Adelsheim (lokal auch Alleze []siehe Bezeichnung des örtlichen Fastnachtvereins Gäässwärmerzunft Alleze 1927) ist eine Kleinstadt im Neckar-Odenwald-Kreis im nördlichen Baden-Württemberg. Sie liegt an der Mündung der Kirnau in die Seckach und im Einzugsbereich der Metropolregion Rhein-Neckar. Der Ort wurde erstmals im Jahr 779 urkundlich erwähnt und ist staatlich anerkannter Erholungsort.
Geographie Lage Adelsheim liegt an der Mündung der von Osten kommenden Kirnau in die von Norden fließende Seckach. Der Zusammenfluss wurde beim Bau einer Stadtbefestigung genutzt. Die Seckach fließt flussabwärts bei Möckmühl in die Jagst.
Großräumig gehört das Gebiet um Adelsheim zum Bauland, einem Höhenzug, der vom Odenwald im Nordwesten zum Jagsttal im Süden und zum Taubertal im Osten überleitet. Das Gemeindegebiet liegt im Naturpark Neckartal-Odenwald und im Geo-Naturpark Bergstraße-Odenwald.
Umgeben wird Adelsheim von den Nachbargemeinden Osterburken im Norden, Ravenstein im Nordosten, Schöntal und Widdern im Südosten, Möckmühl im Süden, Roigheim im Südwesten, Schefflenz im Westen sowie Seckach im Nordwesten.
Stadtgliederung Die Stadt Adelsheim besteht aus den drei Stadtteilen Adelsheim, Leibenstadt und Sennfeld.
Zum Stadtteil Adelsheim gehören neben der Kernstadt die Weiler Hergenstadt und Wemmershof sowie die Höfe Dambergerhof und Seehof. Leibenstadt umfasst ausschließlich das gleichnamige Dorf. Der Stadtteil Sennfeld umfasst das Dorf Sennfeld, den Ort Roßbrunnerhof und den Wohnplatz Talmühle.
Die Kernstadt liegt in einem Talkessel, der durch die Seckach und die von Osten einmündende Kirnau geformt wird. Sie entwickelte sich aus mehreren historischen Vierteln: dem Bereich um die evangelische Stadtkirche mit den beiden Schlossgebäuden, der Seestadt unterhalb des Rathauses sowie aus der Vorstadt bei der gotischen Jakobskirche. Hauptachse im innerstädtischen Straßennetz ist die Marktstraße. Der Siedlungsaufbau folgt zunächst dem Verlauf der Täler. In der Nachkriegszeit kam es zur Ansiedlung von Heimatvertriebenen, wodurch sich die Bebauung verdichtete. Eine gezielte Erweiterung auf die dazwischenliegenden Hochflächen erfolgte vor allem in den 1970er bis 1990er Jahren. In der Stadtmitte fließt die Kirnau über einen kleinen Wasserfall.
Geschichte mini|Blick durch die Marktstraße in Adelsheim Der Ort, der bereits 779 unter dem Namen Adaloltesheim erstmals in einer Schenkung an das Kloster Fulda urkundlich erwähnt worden war, gelangte nach mehrfachem Besitzwechsel Mitte des 13. Jahrhunderts in den Herrschaftsbereich der Herren von Dürn. Um diese Zeit trat auch ein Ortsadel auf, die Herren von Adelsheim, deren Veste 1338 erwähnt wurde. Sie umgaben den Ort mit einer Wehrmauer, die eine Voraussetzung für das Stadtrecht war. 1374 verlieh Kaiser Karl IV. den Herren von Adelsheim „durch treuer Dienste willen um das Reich“ die Stadtrechte für ihre Residenz und damit das Recht zur Befestigung des Ortes mit Stadtmauer und Türmen. Etwa von 1400 an war Adelsheim Vorort des fränkischen Ritterkantons Odenwald. Die Herren von Adelsheim ließen ihre Burg in ein Wasserschloss zwischen Kirnau und Seckach umbauen.
In den Hexenverfolgungen von 1593 bis 1595 sind acht Verfahren wegen Hexerei und Zauberei belegt. Sechs Menschen aus Adelsheim wurden in den Hexenprozessen hingerichtet.
Im Dreißigjährigen Krieg hatte Adelsheim vielfach unter Belagerungen, Durchzügen und Einquartierungen zu leiden. 1634 waren die Bewohner drei Wochen lang aus der Stadt in die umliegenden Wälder geflüchtet. Im Zuge des Krieges forderten Seuchen und Hungersnöte zahlreiche weitere Opfer. Auch von späteren Kriegen wurde Adelsheim nicht verschont: 1683 kämpfte ein Adelsheimer Fähnlein beim Entsatz von Wien in der Schlacht am Kahlenberg gegen die Türken, 1814/15 war Adelsheim während der Napoleonischen Kriege aufgrund seiner Lage an der alten Sachsenstraße (Leipzig–Speyer) Etappenplatz der russischen Armee.
Am 3. Dezember 1858 zählte die Badische Volkszählung 1341 Einwohner, davon 1228 Evangelische, 64 Katholiken und 49 „Israeliten“. Das Plus seit 1855 betrug damit 11 Einwohner.
Adelsheim gehörte nie zu den großen Kirchen- oder weltlichen Fürstentümern der Umgebung, sondern war bis zum Reichsdeputationshauptschluss 1803 im Besitz der Reichsritter. Anschließend kam es zum Großherzogtum Baden, wo es 1828 Sitz eines Bezirksamtes für das Gebiet des südlichen Baulandes wurde. Der Oberamtmann und das Amt waren für 34 Gemeinden, Höfe und Weiler mit rund 14.000 Einwohnern zuständig. 1936 wurde der Bezirk aufgehoben und dem Bezirksamt Buchen zugeschlagen, aus dem 1938 der Landkreis Buchen wurde. Während der Verfolgung in der Zeit des Nationalsozialismus wurde beim Novemberpogrom am 10. November 1938 die Inneneinrichtung der Synagoge zerstört, die Torarollen wurden öffentlich verbrannt. Am 22. Oktober 1940 wurden im Rahmen der sogenannten Wagner-Bürckel-Aktion die letzten acht in Adelsheim lebenden jüdischen Bürger nach Gurs deportiert: Max und Berta Alexander, Heinrich und Ernestine Goldschmidt, Adolf und Katharina Rosenfeld, Adolf und Bona Schorsch. Von ihnen überlebte nur Adolf Schorsch, der 1941 in die USA emigrieren konnte.
Vorläufer des Volksfestes waren die Heimattage 1948. Anlass zum zweiten Adelsheimer Volksfest im Jahr 1949 war die Brückeneinweihungsfeier der 1945 zerstörten Kirnaubrücke. Am 11. November 1948 eröffnete die Kreislandwirtschaftschule Adelsheim unter der Leitung von Leopold Wiswesser ihre Pforten. Auch in den Folgejahren definierte sich Adelsheimer Geschichte weitgehend über ihre Schulen: Die Volksschule zog 1958 auf den Eckenberg. Dort entstand einige Jahre später auch das Gymnasium mit Internat. Nach der Auflösung des Landkreises Buchen kam Adelsheim 1973 zum neugebildeten Neckar-Odenwald-Kreis.
Im Rahmen der Gebietsreform in Baden-Württemberg wurde am 1. November 1971 Leibenstadt nach Adelsheim eingemeindet. Die heutige Stadt wurde am 1. Januar 1975 durch die Vereinigung von Adelsheim mit der Gemeinde Sennfeld gebildet.
Religionen mini|Ehemalige Synagoge. Während des Novemberpogroms 1938 wurde die Inneneinrichtung zerstört und die Torarollen öffentlich verbrannt, die Synagoge wurde im Sommer 1977 abgerissen. Die Jüdische Gemeinde Adelsheim geht auf das 14. Jahrhundert zurück. Die Entstehung einer eigentlichen Gemeinde wird für das 17. Jahrhundert angenommen. Die höchste Zahl jüdischer Einwohner wurde um 1885 mit 70 Personen erreicht.
Nach einer Bestimmung von 1690 hatte die damalige jüdische Gemeinde an die Freiherren jährlich vier Gulden für die Erlaubnis zu bezahlen, am Schabbes „Schule“, das heißt Gottesdienste, halten zu dürfen. Der damalige Betsaal soll im zweiten Stock des von Melchior Keller 1418 in der Torgasse erbauten Hauses eingerichtet gewesen sein. Dieses wurde 1952 abgebrochen. Später gab es einen Betsaal in einem gleichfalls nicht mehr bestehenden Gebäude im Hof des Oberschlosses. Von der Mitte des 19. Jahrhunderts bis 1889 bestand eine Synagoge. Eine Mikwe (rituelles Tauchbad) und ein Cheder (jüdische Schule) waren im 19. Jahrhundert im Gebäude der alten Synagoge untergebracht, ab 1889 in der neuen Synagoge. Beim Abbruch dieser neuen Synagoge 1977 wurde die Mikwe wiederentdeckt. Bestattungen wurden auf dem jüdischen Friedhof Bödigheim und nach 1884 auf dem jüdischen Friedhof Sennfeld durchgeführt. Nach der Wagner-Bürckel-Aktion in der Zeit des Nationalsozialismus kamen von den 35 Juden, die 1933 hier wohnhaft gewesen waren, mindestens zehn ums Leben.
Infolge der Reformation wurde die überwiegend katholische Bevölkerung evangelisch. Bis 2000 war Adelsheim Sitz eines Dekanats (Kirchenbezirk) der Badischen Landeskirche mit einer lokalen Patronatsverfassung. Im Zuge der Dekanatsreform zog das Dekanat nach Hirschlanden (Ortsteil von Rosenberg) um.
Katholiken bildeten bis 1930 eine weitere Minderheit. Nach 1945 kam es durch die Flüchtlingsaufnahme zu einem ungefähren Gleichgewicht der beiden christlichen Konfessionen. 1960 entstand neben der historischen St. Jakobs-Kirche ein modernes katholisches Kirchengebäude, die St.-Marien-Kirche. Beide Konfessionen unterhalten Kindergärten.
Politik Gemeinderat Der Gemeinderat hat normalerweise 15 ehrenamtliche Mitglieder, die für fünf Jahre gewählt werden. Die Gemeinderäte führen die Bezeichnung Stadtrat.Stadt Adelsheim: Hauptsatzung, §3 (PDF; 0,1 MB); abgerufen am 2. Juli 2019. Häufig erhöht sich die Zahl der Mitglieder durch Ausgleichssitze (gesamt 2019: 16 Sitze; 2014: 19).Die Zahl der Sitze hat sich 2019 von 18 auf 15 verringert, Rhein-Neckar-Zeitung. 15. März 2019: Schwierige Kandidatensuche in Adelsheim; abgerufen am 2. Juli 2019. Hinzu kommt der Bürgermeister als stimmberechtigter Gemeinderatsvorsitzender.
Dabei garantiert die Unechte Teilortswahl den Ortsteilen eine festgelegte Anzahl von Sitzen: Aus Adelsheim kommen mindestens neun, aus Sennfeld mindestens vier, aus Leibenstadt mindestens zwei Gemeinderäte.Stadt Adelsheim: Hauptsatzung, §14 (PDF; 0,1 MB); abgerufen am 2. Juli 2019.
Die Kommunalwahl 2019, bei der die SPD die größten Verluste erlitt, führte zu folgendem Ergebnis (in Klammern: Unterschied zu 2014):Statistisches Landesamt Baden-Württemberg: Gemeinderatswahlen 2019, Stadt Adelsheim; Stadt Adelsheim: Gemeinderatswahl 2019; RNZ, 27. Mai 2019: Das ist der neue Gemeinderat in Adelsheim; abgerufen am 2. Juli 2019. mini|Adelsheimer Rathaus
Gemeinderat 2019 Partei / Liste Stimmenanteil Sitze CDU 36,7 % (−0,2) 6 (−1) SPD 25,3 % (−3,6) 4 (−1) FW 22,8 % (+1,7) 4 (±0) Bürgerliste 15,3 % (+2,2) 2 (−1) Wahlbeteiligung: 58,5 % (+7,9)
Bei der Wahl zum Gemeinderat am 9. Juni 2024 traten nur zwei Listen an, die völlig neutral als „Adelsheim 1“ und „Adelsheim 2“ bezeichnet werden. Beide Listen konnten je neun Gemeinderatssitze gewinnen bei nur leicht unterschiedlichem Stimmenanteil: Adelsheim 1 – 51,3 %, Adelsheim 2 – 48,7 %. Jede der beiden Listen erhielt 9 Sitze. Die Wahlbeteiligung lag bei 54,17 Prozent.
Bürgermeister (Nachkriegszeit) 1945–1948: Karl Huß 1948–1973: Friedrich Gerner 1973–1983: Günter Bauer 1983–1999: Peter Hütt 1999–2003: Walter Muth 2003–2019: Klaus Gramlich Seit 2019: Wolfram Bernhardt (ab 2024 Grüne)
Wappen und Flagge
Städtepartnerschaft Mit Berchères-sur-Vesgre in Frankreich besteht seit 2011 eine Partnerschaft.
Kultur und Sehenswürdigkeiten Bauwerke und Kulturdenkmale mini|Jakobskirche mini|Oberschloss mini|Unterschloss Die gotische Jakobskirche wurde als Stiftung des Kurmainzer Amtmanns Martin von Adelsheim († 1497) im Jahre 1489 anstelle eines romanischen Vorgängerbauwerks erbaut. Die Kirche war von 1556 bis 1776 evangelische Stadtpfarrkirche, außerdem Teil der Jakobspilgerfahrt und Grablege der Herren von Adelsheim. Heute wird das Bauwerk als Friedhofskapelle genutzt. An Innen- und Außenwänden sind über 60 historische Epitaphe erhalten, der Hügel an der Nordseite der Kirche ist ein Pestgrab des Jahres 1635, in dem rund 300 Tote bestattet sein sollen. Das Oberschloss wurde 1504 neben einer seit dem 14. Jahrhundert bestehenden Wasserburg als zweites Schloss der Herren von Adelsheim errichtet. Das Unterschloss wurde anstelle der 1733 durch Brand zerstörten Wasserburg als barockes Landschloss unter Friedrich Leopold von Adelsheim (1691 bis 1763) durch den Baumeister Johann Jakob Rischer von 1734 bis 1738 errichtet. Im Schlosspark befindet sich außerdem das historische Rentamt der Herren von Adelsheim. Die ehemalige herrschaftliche Zehntscheuer wird heute als Bauländer Heimatmuseum genutzt. Das Rathaus wurde 1619 ursprünglich als Gasthaus im fränkischen Fachwerkstil mit vorspringenden Stockwerken erbaut. Das Gebäude ist seit 1839 Rathaus und war bis 1871 auch Schulhaus, bevor ein angrenzendes eigenes Schulgebäude errichtet wurde. Das Rathaus wurde von 1999 bis 2001 umfassend saniert und um einen Anbau anstelle des vormaligen Schulgebäudes ergänzt.