ersten Weltkrieg und das Schicksal ihrer Grabstätten. Aschendorff Verlag, Münster 2008, ISBN 978-3-402-00231-5, S. 131. in Sulaimaniyya während seines Einsatzes in MesopotamienGothaisches Genealogisches Taschenbuch der Gräflichen Häuser. Justus Perthes, Gotha 1921, S. 463. dem heutigen Irak. Aus der Ehe mit Jelka Freiin von Tiele-Winckler gingen drei Kinder hervor, zwei Söhne und eine Tochter. Tragisch war, dass die 1908, 1912 und 1916 geborenen Kinder auch ihre Mutter verloren, die am 8. Januar 1922 auf dem alten Kleistgut Zützen in der Niederlausitz starb. Die Familie konnte trotz des schweren Schicksals den Gutsbetrieb aufrechterhalten. 1922 wies das Mecklenburgische Güter-Adressbuch für die Begüterung 992 ha Land aus, davon 156 ha Wald. Melkof selbst galt als Allodgut, mit dem 364 ha-Gut Langenheide in einem Verbund als Familienfideikommiss. Dazu gehörten noch 468 ha in Jesow. Eigentümer war zeitgleich Friedrich Franz Graf Kanitz (1908–1972). Das Herrenhaus und das Gut blieben bis zur Enteignung im Jahr 1945 in Familienbesitz.
1945–1990 Nachdem Familie von Kanitz 1945 enteignet worden war, ließ die sowjetische Besatzungsmacht im Herrenhaus ein Altersheim einrichten.
1948 erließ die sowjetische Kreiskommandantur in Hagenow den Befehl zum Gebäudeabbruch, der jedoch nicht ausgeführt wurde.Katja Schlenker: Das unbequeme Erbe: Mecklenburgische Gutsanlagen und Herrenhäuser seit 1945. Ingo Koch Verlag, Rostock 2006, ISBN 978-3-935319-15-7, S. 97.
Mit der Gründung der DDR wurde das Anwesen in das Volkseigentum überführt. Schloss Melkof beherbergte in den folgenden Jahren ein Kreisfeierabendheim, für das der VEB Fliesenwerke „Kurt Bürger“ Boizenburg in den 1970er Jahren eine Patenschaft übernahm.LHAS Bestand: (07.13.01/02) BGL 122, VEB Fliesenwerke/Betriebsgewerkschaftsleitung, Patenschaftsvertrag zwischen dem VEB Fliesenwerke „Kurt Bürger“ Boizenburg und dem Kreisfeierabendheim in Melkof, Kreis Hagenow vom 20.09.1974, Laufzeit: 1974.
1990–heute Nach dem Ende der DDR wurde das Herrenhaus weiterhin als Wohnsitz für Senioren genutzt. Später diente das Gebäude der Unterbringung von suchtkranken Frauen.
2003 erwarb ein Privatinvestor das Anwesen vom Landkreis Ludwigslust.
Besitzerfolge Eigentümer ZeitraumFamilie von Pentz1400 bis 1819Familie von der Decken1819 bis 1875Familie von Kanitz1875 bis 1946Volkseigentum 1946 bis 1990Landkreis Ludwigslust 1990 bis 1996Familie Schönfelderab 2003
Klassizistisches Herrenhaus mini|Klassizistischer Vorgängerbau
Geschichte Der Vorgängerbau des heutigen Herrenhauses wurde vermutlich im Zeitraum von 1819 bis 1820 errichtet. Der Entwurf wird dem regional tätigen Architekten Carl Heinrich Wünsch zugeschrieben.Felix Lüdemann: Schlösser, Gutshäuser und Domänenpächterhäuser in der Region Ludwigslust und dem Amt Neuhaus. Beiträge zur Denkmaltopographie Mecklenburgs und Pommerns. Teil 1. Hamburg 2013, S. 121 f.
Außengestaltung mini|Blick auf den Wintergarten
Herrenhaus Melkof war ein im klassizistischen Stil errichteter Putzbau, mit rechteckiger Grundfläche und kurzen Seitenrisaliten.