thumb|Der Eingangsbereich der Landwirtschaftskammer Rheinland in Bonn thumb|Gesamtfront zur Endenicher Allee thumb|Das Portal mit den Skulpturen von Karl Menser Das Gebäude der Landwirtschaftskammer Rheinland in Bonn ist ein neobarockes Bauwerk, das von 1915 bis 2004 von der namensgebenden Landwirtschaftskammer genutzt wurde. Es befindet sich auf der Endenicher Allee 60 in der Weststadt direkt neben dem Poppelsdorfer Teilcampus der Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität, von deren mathematischen Instituten es seit 2009 genutzt wird. Seit 1984 steht das Gebäude als Baudenkmal unter Denkmalschutz..
Geschichte Das Gebäude entstand von 1914 bis 1915 nach einem Entwurf des damals in Bonn arbeitenden preußischen Regierungsbaumeisters Heinrich Roettgen (1863–1932). Der prachtvolle Figurenschmuck der Fassade ist ein Werk des Bildhauers Karl Menser (1872–1929). 1935/36 wurde der nordöstliche Seitenflügel an der Kaufmannstraße verlängert.
Nach Ende des Zweiten Weltkriegs war das Gebäude der Landwirtschaftskammer ab dem 4. Juni 1945 für kurze Zeit Sitz des Oberpräsidiums für die Rheinlande, Hessen und die Saar, das noch im selben Monat aufgrund der Einrichtung der französischen Besatzungszone auf den Nordteil der vormaligen Rheinprovinz beschränkt und anschließend nach Düsseldorf verlegt wurde.Helmut Vogt: Stadt, Land, Fluss, Besatzungsmacht. Der Neubau der Bonner Rheinbrücke (1946–1949) als Gemeinschaftsaufgabe. In: Bonner Geschichtsblätter. Jahrbuch des Bonner Heimat- und Geschichtsvereins, Band 57/58, 2008, , S. 405–439 (hier: S. 407). Nach der Arbeitsaufnahme des Parlamentarischen Rates in Bonn im September 1948 mietete der Freistaat Bayern einige Räume des Gebäudes zur Unterbringung der Dienststelle Bonn der Bayerischen Staatskanzlei an. Sie wurde von Regierungsdirektor Hans Wutzlhofer geleitet und hatte die offizielle Aufgabe der Betreuung der bayerischen Abgeordneten im Parlamentarischen Rat. Die Dienststelle der Staatskanzlei wurde am 4. Juni 1949 aufgehoben, die Räume im Gebäude der Landwirtschaftskammer waren jedoch schon wenige Monate zuvor aufgegeben worden.Helmut Vogt: „Benötige Quartier für mich, Fahrer und Wagen“. Das Arbeitsumfeld des Parlamentarischen Rates in Bonn 1948/49. In: Bonner Geschichtsblätter. Jahrbuch des Bonner Heimat- und Geschichtsvereins, Band 57/58, 2008, , S. 441–470 (hier: S. 466–467); Helmut Vogt: Der Parlamentarische Rat in Bonn. In: Bundeszentrale für politische Bildung: Aus Politik und Zeitgeschichte, Beilage zur Wochenzeitung Das Parlament, 18–19/2009, 27. April 2009, S. 41–46 (hier: S. 45/46). Nach der Bestimmung Bonns zum vorläufigen Regierungssitz der Bundesrepublik Deutschland beheimatete das Gebäude von 1949 bis 1960 einen Teil des Bundesministeriums für Verkehr.
Nach der Fusion der Landwirtschaftskammern Rheinland und Westfalen-Lippe zur Landwirtschaftskammer Nordrhein-Westfalen im Jahre 2004 und dem anschließenden Umzug nach Münster Zentrum Nord erwarb der Bau- und Liegenschaftsbetrieb NRW das Gebäude. Er unterzog es bis 2009 einer umfangreichen Sanierung bei Kosten (einschließlich des Kaufs) von rund 24 Millionen Euro. Der Schriftzug Landwirtschaftskammer über dem Haupteingang blieb zwar erhalten, das Gebäude wird nun aber als Mathematikzentrum bezeichnet und beherbergt das Mathematische Institut sowie das Institut für Angewandte Mathematik der Universität Bonn.Uni Bonn hat neues Mathematik-Zentrum, General-Anzeiger, 7. Juli 2009.
Architektur Das Gebäude ist ein symmetrisch proportionierter Bau im Stil des wilhelminischen Barocks mit Jugendstilelementen. Die Gliederung der auffälligen Fassade erfolgt durch fünf unterschiedlich gestaltete Fensterreihen und sechs breite Pilaster im Bereich einer doppelt ausgeführten Freitreppe. Zu beiden Seiten des Portals befinden sich von Karl Menser geschaffene, überlebensgroße Skulpturen, die einen Balkon tragen.
Im Innenbereich des Gebäudes befindet sich ein sehenswertes, vollständig erhaltenes Jugendstil-Treppenhaus, mehrere Wandreliefs mit landwirtschaftlichen Motiven sowie farbige Glasfenster der Jugendstilepoche.
Fotogalerie
Literatur
Andreas Denk, Ingeborg Flagge: Architekturführer Bonn. Dietrich Reimer Verlag, Berlin 1997, ISBN 3-496-01150-5, S. 33. Gisbert Knopp: Ein Residenzschloss für die Landwirtschaft – Das Gebäude der Landwirtschaftskammer Rheinland in Bonn. In: INSITU. Zeitschrift für Architekturgeschichte 2 (2/2009), S. 205–222.
Weblinks
Eintrag beim Weg der Demokratie
Einzelnachweise Andreas Denk, Ingeborg Flagge: Architekturführer Bonn
Kategorie:Baudenkmal in Bonn Kategorie:Bürogebäude in Bonn Kategorie:Standort der Exekutive in Bonn Kategorie:Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn Kategorie:Bauwerk des Historismus in Bonn Kategorie:Erbaut in den 1910er Jahren Kategorie:Weststadt (Bonn) Bonn